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Tag der Finanzdienstleister

Am 10. April 2017 fand der Branchentreff auf der Villa Blanka statt.

Laut dem Finanzjournalisten Michael Kordovsky rauben Nullzinsen den Sparern die Motivation zum Sparen und den Banken die Motivation Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben. Nullzinsen in Kombination mit strengeren Eigenmittelvorschriften veranlassen Banken immer mehr dazu „auf das geringere Übel, nämlich Staatsanleihen, Kommunalfinanzierungen und Hypothekarkredite an Kunden mit guter Bonität auszuweichen.

Kürzlich trafen sich die gewerblichen Finanzdienstleister zur alljährlichen Fachgruppentagung und diskutierten über die Neuerungen und alltäglichen Herausforderungen. In Tirol sind aktuell 463 Gewerbetreibende in den verschiedenen Berufsgruppen der Finanzdienstleistung aktiv. Davon sind der größte Teil (315) gewerbliche Vermögensberater, 64 sind als Geschäftsvermittler, 34 Bausparvermittler und 16 als Wertpapiervermittler tätig. Neben diesen zählen auch die Auskunfteien (3), Leasingunternehmen (19), Pfandleiher (8) und Zahlungsdienstleiser (0) zur Fachgruppe. Gewerbliche Finanzdienstleister decken damit ein breites Spektrum vom Kapitalaufbau und Vermögensanlage über Finanzierungen bis hin zur Vorsorge und Absicherung ab. Neben dem streng reglementierten Berufszugang inklusive Befähigungsnachweis sichert eine verpflichtende Weiterbildung ein hohes Maß an Qualität und Aktualität in der Beratung. "Die gewerblichen Vermögensberater müssen sich täglich mit den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen, um ihre Kunden bestmöglich beraten zu können. Eine aktuelle Herausforderung des Marktes ist die Realität der Nullzinslage", erklärt der Fachgruppen-Obmann Michael Posselt.


Neben der Präsentation der der neuen AGBs für Finanzdienstleister von Ernst Brandl, dem Bericht des Ombudsmanns  Johann Wally und  Norbert Eglmayr zu MIFID II referierte Michael Kordovsky zu den Herausforderungen der 0-Zins-Politik. Michael Kordovsky, Finanzjournalist und Analyst beim unabhängigen Marktplatz für Kreditkunden, Kreditinstitute und Kreditberater INFINA, ist der Ansicht, dass Nullzinsen mangels Erträge den Sparern die Motivation zum Sparen und den Banken die Motivation Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, verderben. Nullzinsen in Kombination mit strengeren Eigenmittelvorschriften veranlassen Banken immer mehr dazu „auf das geringere Übel, nämlich Staatsanleihen, Kommunalfinanzierungen und Hypothekarkredite an Kunden mit guter Bonität auszuweichen. Auf der Strecke bleiben die Firmenkunden. Sie bekommen immer schwerer Kredite oder zu so hohen Aufschlägen, dass sich die Investitionen nicht mehr lohnen“, erläutert Kordovsky. Im Euroraum sind nicht ohne Grund die Bruttoanlageinvestitionen von 2005 bis 2016 von 22,0 auf 19,9% des BIP zurückgegangen. Besonders prägnant waren hier die Entwicklungen in Spanien und Griechenland mit Rückgängen von 29,9 auf 19,9 bzw. von 20,8 auf 11,7% der Wirtschaftsleistung.

 

Gefährlicher Stagnationskreislauf

 

Der durch Nullzinsen hervorgerufene Stagnationskreislauf stellt, laut Kordovsky derzeit eine große Herausforderung für Unternehmen, Arbeitnehmer und die EZB dar: „Das aktuell niedrige Zinsniveau erhält eigentlich nicht überlebensfähige Unternehmen künstlich am Leben. Diese stehen im Mitbewerb mit den gesunden Firmen. Das daraus resultierende Überangebot drückt auf das Preisniveau. Die Folge sind niedrigere Gewinnmargen. Das wiederum senkt den Spielraum für Lohn- und Gehaltserhöhungen. Mangels Budget hält sich dadurch der private Konsum in Grenzen, was gleichzeitig auch auf das Preisniveau drückt. Die Verbraucherpreise bleiben niedrig und die Notenbank setzt ihre expansive Geldpolitik weiter fort.“

