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Personaldienstleister - Wien

Jugendbeschäftigung im Fokus der Zeitarbeits-Enquete 2015

Vision Zeitarbeit – Zeit für Veränderung, Arbeit für die Jugend

Am 19. November 2015 begrüßte KommR Gerhard Flenreiss, Obmann der Fachgruppe Wien der gewerblichen Dienstleister, bereits zum dritten Mal zahlreiche Gäste, Experten und Branchenkenner zur Zeitarbeits-Enquete. Im ocean’sky, dem Dachgeschoss im Haus des Meeres, war dabei nicht nur die Aussicht auf das nächtliche Wien beeindruckend, auch das Thema „Vision Zeitarbeit – Zeit für Veränderung, Arbeit für die Jugend“ versprach spannende Diskussionen und neue Einblicke. 

Jugendexperte: Overachiever und biedere Puritaner

Die Ausgangsfrage dabei: Die Zeitarbeits-Branche erfüllt für viele Bevölkerungsgruppen bereits eine positive Beschäftigungsfunktion. Wie kann dies auch im Bereich Jugendbeschäftigung noch besser gelingen? „Während wir sehr gut über die technischen Parameter Bescheid wissen, wollen wir heute die kulturellen und kommunikativen Rahmenbedingungen diskutieren, um Jugendliche in Beschäftigung zu bringen“, präzisierte Fachgruppenobmann Flenreiss. Dazu leitete er gleich zum Keynote-Vortrag des Abends, der von niemandem Geringeren als dem Leiter des Instituts für Jugendkulturforschung, Mag. Philipp Ikrath gehalten wurde.

Der Jugendforschungs-Experte hielt eingangs fest, dass es „die eine Jugend“ nicht gibt, sondern vielfältige Charakteristika aufweist. Deswegen seien Jugendliche auf der Suche nach dem perfekten Job auch mit einer ganzen Palette an Erwartungen konfrontiert. Diese führen nicht nur zur Vervielfältigung der Ansprüche, sondern auch konkret zu einem „zeitgenössischen Paradox“, das Ikrath folgendermaßen auf den Punkt brachte: „Der moderne Mensch soll überall ein Overachiever sein, gleichsam ein Puritaner im Job und Hedonist in der Freizeit.“ Dennoch konnte er den Enquete-Teilnehmern eine Typisierung mit auf den Weg geben und vier idealtypische Zugänge zur Arbeit unter den Jungen präsentieren: die Traditionell-Soliden, die Eigeninitiativen, die Orientierungslosen und die Not-Yet-Akteure. 

Workshop I: Stadtgrenzen in Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik überwinden

In bewährter Manier der Zeitarbeits-Enquete sollten natürlich auch die Teilnehmer aktiv werden. In zwei parallelen Workshops wurden inhaltliche Problem- und Fragestellungen diskutiert. Fachgruppenobmann Gerhard Flenreiss hatte dabei mit Dr. Helmut Mahringer vom WIFO einen weiteren Experten an seiner Seite, um das Thema „Wirtschafts- und Standortpolitik Wien“ zu behandeln. Die „De-Industrialisierung im Stadtgebiet“, sprich die Abwanderung des produzierenden Gewerbes an den Stadtrand, wurde als zentrale Herausforderung identifiziert. Sie macht zum einen eine grenzüberschreitende Politikplanung notwendig, die wichtige Bereiche wie Arbeitsmarkt, Ausbildung, Verkehr, Infrastruktur, uvm. umfassen muss. Als konkretes Beispiel forderten die Teilnehmer ein durchdachtes Konzept zum bundesländerüberschreitenden Pendel- und Berufsverkehr. Klassische „Mittelbaujobs“ nach dem Schulabschluss würden zunehmend an den Stadtrand oder im Zuge der Digitalisierung ins Hochqualifikationssegment verschoben (Stw. Industrie 4.0.). Daher ist auch neben der Mobilitätsfrage ein völliges neues Denken der Berufsbildung notwendig, denn Jugendliche seien heute oftmals schlicht nicht beschäftigungsfähig. Damit weisen sie eine Parallele zu vielen Arbeitslosen auf, bei denen eine Lücke zwischen der formalen, durch Zertifikate bestätigten Ausbildung und der tatsächlichen Qualifikation besteht. 

Workshop II: Wie wird die Branche jugendfit?

Im zweiten Workshop gingen Ronald Österreicher, Director der Division Hospitality bei Manpower, und Philipp Ikrath gemeinsam mit den Teilnehmern der Frage nach, wie die Zeitarbeits-Branche jugendfit wird. Wie auch bereits in der Keynote wurde von den Teilnehmern der Bedarf nach einer Flexibilisierung artikuliert, um den unterschiedlichen Jugend-Typen ein dementsprechendes Angebot zur Integration in die Erwerbstätigkeit bieten zu können. Die Schaffung der entsprechenden rechtlichen Möglichkeiten durch die Politik ist hier dringend notwendig, lautete die Forderung. Für die Zeitarbeits-Branche selbst wurden Social Media-Kanäle wie Facebook, Twitter und Co. als unverzichtbare Kommunikationstools betrachtet – wogegen der Einsatz als Recruitingtool nur für gewisse Jugendtypen geeignet sei.

Die in den beiden parallelen Workshops erarbeiteten Themenstränge und Forderungen beschäftigten die Teilnehmer dann auch im letzten Teil der Zeitarbeits-Enquete. Sie dienten als Input für die im Anschluss folgende Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen und Experten.

Job Readiness, aber wo?

Neben Fachgruppenobmann Gerhard Flenreiss, Mag. Philipp Ikrath und Dr. Helmut Mahringer brachten auch Mag. Petra Draxl, Geschäftsführerin des AMS Wien, und Peter Schleinbach, Produktionsgewerkschaft PRO-GE, neue Aspekte und Meinungen in die Thematik ein. WIFO-Experte Dr. Mahringer skizzierte in der Podiumsdiskussion einen allgemeinen Trend mit konkreten Implikationen für Jugendliche: „Die Verweildauer in Jobs wird kürzer und das Risiko am Arbeitsmarkt steigt. Jugendliche trugen in den letzten Jahrzehnten die Hauptlast dieser Flexibilisierung in unserer Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit stieg und steigt besonders bei Arbeitskräften ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Maßgeschneiderte Bildungsprogramme - auch zur Sicherung von Basisqualifikationen von Jugendlichen - können vorzeitigem Bildungsabbruch entgegenwirken.“

Bei der aufgeworfenen Frage, wer für diese „job readiness“ sorgen soll, waren sich nicht alle Diskutanten ganz einig. Für Mag. Philipp Ikrath sind Berufsorientierung und Arbeitsmarktvorbereitung keine Aufgaben der Schule, die ohnehin schon viel zu viele Aufgaben übertragen bekommt. Mag. Petra Draxl verwies hingegen auf die positiven Kooperationen des AMS mit Schulen – allerdings mit konkreten Bedingungen: „Die Erfahrungen mit Schulen und Lehrern sind für uns enorm wichtig, um auf die Entwicklungen reagieren und die richtigen Angebote schaffen zu können. Jedoch muss man ganz genau konkretisieren, was man von welcher Schule braucht.“ Dass es mit der Schule alleine nicht getan ist, ergänzte freilich auch die AMS-Landesgeschäftsführerin nachdrücklich: „Man muss auch außerhalb der Schule dorthin gehen, wo man die Jugendlichen erreicht.“

Zeitarbeit im Zeitalter der Digitalisierung 

Als einer der bestimmenden Faktoren für die neuen Herausforderungen bei der Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt wurde die Digitalisierung erkannt. Für Peter Schleinbach war jedoch klar, dass für eine erfolgreiche und „jugendfitte Branche“ dennoch auch die herkömmlichen Bedürfnisse zu bedienen sind. „Die besten Arbeitgeber sind die mit zufriedenen Mitarbeitern. Darum sind für alle Branchen soziale Absicherung und Jobsicherheit so wichtig und das trifft auch auf die Arbeitskräfteüberlassung zu. Sie hat nicht nur eine Funktion beim Übergang ins Berufsleben für Jugendliche, sondern auch bei der Transformation in Richtung Industrie 4.0.“

Die Digitalisierung sah auch Fachgruppenobmann Gerhard Flenreiss als eines der wichtigsten Zukunftsthemen in der Zeitarbeits-Branche. „Vor dem Hintergrund des rasanten technologischen und sozialen Wandels werden wir hier etliche Herausforderungen zu meistern haben. Aber egal wie jugend-, technologie- und zukunftsfit wir als Branche werden, ein fehlendes Ausbildungs- und Qualifikationsniveau werden auch wir als Zeitarbeitsbranche für unseren Arbeitsmarkt nicht kompensieren können“, setzte Flenreiss ein klares Statement.

Abschließend dankte er als Gastgeber den Podiumsdiskutanten und den Teilnehmern für die angeregten Diskussionen, die „den riesigen Pluralismus in den Betrieben widerspiegelten“. Viele der aufgeworfenen Ansätze und Gedanken wurden anschließend beim Networking mit tollem Blick über Wien weiterverfolgt.

Imagebild © Foto Weinwurm
© Foto Weinwurm

Ronald Österreicher (ManpowerGroup), Peter Schleinbach (PRO-GE), Mag. Petra Draxl (Geschäftsführerin AMS Wien), KommR Gerhard Flenreiss (Fachgruppenobmann Gewerbliche Dienstleister WKW), Mag. Philipp Ikrath (Institut für Jugendkulturforschung), Mag. Dr. Helmut Mahringer (WIFO), Hannes Offenbacher (Mehrblick)

Zeitarbeits-Enquete 2015 © Foto Weinwurm

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Präsentation Philipp Ikrath ©  Mag. Philipp Ikrath, Jugendkulturforschung (PDF)