Fladnitzer
© Moser

In Weitensfeld schaffen sie ein Stück Ewigkeit

In fünfter Generation hält Petra Fladnitzer-Tatschl zusammen mit fünf Mitarbeitern in Weitensfeld im Gurktal das uralte Schmiedehandwerk aufrecht und steht mit Leidenschaft für die nicht enden wollende Vielfalt an Produkten, die aus Metallen hergestellt werden können.

Lesedauer: 2 Minuten

Aktualisiert am 25.01.2024

Von Johannes Moser 


Betritt man die großzügig angelegte Produktionshalle der Kunstschmiede Josef Fladnitzer in Weitensfeld, so zischt, faucht und funkt es an allen Ecken und Enden. Die Notwendigkeit, die Innenräume stark zu beheizen, ist hier nicht gegeben, spielen doch hohe Temperaturen eine große Rolle, wenn es gilt, Metalle auf eine kreative Art und Weise zu verformen. Was 1856 als klassische Wagen- und Werkzeugschmiede begann, ist mittlerweile ein Refugium für die hohe Kunst der Metallurgie. „Möglich ist in der Schmiede grundsätzlich alles – vom Einfahrtstor über das Fens­tergitter bis zum Handlauf oder die Grabstätte“, sagt Geschäftsführerin Petra Fladnitzer-Tatschl, die den Betrieb von ihrem Vater übernommen hat. „Schon von klein auf hege ich große Faszination für das Schmiedehandwerk und hoffe stark, dass dieses auch in der Zukunft erhalten bleiben wird.“ 

Der Fachkräftemangel ist auch in einem Nischengeschäft wie ihrem stark spürbar. Seit einigen Monaten wird jedoch wieder ein Lehrling im Gurktal zum Kunstschmied ausgebildet. Petra Fladnitzer-Tatschl: „So wunderschön der Beruf ist, so komplex ist er auch. Der Schmied führt nämlich zusätzlich zur filigranen Schmiedearbeit auch Schlossertätigkeiten aus. Obendrein ist die kräftezehrende Arbeit nicht zu unterschätzen“.

Wachsames Auge im ­gesamten Prozess

Die Betriebswirtin, die nach Abschluss ihres Studiums in Graz eine Fülle an Kursen rund um das Schmiedehandwerk absolviert hat, sieht vor allem die Individualität als große Stärke. „Egal, ob der Kunde ein Familienwappen, eine Jahreszahl oder kreativ gestaltete Initialen auf dem Endprodukt haben möchte: Wir versuchen, auf alle Bedürfnisse einzugehen.“ Jedes einzelne Projekt wird händisch auf Papier entworfen und gemeinsam mit dem Kunden besprochen. Der Kundenstamm des Betriebs erstreckt sich in erster Linie über Kärnten und die Steiermark, wobei grundsätzlich auch der Wiener Raum oder sogar das nahe Ausland mit geschmiedeten Kunstwerken aus dem Gurktal beliefert werden. „Kürzlich haben wir ein tolles Projekt bei Triest umgesetzt, wo wir ein größeres Anwesen komplett mit unseren Erzeugnissen ausgestattet haben“, zeigt sich die Mutter einer erwachsenen Tochter stolz. 

Alle Kunden eint die Liebe und das Gespür für wertvolle Handarbeit. Die Chefin wacht über alle Schritte im gesamten Prozess: „Ich nehme beim Kunden Maß, zeichne den Entwurf und bin dann auch bei jeder Montage vor Ort dabei.“ Auch aufgrund des hohen Grades an Verlässlichkeit hat man sich im Laufe der Jahre einen hohen Bekanntheitsgrad in der Branche aufgebaut. So bauen beispielsweise viele Architekturbüros die Erzeugnisse aus Weitensfeld in ihre Projekte mit ein. 

Handarbeit im großen wie im kleinen Stil

„Verlässlichkeit und hohe Qualität bei hundertprozentiger Handarbeit.“ Diese Werte bekommt man als Antwort, wenn man nach dem Erfolgsrezept des Familienbetriebs fragt. Die Arbeit selbst gestaltet sich trotz technologischer Neuerungen im Prinzip noch immer gleich wie vor Jahrhunderten. Das Schönste am Beruf des Kunstschmieds? „Unsere Produkte überdauern im Normalfall Generationen. Im besten Fall schafft man ein Stück für die Ewigkeit.“


Dieser Artikel erschien in Ausgabe 2. 
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