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Zwei Vorträge im Zeichen von Tempo und Sinnhaftigkeit

Welche Tools und Suchwerkzeuge vereinen Schnelligkeit, Einfachheit und Einsetzbarkeit?

Eine unerlässliche Frage bei Konferenz- und allen Fachdolmetschungen, die übersichtlich aufgebaute gleichzeitig ebenso einfache und schnelle Programme und Suchfunktionen benötigen. Im Zusammenhang mit Übersetzungen stellt sich synchron immer häufiger die Frage der Sinnhaftigkeit sowie Wirtschaftlichkeit einer reinen Humanübersetzung. Wann und für welchen Kundenkreis ist die maschinelle Übersetzung die richtige Wahl? Wie sollte sie im Idealfall durchgeführt werden? Eröffnet sich durch das Editing ein interessantes Berufsfeld für Sprachdienstleister?


Für den Vortragenden Bruno Ciola, bilingual in Italienisch und Deutsch, CAT-Trainer und EU-Konferenzdolmetscher mit akademischer Ausbildung, gehört die Lösungsfindung zum Kabinenalltag. Im Laufe eines ganztägigen Workshop unter dem Titel „Terminologie- und Informationsverwaltung für Konferenzdolmetscher“ am 12.01.2015 im Wifi Wien, teilt Ciola nicht nur seine persönlichen Erfahrungen, sondern gibt darüber hinaus einen praktischen Einblick in die breite Palette der derzeit beim Konferenzdolmetschen einsetzbaren Terminologie-Tools. Präsentiert wurden Programme mit Hinweisen auf die Systemvoraussetzungen, in Verbindung mit der Anzahl der Sprachen und Sprachkombinationen, die Genauigkeit und Gleichzeitigkeit bei der Suche, Eingangsstrukturen, Import/Exportformate, sonstige Funktionen und deren Nachteile.


Während der Vormittag zunächst der theoretischen Einführung der Verwaltungs- und Suchtools zum Zweck des Terminologiemanagements und der Termextraktion dient, werden am Nachmittag der Teilnehmer und die Teilnehmerinnen zur Anwendung und Austestung der präsentierten Tools gebeten.


Nun stellen Sie sich vor, Sie übernehmen in der Kabine, in ein paar Minuten beginnt die Konferenz im Anschluss an den Vortag, Sie haben Ihre Tools bereit, dürfen annehmen, dass Ihre Formate im gegebenen Umfeld auch teamtauglich sind, vertrauen der Sicherheit der Internetverbindung. Last not least, ist Ihnen bewusst, dass Lösungsfindung auch während des Dolmetschens angesagt ist.


  • Wozu Kabinentools überhaupt? Um den translatorischen Akt im Sinne der Dolmetschtätigkeit reproduzierbar und nachvollziehbar zu gestalten, dienen eigens entwickelte Kabinen-Tools, die sich bei geeigneter Systemvoraussetzung auch als effektive Suchwerkzeuge erweisen.

  • Was muss bei der Vorbereitung beachtet werden? Natürlich ist fundiertes Basiswissen im geistigen Handgepäck des Dolmetschs ohnehin dabei. Um den Anforderungen in der Kabine gerecht zu werden, wird erst durch die kompetente spezifische Vorbereitung auf die Konferenz die entsprechende Terminologie griffbereit. Hinzukommt nun die Bereitstellung und der Einsatz geeigneter Kabinentools. Beim Kabinendolmetschen wird dann auf die exakte Wiedergabe der Information in die Zielsprache fokussiert. Schnelligkeit, Präzision und Richtigkeit lautet nun der Ténor. Deshalb ist das richtige Umgehen mit Informationsverwaltungssystemen im Vorfeld zu beherrschen. Richtigkeit im Laufe des Konferenzdolmetschens wird gewährleistet durch optimale Recherchen. Auch hier verweist Ciola auf einige Lösungen, wie direkte Online-Suche oder Terminologierecherche im Internet beispielsweise mit Copernic Desktop Search in den Formaten Office, pdf, u.a.

  • Wie wird Effektivität der Tools im Team optimiert? Da bei EU-Konferenzen einzelne Themen tagelang behandelt werden, erweisen sich Hilfsmittel zum Zweck des Terminologiemanagements und der Termextraktion als besondere Assistenz im Team, sofern sie stimmig sind, indem sie ermöglichen, effizient und nachvollziehbar Termini punktuell zu extrahieren und zu definieren. Zum Zweck einer raschen Nachvollziehbarkeit der Translation/Übersetzung für Kolleginnen und Kollegen im Team hat der unmittelbare und sichere Zugriff auf die entsprechende Terminologie-Datenbank effektiv und verlässlich zu verlaufen. Diesbezüglich sollte darauf geachtet werden, dass bei den Formaten - ob nun pdf, DOC, XLS, PPT, HTML oder ZIP - Kompatibilität und Stimmigkeit der unterstützenden Programme im Team gewährleistet sind. Ein Austausch mit Kollegen und Kolleginnen kann eine Bereicherung in der Optimierung der für einen selbst geeigneten Tools sein.

