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Positionsschreiben:
Supervision, Coaching sind keine freien Berufe

17.2.2016 Die FG Wien Personenberatung und Personenbetreuung spricht sich gegen eine Tätigkeit ohne Gewerbeberechtigung gegenüber Dr. Knopf aus

Sehr geehrter Herr Dr. Knopf,

es ist richtig, dass wir Ihre Mitglieder angeschrieben haben. Mitglieder, die von ÖVS-akkreditierten Ausbildungsinstituten ausgebildet und in der Überzeugung genährt wurden, Supervision und auch Coaching wären ein freier Beruf und demgemäß dürfe man diese Tätigkeiten ohne jegliche Gewerbeberechtigung selbstständig ausüben: Dieser Interpretation der österreichischen Rechtslage widersprechen wir vehement

Festhalten möchte ich, dass wir seit Jahren bemüht waren, mit der ÖVS bzw. deren RepräsentantInnen ins Gespräch zu kommen, um hier auf vernünftige Weise zu einer Einigung im Sinne einer win/win Lösung zu gelangen. Einige VertreterInnen unserer Berufsgruppe waren mehrfach beauftragt, Sie zu kontaktieren und in Dialog zu treten, wurden jedoch in einer abschätzenden Weise ignoriert

Auf der Grundlage des Auftretens und auch der scheinbaren Ignoranz einiger ihrer Mitglieder gegenüber den rechtlichen Fakten habe ich in meiner Funktion als Fachgruppenobmann die Interessen von 1.500 Lebens- und SozialberaterInnen zu vertreten. In diesem Sinne bin ich bemüht einen rechtlichen Weg zu beschreiten, um hier endlich Klarheit, Rechtssicherheit für alle und Fairness gegenüber Mitgliedern unserer Berufsgruppe und unserem gesetzlich verankerten Tätigkeitsfeld zu erwirken.

Nun erlaube ich mir auch konkret zu ihren Ausführungen Stellung zu beziehen:

Es gibt keinerlei Rechtsgrundlage, Supervision als freien Beruf auszuüben. Das von ihnen zitierte Schreiben hat keinerlei Gesetzes- oder Verordnungswert, es handelt sich um die bloße Meinung eines Ministeriums. Wie in unserem Brief angeführt, gibt es klare Rechtsgrundlagen für die selbstständige Ausübung von Supervision und Coaching und zwar einerseits die Gewerbeordnung (insbes. § 119 GewO) und andererseits das Psychotherapiegesetz sowie das Psychologengesetz.

Selbst, wenn man den zitierten Schreiben rechtliche Bedeutung zumessen will, ergibt eine rechtlich richtige Interpretation, dass Supervision unzweifelhaft eine Tätigkeit der Lebens- und Sozialberatung, somit eines reglementierten Gewerbes ist.

Folglich bleibt kein Raum für eine selbstständige Ausübung der Supervision außerhalb der Gewerbeordnung einerseits oder des Psychologengesetzes oder Psychotherapeutengesetzes andererseits! Dasselbe gilt im Ubrigen selbstverständlich auch für das Coaching, welches ein Kernstück des Gewerbes der Lebens- und Sozialberatung darstellt.

Coaching - wie auch Supervision - ist gewerberechtlich betrachtet eine Subkategorie der Lebensberatung. Das englische Wort Coaching wird am österreichischen Markt gerne zur Verschleierung einer beratenden Tätigkeit vorgeschoben, um tatsächlich die Tätigkeit einer Lebensberatung nach §119 der Gewerbeordnung durchzuführen. Zum Schutze von KlientInnen gibt es eine staatliche Ausbildung zur Lebens- und Sozialberatung und eine klare Anbindung an gesetzlich verankerte Standesregeln, die jede/r Lebens- und Sozialberater/in, die/der Personen berät, zu beachten hat. Anhand dieser verbindlichen Standesregeln können auch BeraterInnen, die ihre Position als BeraterInnen hinsichtlich eines/einer Klientin missbrauchen, behördlich belangt werden. Alle Coaches, die keine gewerberechtliche Befugnis haben, entziehen sich diesen Standesregeln. Das kann nicht im Sinne der Gesetze sein!

