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Industrie Aktuell - Energie und Infrastruktur - Folge 05 vom 24.03.2016

Aktuelle Informationen der Sparte zu den Themen Energie und Infrastruktur
Stand:



1.          Energiemarktliberalisierung erhöhte Bruttoinlandsprodukt

 

Seit 15 Jahren können österreichische Stromkunden ihren Lieferanten frei wählen. Diese Öffnung des Strommarktes 2001 und des Gasmarktes 2002 erhöhte das heimische Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent und schuf 17.000 neue Jobs.

 

Eine Studie über die Auswirkungen der Energiemarktliberalisierung auf das Bruttoinlandsprodukt im Auftrag der Energieregulierungsbehörde E-Control brachte erfreuliche Ergebnisse.  So fällt durch die Strommarktliberalisierung die gesamte Stromrechnung für einen Haushaltskunden um 60 Prozent, für einen Industriebetrieb um 70 Prozent niedriger aus als in einem Szenario ohne Liberalisierung.

 

Stromnetzentgelte seit 2001 um ein Viertel niedriger

 

Mit der Liberalisierung ging auch die Regulierung der Netzbetreiber einher. Seit 2001 wurden in Summe um insgesamt rund 6,7 Milliarden Euro weniger Stromnetzentgelte bezahlt. Die aktuellen Entgelte liegen im Schnitt um 23,8 Prozent niedriger als zu Beginn der Regulierung. Da die Netzbetreiber natürliche Monopolbetriebe sind, werden die Netzentgelte von der Regulierungsbehörde E-Control festgelegt. Die Stromnetzentgelte machen rund ein Viertel der gesamten Stromrechnung aus. Die Netzbetreiber sind effizienter und schlanker geworden. Diese Einsparungen wurden durch die Regulierung an die Kunden weitergegeben. Gleichzeitig wurde weiterhin viel in die Netze investiert und Österreich hat nach wie vor eine sehr hohe Versorgungssicherheit und eine der geringsten Stromausfallsdauern Europas.

 

Hohe Investitionen in Gasnetze, Speicherkapazität verdreifacht

 

Auch die Liberalisierung des Gasmarkts hat positive Auswirkungen. So sind beispielsweise die Investitionen in die Netze signifikant angestiegen. Die heimischen Gasspeicherkapazitäten haben sich seit 2002 fast verdreifacht. 2002 erfolgte die Beschaffung von Gas nahezu ausschließlich über langfristige Verträge mit Ölpreisbindung. Das hat sich enorm geändert, die flexible Beschaffung an Gashandelsplätzen, sogenannten Hubs, wird immer bedeutender. Die Liquidität dieser Handelsplätze ist seit 2008 deutlich gestiegen, auch am Virtuellen Handelsplatz in Österreich. Kunden können mittlerweile aus vielen verschiedenen Lieferanten und Produkten auswählen.

       



2.          Wirtschaft profitiert nur wenig vom billigen Öl

 

Der Preis für Rohöl ist Anfang des Jahres noch einmal deutlich gesunken. Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigen, dass das billige Öl nur kurzfristig einen positiven Effekt haben wird, der für Konsum und Wachstum nicht mehr als ein Strohfeuer ist. Langfristig ist kein Zusatzwachstum zu erwarten.

 

Zu den Indikatoren, die in Konjunkturprognosen einfließen, gehört auch der erwartete Ölpreis. Im Herbst vergangenen Jahres rechneten die Prognostiker für 2016 mit rund 60 Dollar pro Barrell. Doch schon jetzt scheint klar, dass Öl im Durchschnitt dieses Jahres wohl eher 40 Dollar kosten wird.

 

Mit Hilfe des Oxford Global Economic Model hat das IW Köln simuliert, wie sich diese Preisänderung auf das deutsche Wirtschaftswachstum auswirken könnte. Demnach dürfte der private Konsum mengenmäßig um etwa 7 Milliarden Euro höher ausfallen als erwartet – das klingt viel, wäre aber nur ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte. „Rohöl ist zwar deutlich billiger geworden. Das wirkt sich direkt aber maximal auf 5 Prozent der Einkäufe aus. Folglich haben die Haushalte gar nicht so viel mehr im Geldbeutel“, erklärt IW-Außenhandelsexpertin Galina Kolev. Außerdem entfällt beispielsweise beim Benzin ein Großteil des Preises ohnehin auf fixe Steuern, die pro Liter zu zahlen sind. „Ein Rückgang des Ölpreises um ein Drittel senkt den Spritpreis aktuell um maximal 10 Prozent“, so IW-Umweltexperte Thilo Schaefer.

