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TransCert

Projekt zur freiwilligen Zertifizierung von ÜbersetzerInnen

Innerhalb der ÜbersetzerInnen-Community ist TransCert in den letzten Wochen zu einem Schlagwort geworden. Dr. Alexandra Krause, stellvertretende Leiterin des Zentrums für Translationswissenschaft der Universität Wien und Projektleiterin von TransCert präsentierte im Rahmen einer von Universitas Austria organisierten Veranstaltung das Projekt, stellte seinen (vorläufigen) Inhalt vor und diskutierte mit den TeilnehmerInnen über dessen Zukunft.

TransCert steht für „Trans-European Voluntary Certification for Translators“ und ist ein Projekt im Rahmen des Programms für Lebenslanges Lernen der Europäischen Kommission. Es baut auf dem Status Quo der Normung im Bereich Sprachdienstleistungen auf. Hier existiert im Augenblick auf europäischer Ebene die EN 15038 und 2014 soll auch international eine Norm, ISO 17100, veröffentlicht werden, die ähnliche inhaltliche Anforderungen enthalten wird. In diesem Rahmen soll TransCert eine speziell auf ÜbersetzerInnen ausgerichtete Zertifizierung darstellen, die sich gesamteuropäisch positionieren will und zu einer Stärkung der europäischen Übersetzungsstandards beitragen soll. Es handelt sich um eine Personenzertifizierung, die durch eine EU-weite Akkreditierungsinstitution durchgeführt werden soll.

Dr. Krause präsentierte mehrere positive Auswirkungen, die TransCert laut den Projektpartnern für ÜbersetzerInnen haben soll: Es soll zu einer Sichtbarmachung des Berufs und zu dessen Aufwertung beitragen, ebenso soll vorherige Berufserfahrung dadurch besser aufgezeigt werden und so einen Mehrwert für EinzelübersetzerInnen und einen Anreiz zur Fortbildung darstellen. Für KundInnen soll TransCert ein verlässliches Qualitätsmerkmal sein und zu einer einfacheren und sicheren Auftragsabwicklung beitragen. Die Zertifizierung ist im Augenblick auf zwei Jahre geplant, mit der Möglichkeit zur Re-Zertifizierung, Details dazu stehen jedoch noch nicht fest.

Organisatorisch besteht das Projekt aus sieben Partnern (darunter Universitäten, Verbände und privatwirtschaftliche (Übersetzungs-)Unternehmen), die das zu 75 % von der EU finanzierte Projekt tragen, sowie einem Advisory Board. Dieses setzt sich aus nationalen und internationalen Berufsverbänden und Unternehmen zusammen, die den Partnern Input und Feedback für die Erarbeitung des Projekts geben sollen und die Verbindung zur translatorischen Praxis herstellen sollen. Die Aufteilung der Projektarbeit erfolgt in sogenannten Work Packages, die sich mit Themen wie Projektmanagement, Qualitätsmanagement, Verteilung/Verbreitung, Zertifizierung und Ausbildungsrahmen, Ausbildung und Test+Train beschäftigen. Das Kernstück von TransCert stellen die Skill Cards dar, in denen festgelegt wird, über welche Kompetenzen TransCert-zertifizierte ÜbersetzerInnen verfügen müssen, und die sich an den Kompetenzen des EMT (European Master of Translation) orientieren. Die Skill Cards enthalten unter anderem folgende Punkte: Sprachkompetenz, Typografie und Interpunktion, Übersetzungskompetenz (z.B. Übersetzungsstrategien, Ethik im Beruf), fachspezifische Kompetenzen (Fachgebiete, spezifische Register), Informationsverarbeitung und terminologische Kompetenz (Informationsbeschaffung, Terminologie), persönliche Übersetzungskompetenz (Zeitmanagement, Angebots- und Rechnungslegung, Kommunikation, etc.), technologische Kompetenz (Evaluierung und Verwendung von Software) sowie transkulturelle Kompetenzen. Dr. Krause betonte, dass diese Kompetenzen viel zu umfassend seien, um sie in einem kurzen Trainingsprogramm, wie es als Vorbereitung auf die Zertifizierungsprüfung geplant ist, vermitteln zu können, dies sei auch nicht das Ziel des Projekts. Vielmehr sollten sich die ÜbersetzerInnen im Rahmen dieses Trainingsprogramms ihrer eigenen Kompetenzen bewusst werden und speziell an den Gebieten arbeiten, die sie als fehlend oder mangelhaft identifizieren. Im Augenblick ist ein 5-tägiges Training geplant, das durch Online- und Blended Learning unterstützt werden soll und als „Hilfe zur Selbsthilfe“ dienen soll. Laut Dr. Krause soll die Zertifizierung in Form einer Überprüfung der in den Skill Cards festgelegten Kompetenzen durchgeführt werden, wobei das Format erst im Laufe des weiteren Projektzeitraums (bis Ende 2014) erarbeitet werden soll und daher noch keine Details feststehen.

Zum Abschluss wurde nochmal hervorgehoben, dass die Zertifizierung auf vollkommen freiwilliger Basis erfolgen und einen Mehrwert für EinzelübersetzerInnen bieten soll. Ein genauer Zeitpunkt für die Einführung der Zertifizierung oder deren Umsetzung steht noch nicht fest, das Projekt und eventuelle Nachfolgeprojekte sind mittel- bis langfristig auf mehrere Jahre ausgelegt. Ebenso betonte Dr. Krause, dass im Augenblick die Möglichkeit zur Zertifizierung nur Personen mit Universitätsabschluss geboten werden soll.

Bei der Beantwortung von Fragen aus dem Publikum waren sowohl positive als auch negative Meinungen zu hören, wobei Dr. Krause immer wieder betonte, dass am Ende des Projektzeitraums keine fertige Zertifizierung stehen werde und viele Parameter erst im weiteren Verlauf ausgearbeitet werden müssen.