  • Welche Tools kommen in der Kabine mit welchen Sprachkombinationen in Frage? Präsentiert werden für Übersetzer gängige Tools wie Glossarmanager, Glossary Assistent, interplex, InterpretBan, Interpreters Help, Intragloss und Terminus. Veranschaulicht wird mittels Demoversionen die Anwendung derselben. Lediglich die Frage des praktischen Einsatzes - im Sinne von Tempo und Effektivität - in der Kabine muss jeder für sich selbst herausfinden. Dazu war das Nachmittagsprogramm vorgesehen. Vorwiegend getestet wurde in den Sprachkombinationen Englisch und Deutsch, sowie Italienisch und Deutsch mittels Demoversionen wie auch Terminology Wizard, dessen Funktionsweise insbesondere für die bei EU-Konferenzen weniger gängigen Sprachen wie Türkisch, Russisch, eingeübt sein sollte. Auch in EU-gängigen Sprachkombinationen untereinander - wahlweise zwischen Englisch, Italienisch, Deutsch, Französisch, Portugiesisch, Polnisch und Spanisch - wird ohne regelmäßiges Updaten der Tools eine Lösung kaum denkbar sein.

  • Welche Formate wären „kabinengeeignet“? Formate wie pdf, csv, htm, .xls, .ppt, .doc, .mcm, .dot, .rtf, .xml, pst werden bei Indexierung und Suche mittels Archivarius in verschiedenen nicht näher angeführten Sprachen eingesetzt. Je eingeschränkter die Sprachkombination, desto effektiver gestalten sich Terminologiemanagement und Termextraktion. Vorzuschlagen wären gängige Formate wie Word, Excel, Excel online (googledocs), Access, Filemaker, kombiniert mit gängigen Terminologiemanagement-Tools wie SDL Multiterm, Uniterm u.a. Ob in Vollversion oder nur für eine einzelne Termsuche, ob Androide oder eine andere Benutzeroberfläche, ob Unterstützung oder automatisierte Suche, reine Glossarverwaltung, Import und/oder Export der Daten, Corpuserstellung, Termextraktion, integrierte Internetsuche, es gilt empirisch herauszufinden, wie welches Tool am effektivsten dienlich sein kann. Und das alles am besten in Absprache mit den Teamkollegen und Kolleginnen.

  • Was sollte sonst noch beachtet werden? Ob Tablet oder Notebook, welcher Anbieter (Apple, Mac…) mit Berücksichtigung auf die Art der Anschlüsse, USB, Tastatur, Gewicht, Umfang, Batterielaufzeit, Internettauglichkeit, WLAN, Platz in der Kabine, Geräusche, Energieverbrauch u.a. in Frage kommt, sollte ebenfalls im Team stimmig sein. Entscheidend sein können Details, wie etwa der Stromanschluss in der Kabine; oder, inwieweit der Datenschutz bei Internetzugang gegeben ist; oder, wie hoch wohl der Geräuschpegel im Vergleich zum Blättern von Papier ist. Auch personenbezogene Faktoren, nämlich inwieweit sich der Ermüdungsfaktor des Dolmetschs durch die Anwendung von Laptop, Bildschirm, Android-Benutzung erhöht, oder, wie viele geöffnete Fenster Effektivität gewährleisten.


Selbst während der kurzen Pause hatte der Vortragende Bruno Ciola ein offenes Ohr für einfache praktische Lösungen und zögerte nicht bis in kleinste Details Tipps zu geben, und Fragen zu beantworten. Er wies auf die Notwendigkeit hin, mit den auf sich selbst als Person und Dolmetsch zugeschnittenen Tools eigens vertraut zu werden, um eine höchstmögliche Effektivität zu erreichen. Die optimale persönliche Lösung unter der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Tools und deren Kombinationen konnten der Teilnehmer und die Teilnehmerinnen selbst herausfinden, um einen hohen Grad an Tempo und Effektivität zu erreichen. Ein interessanter Workshop, der zu einer persönlichen Lösungsfindung ermutigt hat.

 

In seinem zweiten VortragMaschinelle Übersetzung und Post-Editing: eine Einführung“ führte Bruno Ciola am 13.01.2015 im Gewerbehaus begründet aus, wie Globalisierung, fortschreitende ökonomische zudem digitale Vernetzung die maschinelle Übersetzung weltweit an Bedeutung gewinnen lassen. Gute Beispiele hierfür sind diverse Onlineratgeber und Portale mit ständig fluktuierenden Inhalten so zum Beispiel TripAdvisor oder City-Portale aus der Tourismus- und Freizeitbranche oder Kataloge mit Kurzbeschreibungen, vereinfachte vereinheitlichte Anleitungen und Supportseiten verschiedener Softwareprogrammanbieter in Industrie und Technik. Wie eindeutig ersichtlich ergibt sich die zielführende Anwendung aus dem Zeitfaktor, dem Datenvolumen, der Anzahl der Sprachpaare und den vertretbaren Kosten.


