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Die libysche Wirtschaft

Unser AußenwirtschaftsCenter in Kairo hat die wichtigsten Informationen zur libyschen Wirtschaft für Sie zusammengefasst

Wirtschaftslage 

Nach jahrelangen politischen Unruhen gab es in Libyen ab 10.03.2021 eine neue Übergangsregierung (Government of National Unity – GNU). Neue politische Akteure rund um den neuen Premierminister Abdul Hamid Dbeibah sollten Libyen in stabile Bahnen lenken. Diese Kompromisskandidaten gingen aus einer Art Wahlforum (Libyan Political Dialogue Forum - LPDF), einem 75-köpfigen Gremium, welches von United Nations Support Mission in Libya – UNSMIL zusammengestellt wurde, als Sieger hervor. Die Regierung sollte Wahlen vorbereiten, die für Ende 2021 vorgesehen waren. Jedoch wurde der Regierung vom Parlament schon im September 2021 das Vertrauen entzogen. Die Regierung bleibt vorerst weiterhin geschäftsführend im Amt, doch schon bald wurde klar, dass die Wahlen nicht wie angekündigt stattfinden werden. Da keine Einigung zu den Kandidaten gefunden werden konnte, wurden die Wahlen kurz vor Jahresende 2021 auf einen noch unbekannten Termin verschoben. Die Machtposition von Premierminister Dbeibah kam immer stärker unter Druck.

Mitte Februar 2022 wurde der ehemalige Innenminister Fathi Bashagha vom Repräsentantenhaus, Libyens Parlament in Tobruk, per Handzeichen zum neuen (zweiten) Premier bestimmt. Trotz dieser Wahl zum Premierminister ist es Bashagha bisher nicht gelungen die Macht von Dbeibah zu übernehmen und das Amt des Premierministers von Tripolis aus auszuüben. Bashaga konnte nämlich seine häufigen Ankündigungen, in Tripolis (friedlich) einzuziehen und die bisherige Regierung zu ersetzen, nicht realisieren. Es droht daher – wie in der Vergangenheit – die Verfestigung zweier Parallel-Regierungen, die das Land lähmen. Im Zuge der versuchten Machtübernahme kam es zuletzt wieder vermehrt zu Gewalthandlungen, die sich aber zumindest bisher in einem überschaubaren Ausmaß gehalten haben. Noch sind die Milizen nicht kampfbereit.

Besondere Entwicklungen

Die libysche Zentralbank (Central Bank of Libya – CBL) gab am 16.12.2020 die Abwertung des libyschen Dinars – LYD per 3.1.2021 bekannt. Seither soll der offizielle Wechselkurs bei USD 1 = LYD 4,48 liegen. Auswirkungen auf die Praxis bleiben abzuwarten. Der bisherige offizielle Wechselkurs von USD 1 = LYD 1,4 war de-facto nur einigen wenigen Importen der Regierung (nach Genehmigung der Zentralbank) vorbehalten. Der Großteil der Geschäfte wurde durch eine Bankgebühr auf Fremdwährungswährungsverkäufe von 163% mit USD 1 = LYD 3,68 verrechnet. Der Privatsektor hatte selbst hierfür kaum Zugriff und musste oftmals auf den Parallelmarkt zurückgreifen und bis zu LYD 6,6 für den USD bezahlen. Durch die Abwertung erhofft sich die Zentralbank den Parallelmarkt entsprechend einzudämmen und die eklatante Kluft zwischen dem offiziellen Wechselkurs und dem Parallelmarktkurs zu schließen. Der offizielle Kurs liegt derzeit bei ca. USD 1 = LYD 5.

Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich

Libyen war 2020 erstmals seit 2013 nicht mehr der zweitwichtigste Lieferant von Rohöl (Erdöle u Öle a Bitumen Mineralien roh) für Österreich. Die volatile Situation vor Ort (abhängig von Förder- und Exportmenge) führt immer wieder zu stark schwankenden Ergebnissen. 2018 wurde mit EUR 896 Mio. ein Rekordwert erzielt. Mit EUR 831 Mio. reiht sich 2019 als zweithöchster Wert ein. Mit lediglich EUR 121 Mio. gab es 2020 einen Negativrekord. Durch die Normalisierung bei der Förderung konnte konnten die Importe im Jahr 2021 jedoch wieder auf EUR 753 Mio. gesteigert werden.

Die Einfuhren aus Libyen übertreffen die österreichischen Ausfuhren wertmäßig um ein Vielfaches. Nichtsdestotrotz haben österreichische Ausfuhren nach Libyen bis zur Revolution ein starkes Wachstum erlebt. Die Sanktionen der UN und der EU brachten die Geschäfte komplett zum Erliegen. 2012 stiegen die Exporte durch die Euphorie dann wieder an und 2013 (EUR 122 Mio. (+42,6 %)) ist es fast zu einem neuen Exportrekord gekommen. Durch die neuerliche Krise ab Sommer 2014 kam seither jährlich zu einem neuen Exporteinbruch. Grund dafür sind u.a. die unsicheren Zahlungsbedingungen für die Exporteure, der vorherrschende Devisenmangel und die schwierige Sicherheitssituation. Eine Marktbearbeitung vor Ort findet nur noch in Ausnahmefällen statt. Unter diesem Aspekt sind die Exporte 2016 auf EUR 40,9 Mio. zurückgegangen. 2017 brachen die österreichischen Exporte abermals massiv auf EUR 23,2 Mio. ein.

Parallel mit der stabileren Situation seit Ende 2017 nahmen die österreichischen Exporte 2018 auf EUR 40,9 Mio. und 2019 auf EUR 64,0 Mio. zu.

