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Coronavirus: Situation in Schweden

Aktuelle Lage und Info-Updates

Das AußenwirtschaftsCenter Stockholm informiert österreichische Unternehmen über Auswirkungen des neuartigen Coronavirus (COVID-19) auf Geschäftstätigkeit und Wirtschaft in Schweden. 

Stand: 10.07.2020

Aktuell & Wichtig

  • Die schwedischen Behörden haben sich im Vergleich zu jenen anderer Länder während der Pandemie eher von einer Politik der Appelle und Empfehlungen leiten lassen. Eigenverantwortung wurde dabei stets betont, auf Verbote weitestgehend verzichtet. Aus diesem Grund wurden auch entsprechend weniger Lockerungsmaßnahmen getätigt, einige Einschränkungen bestehen aber weiterhin.
  • Gegenüber der Wirtschaft wurde dieses Vorgehen damit begründet, dass es sich lange durchhalten ließe, weshalb auch die negativen Effekte geringer ausfallen sollten.
  • Leider hat sich dies nur kurzfristig bewahrheitet und es folgte ein drastischer Konjunktureinbruch sowie ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit, offenbar unabwendbar aufgrund der Abhängigkeit Schwedens vom Export. Zwar fiel der BIP-Rückgang im 1. Quartal 2020 gering aus, mittelfristig rechnet man aber nicht mit einem ökonomischen Vorteil gegenüber Ländern mit härteren Restriktionen sondern mit einem historischen BIP-Rückgang im 2. Quartal des Jahres.
  • Die Infektions – und Opferzahlen liegen per capita und auch im Vergleich zu den Nachbarstaaten auf hohem Niveau. Der starke Anstieg seit Mitte Juni ist auch auf die Ausweitung der Covid-19-Tests zurückzuführen. Die Zahl intensiv betreuter Patienten ist mittlerweile allerdings deutlich rückläufig.
  • Für entsandte Mitarbeiter beachten Sie bitte, dass Sie im Falle eines verlängerten Aufenthaltes das A1-Zertifikat als Nachweis einer gültigen Sozialversicherung verlängern.  

Einreise und Reisebestimmungen

  • Schwedens Außenministerium rät von nicht notwendigen Reisen in bestimmte Länder innerhalb von EU und Schengenraum bis einschließlich 15. Juli ab. Davon ausgenommen sind Belgien, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Kroatien, Luxemburg, Portugal, Schweiz und Spanien, außerdem Ungarn Monaco, San Marina und der Vatikan. Für alle anderen Länder bleibt die Reisewarnung bis einschließlich 31. August bestehen.
  • Weiterhin unklare und unterschiedliche Verhältnisse im Ausland wie mögliche Quarantänebestimmungen, Ausgangsverbote oder eingestellte Flüge können die Rückkehr nach Schweden beträchtlich erschweren. Um auf Änderungen flexibel reagieren zu können werden weitere Änderungen beginnend am 15. Juli in einem Turnus von 14 Tagen beraten.
  • Bis zum 31. August sind keine unnötigen Reisen nach Schweden aus Ländern außerhalb der EU/EWR gestattet. Alle Personen, die in Schweden ihren Wohnsitz haben sowie schwedische Staatsbürger können zurückkehren. Familien mit Wohnsitz im Ausland und Familienmitglieder schwedischer Staatsbürger können ebenso einreisen wie Saisonarbeiter innerhalb von Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau oder in systemrelevanten Bereichen Tätige. 
  • Derzeit gibt es keine Einreisekontrollen für Personen aus Ländern innerhalb von EU/EWR. Personen aus Risikogebieten wird aber empfohlen, eine 14-tägige Heimquarantäne einzuhalten bzw. sich bei Symptomen testen zu lassen.
  • Nach aktuellem Stand ist bei der Einreise aus Schweden nach Österreich eine 14-tägige Quarantäne anzutreten, wenn kein Gesundheitszeugnis über einen negativen molekularbiologischen SARS-CoV-2 Test vorgelegt werden kann. Am Flughafen Wien können jedoch z.B. Tests gemacht werden.
  • In Stockholm gibt es bislang ein privates Labor, das gegen Kostenersatz Tests für Reisezwecke anbietet. So kann die Einreise nach Österreich vereinfacht werden.
  • Reisen innerhalb Schwedens sind seit dem 13. Juni für symptomfreie Personen jeden Alters wieder zulässig, unter Berücksichtigung der im Zuge der Pandemie erlassenen Grundregeln zur Eindämmung der Infektion.
  • Die schwedische Regierung hat Leistungen in Höhe von rund EUR 550 Mio. auf den Weg gebracht für die Ausweitung von Covid-19-Tests und zur Verfolgung von Infektionsketten. Seit 15. Juni ist es allen  im Großraum Stockholm gemeldeten Privatpersonen möglich, sich kostenlos auf eine aktuelle Infektion mit Covid-19 oder auf Antikörper testen zu lassen.  
  • An Flughäfen und Fährterminals wird ab sofort auf die im Sommer in Schweden geltenden Regeln hingewiesen, außerdem finden sich diese Informationen gesammelt hier.

