th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin Google-plus facebook pinterest skype vimeo snapchat arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram

Coronavirus: Ende des Start-up-Booms in New York?

Das weltweit zweitgrößte Start-up-Ökosystem reagiert auf eine Krise, die ihresgleichen sucht

New York City ist fast immer das Zentrum des Geschehens. Neue Geschäftsideen, rekordverdächtige Businessdeals und zahlreiche „Tellerwäscher“, die im Big Apple zu Millionären wurden, bestätigen den Mythos. Neben großen gesellschaftlichen Errungenschaften war die Stadt aber auch oft Ausgangspunkt großer Tragödien. Die Weltwirtschaftskrisen des 20. Jahrhunderts nahmen hier ihren Ausgang, gefolgt vom Platzen der Dotcom Blase und der Finanzkrise im Jahr 2008. Als traumatischtes Ereignis haben sich die Anschläge von 9/11 auf ewig in das Gewissen der Stadt eingebrannt.

Die abklingende Finanzkrise, kombiniert mit steigendem Wohlstand der Konsumenten und einem anhaltenden Tech-Boom hat dafür gesorgt, dass sich in New York City ein dynamisch wachsendes Start-up-Ökosystem bilden konnte. Vor allem im Bereich Finance & Insurance (Oscar Health, ZocDoc, Betterment), Medien (Vice, Buzzfeed), Retail (Gilt, Etsy) und Immobilien (WeWork) haben sich in den vergangenen Jahren einige Start-up „Unicorns“ (Unternehmen mit einer Bewertung über 1 Mrd. USD) entwickelt. Venture Capital Fonds investierten Rekordbeträge in neue Ideen und binnen weniger Jahre wurden zigtausende Tech-Jobs geschaffen. Allein USD 19 Mrd. wurden im Jahr 2019 in Start-ups investiert (siehe PWC Moneytree Report).

COVID-19 erreicht New York

Im April 2020 sieht die Situation ganz anders aus. Das Coronavirus hat die USA erreicht und binnen kürzester Zeit ist das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen. Die Mehrheit der US-Bevölkerung verbringt die Zeit gerade in behördlich angeordneter Quarantäne, jeder der kann arbeitet von zuhause aus. Die Wohnung soll nur für kurze Zeit verlassen werden und der private Konsum hat sich grundlegend verändert. Die Tourismus- und Freizeitindustrie ist zusammengebrochen, Ausgaben für Luxusgegenstände, Sport und soziale Aktivitäten wurden, angesichts der herannahenden Wirtschaftskrise, stark reduziert. Mitten im Auge dieses Sturms stehen die Firmen, deren Geschäftsmodell auf starker Expansion basiert, die kauffreudige Konsumenten benötigen und die aus guten Ideen schnell tragfähige Geschäftsmodelle bauen müssen: Startups. 

Viele Tech-Start-ups wurden von der Krise eiskalt erwischt. Binnen weniger Tage musste die Mehrheit der Firmen auf Home-Office umstellen. Kosten mussten, soweit möglich, drastisch reduziert werden. Das bedeutet in der Regel eine Reduktion der Personal- und Marketingkosten. Die Aufnahme neuer Mitarbeiter wurde größtenteils eingefroren, bestehende Mitarbeiter wurden entlassen, oder „furloughed“ (gekündigt ohne Gehaltsfortzahlung, jedoch mit bestehender Gesundheitsversicherung und Klausel zur Wiedereinstellung).

Besonders dramatisch ist die Tatsache, dass Mitarbeiter vielfach per Email/Skype-Gespräch die Kündigung übermittelt bekommen. In kürzester Zeit haben tausende Freelancer, Gig-Economy Worker, Marketingspezialisten und sogar gutbezahlte Softwareentwickler ihre Jobs verloren. Die Auswirkungen auf das Start-up- Ökosystem sind schlimmer als die Finanzkrise 2008, das Platzen der Dotcom- Blase und sogar 9/11 – vor allem, weil mit einem längeren Wirtschaftsabschwung gerechnet wird. Viele Großkonzerne, oft die logischen Zielkunden von B2B Start-ups, reduzieren jetzt die Budgets, die für innovative, neue Projekte frei gewesen wären, um dringendere Budgetlöcher zu stopfen. 

menschenleere Grand Central station in New York
© Daniel Zawarczynski Stillstand in der hektischen Grand Central Station – das New Yorker Geschäftsleben ist fast zum Erliegen gekommen.

