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Energiewirtschaft Israel

Zahlen, Fakten und Marktchancen

Branche und Marktsituation

Der israelische Energiemarkt hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch die Entdeckung großer Erdgasvorkommen vor der Küste des Landes grundlegend verändert. Bis zu der Erschließung der Gasfelder war Israel völlig vom Import fossiler Energie abhängig. Die Entdeckung der ersten beiden größeren Gasvorkommen vor der Küste des Landes Ende 1999 und Anfang 2000 zogen weitere israelische und internationale Investoren und Explorationsunternehmen an und führten zu zusätzlichen bedeutsamen Erdgasfunden.

Das erste und inzwischen erschöpfte Erdgasreservoir Yam Thetis (33,5 Mrd. m3) nahm 2004 die Produktion auf, gefolgt von dem bedeutend größeren Vorkommen Tamar (318 Mrd. m3) im Jahr 2013. Das im Tamar Reservoir geförderte Erdgas ist vor allem für die Abdeckung der Binnennachfrage vorgesehen. Die Entdeckung des Gasfeldes Leviathan (606 Mrd. m3) war für die energiepolitische Situation des Landes insofern bedeutsam, als damit Israel nicht nur den Eigenbedarf für Jahrzehnte decken kann, sondern auch der Export von Erdgas zur Realität wurde. Das Fördervolumen von jährlich 12 Mrd. m3 Erdgas aus dem Leviathan-Becken wurde Ende 2019 aufgenommen. Die Hauptakteure auf dem israelischen Erdgasmarkt sind das amerikanische Förderunternehmen Noble Energy (jetzt Chevron) zusammen mit der israelischen Delek Group.

2014 unterzeichnete Israel einen Erdgas-Liefervertrag im Wert von 364 Mio. EUR mit Jordanien. Der für 15 Jahre geltende Vertrag kam durch Vermittlung des US-Außenministeriums zustande. 2016 wurde ein weiteres Abkommen mit dem staatlichen jordanischen Elektrizitätsunternehmen National Electric Power Company über die Lieferung von Erdgas im Wert von 8,9 Mrd. EUR über einen Zeitraum von 15 Jahren vereinbart.

Im Oktober 2019 hat eine Tochtergesellschaft der israelischen Delek Group mit dem ägyptischen Unternehmen Dolphinus eine Vereinbarung über die Lieferung von Erdgas im Wert von rund 12 Mrd. EUR abgeschlossen. Die Vereinbarung bezieht sich auf ein Gesamtvolumen von 85 Mrd. m3, verteilt auf einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Lieferungen begannen im Jänner 2020, kurz nach der Aufnahme der Produktion im Leviathan-Vorkommen. Ägypten verfügt selbst über Erdgasvorkommen, plant jedoch, sich als regionale Drehscheibe vor allem für verflüssigtes Erdgas in der Region zu etablieren und nutzt die israelischen Erdgas-Importe zur Auslastung der Verflüssigungskapazitäten.

Im Jahr 2019 ist Israel als Gründungsmitglied dem "Eastern Mediterranean Gas Forum" (EMGF) beigetreten, deren andere Mitglieder Ägypten, Jordanien, Zypern und Griechenland sind. Anfang Jänner 2020 unterzeichneten Israel, Griechenland und Zypern ein Abkommen über den Bau der Pipeline EastMed, die Erdgas aus dem Leviathan-Feld über Zypern und Kreta zum griechischen Festland und weiter nach Italien transportieren soll. Auch zypriotische Gasfelder sollen dabei angeschlossen werden. Das Projekt wird auf 6 Mrd. EUR geschätzte und soll mit 2 Mrd. EUR von der EU unterstützt werden.

Israel baut das Gasverteilungsnetz im ganzen Land aus und während bisher vor allem Kraftwerke und Industriegebiete an das Netz angeschlossen wurden, sollen 2020 insgesamt 18 Neubauviertel im Rahmen eines Pilotprojekts Zugang erhalten.

Das Energieministerium vergab im Oktober 2019 im Rahmen einer Ausschreibung zwölf neue Explorationslizenzen. Während Energieminister Steinitz am Ausbau der israelischen Gaswirtschaft festhält, wiesen im November 2019 100 führende israelische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem offenen Brief darauf hin, dass die permanente Steigerung der Rentabilität bei der Nutzung erneuerbarer Energien dazu führt, dass Gaskraftwerke in wenigen Jahren wirtschaftlich unrentabel werden. Die Forscher fordern daher den Ausbau der Solarenergiekapazitäten des Landes. Branchenkenner befürchten zudem, dass der durch die Coronavirus-Krise beschleunigte Verfall der Weltmarktpreise für Erdgas und die geopolitischen Spannungen in der Region die Explorationsbereitschaft großer internationaler Energieunternehmen nachhaltig beeinträchtigen wird.

