Sparte Industrie

Keine langfriste Entspannung bei Gasversorgung

Um die Versorgungsicherheit in Österreich dauerhaft zu ermöglichen, ist ein Ausbau der Transportkapazitäten für den Import aus Deutschland unbedingt notwendig. Industrie fordert Diversifizierung und heimische Erdgasproduktion.

Lesedauer: 3 Minuten

22.09.2023

Die Befüllung der österreichischen Gasspeicher war heuer erfolgreich. Bereits Mitte August sind die österreichischen Gasspeicher zu 90 Prozent gefüllt. Das entspricht mehr als 87 Terawattstunden (TWh) Erdgas – etwa dem Verbrauch des gesamten Vorjahres. 2022 wurde dieser Füllstand erst Ende Oktober erreicht.

Das beruhigt zwar kurzfristig, wie man auch an den Preisen im kurzfristigen Handel sieht. Mittel- und langfristig sind wir aber leider noch immer nicht über den Berg und die Unsicherheit auf den Märkten noch immer präsent. Auch das zeigen die Gaspreise. An den Gashandelsplätzen werden Futures weiterhin mit Preisen über 50 Euro/MWh gehandelt und damit mit Aufschlägen von zum Teil über € 20 Euro/MWh auf den aktuellen day-ahead-Preis.

Ukraine schließt Gespräche mit Russland über Gastransit aus

Die Regierung in Kiew will sich nicht an Gesprächen mit Russland über den Transit von russischem Gas durch ukrainisches Territorium beteiligen. "Wir werden ganz sicher nicht an Gesprächen mit den Russen teilnehmen, das ist absolut klar", sagte der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko. "Das nächste Jahr wird zeigen, ob Europa ohne russisches Gas auskommen kann." Die Voraussetzungen dafür seien seiner Ansicht nachgegeben. Russland hatte in Aussicht gestellt, den Vertrag über den Gastransit durch die Ukraine über das Jahr 2024 hinaus zu verlängern, wenn die Europäische Union (EU) weiterhin russisches Gas benötige. Die EU hat sich im Rahmen der Sanktionen gegen Russland wegen des Einmarschs in die Ukraine verpflichtet, bis 2027 auf russisches Gas zu verzichten.

Transportkapazitäten aus Deutschland ausbauen

Um die Versorgungsicherheit in Österreich auf ein ausreichendes Maß zu heben und die Diversifizierung von Lieferquellen dauerhaft zu ermöglichen, ist ein Ausbau der Transportkapazitäten für den Import aus Deutschland unbedingt notwendig. Die entsprechenden Projekte der Gas Connect Austria, die zusätzliche Importkapazität schaffen würden, sind von der Regulierungsbehörde E-Control dem Grunde nach genehmigt worden. Ob es für diese Investitionen die entsprechende Marktnachfrage gibt, versucht Gas Connect Austria aktuell mit der Abfrage für zusätzlichen Kapazitätsbedarf, die im Rahmen des Verfahrens für neu zu schaffende Kapazität (Start 2023) durchgeführt wird, herauszufinden. Langfristige Buchungen, die für die Wirtschaftlichkeit der Projekte notwendig sind, erscheinen angesichts der herrschenden Rahmenbedingungen unwahrscheinlich. Ein Plan B, wie die für die Versorgungssicherheit notwendigen Investitionen ausgelöst werden, muss rasch mit politischer Unterstützung ausgearbeitet und umgesetzt werden!

Gasspeicherumlage verteuert Importe aus Deutschland

Darüber hinaus erschwert die seit 1. Oktober 2022 für Exporte aus Deutschland vom deutschen Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE) verrechnete Gasspeicherumlage die Diversifizierung von Gaslieferungen nach Österreich. Seit 1. Juli 2023 verteuert diese Umlage Importe nach Österreich um € 1,45/MWh, die aktuelle Unterdeckung des Gasspeicherumlagekontos des THE im Ausmaß von rund 8,6 Mrd. Euro wird trotz der Erhöhung der Umlage wohl nicht so schnell behoben sein. Auf Basis der Vorjahreswerte für Importe aus Deutschland verursacht die Umlage mehr als 100 Mio. Euro Zusatzkosten pro Jahr für den österreichischen Gasmarkt.

Erster Schritt zu Probebohrung in Molln

Die Firma ADX hat von der Montanbehörde West die Bewilligung für eine Probebohrung nach Erdgas bei Molln bekommen. Ob in der Nähe des Nationalparks Kalkalpen tatsächlich gebohrt werden kann, hängt aber vom naturschutzrechtlichen Bescheid des Landes ab. Sobald ein positiver umweltrechtlicher Bescheid des Landes Oberösterreich vorliegt, könne mit den Arbeiten begonnen werden. Die Bohrungen und Tests müssten im Winter – von Oktober bis Ende März 2024 – stattfinden. Dazu habe man im Sinne des Naturschutzes verpflichtet. Sollte bei der Probebohrung Gas in ausreichender Menge gefunden werden, bedürfe es einer neuerlichen Bewilligung der Herstellungsbohrung. Vermutet werden beim Bohrplatz Welchau 24 Mrd. Kubikmeter Erdgas, was einer Gesamtenergie von 270 TWh entspreche.

Diversifizierung und heimische Erdgasproduktion gefordert

"Jede Kilowattstunde Energie, die in Österreich oder in der EU erzeugt wird, reduziert unsere Abhängigkeit von unzuverlässigen Partnern und wirkt zusätzlich dämpfend auf die europäischen Energiepreise. Erdgas ist für die Grundversorgung des Industrielands Österreich eine zwingend notwendige Brückentechnologie", so die Vertreter der heimischen Industrie. „Für die Stromproduktion und die Industrie sind wir noch viele Jahre auf Erdgas angewiesen. Auch heimische Erdgasproduktion muss somit ein Thema bleiben.“

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