Regelungen für den Güterverkehr

Der freie Güterverkehr innerhalb der EU ist in der Verordnung des Europaparlaments und Rates (EG) Nr. 561/2006 betreffend Fahr- und Ruhezeiten geregelt. Die Schwedische Verkehrsbehörde Transportstyrelsen hat eine bis 31. Mai geltende Ausnahme von diesen Regelungen nicht verlängert, damit gelten nun wieder folgende Vorgaben.

Fahrzeit:

Die tägliche Fahrzeit darf maximal 9 Stunden betragen und höchstens zweimal pro Kalenderwoche auf 10 Stunden verlängert werden. Die Wochenfahrzeit darf maximal 56 Stunden und in zwei aufeinander folgenden Wochen höchstens 90 Stunden betragen. Nach einer Fahrzeit von 4 ½ Stunden ist entweder eine 45-minütige oder aufgeteilt je eine 15-minütige und eine 30-minütige Rast einzulegen.

Tagesruhezeit:

Während einer 24-Stunden-Zeitspanne soll die Tagesruhezeit aus mindestens 11 zusammenhängenden Stunden oder bei einer zweigeteilten Tagesruhezeit aus insgesamt 12 Stunden bestehen, wobei die erste Ruhezeit mindestens 3 Stunden lang sein muss. Die Tagesruhezeit kann höchstens drei Mal pro Woche auf 9 Stunden reduziert werden. 

Wochenruhezeit:

Eine normale Wochenruhezeit besteht aus mindestens einer zusammenhängenden Ruhepause von 45 Stunden, eine verkürzte Wochenruhezeit dagegen darf 24 zusammenhängende Stunden nicht unterschreiten. Innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Wochen sind entweder zwei normale oder eine normale und eine verkürzte Wochenruhezeit zu nehmen. Letztere ist dann mit einer 9-stündigen Ruhepause durchzuführen.

Abweichungen:

Ausnahmen von den vorgeschriebenen Zeiten sind möglich bei Eintreffen eines größeren Verkehrsunglücks, bei extremen Wetterverhältnissen sowie bei Unterbrechungen durch Transport mit Zug oder Fähre.

Regelungen für den Verkehr 

Flugverkehr

Der gesamte nationale und internationale Flugverkehr ist noch immer reduziert, viele Fluggesellschaften nehmen aber sukzessive wieder mehr Destinationen in ihr Programm auf. Auf Flughäfen gibt es aktuell keine Gesundheitskontrollen, die Behörde für Volksgesundheit lässt jedoch Informationen für Reisende anzeigen. Die Fluggesellschaften Scandinavian Airlines (SAS) und Finnair haben seit dem 18. Mai eine bis Ende August geltende allgemeine Mundschutzpflicht für Passagiere ab dem 6. Lebensjahr eingeführt. 

Fähren – in Betrieb

  • Travemünde-Trelleborg
  • Rostock-Trelleborg
  • Świnoujście-Trelleborg
  • Klaipėda-Trelleborg
  • Turku-Stockholm

Fähren – eingestellt

  • Trelleborg - Sassnitz
  • Helsinki-Stockholm

Details
TT-Line
Stena Line
Viking Line 


Bahn

Die schwedischen Bahnen haben den Fern- und Nahverkehr seit Beginn der Pandemie stark reduziert. Im Zusammenhang mit Lockerungen für Reisen innerhalb Schwedens seit dem 13. Juni werden auch wieder mehr Züge eingesetzt und höhere Buchungskapazitäten, allerdings keine volle Auslastung, zugelassen.

Öffentlicher Verkehr in der Hauptstadt Stockholm

Auch der öffentliche Verkehr in Stockholm wurde an eine reduzierte Nachfrage angepasst. Betroffen sind vor allem Buslinien. Zur Minimierung des Ansteckungsrisikos sind öffentliche Verkehrsmittel möglichst nicht zu den üblichen Hauptverkehrszeiten zu benutzen. Durch die Bereitstellung ausreichender Transportmittel und durch die Anpassung der Anzahl Reisender in einzelnen Fahrzeugen soll Gedränge vermieden werden. 

Die oberste Gesundheitsbehörde empfiehlt, im Sommer nach Möglichkeit auf die Benutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel zu verzichten, die keine Platzbuchung vorab ermöglichen. 