Die israelische Regierung hatte im Jahr 2008 mit einem umfassenden Reformprozess des israelischen Energiemarkts begonnen und eine Reihe von Förderprogrammen für erneuerbare Energien gestartet. Gemäß Regierungsprogramm sollte der Anteil erneuerbarer Energien an der landesweiten Stromerzeugung, der 2015 noch 1,9 % betrug, bis 2020 auf 10 % gesteigert werden. Dieses Ziel wurde nicht erreicht und Ende 2019 belief sich der Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Gesamtstromerzeugung lediglich auf ca. 7 %. Auf Solarstrom entfielen dabei 2200 MW, wobei sich ca. 7000 weitere Solarinstallationen mit einer Gesamtkapazität von 1500 MW in der Pipeline befinden, die in den kommenden 2 Jahren sukzessive ans Netz gehen sollen.

Aufgrund der klimatischen und geologischen Bedingungen sind kaum Voraussetzungen für Wasserkraft gegeben und die Gesamtquote für aus Pumpspeicherkraftwerken generierte Energie beläuft sich auf lediglich 800 MW. Der Bau des ersten Pumpspeicherkraftwerks des Landes mit einer Kapazität von 300 MW wurde 2019 abgeschlossen und zwei weitere Pumpspeicherkraftwerke mit einer Leistung von 340 MW werden voraussichtlich 2021 ans Netz gehen. Damit sollte das vorhandene Potential auf diesem Sektor vorerst ausgeschöpft sein.

Das Windkraft-Potential des Landes ist ebenfalls in Anbetracht der knappen Landressourcen eingeschränkt. Insgesamt wurden bisher Lizenzen für Windkraftprojekte mit einer Gesamtkapazität von 500 MW erteilt. Derzeit sind in Israel nur eine Handvoll kleiner Anlagen mit einer Gesamtleistung von weniger als 30 MW in Betrieb. Die israelische Firma Enlight Renewable Energy Ltd hat im Juli 2020 die Finanzierung für die Installation von 39 Windturbinen mit einer Gesamtkapazität von 189 MW auf den Golanhöhen abgeschlossen. Die Errichtung des Windparks wird 2 bis 3 Jahre in Anspruch nehmen.

Im Rahmen der Modernisierung der israelischen Abfallwirtschaft soll auch das Biogas- und Biomassepotential ausgebaut werden. Derzeit werden ca. 40 MW aus Biogasanlagen generiert. Die israelische Stromaufsichtsbehörde PUA hat eine Quote von 100 MW für Biogas und 50 MW für Biomasse festgelegt.

Das größte Nutzungspotential liegt bei der Solarenergie. Israel zählt zu den Pionieren der Solartechnik und entwickelt in diesem Bereich nach wie vor innovative Technologien. Trotz der Verfehlung des angestrebten Regierungsziels verzeichnet die Region um Eilat im sonnenreichsten Teil des Landes beeindruckende Erfolge. 75 % des Energieverbrauchs in Eilat und Umgebung wird aus Solaranlagen generiert. Das ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass in der weitgehend unbesiedelten Wüstenregion mit wenig bürokratischem Aufwand große Flächen für 9 Solarfelder zur Verfügung gestellt werden konnten. In Ashalim in der Negev-Wüste wurden 2019 zwei CSP-Kraftwerke mit einer Kapazität von jeweils 212 MW in Betriebe genommen. Infolge der günstigen Kostenentwicklung für PV-Anlagen in den letzten Jahren ist diese Technologie allerdings nicht mehr konkurrenzfähig und es sind keine weiteren CSP-Kraftwerke mehr in Planung.

Anhand des Abbaus der bürokratischen Hürden für die Genehmigung von Solaranlagen soll die Steigerung der Produktion auf diesem Sektor vor allem für kleine und mittelgroße Anlagen und Dachinstallationen weiter vorangetrieben werden.

