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Gewerbliche Dienstleister

Gewerbliche Dienstleister - Wien

Rückblick: Fachgruppentagung der gewerblichen DL 2015

Die Bedeutung von Arbeit und Kirche als sinnstiftende Elemente
Fachgruppentagung der Gewerblichen Dienstleister in der Wirtschaftskammer Wien: Das bedeutet nicht nur die Präsentation der Arbeit in der Fachgruppe, Diskussionen und Beschlüsse. In guter Tradition erwartete die Mitgliedsunternehmen auch heuer wieder ein erstklassiges Rahmenprogramm. Niemand geringerer als Dompfarrer Toni Faber ging im Dialoggespräch mit Fachgruppenobmann KommR Gerhard Flenreiss der Frage nach, wie Arbeit und Kirche sinnstiftend wirken. Keine Gemeinsamkeiten vermutet? Falsch, denn sowohl für Kirche und Unternehmen ist die Sinn-Frage entscheidend.
Dompfarrer Toni Faber & FG-OM KommR Flenreiss


Gleich zu Beginn offenbarte Toni Faber einen Einblick in seine täglichen Aufgaben und Herausforderungen in der Dompfarre St. Stephan, die für die Unternehmer sehr vertraut klangen. Als Arbeitgeber von 80 Beschäftigten gilt es Mitarbeiter zu motivieren, Ziele zu definieren und sich „an vorderster Front in die Schlacht zu werfen“. Der Sinn dahinter ist für den Dompfarrer klar: Neben den jährlich über 5 Millionen Touristen im Stephansdom will er auch ein geistiges Angebot schaffen. Mit diesem „Mission Statement“ brachte er auch die Funktion von Arbeit für Menschen als sinnstiftendes Element auf den Punkt: „Die Menschen ziehen Sinn aus Arbeit, weil sie dort gebraucht zu werden und hoffentlich auch an etwas Gutem mitwirken können.“

Sag mir was du machst, und ich sag dir wer du bist

Fachgruppenobmann KommR Gerhard Flenreiss hob dabei die identitätsstiftende Funktion von Arbeit hervor, denn „Wer bist du?“ bedeutet heute oft „Was machst du?“. Darin sieht er auch den Sinn für Personaldienstleister wie ihn: „Wir versuchen Menschen, die ihren Job und damit eine Teilidentität verloren haben, wieder eine zu geben. Das ist deswegen besonders herausfordernd, weil das oft mit einer De-Qualifikation einhergeht – wie z.B. bei Migranten – oder bei gerade bei geringer qualifizierten Menschen die Tätigkeiten oft als nicht sinnvoll empfunden werden“.

Auf die große Aktualität dieser Fragestellung verwies die Moderatorin des Dialoggespräches, Ö1-Journalistin Christine Scheucher, mit Blick auf die Flüchtlingsströme nach Europa. Für Dompfarrer Faber ist zuerst Nothilfe gefragt – Betten, Kleidung, Essen, Wohnung, usw. -, um dann den Fokus auf Hilfe zur Selbsthilfe zu legen. Und dabei ist Arbeit als sinnstiftendes Element unverzichtbar. Für Fachgruppen-Obmann Flenreiss hängt deswegen die Bewältigung des Flüchtlingsstromes auch wesentlich von der Schaffung ausreichender Jobs ab, wobei sich für ihn das Mindset in Österreich bezüglich Arbeit ändern muss. „Arbeit macht Spaß, Arbeit ist gut, Arbeit ermöglicht Menschen soziale Beziehungen. Erst durch diese sozialen Rückkoppellungen entsteht Sinn aus Arbeit“, formulierte Flenreiss pointiert. 

Ehrenamtliche Tätigkeit: Notwendiger Ausgleich oder Flucht? 

Den Zusammenhang von Glaube und Arbeit strich Toni Faber hervor, indem er auf das Recht auf Arbeit in der christlichen Soziallehre verwies. „Arbeit als sinnstiftendes Element meint nicht nur Erwerbstätigkeit, sondern auch ehrenamtliches und soziales Engagement. Viele Menschen schaffen dadurch den Wiedereinstieg nach Schicksalsschlägen. Nichtdestotrotz ist es wichtig, sowohl im Job als auch im ehrenamtlichen Engagement Sinn zu sehen“, berichtete der Dompfarrer von den Erfahrungen aus seiner seelsorgerischen Tätigkeit. Dass der Dompfarrer in seinen persönlichen Gesprächen oft auch zu Mut für Veränderung rät, um nicht durch eine als sinnlos empfundene Tätigkeit innerlich auszubrennen, kann Gerhard Flenreiss nur unterstützen: „Oft sind Menschen im Job so unglücklich, dass sie ihre Sinnsuche in den ehrenamtlichen Bereich verlagern. In Österreich herrscht leider eine falsche Kultur der Sicherheit vor, da die Angst vor dem, was kommt, oft einfach zu groß ist.“

Positiver Erfahrungsaustausch von Kirche und Unternehmer

Zum Abschluss unterstrichen beide Dialogpartner den positiven Erfahrungsaustausch, denn Sinnstiftung und Mitarbeitermotivation, mentale Gesundheit und Unternehmenserfolg sind eng miteinander verbunden. Fachgruppenobmann KommR Flenreiss brachte es abschließend auf den Punkt: „Arbeit hat einen Wert, der über den finanziellen Aspekt hinausgeht. Für uns Unternehmer ist es deshalb so wichtig auch eine Firmenkultur zu schaffen, die Respekt und Toleranz fördert und sinnstiftend ist.“

Tonmitschnitt von der Fachgruppentagung 2015


Fachgruppentagung der gewerblichen DL/Dialoggespräch 2015
© Foto Weinwurm GmbH