Stadlober
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„Auf den Pisten wird nicht weniger los sein“

Der ÖSV gilt als wesentlicher Motor für den Wintersport und die Tourismuswirtschaft. Präsidentin Roswitha Stadlober über Klimaschützer auf Pisten, Leistung im Sport und hohe Liftkartenpreise.

Lesedauer: 2 Minuten

Aktualisiert am 08.02.2024

Klaus Höfler


„Kärntner Wirtschaft“: Wintersport, speziell Ski­fahren, ist empfindlich teurer geworden. Wie glücklich sind Sie mit dieser Entwicklung?
Roswitha Stadlober: Erstaunlicherweise redet man meist nur von den teuersten Skigebieten und Liftpasspreisen. Dass es attraktive Zeit- und Saisonkarten, kleinere und mittelgroße Skigebiete mit günstigeren Tarifen gibt, wird scheinbar bewusst nicht in den Vordergrund gestellt. 

Dennoch: Haben Sie Angst, dass der Breitensport zum Luxusgut wird – und den heimischen Skivereinen der Nachwuchs wegbricht?
Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Seilbahnen in Österreich ist gerade im Vergleich mit internationalen Skigebieten sehr gut. Für Vereine und Nachwuchsförderung braucht es weiterhin leistbare Angebote. Als Verband versuchen wir das zu unterstützen und bieten zum Beispiel all unseren Mitgliedern attraktive Ermäßigungen bei über 80 Seilbahnen und Liften in ganz Österreich an. Dass auf den Pisten weniger los sein wird, glaube ich nicht, denn Skifahren ist bei uns nach wie vor der beliebteste Freizeitsport im Winter. 

Viele Unternehmen klagen über einen beschädigten Leis­tungsbegriff in unserer Gesellschaft. Nehmen Sie das auch wahr?
Wir fördern Sportlerinnen und Sportler, die ihrer Leidenschaft nachkommen – Leistung steht hier ganz klar im Fokus. Das Team hinter den Athleten sieht sich als Dienstleis­ter für das Erreichen der sportlichen Ziele. 

Zu Beginn der alpinen Skiweltcupsaison gab es Kritik an Ort und Zeitpunkt des Auftakts am Gletscher in Sölden. Haben Sie Verständnis für die Proteste von ­Klimaschützern?
Als Veranstalter dieser Wettkämpfe sind uns faire und sichere Bedingungen für die Sportlerinnen und Sportler besonders wichtig. Um Fairness und Sicherheit sicherzustellen, appellieren wir daher an Klimaschützer, dass sie einzelne Sportevents nicht als öffentlich wirksame Bühne nutzen. Wir laden gerne ein, mit uns Lösungsansätze zu diskutieren und gemeinsam Handlungsfelder zu erarbeiten. 

Wurde und wird man da zu Unrecht zur Zielscheibe?
Wir alle wissen, dass ein globales Problem wie die Klimaerwärmung nur durch einen gemeinsamen Kraftakt gelöst werden kann. Wir als ÖSV arbeiten an unseren Hausaufgaben in verschiedenen Bereichen. Klare, sinnvolle und nachvollziehbare Aktivitäten für die klima- und umweltpolitischen Herausforderungen sollten sachlich an einem runden Tisch mit zielführender Gesprächskultur geführt werden. 

Wie sehr schadet dieses Sündenbock-Image dem Wintersport, aber vor allem auch der Tourismuswirtschaft?Nächtigungszahlen der Tourismuswirtschaft, Rekordumsätze einzelner Skifirmen oder auch Fakten und Studien von Skitourismusforscher Günther Aigner zeigen, dass der Wintersport ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in unserem Land ist. Die breite öffentliche Diskussion zeigt den hohen Stellenwert des Skisports in Österreich. Die öffentliche Diskussion darf nicht dazu führen, dass Menschen, und vor allem junge Menschen, im Land die Freude an der Bewegung in der Natur verlieren. 

Wann soll der Skiweltcup 2024/25 starten?
Ein späterer Saisonbeginn und eine Verlängerung der Saison sind eine Option für die Zukunft, auch wenn die aktuellen Daten zeigen, dass das Interesse am Skifahren bereits im März rapide abnimmt. Selbstverständlich verschließen sich die Bergbahnen, ÖSV und FIS nicht den klimatischen Entwicklungen und beharren stur auf diesem Termin Ende Oktober. Sollten die Wetterdaten auf einen anhaltenden Trend hinweisen, dass Rennen im Spätherbst abgesagt werden müssen, wird der FIS-Kalender mit Sicherheit entsprechend angepasst werden.


Stadlober Roswitha Stadlober
Roswitha Stadlober (60) ist seit Oktober 2021 Präsidentin des Österreichischen Skiverbands (ÖSV). Sie war Slalomweltcupsiegerin und Silbermedaillengewinnerin bei der WM 1987 sowie Österreichische Sportlerin des Jahres 1986. Von 1999 bis 2004 war Stadlober Sportsprecherin im Salzbuger Landtag. Die zweifache Mutter ist mit dem ehemaligen Weltklasse-Langläufer Alois Stadlober verheiratet. Bis heute startet sie regelmäßig bei Sport- und ­Marathonläufen.
Dieses Interview erschien in Ausgabe 3. 


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