Die staatliche Israel Electric Corporation Ltd. (IEC) ist nach wie vor Israels Hauptstromlieferant, aber Ende 2019 wurden bereits 33 % der Elektrizität des Landes von privaten Erzeugern (Independent Power Provider IPP) generiert, die allerdings nicht über eigene Verteilernetze verfügen. Israel ist eine Energieinsel, das Stromnetz ist nicht mit den Nachbarstaaten verbunden. Die IEC verfügte Ende 2019 über 16 Kraftwerke mit einer installierten Leistung von 12.752 MW.

Das im Oktober 2022 unter Vermittlung der USA geschlossene Abkommen zwischen Israel und Libanon zieht eine Seegrenze zwischen den beiden Ländern und teilt die Gasvorkommen auf: Das französische Energieunternehmen Total wird mit den Erkundungsbohrungen beginnen. Die Gasförderung soll allerdings erst aufgenommen werden, wenn ein Mechanismus für die Entschädigung Israels für das geförderte Gas vereinbart wird, da ein kleiner Teil des Qana-Vorkommens in israelischen Gewässern liegt. Um eine Einigung über die Nutzung der Entdeckung zu erzielen, wird die USA mit jeder künftigen Entdeckung von Bodenschätzen im Grenzgebiet befasst werden.

Aktuelle Entwicklungen

Im November 2020 wurde zusätzlich ein mit 1 Mrd. NIS dotiertes Zehn-Jahres-Programm zur Steigerung der Energieeffizienz der Wirtschaft um 18 % bis 2025 gegenüber dem Ausgangswert von 2015 verabschiedet. Dieses ehrgeizige Ziel soll durch Maßnahmen wie die Verbesserung der Gebäudedämmung und den Übergang zu Elektrofahrzeugen erreicht werden. Die Umsetzung des Plans hängt jedoch von der Verabschiedung des Staatshaushalts 2021 ab (an dem die derzeitige Koalitionsregierung Ende Dezember 2020 zerbrach) und wird sich aufgrund der Neuwahlen im März 2021 und der damit verbundenen politischen Probleme verzögern.

Obwohl mehrere Projekte im Bereich der erneuerbaren Energie 2020 durch die Coronavirus-Krise verzögert wurden, zeichnete sich gegen Ende des Jahres eine Beschleunigung ab. Mitte November schrieb die Regierung die bisher größte PV-Anlage mit einer Kapazität von 300 MV in der Nähe von Dimona in der Negev Wüste aus. Der Baubeginn der 3 km² großen Anlage ist für 2022 geplant. Die Inbetriebnahme soll zwei Jahre später erfolgen.

90 % der Kapazitäten für erneuerbare Energie entfallen auf den Solarsektor und bis 2030 sollen Entwicklern bis zu 12 GW zur Verfügung gestellt werden, wobei voraussichtlich die bestehende Regelung für IPPs im Bereich Erdgas auf den Solarsektor übertragen werden wird. Mit dem Ausbau der Solaranlagen wird auch eine Erhöhung der Energiespeicherkapazität auf ca. 2-3 GW erforderlich sein.

Die verbleibenden 10 % der neuen Kapazitäten entfallen auf Hydroelektrik, Biomasse und vor allem Windkraft. Das international tätige israelische Unternehmen Enlight Energy errichtet derzeit eine 96 MW Windkraftanlage auf den Golanhöhen und erhielt nach zahlreichen Verzögerungen im Jänner 2020 die Bewilligung für den Bau des 190 MW „Spirit of Genesis“-Projekts.

Ein chinesisches Unternehmen baut in Israel ein 344 MW-Pumpspeicherkraftwerk „Kokhav Hayarden“, welches voraussichtlich das größte in Israel sein soll. Das Kraftwerk liegt 275 Meter unter dem Meeresspiegel und soll Anfang 2023 in Betrieb gehen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Der israelische Energiemarkt entwickelt sich sehr dynamisch und bietet zahlreiche Geschäftschancen für österreichische Firmen. Mit dem Ausbau des Erdgasnetzes und dem Anschluss weiterer Industriegebiete an die zentrale Versorgung eröffnen sich mehr und mehr Möglichkeiten für die Installation von KWK- und KWKK-Anlagen. Die Nachfrage nach technischen Lösungen für energieeffiziente und preiswertere Produktionsprozesse wird in den kommenden Jahren zunehmen und hier ist internationales Know-how gefragt. In Anbetracht der Tatsache, dass 60 % des Stromverbrauchs des Landes auf Gebäude entfällt, ist hier das Einsparungspotential und somit das Marktpotential für innovative Technologien besonders groß.