Krisenmodus als neuer Normalzustand

Für viele Start-up-Gründer ist knappe Liquidität keine neue Erfahrung per se. Kritisch ist die Situation allerdings, da in der Branche vielfach mit zukünftig erwartbaren Umsätzen kalkuliert wird und auch Investoren anhand dieser Erwartungen Geld zur Verfügung stellen. Wenige Monate ohne die erwarteten Umsätze können selbst solide Businesspläne kollabieren lassen und zu Insolvenzen führen.

Um als Start-up in New York zu überleben, geht es jetzt mehr denn je darum, Anpassungsfähigkeit zu zeigen. Schlussendlich kann die Krise auch als einzigartige Chance gesehen werden, neue Produkte anzubieten und Geschäftszweige zu erschließen. Ein großes Risiko liegt für die meisten Start-ups in den laufenden Fixkosten wie der Büromiete. Co-Working Spaces wie WeWork oder Knotel, die Start-ups leicht kündbare, kurzzeitige Mietverträge anbieten, spüren die Auswirkungen der Krise und des verpflichtenden Home-Office Booms derzeit am stärksten. In der Branche wird bereits laut überlegt, ob WeWork- Locations dauerhaft geschlossen werden müssen, um das Überleben der Firma zu sichern.

Venture Capital vor dem Umbruch

New Yorker Investoren berichten ebenfalls von drastischen Auswirkungen auf das Kerngeschäft. Bemerkenswert ist jedoch, dass Investoren aufgrund des erfolgreichen Jahres 2019 und des anhaltenden Tech-Booms der Vorjahre über Rekordsummen an nicht investiertem Kapital verfügen. In der Branche ist der Druck Profite zu generieren, die die klassischen Anlageformen (Aktien, Anleihen, Fonds) übertreffen, enorm hoch. Venture Capital Fonds müssen jetzt mehr denn je für ihre Portfoliofirmen da sein und eine aktive Rolle im Krisenmanagement übernehmen. Hierzu gibt es mehrere Maßnahmen:

  • Mit Know-How zur Seite stehen: Für viele Investoren ist dies nicht die erste Krise. Sie haben oft die Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 durchlebt und wissen, wie man Krisen managt.
  • Unterstützung bei Business Development: Gerade jetzt brauchen Start-ups starke Kundenbeziehungen und strategische Partner. Investoren helfen mit ihrem großen Netzwerk.
  • Überbrückungsfinanzierungen: Prinzipiell solide Firmen, bei denen nach COVID-19 mit einer starken Rückkehr gerechnet werden kann, sollten in der Krise mit zusätzlicher Liquidität gestützt werden. 

Pivot statt Insolvenz

Start-ups, die bereits vor der Krise mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, können die geänderten Rahmenbedingungen jetzt nutzen, um das Geschäftsmodell komplett zu verändern. In Fachkreisen spricht man von einem „Pivot“. Ein Wechsel von einem physischen Service zu einem Online-Angebot, ein Ausbau der Online-Präsenz mit gleichzeitigem Abbau der monatlichen Fixkosten (Büromiete), ein Fokus auf den Gesundheitssektor und die Krisenbewältigung – all dies sind mögliche Strategien, um gestärkt aus der Krise zu gehen. 

Das New Yorker Start-up-Ökosystem hat eine Notbremsung hingelegt. Zahlreiche Firmen werden in diesen Tagen zahlungsunfähig, tausende Mitarbeiter arbeitslos. Welche Antworten die Start-ups auf diese Krise finden, wird den zukünftigen Erfolg bestimmen. Investoren stehen momentan jedenfalls mit viel Kapital an der Seitenlinie, bereit zu helfen und auf die Champions der COVID-19- Krise zu setzen.

Für Start-ups in den Segmenten Tourismus, Luxusgüter und Immobilien stehen schwere Zeiten bevor. Firmen im Gesundheitssektor, E-Learning und Digital-Entertainment (Gaming, Streaming) ergeben sich gerade große Chancen. Während unklar ist, welche Start-ups die Krise überstehen werden, kann man davon ausgehen, dass das weltweit zweitgrößte Start-up-Ökosystem grundlegend verändert und gestärkt aus der Krise hervorgeht. Geschichte wiederholt sich und die starken Wirtschaftsaufschwünge nach der Dotcom-Blase und der Finanzkrise 2008 geben Hoffnung.

Stand: