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Mexiko – wie geht es weiter mit NAFTA?

Verhandlungsbereit, aber keine Details bekannt

Präsident Trump stellt Mexiko eine zweifache Rute ins Fenster: einerseits Mauerbau und Immigration und andererseits Strafzölle, gleichbedeutend mit einer Aufkündigung des Freihandelsabkommens NAFTA zwischen USA, Kanada und Mexiko. Die mexikanische Regierung reagierte bislang besonnen auf die Angriffe des nördlichen Nachbarn. Die Finanzierung des Mauerbaus wird strikt abgelehnt, zu einer Neuverhandlung des NAFTA-Abkommens zeigt man sich jedoch jederzeit bereit, wann immer Vorteile für alle Beteiligten herausschauen. Außer verkürzten Wortspenden gibt es allerdings bis dato keine Klarheit, wohin die Reise geht.  

Starke wirtschaftliche Verflechtung USA / Mexiko

Die enge Verflechtung der Volkswirtschaften im Sinne fester Wertschöpfungsketten, die sich in den 20 Jahren NAFTA gebildet haben, lässt kaum glauben, dass das Abkommen ersatzlos ausläuft. Betrachtet man die Zahlen, dann wird die Dimension der Verflechtung noch klarer. Die Grenze zwischen Mexiko und USA ist 3.142 km lang und hat 54 Grenzübergänge. Sie gehören zu den meist frequentierten der Welt: täglich passieren in beiden Richtungen US-D 1 Mrd. an Waren, 300.000 KFZ und 70.000 LKW. 83 Mio. Menschen leben grenznah auf beiden Seiten. Der gegenseitige Warenaustausch gibt 5 Mio. Menschen direkte Beschäftigung. Die US-Industrie ist mit mehr als US-D 200 Mrd. in Mexiko investiert, allein 2015 kamen US-D 16 Mrd. dazu. 11% der US-Bevölkerung – 33,7 Mio. Personen - sind mexikanischer Herkunft. Die jährlichen Überweisungen an Verwandte und Familie in Mexiko machen US-D 23,6 Mrd. aus. 

Die Schwachstellen

Aber es gibt einige bedeutende Schwachstellen, die Mexiko verwundbar machen: Der Handelsbilanzüberschuss mit den USA macht US-D 120 Mrd. aus, Tendenz steigend. Von Lohndumping ist unterschwellig die Rede: ein US-Arbeiter verdient durchschnittlich das 6-fache eines Mexikaners, dessen Basislohn unter US-D 300 monatlich liegt und damit unter dem Niveau Chinas. NAFTA hat zwar zur Beschäftigung, aber wenig zur Verbesserung des Wohlstands in Mexiko beigetragen. Weiterhin sind 60% der Mexikaner im informellen Sektor tätig, 50% leben an der Armutsgrenze, weitere 10 % in extremer Armut.

Und von den 33,7 Mio. Mexikanern in den USA sind 6 Mio. ohne Dokumente. In den letzten Jahren sind zwar mehr Mexikaner zurückgekommen als ausgewandert, aber diese Tendenz kann sich leicht wieder drehen, wenn in der Lohnfertigungsindustrie durch protektionistische Maßnahmen der US-Administration Arbeitsplätze vernichtet werden sollten. 

Die Industrie ist weiter konkurrenzfähig

Kommt es nun zu der angekündigten Strafsteuer von 35 % auf Importe oder zu Zöllen von 20% heißt das noch lange nicht, dass die Produktion in Mexiko unrentabel würde. Der mexikanische Peso hat allein im letzten Jahr 20 % gegenüber dem Dollar abgewertet.

Und es würde einen Preisschub in den USA geben. Letztlich würden genau jene Amerikaner, denen Trump Arbeit verspricht, in Form höherer Preise den Zoll, die Steuer und die Mauer selbst bezahlen.  

NAFTA NEU – noch einige Wochen Geduld gefragt

NAFTA wird wohl in irgendeiner Form adaptiert werden. Das kann auch positive Effekte in Mexiko haben, wie etwa die Stärkung des Binnenmarktes. Vorläufig heißt es aber noch Warten: aufgrund des Fristenlaufes im US-Kongress wird es bis Mai dauern, bis alle Argumente am Tisch liegen. Zwischenzeitlich wurden  auf Druck der neuen US-Administration einige Neuinvestitionsentscheidungen medienwirksam storniert, andere aufgeschoben. Bestehende Investitionen sind jedoch in keiner Weise nicht betroffen.  

Es gibt keinen Grund zur Panik. Mexiko bleibt weiterhin ein attraktiver Produktionsstandort in Nordamerika und wird auch in Zukunft ein interessanter Markt für österreichische Technologie und Zulieferungen sein. Mehr dazu lesen Sie im Update Mexiko.

Mexiko
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