Verwendete Systeme reichen von kostenlosen Übersetzungsprogrammen (Moses, Apertium, GoogleTranslate, Microsoft Bing oder MyMemory) bis zu trainierbaren Produkten spezialisierter Anbieter (KantanMT, LetsMT, MateCAT, ProMT/ DeepHybrid oder Systran Enterprise Server). Die Entscheidung für oder gegen eine Software bzw. die Nutzung mehrerer Systeme beruht sehr vereinfacht auf der Art des Systems, der Datensicherheit, den Sprachpaaren, den verfügbaren TMs oder Glossaren und der Schnittstelle mit dem CAT-Tool.  


Unabhängig vom Ansatz des Editings, Pre- und oder Post-Edition, werden drei Vertreter von Systemen präsentiert: regelbasierte MÜ (RBMT), nicht trainierte, speziell trainierte oder adaptierte statistische MÜ (SMT) und hybride MÜ (hybrid MT; RBMT mit Daten für Post-Edition oder SMT mit Regeln für Post-Edition). Hohe Konsistenz und Stabilität garantierende RBMT erfordert großen Aufwand u.a. für die Einstellung der Parameter, eignet sich allerdings nicht für jedes Sprachpaar. Die einfachere und kostengünstigere trainierte SMT findet bevorzugt bei großem Textvolumen und ergiebigem Datenmaterial Verwendung. Sie basiert auf der statistischen Analyse meist zweisprachiger Texte unter Verwendung von TMs, Glossaren, Listen für nicht zu übersetzende Wörter oder Zeichen und Referenztexten und liefert nach entsprechender zyklischer Vorbereitung gute Übersetzungsqualität. Entscheidende Komponenten dieses Prozesskreislaufes sind bereinigte Datensammlungen für die Speisung der „Engines“ in der Cloud-basierten Plattform je Fachgebiet und Sprache, die Bewertung der Übersetzungsergebnisse und ihre Übertragung auf Optimierung sowie Datenaufbereitung. Der Vergleich der BLEU (Bilingual evaluation understudy), Meteor (Synonyme, stemming) oder NIST (Gewichtung) Werte ist nur innerhalb desselben Systems sinnvoll.


Das als Dienstleistung für den Kunden aufbereitete Post-Editing erreichbar als publishable quality (full PE) oder understandable level (light PE) verbessert auf Basis sinnvoller Richtlinien auf breitem Fundament die Qualität der Leistung. Tarifmodelle nach Verrechnung der MÜ-Segmente wie Fuzzy-matchs oder Abrechnung nach Aufwand pro Zeiteinheit sind lediglich zwei Leitaspekte einer vielfältigen Verrechnungspalette. Der Post-Editor, bevorzugt Muttersprachler in der Zielsprache, bringt sich nicht nur als Übersetzer ein, sondern trägt auch mit hervorragenden Kenntnissen der Programme und Übersetzungsumgebungen zum Erfolg bei. Das Wissen über Prüfprogramme wie ErrorSpy oder QADistiller, Funktionen in Trados und MemoQ über die Anzahl der Änderungen zur Vorübersetzung und die Aufzeichnung der benötigten Zeit sind indes für jeden Sprachdienstleister nützlich.


Zusammenfassend war der Vortrag eine Überraschung auf breiter Ebene mit gut aufbereiteter Hintergrundinformation. Angefangen vom Aufbau, der Funktionsweise bis zur Weiterentwicklung mit Selbstlernfunktion blieb kein Aspekt offen. Die Sinnhaftigkeit ihres Einsatzes für Einzelübersetzerinnen und Einzelübersetzer war neben der Sicherheit der Daten in unterschiedlichen Programmen ein Fragenschwerpunkt. Auf Grundlage der Anwendung einerseits und der Sinnhaftigkeit anderseits ist die allgemeine Diskussion über die Eins-zu-Eins-Ersetzbarkeit sachlich nicht tragfähig. Auch eröffnete diese Veranstaltung die Chance die Möglichkeiten und Herausforderungen an einen Editor kennenzulernen.


Danke für diese aufhellenden Beiträge zu unserem Fachwissen.    


Nachbericht von Mag. Lisa Budin und Diana Rumpler


Sprachdienstleister für Übersetzungen und Dolmetschungen


Einen weiteren Nachbericht sowie Unterlagen und Fotos finden sie hier