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Dramatische Preisexplosion am Bau

Bis zu 60 Prozent höhere Preise bereiten der Branche Kopfzerbrechen. Die Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Steiermark appelliert an öffentliche Auftraggeber, Ausschreibungen zu veränderlichen Preisen zuzulassen, und rät privaten Häuslbauern, jetzt nichts zu überstürzen und abzuwarten, bis sich die Situation beruhigt hat.

Die Situation ist paradox: Auf der einen Seite sind die Auftragsbücher der steirischen Betriebe im Bau- und Bauhilfsgewerbe gut gefüllt, auf der anderen Seite wird das Bauen immer schwieriger – und teurer. Seit einigen Wochen legen die Baupreise zum Teil dramatisch zu, im Holzbau werden Preissteigerungen bis zu 60 Prozent gemeldet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Sie reichen von geringerer Produktion in den Pandemie-Monaten über den Wirtschaftsaufschwung in China bis hin zu Produktions- und Lieferausfällen in den USA und Kanada. Das betrifft Hersteller und Verarbeiter gleichermaßen. Die Folge: Viele Rohstoffe und Produkte sind nur extrem teuer zu bekommen – wenn überhaupt. „Bis jetzt sind nur die Preise gestiegen, jetzt sagt man uns gleich dazu, dass wir eigentlich nichts mehr zu bestellen brauchen“, so Johann Reisenhofer, Innungsmeister des steirischen Bauhilfsgewerbes. Besonders dramatisch sei die Lage etwa bei den Dämmstoffen, aber das Problem bestehe überall, „vom Keller bis zum Dach“.  

Verzögerungen einplanen

Die Konsequenzen aus dieser Misere werden für die Bauherren auf jeden Fall zu spüren sein, und zwar für private genauso wie für öffentliche. „Es wird zu Verzögerungen kommen“, so Reisenhofer, die Unternehmen würden aber nichts dafür können, weil sie selbst betroffen sind. „Wir können das nicht beeinflussen, weil das ein weltweites Phänomen ist. Erste Betriebe geben uns bereits die Rückmeldung, dass sie in wenigen Tagen die Arbeit mangels Materials einstellen müssen. Und das bei vollen Auftragsbüchern.“ Niemand könne seriös sagen, wann sich die Lage wieder beruhige.  

AWS-Förderungen strecken

Auch im öffentlichen Bereich sei mit Folgen zu rechnen. Die Sparte Gewerbe und Handwerk fordert daher eine weitere Verlängerung der Fertigstellungsfristen bei der Errichtung von Betriebsgebäuden, die mit den AWS-Investitionsprämien unterstützt werden. Das würde den Druck aus der gegenwärtigen Lage etwas herausnehmen. Zusätzlich appelliert Spartenobmann Hermann Talowski an die öffentlichen Auftraggeber, veränderliche Preise bei den Ausschreibungen zuzulassen, bis sich die Situation wieder entspannt. Ein weiteres Problem, das sich anbahnt: Bei der aktuellen Entwicklung könnte der geförderte, soziale Wohnbau zum Erliegen kommen. Man müsse deswegen auch die Förderrichtlinien anpassen.


Der ORF, Steiermark Wirtschaft Online, berichtete am 17. April 2021 über den "Rohstoffmangel: Baustoffe wesentlich teurer":

Viele Rohstoffe sind seit Ausbruch der CoV-Krise knapp. Daher werden Baumaterialien immer teurer und das lässt auch die Baukosten massiv in die Höhe schnellen. Besonders prekär seien derzeit aber auch die Lieferzeiten von Baustoffen, heißt es.

Wer derzeit Baumaterial braucht muss tief in die Geldtasche greifen, sagt der Baugewerbe-Innungsmeister in der Wirtschaftskammer, Alexander Pongratz: „Das bewegt sich in einem Rahmen von 30 bis 50 Prozent. Und es führt natürlich letztendlich auch zu steigenden Baukosten.“ Ein Hauptgrund für die massive Teuerung bei Baustoffen sei der momentane Wirtschaftsboom in China und Amerika, so Pongratz: „Daher brauchen diese Märkte Rohstoffe. China ist zum Beispiel jetzt Stahl-Importeur und war früher Stahl-Exporteur. In Amerika wird sehr viel Holz gebraucht. Dadurch werden vor allem Produkte der Holzbranche vom Markt in Amerika aufgekauft“. Genau das spüren derzeit auch die steirischen Holzbaubetriebe deutlich, so Holzbau-Landesinnungsmeister Oskar Beer: „Die Holzpreise sind explodiert. Bei den Halbfertigprodukten, die von der Industrie kommen, sind die Preise um 40 Prozent, teilweise sogar um 60 Prozent, gestiegen.“ Etwa bei keilverzinkten Hölzern, Leimholzbindern oder Brettsperrholzplatten und das führe laut Beer vor allem in der Kalkulation und im Einkauf zu vielen Schwierigkeiten. Zudem sei seit Ausbruch der CoV-Krise, mit Lockdowns und Kurzarbeit, viel zu wenig Holz geschlägert worden, sagt Beer: „Und die Industrie hat im letzten Jahr halt auch nicht geschaut, dass ihre Lager aufgefüllt werden. Und jetzt fehlt uns einfach der Nachschub von der Säge heraus. Also es ist einfach zu wenig Material da.“

Dass durch diese massive Teuerung weniger Menschen bauen, und somit Baufirmen Aufträge verlieren könnten, glaubt Pongratz nicht. Jedoch würde das Problem bei Firmen liegen, die Verträge zu Fixpreisen abgeschlossen haben, so Pongratz: „Und die sich natürlich jetzt gegen steigende Rohstoffpreise kaum wehren können. Weil wenn ich einen Fixpreis mit dem Kunden habe, werde ich nicht aus dem Vertrag herauskommen.“

Auch die Lieferzeiten von Baustoffen hätten sich zum Teil verdreifacht. Wann sich alles wieder einigermaßen normalisieren wird, könne man noch nicht sagen, so die Bauexperten. Es dürfte aber noch mindestens ein dreiviertel Jahr dauern.


"Preise für Rohstoffe auf Rekordniveau" erschienen am 13. April 2021 in der Österreichischen Bauzeitung

Hier geht's zum Artikel in der Bauzeitung 


Auch die Kleine Zeitung berichtete am 8. April 2021: 

Bau in Nöten: Material und Arbeiter fehlen

Die Tischler sind komplett ausgebucht. Wer einen Installateur oder Elektriker benötigt, braucht viel Geduld. Die Auftragsbücher der Unternehmen im Gewerbe und Handwerk sind voll. Auch die Baumeister sind mehr als zufrieden mit dem Bau- und Sanierungsboom, den die Coronakrise, zum Teil bedingt durch Fördermaßnahmen der öffentlichen Hand, ausgelöst hat.

Die Entwicklung ist „wirklich dramatisch“, sagt der steirische Bauinnungsmeister Alexander Pongratz. Auch Franz Saringer, Chef der südsteirischen Sako-Stahl und Präsident des Branchenverbandes der Biege- und Verlegetechnik, spricht von „einer katastrophalen Situation“ – trotz sehr gut laufender Baukonjunktur. Auf breiter Front schießen die Baukosten nach oben. Seit Oktober beobachte man im Bereich einzelner Stahlsorten nahezu eine Verdoppelung der Preise.

„Wir sind bei vielen für den Bau relevanten Rohstoffen und Vormaterialien mit einer Kombination aus Nachfragesteigerung und Verknappung konfrontiert, das wirkt sich gravierend auf die Preise aus“, sagt Pongratz.

Hart trifft die Preisentwicklung den steirischen Holzbau. Auch hier wird zwar zum einen „von vollen Auftragsbüchern“ berichtet, wie Innungsmeister Oskar Beer betont. Doch die Preissteigerungen bei einzelnen Holzsorten von „40, 50, teilweise 60 Prozent seit Dezember macht die Situation wahnsinnig schwierig“. Hinzu kommen Lieferengpässe. 2020 sei hinsichtlich der Rohstoffproduktion vielfach ein „abwartendes Jahr gewesen“, dies habe dazu geführt, dass „in vielen Branchen ein halbes Jahr Rohstoffproduktion fehlt“. Diese Verknappung führe zur gegenwärtigen Lage. „Bei Bauholz sehen wir zudem, dass viel in die USA exportiert wird, wo die Nachfrage enorm ist und Preise höher sind.“ Für viele Holzbaubetriebe sei die Lage herausfordernd. „Es gibt keine Preissicherheit mehr.“ Unternehmer würden sich dauernd fragen: „Wie sag ich das meinen Kunden, dass die Preise deutlich höher ausfallen als ursprünglich veranschlagt?“

Gleichzeitig müsse man darauf hinweisen, „dass wir Handwerker uns keine goldene Nase verdienen, wir sind hier vom Rohstoffmarkt abhängig“, sagt Beer. Er hoffe, dass die extremen Preissprünge eine Momentaufnahme sind „und sich das wieder einpendelt, aber das Preisniveau von 2019 werden wir nicht mehr erreichen“, so seine Prognose.

„Alleine der Preis für Eisen ist seit Dezember um 45 Prozent gestiegen“, berichtet Robert Rauter, Bauinnungsmeister in Kärnten. Beim Holzpreis würden die Steigerungen im Schnitt bei 30 Prozent liegen. „Es werden zum Teil Tagespreise gemacht, wie beim Rohöl“, so Rauter. Auch Kupferleitungen und andere Metalle, die von Elektrikern, Installateuren und Kältetechnikern benötigt werden, sind knapp und kosten um 45 Prozent mehr als noch im Herbst, sagt Klaus Peter Kronlechner, Kärntner Obmann für Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer.

DieUnterbrechung der Lieferketten etwa bei Stahl wirke noch nach, so Pongratz. Wegen der Preissteigerungen rät die Bauinnung den Betrieben zur Vorsicht, welche Aufträge man annimmt und wie diese kalkuliert sind. Pongratz sieht auch „Vorboten für eine Inflation“. Saringer zeigt sich ebenfalls alarmiert. „Es ist für unsere Branche kaum noch möglich, zu kalkulieren und vernünftige Preise anzubieten, denn die halten kaum eine Woche.“ Habe man im Vorjahr den Zuschlag für eine Baustelle erhalten, die heuer im Mai beginnt, „passt die Preiskalkulation überhaupt nicht mehr“. Sein Verband bemühe sich derzeit daher auch um einen Termin bei der unabhängigen Schiedskommission, um zumindest eine Empfehlung für Gleitpreise zu erwirken.

Die Wartezeiten für Kunden werden nicht nur wegen Lieferengpässen immer länger. Auch der Fachkräftemangel bremst die Branche. Werden sich die steigenden Baupreise mit voller Wucht in den Kosten für Häuslbauer niederschlagen? „Die Erfahrung zeigt, dass das nicht 1:1 weitergegeben wird“, sagt Wifo-Experte Michael Klien. „Die Baubranche verbucht Rekordaufträge, keine Branche hat sich von dieser Krise so schnell erholt wie der Bau, die Preisentwicklungen sind zu einem großen Teil nachfragegetrieben. Hinzu kommt, dass Corona die Lieferketten in vielen Branchen durcheinandergewirbelt hat, die daraus resultierenden Engpässe spürt man überall.“

Trotz voller Auftragsbücher hadert der Bau. Eisen, Stahl und Holz wurden massiv teurer, sind knapp wie nie. Wie auch die Fachkräfte.