 

Zwar dürften durch den Preisrutsch auch die Investitionen und Exporte deutscher Unternehmen leicht zulegen. Im Ergebnis, so das IW Köln, wird sich das Wirtschaftswachstum allerdings um nur 0,2 Prozentpunkte erhöhen. Denn vor allem die Konsumenten, aber auch viele Unternehmen, nutzen einen recht großen Teil des eingesparten Geldes, um Importgüter zu kaufen – und nicht heimische Produkte. Ohnehin ist das zusätzliche Wachstum nur ein einmaliger Effekt: Spätestens in zwei Jahren wird das billige Öl das Bruttoinlandsprodukt nicht weiter beflügeln – wenn Öl überhaupt so billig bleibt.

     



3.          E-Mobilität braucht intelligente Stromnetze

 

Damit man künftig mit jedem E-Fahrzeug an jeder Ladestelle in jedem Land problemlos Strom „tanken“ kann, bedarf es europäischer Standards. AIT liefert gemeinsam mit führenden internationalen Forschungs- und Entwicklungszentren die Voraussetzungen dafür.  Elektroautos beziehen ihren Energiebedarf aus dem Stromnetz, daher müssen sie auch in problematischen Netzabschnitten sicher funktionieren. Wie das gehen kann, wird am AIT erforscht.

 

Das etwas sperrige Zauberwort in diesem Fall heißt „Interoperabilität“, also die Fähigkeit unterschiedlichster Systeme zur Zusammenarbeit. Um die involvierten Systeme kooperationsfähig zu machen, haben sich führende Forschungs- und Entwicklungszentren im EU-Projekt COTEVOS zusammengeschlossen. AIT war federführend daran beteiligt: „Wir konnten eine flexible Forschungsinfrastruktur für die Integration von E-Mobilität in intelligente Netze schaffen und stellen diese nun der Industrie zur Verfügung“, berichtet Johannes Stöckl vom AIT Energy Department. „Da die Netzanschlüsse vieler E-Mobile derzeit nur auf die lokalen Ladestellen einer Region ausgerichtet sind, gibt es je nach dem betroffenen Teil Europas individuelle Herausforderungen“, so der Experte. Deshalb wurde im Rahmen des Projekts unter anderem erstmals ermittelt, welche Netze es überhaupt gibt und welche Asymmetrien in der Spannungsqualität etc. die Fahrzeughersteller und Netzbetreiber berücksichtigen müssen. „Dieses Wissen ist sowohl für die Autoindustrie als auch für die Netzplaner wichtig“, betont Johannes Stöckl. Immerhin soll man künftig mit jedem E-Fahrzeug an jeder Ladestelle in jedem europäischen Land sicher Strom „tanken“ können.

 

Das Wechselspiel zwischen Netz und Fahrzeug verursacht aber nicht nur Probleme, sondern bietet auch die Gelegenheit, die Potentiale von Elektromobilität und intelligenten Stromnetzen zu verbinden. Das Elektroauto an sich hat einen bedeutenden Energiebedarf, was bei einer großen Zahl an Fahrzeugen für die Stromnetze in ihrem jetzigen Zustand zu lokalen Herausforderungen führen kann. Um die Netze für den steigenden Stromverbrauch bei gleichzeitig wachsender Anzahl dezentraler Versorgungsanlagen fit zu machen, müssen sie in „Smart Grids“ verwandelt werden. Intelligente Stromnetze ermöglichen nämlich eine laufende Abstimmung zwischen Energieerzeugern, -verbrauchern und -speichern und garantieren damit Versorgungssicherheit - auch wenn sehr viele E-Mobile gleichzeitig am Netz geladen werden.

 

Für dieses umfassende Fitnessprogramm stellt AIT das nötige Know-how und modernste Forschungs- und Simulationsinfrastruktur zur Verfügung. So kann im AIT SmartEST Labor etwa das Zusammenspiel von Stromnetz und E-Mobil-Ladestationen realitätsnah getestet, analysiert und schließlich verbessert werden.


Sparte Industrie, industrie@wkstmk.at