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Zusätzliche Nachweise beim Import bestimmter Waren in die Türkei

Für den Import bestimmter Waren in die Türkei sind mitunter Ursprungsnachweise erforderlich, um Zusatzzölle zu verhindern

Trotz Zollunion gelten für viele Warengruppen Ausnahmen und Genehmigungspflichten beim Import. Die Türkei hebt seit dem Jahr 2011 für bestimmte Waren Zusatzzölle von bis zu 50% ein. Von diesen Zusatzzöllen sind jedoch Waren ausgenommen, die ihren Ursprung in Ländern haben, mit denen die Türkei Freihandelsabkommen oder Zollunionsvereinbarungen abgeschlossen hat und die Zollbegünstigung für das Produkt bereits in Kraft und anwendbar ist. 

Darüber hinaus werden nunmehr verstärkt Antidumpingmaßnahmen und Antisubventionsmaßnahmen über das elektronische Risikomanagement des türkischen Zolls kontrolliert.

Bei Exporten von Waren aus der Europäischen Union wird als Auslöser für die Zollfreiheit nach dem Zollunionsvertrag die Warenverkehrsbescheinigung A.TR ausgestellt. Dieser Nachweis dient als Beleg, dass sich die Ware in der EU im zollrechtlich freien Verkehr befand. D.h. bei Drittlandsware, dass es sich um „verzollte“ Ware handelt, die ohne zollrechtliche Beschränkungen in der EU zirkulieren kann. Man spricht hier vom zollrechtlichen Status einer Ware als Unionsware. Dieser zollrechtliche Status sagt aber nichts über den Ursprung aus! Für Unionswaren kann auf Basis des Zollunionsvertrages bei der Ausfuhr in die Türkei als Nachweis für den zollrechtlichen Status die Warenverkehrsbescheinigung A.TR ausgestellt werden. Das Ursprungsland der Ware scheint aber in diesem Dokument nicht auf!

Um nachzuweisen, dass die Ware ihren Ursprung in einem Land hat, das von den Zusatzzöllen ausgenommen ist oder für die beispielsweise Antidumpingmaßnahmen nicht anwendbar sind, werden daher vom türkischen Importeur andere Nachweise verlangt.

Durch die Veröffentlichung der Änderung in der Zollverordnung im türkischen Amtsblatt vom 24.5.2019 wird die Anwendung von Ursprungsnachweisen im Warenverkehr mit der Türkei neu geregelt.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Bedeutend ist, dass die Dezember 2017 verwendbare „Exporter´s Declaration“  ersatzlos gestrichen wurde.

Das türkische Zollsystem prüft auch, ob es sich bei der Importware um sogenannte Risikoware handelt, die in der Türkei einer handelspolitischen Maßnahme, wie einem Antidumpingzoll, einem Zusatzzoll udgl. unterliegen. Die türkische Zollverwaltung ist nunmehr veranlasst zu prüfen, ob es sich tatsächlich um „Riskioware“ handelt.

Wie wir aus den ersten Rückmeldungen von Exporteuren erkennen mussten, ist die Vorgangsweise aber nicht einheitlich und mitunter von Zollstelle zu Zollstelle unterschiedlich. Der türkische Importeur sollte daher mit der zuständigen Zollstelle Kontakt aufnehmen und erfragen, welche Dokumente tatsächlich benötigt werden.

Wenn die Ware ihren Ursprung in den folgenden Ländern hat ist zur Vermeidung von Zusatzzöllen neben der Warenverkehrsbescheinigung A.TR. auch eine Lieferantenerklärung oder Langzeitlieferantenerklärung unbedingt erforderlich:

Europäische Union (EU), Türkei (TR), Schweiz (CH) Liechtenstein (LI), Island (IS), Norwegen (NO), Färöer (FO), Ägypten (EG), Israel (IL), Jordanien (JO), Marokko (MA), Tunesien (TN), Albanien (AL), Bosnien und Herzegowina (BA), Montenegro (ME), Mazedonien (MK), Serbien (RS) und Moldau (MD)

Das Abkommen mit Jordanien wurde im November 2018 von Jordanien gekündigt bzw. ist ausgelaufen.

Für Waren mit anderen Ursprungsländern empfiehlt es sich ein Ursprungszeugnis beizugeben um eine Verzögerung bei der Abfertigung zu vermeiden.

Die Liste der von den Zusatzzöllen erfassten Waren, hat das AußenwirtschaftsCenter (AC) Istanbul von der ständigen Vertretung der EU in der Türkei erhalten und überprüfen lassen. Leider ist diese Liste nicht offiziell, daher darf sie nur als unverbindlich angesehen werden. Diese Liste wurde im Dezember 2018 und Februar 2019 erweitert.

In Zweifelsfällen sollten Sie eine schriftliche Anfrage an das AußenwirtschaftsCenter Istanbul der WKÖ richten.

Für allgemeine Anfragen stehen Ihnen die ExpertInnen der Wirtschaftskammer Ihres Bundeslandes gerne zur Verfügung.