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Coronavirus: Situation in Pakistan

Aktuelle Lage und Info-Updates

Das AußenwirtschaftsBüro Karachi informiert österreichische Unternehmen über Auswirkungen des neuartigen Coronavirus (COVID-19) auf Geschäftstätigkeit und Wirtschaft in Pakistan.

Stand: 30.12.2020

Aktuell & Wichtig 

  • Reisewarnung für Pakistan!
  • Generelle Maskenpflicht
  • Einreise wieder möglich
  • Die Lage in Pakistan ist aufgrund der autonomen Bundesstaaten regional sehr unterschiedlich. Unser AußenwirtschaftsBüro Karachi informiert Sie gerne individuell.

Einreise und Reisebestimmungen 

Aufgrund der globalen Ausbreitung des Coronavirus gilt derzeit eine Reisewarnung für Pakistan. Österreicherinnen und Österreicher, die sich derzeit in diesem Land aufhalten, werden dringend ersucht, sich unverzüglich mit der zuständigen österreichischen Vertretungsbehörde bzw. der nächstgelegenen Vertretung eines EU-Mitgliedstaates in Verbindung zu setzen.

Inlandsflüge sind seit 16. Mai wieder möglich, Flüge in das Ausland seit 1. Juni. Es werden weiterhin hohe Raten infizierter Passagiere bei Flügen verzeichnet.

Für international Reisende gibt es folgende Richtlinien:

  • Alle Reisende müssen die PassTrack-App installieren und sich registrieren.
  • Seit dem 5. Oktober 2020 benötigen alle international Reisende einen obligatorischen negativen COVID-19 PCR-Test, der innerhalb von 96 Stunden vor Abflug durchgeführt werden muss. Außnahmen finden Sie hier: covid.gov.pk/intl_travellers/current_policies
  • Ein Screening am Flughafen wird durchgeführt.
  • Quarantäne gibt es nur für Reisende mit Symptomen.

Der Eisenbahnverkehr ist wieder in Normalbetrieb und auch der restliche öffentliche Verkehr ist wieder in Betrieb (Stadt- und Überlandbusse).

Einreise und Reisebestimmungen nach Österreich

Stand 15.10.2020

Grundsätzlich ist die Einreise von außerhalb der EU und des Schengenraums weiterhin untersagt. Gestattet ist sie jedoch für Österreicher und EU-, EWR-Bürger, Bürger des Vereinigten Königreichs und der Schweiz, sowie folgende Personengruppen:  bmeia.gv.at/oeb-abu-dhabi/reisen-nach-oesterreich/

Risikogebiet: Personen, die sich in Pakistan aufhalten, müssen bei der Einreise nach Österreich einen negativen Test auf SARS-CoV2 vorlegen. Der Test darf zum Zeitpunkt der Einreise nicht mehr als 72 Stunden zurückliegen. Wenn ein solcher Nachweis nicht erbracht werden kann, müssen sich Reisende unverzüglich in Quarantäne begeben und innerhalb von 48 Stunden einen Test veranlassen. Wenn der Test negativ ist, darf die Quarantäne vorzeitig beendet werden.

Schutzmaßnahmen und Geschäftsleben 

Pakistan hat alle Industrien und Unternehmen wieder geöffnet. Für die jeweiligen Branchen gelten spezifische Schutzbestimmungen, deren Nichteinhaltung mit strikten Sanktionen bedroht ist. Aufgrund anhaltender Verstöße gegen die Corona-Bestimmungen ist ein landesweiter Lockdown wieder im Gespräch.

Vorerst wird ein “Smart Lockdown” angewendet, indem Erkrankungs-Hotspots mithilfe von technischen Lösungen identifiziert und kleinräumig isoliert werden. Damit werden geringere wirtschaftliche Folgen und großflächige Arbeitsmöglichkeiten für die Millionen von Tagelöhnern erhofft. Insgesamt gab es derartige Lockdowns Anfang Juni an 631 Örtlichkeiten. (Es gab 4374 Smart Lockdowns in 11 Städten im Oktober.)

