Im Labor von Feragen wurden im Vorjahr fast 30.000 DNA-Tests durchgeführt. Der Großteil davon betraf Hunde.
© Feragen

Gentests für Bello und Strolchi

Mit umfassenden DNA-Analysen für Haustiere und neuen Dienstleistungen will das ­Biotechnologie-Start-up Feragen die europäischen Märkte erobern.

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Aktualisiert am 13.03.2023

Begonnen hat Feragen als One-Woman-Show: 2012 beschloss die Molekularbiologin Anja Geretschläger, ein Unternehmen zu gründen, das sich auf die genetische Diagnostik von Tieren spezialisiert. 

Nach umfangreichen Vorarbeiten setzte sie dieses Vorhaben gemeinsam mit ihrem Mann Michael und dem Findologic-Gründer Matthias Heimbeck 2017 in die Tat um. "Wir haben als klassisches Routinelabor angefangen, uns dann aber schon bald auf innovative Dienstleistungen konzentriert, mit denen man sich von den Mitbewerbern abheben kann“, erinnert sich Geretschläger. "Den Anstoß gab meine reinrassige Labrador-­Retriever-Hündin Nala, die ständig krank war. Im Zuge der Recherchen ist mir dann gewusst geworden, wie viele genetisch bedingte Krankheiten es in der Rassetierzucht gibt.“ 

Feragen entwickelte sich zu einem international tätigen Unternehmen mit Kunden in aller Welt und aktuell fünf Mitarbeiter:innen. Der Erfolgslauf ist nicht zuletzt auf den Einstieg der prominenten Business Angels Willi Katamay (Mitgründer von Orderman) und Fritz Berger (Eigentümer der Berger Holding GmbH in Schwanenstadt) zurückzuführen. "Wir sind jedes Jahr gewachsen – meistens um 25 bis 30%. In Spitzenjahren haben wir den Umsatz sogar verdoppelt“, erklärt Geretschläger. 

Die DNA-Analysen des Labors ermöglichen es nicht nur, bis zu 250 genetische Erkrankungen von Hunden nachzuweisen, sondern auch die Rassen eines Mischlings festzustellen. Zu den Feragen-Kunden zählen neben Hundebesitzern und Tierärzten auch Hundezüchter und Zuchtvereine. "Sie können mit den Informationen, die wir ihnen zur Verfügung stellen, den idealen Zuchtpartner für ihr Tier finden“, sagt Anja Geretschläger. "Unser Paket für das Zuchtmanagement ist in diesem Umfang und in dieser Komplexität einzigartig“, ergänzt Michael Geretschläger, der für Marketing und Vertrieb zuständig ist.   

Scheinbar übermächtige Konkurrenten 

Die Analyseverfahren wurden von Feragen selbst entwickelt. Ebenso die neue Plattform "my.Feragen“, auf der die Ergebnisse der DNA-Tests übersichtlich dargestellt werden. Laut Michael Geretschläger gibt es weltweit nur zwei Mitbewerber mit einem vergleichbaren Angebot. "Einer kommt aus den USA und hat vor zwei Jahren 75 Mill. US-Dollar an Investorengeldern bekommen, der zweite zählt zu den weltweit größten Nahrungsmittelkonzernen.“

Trotz der scheinbar übermächtigen Konkurrenz will Feragen die Internationalisierung vorantreiben. Ob dafür neue Investoren ins Boot geholt werden, ist derzeit noch offen. "Wir sondieren gerade, ob wir eine größere Kapitalrunde machen sollen, um die nächsten Entwicklungsschritte schneller umsetzen zu können.“ 

Anja und Michael Geretschläger stellen nicht nur die Rassen eines Mischlings fest. Sie können mit ihren DNA-Analysen auch bis zu 250 genetische Erkrankungen bei Hunden nachweisen.
© Feragen Anja und Michael Geretschläger stellen nicht nur die Rassen eines Mischlings fest. Sie können mit ihren DNA-Analysen auch bis zu 250 genetische Erkrankungen bei Hunden nachweisen.

Schon jetzt kommen 70% der Kunden aus dem Ausland. "Auch wenn wir im deutschsprachigen Raum schon relativ stark sind, gibt es in Europa noch sehr viel Potenzial. Haustiere werden immer mehr zu einem vollwertigen Familienmitglied. Die Besitzer wollen etwas für die Gesundheit ihrer Lieblinge tun und nicht warten, bis Probleme auftreten“, meint Geretschläger, der auch für die nächsten Jahre zweistellige Umsatzzuwächse erwartet. Ein Großteil der Kunden bestelle online ein Testkit, mache beim Hund einen Rachenabstrich und schicke dann die Probe für den DNA-Test an das Labor. 

Feragen bietet auch Screenings für Katzen an. "Als Nächstes haben wir Pferde ins Auge gefasst“, kündigt Anja Geretschläger an. "Mit der my.Feragen-Plattform verfügen wir über die notwendigen technischen Voraussetzungen. Es sollte nicht allzu schwierig sein, das, was wir für Hunde entwickelt haben, auf andere Tierarten auszurollen.“ 

Die entsprechenden Laborkapazitäten seien jedenfalls vorhanden. "Wir haben viel Geld in Automatisierungsprozesse investiert und könnten jährlich etwa 120.000 DNA-Tests durchführen. Im Vorjahr waren es knapp 30.000.“