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Mickriger Return!

Film, Sound & Media hat Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands der Österreichischen Musikwirtschaft, um seine Meinung zum Thema „Value Gap“ befragt.
Stand:
Franz Medwenitsch
Franz Medwenitsch
Der weltweite Musikmarkt drehte 2015 ins Plus, hauptverantwortlich sind die Streaming-Umsätze, warum herrscht dennoch Unzufriedenheit in der Branche?

FRANZ MEDWENITSCH: Die Musikbranche hat ihre Hausaufgaben gemacht und die positive Entwicklung bei Streamingdiensten wie Spotify, Deezer, Apple Music & Co freut uns. Weltweit haben wir in 2015 ein Plus von 3,2% erzielt, aber das nach einer Dekade des Marktrückgangs. Gratis-Streamingplattformen wie YouTube haben fast eine Milliarde User und zahlen nur minimale Musiklizenzen. Das kostet uns viel Wertschöpfung

Wie sehen Sie die Problematik rund um das Thema „Value Gap“?
MEDWENITSCH: Der Konsum von Musik und Musikvideos explodiert geradezu, aber der Return zu den Kreativen und den Labels ist gering, geradezu mickrig. Das große Geld machen Plattformen wie YouTube oder Dailymotion, die Werbe-Milliarden mit der Verbreitung von Musikvideos verdienen. Das ist ein unfairer und insgesamt für den Musikmarkt schädlicher Wertetransfer von den Kreativen zu den Plattformen – kurz: „Value Gap“

Warum versuchen die Rechteinhaber nicht einfach, bessere Deals abzuschließen?
MEDWENITSCH: Weil YouTube aufgrund einer veralteten Gesetzgebung rechtlich noch auf dem längeren Ast sitzt und sich auf ein Haftungsprivileg aus den Anfangszeiten der Digitalisierung berufen kann. Mit anderen Worten macht YouTube nur Deals, die für die Kreativen sehr schlecht sind, oder eben gar keine Deals, weil sie das – aufgrund des Haftungsprivilegs - nicht müssen. Von fairen Wettbewerbsbedingungen kann keine Rede sein – auch nicht gegenüber Spotify & Co, die sehr wohl Lizenzdeals abgeschlossen haben

Was wäre Ihrer Meinung nach die Lösung des Problems?
MEDWENITSCH: Das fast 20 Jahre alte Haftungsprivileg ist für Plattformen wie YouTube, die ganz intensiv in die Verbreitung von Musik involviert sind, nicht mehr zeitgemäß. Gedacht war dieses Privileg für technisch neutrale Dienstleister, aber das ist YouTube sicher nicht. Alle Anbieter, egal ob Spotify, Apple oder YouTube, sollten nach den gleichen Regeln spielen und Lizenzdeals mit den Rechteinhabern verhandeln und abschließen – aber fair und auf gleicher Augenhöhe

Was sind die nächsten Schritte?
MEDWENITSCH: Die EU-Kommission hat die Problematik erkannt und das Thema „Value Gap“ auf ihrer Agenda. Rechtlich liegt die Lösung des Problems in einer Reform der EU-Urheberrechtsrichtlinie, die gerade überarbeitet wird. Hier wird es an den Mitgliedstaaten, also auch an Österreich liegen, Druck für eine rasche und faire Lösung des „Value Gap“-Problems zu machen. Leisten kann es sich YouTube jedenfalls.