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"Leistung muss sich wieder lohnen"

Hermann Lindner, WK-Spartenobmann der Tiroler Industrie im Interview über die Digitalisierung, Modernisierung und Internationalisierung.

Herr Lindner, wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Performance der Tiroler Industrie im Jahr 2015? 

Hermann Lindner: Im Prinzip ist es der Industrie relativ gut ergangen. Wir befinden uns natürlich in einer Zeit großer Veränderungen. Die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung und die Sorge, um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit spielen natürlich eine Rolle. Die Zahlen sind äußerst positiv: Es gibt 450 Industriebetriebe. 2015 stieg ihr Produktionswert um 2,6 Prozent auf 9,82 Milliarden Euro, damit ist die Tiroler Industrie eine wesentliche Säule der heimischen Wirtschaft. Darüber hinaus gibt es über 42.600 Beschäftigte in der Tiroler Industrie – der höchste Stand seit jeher.

 

Wie viel haben die Industriebetriebe vergangenes Jahr investiert? 

Die Investitionen betragen etwa 800 Millionen pro Jahr. Man kann bereits jetzt sagen, dass auch im heurigen Jahr wieder umfassend von den großen Tiroler Leitbetrieben investiert wird.

 

Woran liegt es, dass Tirols Industrie vergleichsweise gut abschneidet?

Tirol schneidet sogar überdurchschnittlich gut ab. Den Grund sehe ich zum einen in der wirtschaftlichen Struktur. Die heimischen Industriebetriebe sind entweder Nischenanbieter oder Weltmarktführer, sprich Spezialisten in ihren jeweiligen Bereichen. Der Exportanteil lag vergangenes Jahr fast bei 70 Prozent. Und zum anderen im hohen Anteil an Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Die Forschungsquote in Tirol, also die anteiligen Forschungsausgaben am regionalen Bruttoinlandsprodukt, war 2015 mit 3,14 Prozent im Bundesvergleich sehr hoch.

 

Mit welchen Herausforderungen sieht sich die Tiroler Industrie konfrontiert?

Das sehe ich in mehrfacher Hinsicht: Einerseits brauchen wir Innovationen, neue Produkte und Dienstleistungen. Gerade in einer Zeit der Veränderungen spielen Forschung und Entwicklung eine wesentliche Rolle. Zudem hält natürlich die Digitalisierung weiterhin Einzug. Um die Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft abzusichern, müssen vor allem die Produktionsverfahren stetig modernisiert werden.

Interview mit Spartenobmann Hermann Lindner
Spartenobmann KommR Mag. Hermann Lindner: Die Wettbewerbsfähigkeit muss weiter erhöht werden.“


Wie sieht diese Modernisierung aus?

Die Produktion muss noch effizienter werden. Hier sollten alle Möglichkeiten der Digitalisierung ausgeschöpft werden. Diese betrifft nicht nur die Produkte, sondern auch die Herstellung. Im Grunde muss die ganze Lieferkette und sämtliche Produktionsprozesse aufeinander abgestimmt werden. Das betrifft beispielsweise die automaische Kommunikation zwischen Maschinen.

 

Welche Rolle spielt dabei die Ausbildung – auch im Hinblick auf den Fachkräfte-Nachwuchs?

Die Sparte spürt natürlich die demografische Entwicklung, deshalb müssen wir große Anstrengungen in Richtung der Fachkräfteausbildung unternehmen. Das Lehrlingswesen ist dabei natürlich ein wichtiger Punkt. Wir sind laufend bestrebt, bestehende Berufsbilder anzupassen oder neue zu schaffen, wie spezialisierte Programmierer und IT-Fachleute.

Künftig müssen Ausbildungspläne für Lehrlinge und spezifische Aus- und Weiterbildungen für Mitarbeiter noch schneller als bisher angepasst werden, um rasch auf neue technologische Entwicklungen reagieren zu können.

 

Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen?

Die Bürokratie lässt sich nicht gänzlich abstellen, aber wir werden auch künftig Instrumente benötigen, um sie zu bewältigen. Industriebetriebe müssen weiterhin sensibilisiert werden, welche Gesetzte und Verordnungen bevorstehen. Das ist unter anderem eine Aufgabe der Wirtschaftskammer, die hier Hilfestellung leistet.

 

Gibt es noch weitere Aspekte? 

Außerdem sollte ein Golden Plating verhindert werden. Wir brauchen nicht strengere Richtlinien als andere, sondern wir sollten uns auf europäischer Ebene mehr abstimmen.
Grundsätzlich hat schon ein gewisses Umdenken stattgefunden hat, dass eine Ausgewogenheit zwischen Industrie, Handel und Dienstleistungssektor notwendig ist. Aber es sind ebenso steuerliche Anpassungen notwendig. Leistung muss sich wieder lohnen – auch für die Mitarbeiter und Leitungsträger in den Industriebetrieben.

 

Inwiefern für Leitungsträger?

Wir benötigen auch internationale Fachkräfte. Die Steuerquote sollte hierzulande nicht höher als in anderen Ländern sein, damit diese guten Fachkräfte sich nicht deshalb gegen Österreich entscheiden. Die Attraktivität muss für Leistungsträger bestehen bleiben.

 

Wie könnte das umgesetzt werden? 

Es sollte darauf hingearbeitet werden, das Steuersystem mehr den wirtschaftlichen Gegebenheiten anzupassen und nicht nur Maschinensteuer oder Lohnsteuer zu diskutieren. In nächster Zeit wird es vor allem im Bereich Klima- und Umweltschutz sowie Ressourcenschonung Investitionen geben. Um in diesem Bereich einen Investitionsschub auszulösen, braucht es ein attraktives Anreizsystem für mehr Energieeffizienz und Umweltschutz, wie zum Beispiel Zusatzprämien. Das belebt in weiterer Folge auch die Konjunktur.

 

Was braucht die Industrie in Zukunft?

Die Wettbewerbsfähigkeit muss weiter erhöht werden. Zudem werden neue Produkte und Dienstleistungen gefragt sein – vor allem auf die Bereiche Klima- und Umweltschutz zielgerichtete. Besonderes Augenmerk sollte auch auf die Ausbildung und MINT-Fächer, sprich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, gelegt werden. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Forschung und Entwicklung. Als Industrie sind wir mehr in der Praxis als in der Grundlagenforschung tätig. Hier war die Ansiedlung des Frauenhofer Institutes in Tirol ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Das Interview finden Sie im Magazin top.tirol, Ausgabe Oktober 2016 (im Bereich Downloads). Das Gespräch führte Eva-Maria Hotter, Target Group


Rückfragen an:
Wirtschaftskammer Tirol
Sparte Industrie
Mag. Oswald Wolkenstein
T 05 90 90 5-1237
E oswald.wolkenstein@wktirol.at