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Schriftdolmetscher – ein sehr neuer Tätigkeitsbereich

Die Kommunikationsdienstleistung zur Gewährleistung der Barrierefreiheit für Menschen mit Hörbeeinträchtigung und ein Schnellschreibservice für Unternehmen

Schriftdolmetschen – was ist das?

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Beim Schriftdolmetschen wird die Lautsprache in die Schriftsprache übersetzt. Mit dieser Erklärung können viele Menschen nur wenig anfangen. Und das ist verständlich, denn weder die Lautsprache noch die Schriftsprache wird gedanklich als „Sprache“ erfasst.

 

Schriftdolmetscher verschriftlichen das gesprochene Wort simultan, bei Bedarf zusammengefasst. Die in Österreich zertifizierten Schriftdolmetscher tippen das gesprochene Wort mit – in Höchstgeschwindigkeit. Und zwar in der Sprache, in der gesprochen wird. Die Arbeitssprache ist Deutsch. Der Nutzen: Barrierefreiheit. 

Barrierefreiheit für Menschen mit Höreinschränkung

Menschen mit Höreinschränkung wird durch das simultane Verschriftlichen des gesprochenen Wortes Barrierefreiheit gewährleistet und zwar jenen, die trotz Induktionsschleife, Hörapparat, Cochlea-Implantat und anderen technischen Hilfsmitteln dem Inhalt nicht ausreichend folgen können, da sie ihn schlicht und einfach nicht (gut) hören können. 

Die Hauptzielgruppe für diese noch sehr neue Sprachdienstleistung sind jene Menschen, die z.B. nach dem Spracherwerb einen Hörverlust erlitten haben, das heißt, die beispielsweise unter Tinnitus oder einem Gehörsturz leiden, die bereits mit einer Hörschädigung zur Welt gekommen sind oder aber zu den Spätertaubten zählen. Sie lernen die Gebärdensprache nicht oder nicht unbedingt, denn diese ist eine eigenständige Sprache, derer sich in der Regel gehörlose Menschen bedienen, die sie (meist) als Muttersprache erlernt haben. Bei vielen öffentlichen Veranstaltungen wird die Übersetzung in Gebärdensprache bereits angeboten, um gehörlosen Menschen Barrierefreiheit zu gewährleisten. Das Schriftdolmetschen hingegen ist eine eigene Disziplin, die einer anderen Zielgruppe Informationsgewinn zusichert und so für Inklusion und Teilhabe sorgt. 

UN-Behindertenrechtskonvention

Österreich ist der UN-Behindertenrechtskonvention beigetreten und hat diese im Jahr 2008 ratifiziert. Sie besagt u.a., dass Menschen Barrierefreiheit gewährleistet werden soll. Österreich hat sich mit der Unterzeichnung dazu verpflichtet, dies bis 2016 bei öffentlichen Veranstaltungen umzusetzen. Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung und für Spätertaubte ist durch das Schriftdolmetschen die Voraussetzung geschaffen. 

Ein Schnellschreibservice
für Unternehmen und Menschen ohne Hörbeeinträchtigung

Weitere wichtige Zielgruppen sind diverse Veranstalter, Gerichte, Geschäftskunden uvm. Besonders bei Auftraggebern aus der Wirtschaft ist der große Vorteil, dass sie Wortprotokolle innerhalb kürzester Zeit ausgefertigt erhalten. Die Zeitersparnis für den Kunden ist enorm. Ein oftmals gehörtes Feedback bei Veranstaltungen von Menschen ohne Hörbeeinträchtigung ist Dank und Staunen. Dank darüber, dass Schriftdolmetscher mitschreiben und eventuelle Aufmerksamkeitslücken oder Konzentrationslöcher füllen, Dank darüber, dass sie ein Wort oder eine Passage, die sie nicht verstanden haben, mitlesen konnten. Und Staunen darüber, dass es möglich ist, in einer derartigen Geschwindigkeit dauerhaft zu schreiben. 