Es zeugt entweder von Unwissenheit oder Desinteresse Ihrerseits zu meinen:

“Außerdem möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass die von der ÖVS verlangten und zu erfüllenden Kriterien für die Zulassung zur Ausbildung zum Supervisor/Coach, für die Curricula der Ausbildungen, für die Aufnahme als Mitglied und die interne Qualitötssicherung höheren Qualitätsanforderungen und Standards entsprechen als es in Ihrer Gewerbeordnung geregelt ist.“ (zitiert aus Ihrem Brief an mich)

Alle Lebensberaterlnnen haben eine profunde staatliche Ausbildung, die durch das Wirtschaftsministerium zertifiziert wird und gesetzlich verankert ist! In Summe benötigt ein/e Lebensberaterln bis zu 1 .400 Ausbildungs- und Praxisstunden (60%) bevor er/sie durch die Gewerbebehörden autorisiert und legitimiert wird, Coaching anbieten zu dürfen. Als bleibende Qualitätssicherung hat der Gesetzgeber zusätzlich Standesregeln gesetzlich
verankert. Dadurch ist ein/e Lebensberaterln bei Verfehlungen behördlich belangbar und wir als Interessenvertretung können ebenfalls regulierend einschreiten, um so Klientlnnen vor unqualifizierten psychosozialen Interventionen zu schützen. Die ÖVS ist ein privatrechtlich organisierter Verein und kann außer vereinsbezogenen Aussagen und Verweisen auf Qualitätsbemühungen auf keinerlei gesetzliche Qualitätskontrollstrukturen verweisen. Zu respektieren ist jedenfalls, dass Sie sich bemühen, sich selbst zu
kontrollieren!

Lebensberaterlnnen können sich mit weiteren 200 Stunden Fortbildung zu einem/einer Supervisorln sozialisieren und sind dann gesetzlich befugt, als Supervisorln psychosoziale Supervision anzubieten. Mit dieser Ausbildung kommt nun ein/e LSB-Supervisorln auf eine eigene WKO- Liste und ist nun gesetzlich berechtigt und befugt, wie auch fachlich bestens befähigt, Supervision anzubieten. Hierbei sprechen wir von einer “quantitativen
Ausbildungsqualität“ von insgesamt 1 .600 Ausbildungsstunden, die bei gesetzlich befugten ausbildungsberechtigten Personen absolviert wurden.

Angesichts dieses Ausbildungsprozesses ist es nicht nachvollziehbar und gänzlich unverständlich von Ihnen zu meinen, die ÖVS würde eine höhere Qualität liefern und fordern, als unser staatlich verankertes Ausbildungssystem. In keiner Weise kann Ihr Ausbildungssystem auch nur annähernd eine der Lebensberater- Ausbildung vergleichbare Qualität, staatliche Akzeptanz, wie auch staatliche Kontrollinstanzen vorweisen.

Schon gar nicht verfügt die ÖVS über die Befugnis, staatlich zu zertifizierende Lebensberater-Lehrgänge anzubieten. Nur diese befähigen Absolventlnnen zum gewerblichen Angebot von Coaching. Dieser fatale Irrtum kann dazu führen, dass von der ÖVS ausgebildete Personen, denen vermittelt wurde, auf Basis der ÖVS-Coachingausbildung selbstständig Coaching ohne entsprechende Gewerbeberechtigung anbieten zu dürfen, Schadensersatzforderungen gegen die OVS einbringen, um die Kosten der Ausbildung rechtlich einzufordern.

Gerne bin ich zu einem konstruktiven Gespräch bereit, werde aber trotzdem einen rechtlichen Weg zur Klärung suchen, um Transparenz und Klarheit auf dem “Coachingmarkt“ zu erwirken.

Freundliche Grüße

Mag. Harald Haris G.Janisch         Mag. Martin Kofler

Fachgruppenobmann                    Fachgruppengeschäftsführer

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Positionsschreiben vom 17.2.2016 an Dr. Knopf im Original PDF