Die Marktchancen für österreichische Anbieter von Energiemanagementsystemen, Mess- Steuer- und Regeltechnik sowie Beratungsleistungen sind erfolgversprechend.

Angesichts der ambitionierten Regierungsprogramme in Bezug auf den Energiesektor, ist der Zeitpunkt für einen Markteinstieg österreichischer Unternehmen momentan besonders günstig. Israelische Vertriebsfirmen streben langjährige Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Herstellern an und suchen derzeit nach starken Technologiepartnern. Israel plant bis 2030 die Stilllegung beziehungsweise Umrüstung der verbleibenden Kohlekraftwerke auf Erdgas. Ferner soll ab 2030 der Import von Privatfahrzeugen mit Verbrennungsmotor verboten und der gesamte Markt auf E-Mobilität umgestellt werden.

Erfolgsstory

Im Juni 2022 gab Augwind die Unterzeichnung einer dreijährigen strategischen Kooperationsvereinbarung mit Voith Hydro bekannt, die eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung bestimmter Systeme und Ausrüstungen vorsieht, darunter Turbinen, Wasserpumpen und Stromversorgungssysteme, die in das AirBattery-Energiespeichersystem von Augwind integriert werden sollen. Augwind hat ein innovatives Speichersystem für erneuerbare Energien entwickelt, das Druckluft, Wasserpumpen und Turbinen verwendet, die alle in einem modularen Netz von Tanks unterirdisch installiert sind. Die Lösung des Unternehmens bietet ein riesiges, platzsparendes Druckluftspeichervolumen, das optimal auf die Luftverbrauchsmuster und -anforderungen der einzelnen Fabriken abgestimmt ist und die inhärenten Ineffizienzen von Druckluftsystemen sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht reduziert.

Kritische Erfolgsfaktoren

Das israelische Geschäftsleben zeichnet sich vor allem durch ein hohes Tempo und große Flexibilität aus. Verhandlungssicheres Englisch ist unter den Israelis weitverbreitet und wird auch vom ausländischen Geschäftskontakten verlangt, rasches Reagieren auf Anfragen ist ebenso essentiell. Israelis schätzen Intelligenz und Kreativität und sind in der Regel gut über internationale Trends und neue Technologien in ihrem Fachgebiet informiert. Es gibt kaum hierarchische Strukturen und Israelis sind sehr zielorientiert, wobei Inhalt mehr zählt als äußere Form. Obwohl der Kostenfaktor eine kritische Rolle spielt, gibt oftmals, besonders bei wichtigen Infrastrukturprojekten und Industrieinstallationen, das höhere Qualitätsniveau den entscheidenden Ausschlag.

Geeignete Vertriebskanäle

Als gut entwickelter, aufnahmefähiger Markt mit größtenteils liberalem Marktzugang bietet Israel für österreichische Exporteurinnen und Exporteure gute Geschäftschancen. Der israelische Markt ist klein und überschaubar. Es ist in der Regel für KMUs vorteilhafter, mit einem lokalen Kontakt zu arbeiten, als eine eigene Niederlassung zu gründen. Daher ist die sorgfältige Auswahl von fachkundigen Importeurinnen und Importeuren oder Vertreterinnen und Vertretern für die langfristige Marktbearbeitung besonders wichtig. Der israelische Kontakt sollte über die entsprechenden Kontakte zu Industrie und Behörden verfügen, sich mit den lokalen Bestimmungen und Importformalitäten auskennen und den österreichischen Lieferantinnen und Lieferanten helfen, die kultur- und sprachbedingten Barrieren zu überwinden. Das AußenwirtschaftsCenter Tel Aviv unterstützt Sie gerne bei der zielgerichteten Suche nach einem geeigneten lokalen Kontakt.

Da der Markt klein und weitgehend isoliert ist, finden in Israel nur wenige internationale Fachmessen statt. Israelische Firmen und Verantwortliche besuchen internationale Leitmessen, um sich über aktuelle Trends zu informieren und Geschäftskontakte zu knüpfen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Das Branchenprofil Energiewirtschaft Israel kann von Mitgliedsunternehmen der WKÖ jederzeit per E-Mail beim AußenwirtschaftsCenter Tel Aviv unter: telaviv@wko.at angefordert werden. Für weiterführende Fragen oder eine individuelle Beratung zum Thema Energie in Israel steht das Team des AußenwirtschaftsCenter Tel Aviv ebenfalls jederzeit gerne zur Verfügung.
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