Kordovsky belegte seine Aussage u.a. mit dem Faktum, dass sich in den vergangenen Monaten im Euroraum die Kerninflationsrate, sprich Inflationsrate ex Energie und unverarbeitete Lebensmittel in einer Größenordnung von 0,7 bis 0,9% bewegte, während primär aufwärtsgerichtete Basiseffekte beim Ölpreis die Gesamtinflation auf kurzfristig 2% hievten. Nicht umsonst definierte die EZB die Preisstabilität neu.

 

Finanzmärkte extrem „störungsanfällig“

 

An der expansiven Geldpolitik der EZB und auch Bank of Japan sollte sich in absehbarer Zeit nicht viel ändern, so Kordovsky. Aufgrund der riesigen Schuldenmenge sind nämlich die globalen Finanzmärkte sehr störungsanfällig geworden. Notenbanken müssen besonders vorsichtig agieren. Die Anleihenkäufe der Bank of Japan und EZB drücken in Japan und im Euroraum auf das Zinsniveau. Anleger verkaufen im Prinzip den Notenbanken ihre Papiere und legen das Geld lieber in US-Treasuries an. Dies drückt dort auf das Renditeniveau. Doch wehe dieser Geldfluss droht zu versiegen. Ein globaler Zinsschock und im schlimmsten Fall sogar eine Rezession in den USA wären die Folge. Somit ist auch der bereits ambitioniert bewertete US-Aktienmarkt extrem korrekturgefährdet. Es gibt genügend politische Risikofaktoren u.a. auch die Präsidentschaftswahl im Iran. Kommt ein Hardliner an die Macht, drohen Wirtschaftssanktionen und Öllieferausfälle. Dies könnte den Ölpreis kurzfristig stärker nach oben treiben. Auch die Krise bei einer Reihe italienischer Banken ist nicht zu unterschätzen. Hinzu kommen Immobilienblasen in mehreren Ländern, vor allem in China.

 

Warnung vor Börsencrash und Verbleib in Frankenkrediten

 

Die derzeit niedrigen Volatilitäten am Aktienmarkt gelten als Indikator für hohe Risikofreude der Anleger und „Ruhe vor dem Sturm“. Wer Geld anlegt, muss derzeit vorsichtig agieren. „Wird es nämlich kritisch, dann wollen alle bei der gleichen Türe hinaus und es kommt zu einer crashartigen Entladung – ähnlich wie am Schwarzen Montag, dem 19. Oktober 1987. Zweistellige Tagesverluste am Aktienmarkt sind auch heute wieder möglich“, warnt Kordovsky. Eine weitere Warnung spricht der Finanzanalyst für Frankenschuldner aus: „Das exorbitante Ausmaß der Devisenanlagen der Schweizerischen Nationalbank, die mittlerweile höher sind als die Schweizer Wirtschaftsleistung, beschneiden immer mehr die Interventionsspielräume“. Es kann jederzeit zum Ende der Interventionen kommen, um das Verlustpotenzial für die gesamte Volkswirtschaft zu begrenzen. Dann aber könnte es zu Devisenkontrollen kommen, was sehr unangenehm für österreichische Frankenschuldner wäre. Zwangskonvertierungen zu sehr ungünstigen Wechselkursen wären eine denkbare Folge und Banken könnten sich dabei auf „höhere Gewalt“ laut ABGB berufen. Frankenschuldner sollten deshalb besser in Eurokredite mit längerer Laufzeit konvertieren, ihre Tilgungsträger dabei saldoreduzierend einbringen und die neuen Finanzierungen mit einer 15jährigen Fixzinsbindung versehen. So würden sie dann über „ein Rundum-Sorglos-Paket“ verfügen, so Kordovsky.