Die Krise im Land gepaart mit COVID-19 führte 2020 wieder zu einem Rückgang um  20,6% auf EUR 50,8 Mio. Im Gesamtjahr 2021 blieben die Exporte mit einem Wert von EUR 49,5 Mio. stabil im Vergleich zum Vorjahr. Hauptexportprodukte waren Getränke (ca. 20% aller Exporte), feuerfeste Produkte, Maschinen und chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Im 1. Halbjahr 2022 sanken die Exporte wiederum – auf EUR 21,6 Mio. (ein Minus von 16 %).

Sie haben konkrete Fragen zu Geschäftsaktivitäten in Libyen? Kontaktieren Sie uns gerne unter kairo@wko.at

Ausführliche Informationen über die Wirtschaftslage und die wirtschaftliche Entwicklung finden Sie in der Vollversion des AUSSENWIRTSCHAFT Wirtschaftsberichts aus Libyen.

Darüber hinaus steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Kairo für Auskünfte und eine persönliche Beratung zur Verfügung: Schicken Sie einfach ein E-Mail oder rufen Sie uns an.

Statistik: Länderprofil 

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten statistischen Daten zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet das Länderprofil Libyen der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und der Stabsabteilung Statistik. 

Wichtige Wirtschafts- und Basisdaten und Informationen für eine Vielzahl weiterer Länder finden Sie auf den jeweiligen Länderseiten sowie in der Übersicht Länderprofile weltweit.

Schwerpunktbranchen des AußenwirtschaftsCenters & Geschäftschancen für österreichische Unternehmen

Energiewirtschaft: Energie und Naturressourcen, Ölindustrie

Libyen besticht durch die größten bestätigten Erdölreserven Afrikas (48 Mio. Barrel). Libyen ist unter den nordafrikanischen Staaten aber auch mit Abstand am meisten vom Ölexport abhängig, denn 62 % der staatlichen Einnahmen (lt. Budget 2015), 60 % des Bruttoinlandsprodukts (Stand 2014) und ca. 72% der Exportumsätze werden mit Erdöl und Erdgas erwirtschaftet (2014 waren es noch knapp 95%). Libyen’s Wirtschaft und der Staatshaushalt sind also auf die Petrodollars angewiesen. Die nationale Ölgesellschaft (National Oil Corporation – NOC) dominiert mit seinen Tochtergesellschaften und Joint Ventures den Ölsektor. Bis zur Revolution 2011 produzierte Libyen beinahe an der Kapazitätsgrenze von 1,6 Mio. Fass pro Tag. Bereits seit vor der Revolution gibt es immer wieder Pläne die eine Produktion von 2 Mio. Fass pro Tag vorsehen. Sowohl für die Revitalisierung als auch den möglichen Ausbau der Produktion sind ausländische Produkte, Technik und Know-how notwendig.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Energie und Naturressourcen - Ölindustrie? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Kairo. Gerne recherchieren wir Ihre individuellen Marktchancen.

Bau und Infrastruktur: Hochbau, Baustoffe, Verkehrsinfrastruktur und Tiefbau

Der öffentliche Bau- und Infrastruktursektor steht seit der Revolution in Abwesenheit der internationalen Auftragnehmer weitgehend still. Die Flaute betrifft natürlich nicht nur Bauunternehmen, sondern auch diverse Zulieferer. Baumaterial und -maschinen – früher stark nachgefragte Warengruppen – werden derzeit von öffentlicher Hand nur in sehr geringem Umfang importiert. Das starke Wachstum der Nachfrage privater Unternehmer und Haushalte wog dies bis 2014 nur teilweise auf. In den Jahren vor der Revolution hatte der libysche Staat durch Bauaufträge in Milliardenhöhe große Unternehmen aus aller Welt angelockt und viele der Projekte befanden sich zum Zeitpunkt der Suspendierung noch in der Planungs- oder Umsetzungsphase.

Chancen für österreichische Unternehmen

Vorausgesetzt das Land kommt wieder in ruhigere Bahnen (Sicherheit, Politik) und durch den Ölexport kommen entsprechend Gelder ins Land, wird der Bau- und Infrastrukturbereich schnell viele Chancen bringen.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Bau und Infrastruktur? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Kairo. Gerne recherchieren wir Ihre individuellen Marktchancen.

Nahrungsmittel und Softdrinks, Life Science & Pharma

Privater Sektor – Konsumgüter – Nahrungsmittel – Getränke 

Der zu einem großen Teil staatlich finanzierte Privatsektor (34 % des Budgets 2013 = letztes vernünftiges Jahresbudget (ca. LYD 25 Mrd. wurden als Gehälter an die Bevölkerung verteilt, weitere 15% des Budgets 2013 (ca. LYD 9,5 Mrd.) waren Subventionen (Benzin, Strom etc.)) ist nicht zu vernachlässigen. Die Gelder flossen vor allem in die Bereiche privater Bau, Medizin und Konsumgüter. Dieser starke Privatkonsum kommt immer wieder vergleichsweise rasch in Fahrt.

Chancen für österreichische Unternehmen

Vorausgesetzt das Land kommt wieder in ruhigere Bahnen (Sicherheit, Politik) und durch den Ölexport kommen entsprechend Gelder ins Land, wird der Konsumgüterbereich schnell viele Chancen bringen.

Sie suchen ausführlichere Informationen? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Kairo. Gerne recherchieren wir Ihre individuellen Marktchancen.

Ausführliche Informationen 

Allgemeines zu Wirtschaft, Land und Leute sowie persönliche Tipps finden Sie in unserem Länderreport Libyen

Das AußenwirtschaftsCenter Kairo berät Sie gerne, sollten Sie weitere Fragen zu Libyen haben.

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