Das Tragen von Masken an öffentlichen Orten und bei Personenzusammenkünften ist verpflichtend. Die Geschäftsöffnungszeiten sind weitgehend normalisiert, täglich von 11:00 bis 22:00 Uhr. Büros und einige Geschäfte können ab 7:00 Uhr geöffnet sein. Schließung von Restaurants, Eventhallen, Parks ab 18 Uhr.

Das National Command and Operation Centre (NCOC) hat aufgrund der steigenden Fallzahlen vorzeitige und verlängerte Winterferien für Bildungseinrichtungen ausgerufen:

Alle Bildungseinrichtungen in Pakistan sind vom 24. Deyember bis 10. Januar geschlossen. 

Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft 

Die pakistanische Planungskommission geht derweil von 12-18 Mio. zusätzlichen Arbeitslosen in Folge der (tlw.) Ausgangsbeschränkungen aus. Premierminister Khan hat ein Hilfs- und Stimulus-Paket von 1,2 Bio. PKR (7 Mrd. EUR) angekündigt, welches hauptsächlich an die armen Bevölkerungsschichten, aber auch an die Industrie gerichtet ist. Öffentliche Versorger stunden Rechnungen, die Treibstoffpreise wurden um 15 PKR/Liter reduziert. Weitere 3,4 Mrd. EUR gibt es für Weizenlieferungen, für den Einkommensausfall der Tagelöhner, die am stärksten betroffene Familien und für die Reduktion der Stromkosten.

Das Notfall-Programm EHSAAS sollte 12.000 armutsbetroffene Familien mit je rund 65 EUR Bargeld für den Lebensmittelkauf versorgen, knapp 800 Mio. EUR standen dafür zur Verfügung. Die Mittel wurden bis Ende April ausgeschüttet. Die Armee verteilt Lebensmittel an die Ärmsten, einzelne Provinzen haben für sich weitere Hilfspakete angekündigt und Armenhäuser weiten die Lebensmittelversorgung für Bedürftige aus. Ein Korps von 1 Mio. freiwilligen Jugendlichen soll die Corona-Bekämpfung unterstützen, ebenso wie Hilfslieferungen aus China und den VAE.

Die pakistanische Zentralbank (SBP) übernimmt 40 % des Ausfallrisikos für Neukredite der Kommerzbanken an KMU. Dadurch soll Unternehmen bis 12,7 Mio. USD Jahresumsatz Zugang zu Krediten ermöglichen, auch wenn die vorhandenen Besicherungen nicht ausreichen. 190 Mio. USD wurden für Kreditausfälle binnen der kommenden 4 Jahre zur Seite gelegt, um damit Finanzierungen und den Fortbestand von Unternehmen und Arbeitsplätzen zu ermöglichen.

Die prekäre Finanzlage und die Abhängigkeit von ausländischen Hilfskrediten tragen ihr übriges zur Situation bei, weshalb Khan Erleichterungen bei den Kreditrückzahlungen gefordert hatte. Die G20 stimmten einer solchen am 15.4. zu, um Ressourcen für die Corona-Bekämpfung in den 76 ärmsten Ländern der Welt, darunter Pakistan, zur Verfügung zu stellen. Der Schuldendienst Pakistans wird damit bis Dezember oder möglicherweise sogar bis Juni 2021 ausgesetzt und in einen neuen Kredit, zahlbar ab Juni 2022 umgewandelt. Damit würde alleine in Pakistan zusätzliche Liquidität von bis zu 2,5 Mrd. USD geschaffen, zusätzlich will der IWF Pakistan weitere 1,5 Mrd. USD an Kreditmitteln bereitstellen. Die Provinz Punjab hat indessen wegen der COVID-Zusatzkosten i.H.v. bisher 127 Mrd. EUR bereits zu einem Sparprogramm und zu einer Budgetkürzung von 30 % für das nächste Fiskaljahr aufgerufen. Die Asian Development Bank (ADB) stellt Pakistan 1,7 Mrd. USD zu ermäßigten Zinsen für die Bewältigung der Corona-Krise zur Verfügung. Eine Hälfte wird im Juni, die andere bis Jahresende bereitgestellt. Weitere 300 Mio. USD wurden von der ADB Mitte Mai für Maßnahmen gegen COVID-19 zur Verfügung gestellt. Die Weltbank hat einen weiteren Kredit über 500 Mio. USD für den Kampf gegen Corona genehmigt. Kanada und die USA stellen ebenfalls mehrere Millionen USD dafür zur Verfügung.

Die pakistanische Zentralbank (SBP) hat in drei Runden den Leitzins binnen eines Monats um 45,25 Prozentpunkte auf nun 8 % abgesenkt, womit der wirtschaftliche Druck aus Kreditzinszahlungen auf Pakistans Unternehmen vermindert werden soll. Die SBP hat weiter eine Refinanzierungslinie für Investitionen in neue Maschinen mit einem Maximalzins von 7 % angekündigt, um die Produktion zu stimulieren. Pro Projekt werden bis zu 27 Mio. EUR auf 10 Jahre finanziert. Auch für die Anschaffung medizinischer Einrichtungen stehen Mittel bereit. Unternehmen, die für drei Monate auf Kündigungen verzichten, erhalten außerdem Kredite bis Ende 2022 zu reduzierten Zinsen. Die Provinz Punjab untersagt Vermietern die Delogierung von säumigen Mietern bis Mitte Juni.

Pakistans Exporte gingen im ersten “vollen” Corona-Monat April um 54 % zurück. Die wichtigen Textilexporte fielen um ganze 64,5 %, die Lieferungen von Baumwolle wurden komplett eingestellt. Konfektionierte Ware sank um 77,4 % und Lebensmittelexporte um 26 %. Die Gesamtexporte im April 2020 beliefen sich auf 950,7 Mio. USD gegenüber 2,8 Mrd. USD im April 2019. 

Gilead, der US-amerikanische Entwickler des erhofften Corona-Wirkstoffes Remdesivir hat mit dem pakistanischen Generika-Hersteller Ferozsons Laboratories ein Abkommen über die Lizenzproduktion des Medikamentes abgeschlossen. Ferozsons Laboratories wäre damit einer von fünf Produzenten des Wirkstoffes, welcher künftig in 127 Länder der Welt exportieren soll.

Konjunkturpaket für Baugewerbe und Tagelöhner 

Ein Konjunkturpaket der pakistanischen Regierung für das Baugewerbe soll die Wirtschaft in der Corona-Krise entlasten und die prekäre Lage der Tagelöhner verbessern. Die Branche war durch die Abriegelung der Städte schwer betroffen, das Konjunkturpaket soll nun Perspektiven bieten. Ein eigens hierfür eingerichtetes „Construction Industry Development Board“, wird die Aktivitäten koordinieren und der Bau- und Landwirtschaftssektor von der Abriegelung ausgenommen bleiben, da diese Sektoren die Hauptbeschäftigungsquelle für einen Großteil der Bevölkerung darstellt.  

Das Paket beinhaltet folgende Maßnahmen

  • Die Herkunft der Finanzmittel bei Investitionen in diesen Sektoren wird nicht mehr hinterfragt
  • Bei Investitionen in Bauprojekte unter der Naya Pakistan Housing Authority sollen nur mehr 10 % der Steuer erhoben werden
  • Die Quellensteuer für Bauvorhaben wird aufgehoben (außer für Stahl und Zement)
  • Keine Erhebung von Kapitalertragssteuer bei Hausverkauf für Familien
  • Fester Steuersatz für Investoren, die Berechnung der Steuer erfolgt nach Flächenmaßeinheit
  • Subvention in Höhe von 30 Mrd. PKR (ca. 163,6 Mio. EUR) für das Naya Pakistan Housing Project (Sozialwohnungen)
  • Reduzierung der Mehrwertsteuer auf 2 % in Abstimmung mit den Provinzen. Punjab und Khyber Pakhtunkhwa haben hierzu bereits zugestimmt.
  • Reduzierung der Haltefrist bei Kapitalgewinnsteuer für bebaute Grundstücke von vier auf drei Jahre
  • Haltefrist der Kapitalgewinnsteuer auf Immobilien/Parzellen bleibt bei 8 Jahren; der Steuersatz kann jedoch ab dem vierten Jahr gestaffelt gesenkt werden.
  • Bauherren und Bauträger können bei der Erklärung ihres Nettovermögens eine Anrechnung von Einkünften in Höhe des Zehnfachen der nach diesem Schema gezahlten Steuern vornehmen
  • Bei Erwerb von Grundstücken und Bau von Gebäuden (Wohnhäuser, Geschäftsgebäude, usw.) kommen Käufer bis 30. Juni 2022 in den Genuss von Einkommenssteuer-Erleichterungen. Ebenso befreit werden in gleichem Zeitraum der Bau auf bereits in Besitz befindlichem Land und der Erstkauf von neu errichtetem Eigentum 

Industrieverbände haben das Konjunkturpaket willkommen geheißen und sehen es als „Wendepunkt“ in der Corona-Krise für die pakistanische Wirtschaft, da 70 weitere Branchen direkt und indirekt vom Bau abhängig seien.  

Konjunkturpaket für Karachi 

Ein Konjunkturpaket für die Wiederbelebung von Karachi wurde angekündigt. Details des Karachi-Transformationsplans in Höhe von 1,1 Billionen PKR:

  • 572 Mrd. PKR werden für das Nahverkehrssystem der Stadt, sowie für den Schienen- und Straßenverkehr ausgegeben.
  • 267 Mrd. PKR werden für Abfallmanagement, Wasserkanäle und die Umsiedlung von Menschen bereitgestellt, die bei Monsun auf den Wasserstraßen der Stadt leben.
  • 141 Mrd. PKR die für die Abwasserkläranlage der Stadt.
  • 92 Mrd. PKR für Wasserversorgungsprojekte.
  • 41 Mrd. PKR für Straßenbau.

Weitere Information und Notfallnummern 

Aufgrund der Eigenständigkeit der Regionalregierung und der fehlenden Koordinierung mit den anderen Regionen werden die Maßnahmen als unzureichend kritisiert. In dieser Situation wurde einmal mehr das Militär der entscheidende Faktor um die Krisenbewältigung zu ermöglichen. 

Das UN Development Program weist in einem neuen Bericht darauf hin, dass Pakistan zu den am wenigsten vorbereiteten Ländern in der Bekämpfung von COVID-19 gehört. Es gebe im Vergleich zu Industrieländern deutlich zu wenige Ärzte, Krankenschwestern und Spitalsbetten (Faktor 3 bis 16 je nach Kategorie)

In einem Land mit durchlässigen Grenzen, einem schwachen Gesundheitssystem, einer ausgeprägten Handschlag-Kultur und geringem Bildungsniveau in dicht besiedelten Großstädten ist der Corona-Ausbruch eine große Herausforderung. Im Land selbst gibt es nur eine begrenzte Zahl von Spitälern mit Isolationsstationen, welche in der Regel auch nicht ausreichend mit Personal und sonstigen Ressourcen ausgestattet sind.

Folgende lokale Hotlines für Informationen zur Corona-Situation wurden bekanntgegeben: 

National Health Center (NHC): +92 (51) 9255237

Corona Help Line: 1166 

Selbstverständlich stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AußenwirtschaftsBüros Karachi bzw. der österreichischen Botschaft Islamabad für eine Kontaktaufnahme zur Verfügung: 

AußenwirtschaftsBüro Karachi
karachi@wko.at
+971 (2) 20 43 444 

Österreichische Botschaft Islamabad
islamabad-ob@bmeia.gv.at
+92 (51) 8770 700

Notfälle von Österreicherinnen und Österreichern im Ausland (24/7):
Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten
+43 50 11 50-4411 

Bitte beachten Sie auch die relevanten Informationen und Reisehinweise des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten sowie des Coronavirus Infopoint der WKÖ

Aufgrund der sich rasch ändernden Situation und behördlichen Vorgaben wurden diese Informationen zwar mit größter Sorgfalt erstellt, werden aber unverbindlich und rechtlich freibleibend zur Verfügung gestellt.