Arbeitsweise der Schriftdolmetscher

Bei vielen Anlässen, insbesondere bei Veranstaltungen, Konferenzen, Gerichtsverhandlungen, Reden, Gesprächen, Diskussionen, Vortragen, beruflichen Angelegenheiten, Universitätsvorlesungen, aber auch bei Arzt- und Krankenhausbesuchen und sonstigen gesellschaftlichen Anlässen arbeiten Schriftdolmetscher mit Laptop und externer Tastatur, für die sie ein spezielles Stativ benutzen. Die Kunden lesen entweder direkt mittels Bildschirm mit oder bei Veranstaltungen wird die Mitschrift via Beamer an die Wand projiziert, damit das gesamte Publikum dem Inhalt nicht nur auditiv, sondern auch visuell folgen kann. 

Die in Österreich tätigen Schnellschreiber tippen mit einer Grundgeschwindigkeit von 400 Zeichen/Minute, diese sind die Voraussetzung für die Zertifizierung. Um diesen hohen Output und mehr erreichen zu können, ist das Zehnfingersystem so gut wie unumgänglich, blindschreiben ebenfalls. Ein eigens erarbeitetes Kürzelsystem hilft zusätzlich, um das Tempo zu erzielen und auch zu halten. Dieses System ist ein persönlich erstelltes und daher äußerst individuell. Wie umfangreich es sich gestaltet, bleibt jedem Schriftdolmetscher selbst überlassen; großes Augenmerk beim Aufbau wird darauf gelegt, dass es gut strukturiert ist, damit man es im richtigen Moment aus dem Gedächtnis abrufen und effizient umsetzen kann. 

Die Praxis zeigt, dass man nicht „blind“ einem Schema F folgen kann. Anpassungen müssen vorgenommen werden, Änderungen gegenüber muss man aufgeschlossen sein. Hat man ein Kürzel einstudiert und bemerkt plötzlich, dass es manchmal oder sogar oftmals hinderlich ist, so löscht und ersetzt man es. Durch den Rausschmiss eines Kürzel verletzt man mit ziemlicher Sicherheit eine Regel, der man sich selbst unterworfen hat. 

Der schönste Trost für ein getilgtes Kürzel findet sich in der deutschen Sprache selbst, denn wie heißt es so schön? Ausnahmen bestätigen die Regel. Und das gilt auch für diese in Österreich sehr neue Disziplin des Schnellschreibens. Die meisten Kürzel entsprechen der Denkart und der Logik des jeweiligen Dolmetschers. Andere ergeben sich für ganz automatisch – daher kommt es selbstverständlich vor, dass Buchstabenkombinationen oft „zufällig“ von unterschiedlichen Schreibern ident kreiert werden. 

Drei Beispiele seien angeführt, um zu verdeutlichen, um das Wievielfache man die Geschwindigkeit steigern kann:

  • sd; Schriftdolmetscher: 2 Anschläge, 18 Zeichen, 9-fache Geschwindigkeit
  • bf; barrierefrei: 2 Anschläge, 12 Zeichen, 6-fache Geschwindigkeit
  • hw; herzlich willkommen: 2 Anschläge, 19 Zeichen, 9,5-fache Geschwindigkeit  

Kosten

Die Kosten sind für Menschen mit Höreinschränkung über den Österreichischen Schwerhörigenbund einheitlich geregelt. Zusätzlich gibt es für Betroffene Förderungen durch das Sozialministerium Service

Engagement

Österreichs zertifizierte Schriftdolmetscher zeichnen sich durch Schnelligkeit, Genauigkeit und sehr großes Engagement gegenüber ihren Kunden aus. Sie sind empathisch, ergreifen aber keine Partei, sondern erfüllen – wie jeder andere Dolmetscher auch – gewissenhaft ihre Pflicht, nämlich die, den betroffenen Menschen eine wichtige und sinnvolle Kommunikationshilfe zu sein.

Gudrun Amtmann, Sprecherin der Schriftdolmetscher Österreichs gudrun@amtmann.at