Schutzmaßnahmen und Geschäftsleben

  • Alle Unternehmen und Einrichtungen sind aufgefordert, ihr Personal möglichst von zuhause arbeiten zu lassen. Arbeitgeber haben dafür Sorge zu tragen, stets geeignete Mittel zur Handdesinfektion bereit zu stellen und außreichend Abstand zwischen Mitarbeitern und Kunden zu gewährleisten.
  • Seit dem 15. Juni findet der Unterricht an Gymnasien, Hochschulen, Universitäten und in der Erwachsenenbildung wieder in üblicher Weise vor Ort statt unter fortgesetzter Berücksichtigung der allgemeinen Regeln von Regierung und Gesundheitsbehörden.
  • Veranstaltungen und öffentliche Versammlungen mit mehr als 50 Personen bleiben weiterhin untersagt.
  • Es wird empfohlen, Menschenansammlungen zu meiden und z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Sportlokalen Abstand zu halten.
  • Wettkampfsport ist seit dem 14. Juni wieder gestattet - zunächst nur im Freien, ohne Zuschauer und in Gruppen von maximal 50 Personen.
  • Feiern, Hochzeiten und andere größere Veranstaltungen sollen möglichst vermieden werden.
  • Personen mit Krankheitssymptomen sind aufgefordert zuhause zu bleiben.
  • Besuche in Senioreneinrichtungen bleiben bis Ende August untersagt.
  • Personen im Alter 70+ sollen soziale Kontakte möglichst meiden.
  • Der Handel ist aufgefordert, die Zahl der Kunden zu begrenzen und Abstandsregeln einzuführen.  

Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft

Sie haben ein Tochterunternehmen in Schweden? Hier die wichtigsten Maßnahmen zur Unterstützung schwedischer Betriebe. 

Direktsubventionen für schwedische Unternehmen in Höhe von 3,6 Mrd. Euro (30.04.2020)

  • Voraussetzung: Im vorangegangenen Geschäftsjahr wurde ein Umsatz von mind. 23.000 Euro erreicht. Ein Umsatzverlust von mindestens 30% ist im März und April 2020 eingetreten.
  • Unterstützung kann nach Angaben der Regierung mindestens 22,5% und maximal 75% der Fixkosten des Unternehmens abdecken, davon sind die Lohnkosten im März & April 2020 ausgenommen.
  • Maximalförderung 14 Mio. Euro pro Unternehmen. 

Unterstützungspaket vom 25.3.2020 mit Fokus auf KMU:

  • Unternehmenssteuerstundung für KMU
  • vorübergehende Senkung der Arbeitgeberabgaben für KMU (April-Juni)
  • vorübergehende Mietunterstützung (April-Juni) z.B. für Hotels & Restaurants
  • Bereitstellung staatl. Kreditgarantie für KMU zur Risikobegrenzung für Banken

Schwedens Nationalbank stellt im Wege von Geschäftsbanken rund 45 Mrd. Euro zur Kreditfinanzierung schwedischer Unternehmen zur Verfügung. 

Unterstützungspaket vom 20.3.2020: Schwedens Regierung hält ein Unterstützungspaket von rund 27 Mrd. Euro für betroffene Unternehmen bereit. Zu den konkreten Maßnahmen gehören:

  • Krankheitsfall: Der übliche Lohnabzug für den ersten Krankheitstag (Karenztag) entfällt weiterhin. Die Regelung hat vorerst Gültigkeit bis 30. September und der Erstattungsbetrag wird ab 1. Juni von SEK 700 auf SEK 804 erhöht. Zur Entlastung der Arbeitgeber übernimmt die öffentliche Hand die Krankenstandskosten für die Tage 2-14, diese Maßnahme wird bis Ende Juli verlängert. Zudem erhalten Unternehmen für die Monate August und September Entschädigungen für erhöhte Krankenstandskosten im Zusammenhang mit der Coronakrise. Krankmeldungen sind bis einschließlich 30. September erst ab dem 15. Krankheitstag erforderlich.
  • Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Anträge können rückwirkend ab 1.1.2020 für maximal 12 Monate gestellt werden. Ab 2.April kann die Rückzahlung von bereits geleisteten Steuerzahlungen beantragt werden.
  • Kurzarbeitsregelungen und Zuschüsse für Beschäftigte in Teilzeitmodellen; auch ausländische  Unternehmen sind anspruchsberechtigt, wenn Unternehmen und Arbeitnehmer bei der schwedischen Steuerbehörde registriert sind; Kurzarbeitergeld kann seit 7.4.2020 beantragt werden und hat vorerst Gültigkeit bis Ende 2020.
  • Ausweitung des Kurzarbeitsmodells: Arbeitsumfang von Arbeitnehmern kann bis auf 20% der Normalarbeitszeit reduziert werden, bei Bezügen bis zu 90%. Diese Regelung soll von Mai bis Juli 2020 gelten.
  • Darlehen & Darlehensgarantien für KMU

Zusätzlich wurden rund 90 Mio. Euro zur Unterstützung des Kultur- und Sportsektors bereitgestellt.

Die Maßnahmen werden fortlaufend justiert. Einen Überblick – auch in englischer Sprache - bietet die Schwedische Agentur für Wirtschafts- und Regionalentwicklung. 

Weitere Information und Notfallnummern 

Kontaktstelle im Fall von Krankheitssymptomen (COVID-19): T 1177
Informationen auf Englisch: Behörde für Volksgesundheit sowie Infostelle Corona T 113 13
Allgemeiner Notruf (Rettung, Polizei Feuerwehr) T 112 

Weitere Informationen für Reisende gibt es auf der Web-Seite der Österreichischen Botschaft Stockholm

Informationen zur Situation in den nordischen Nachbarländern: