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Russland und Österreich – Partnerschaft für den Klimaschutz

Das AußenwirtschaftsCenter Moskau hat gemeinsam mit der Österreichischen Botschaft zum Gedankenaustausch geladen, um Schritte hin zum Ziel Klimaneutralität zu erörtern.

Die diesjährige UN-Klimakonferenz in Glasgow hat von 31. Oktober bis 12. November 2021 stattgefunden. Das AußenwirtschaftsCenter und die Österreichische Botschaft in Moskau haben dies zum Anlass genommen, eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen österreichischen und russischen Unternehmen in den Bereichen Klima und Umwelt zu diskutieren. Dadurch sollen gemeinsame, konkrete Aktivitäten zur Verbesserung des Klimaschutzes und Russlands möglicher Beitrag für den globalen Klimaschutz definiert werden.

Der österreichische Botschafter Werner Almhofer und der österreichische Wirtschaftsdelegierte Rudolf Lukavsky führten am 29. Oktober 2021 durch eine spannende Diskussion, insbesondere zu den Themen Energie und Industrie, Forstwirtschaft und Abfallwirtschaft. Diese Bereiche stellen einen großen Hebel für die Optimierung des Klimaschutzes in Russland dar. Neben dem inhaltlichen Austausch konnten sich die Vertreter der Unternehmen Anregungen für neue Projekte holen und formulierten Vorschläge für die öffentliche Hand.  

Keynote: „Towards net zero carbon structures by mid-century”

Frau Angela Köppl, Senior Economist für Umwelt, Landwirtschaft und Energie am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung, betonte die Wichtigkeit der Systemperspektive zur Lösung der Klimakrise. CO2-Emissionen können nur dann effektiv reduziert werden, wenn Wertschöpfungsketten sektorübergreifend neu gedacht werden. Als konkretes Beispiel nannte Köppl das österreichische C2PAT-Projekt. Dabei werden CO2-Emissionen aus der Zementindustrie abgeschieden, und das abgeschiedene CO2 kann in einer sektorübergreifenden Wertschöpfungskette zur Erzeugung von synthetischem Kraftstoff sowie in der Chemieindustrie zur Erzeugung von Kunststoffen eingesetzt werden. 

Erneuerbare Energien sind in der Rohstoffindustrie nicht mehr wegzudenken

Alle Round-Table-Teilnehmer aus der Rohstoffindustrie sind sich einig, dass sie bei der strategischen Ausrichtung ihrer Produkte künftig auf die Einpreisung von CO2 am Weltmarkt, vor allem am wichtigen Absatzmarkt Europa, achten.

Metalloinvest positioniert sich beispielsweise verstärkt als Produzent von hochqualitativem HBI (Hot Briquetted Iron). Dieser Rohstoff wird benötigt, um aus Stahlschrott im Recyclingprozess wieder erstklassigen Stahl zu produzieren und die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Vor Kurzem hat das Unternehmen den Bau neuer HBI-Produktionsstätten angeregt, wodurch die Emission von Treibhausgasen weiter gesenkt werden kann. Zudem beabsichtigt Metalloinvest, bei der eigenen Stahlproduktion in den kommenden Jahren zunehmend fossile Energieträger durch Wasserstoff zu ersetzen.

En+ Group, der größte Lieferant von kohlenstoffarmem Aluminium in die EU-Länder und das weltweit größte unabhängige Wasserkraftunternehmen, arbeitet auch an mehreren Projekten zur Herstellung, Speicherung und Transport von „grünem“ Wasserstoff. Für die Produktion von „grünem“ Wasserstoff nutzt die En+ Group eigene Kapazitäten: die Wasserkraftwerke von Irkutsk, Bratsk, Ust-Ilimsk und Onda. Die saubere Energie der eigenen Wasserkraftwerke wird von der En+ Group für die Erzeugung von CO2-armem und leicht recycelbarem Aluminium der Marke ALLOW verwendet, dessen geringer CO2-Fußabdruck durch internationale Zertifikate bestätigt ist.

Die Russian Copper Company hat ein umfassendes Umweltschutzprogramm aufgesetzt, das unter anderem die Verwendung von Strom aus erneuerbaren Quellen sowie die Pflanzung von Bäumen vorsieht. Jedes Jahr fließen 25 Mio. Euro in das Programm. In den letzten fünf Jahren wurden bereits 500.000 Bäume gepflanzt. 

Das Umweltschutzprogramm „ZERO Emission“ von Liebherr Mining besteht schon heute aus einer kompletten Produktpallette von Mining-Baggern mit E-Antrieb. Die Muldenkipper werden mit diesel-elektrischen Antrieben und „Trolley-Assist“ geliefert. Des Weiteren beinhaltet „ZERO Emission“ von Liebherr Mining einen ambitionierten Zeitplan für die Entwicklung der Muldenkipper mit einem kompletten Antriebsstrang ohne fossile Brennstoffe. Derzeit werden viele Projekte von elektrifizierten Mining-Baggern in Russland abgewickelt.  

Russische Wälder absorbieren CO2 in großem Stil

Maxim Lobowikow, Professor an der Staatlichen St. Petersburger Universität für Forstwirtschaft, erläuterte als Einstieg zur Diskussion zum Thema Forstwirtschaft die Fähigkeit der russischen Wälder zur CO2-Bindung. Durch eine Verjüngung der russischen Wälder könnte eine größere CO2-Bindung erreicht werden. Die Staatliche St. Petersburger Universität für Forstwirtschaft hat als Beitrag zur besseren Forstnutzung in Russland sowohl eine neue Technologie zur Zellstoffproduktion aus Forstabfällen entwickelt, als auch die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie im Forstmanagement analysiert. Nachhaltige Waldbewirtschaftung und Aufforstungen, aber auch die Verwendung von Holz als Baustoff, tragen zur CO2-Bindung bei.

Kronospan Russia, Tochter des Salzburger Kronospan-Konzerns – dem weltweit größten Hersteller von Spanplatten – wurde zum Vorreiter der Kreislaufwirtschaft: In der Beschaffung will Kronospan bis zu einer Million Tonnen Holzabfälle aus der Papier-, Bau- und Sägewerkindustrie beziehen und als eigenes Rohmaterial wiederverwenden. Kronospan fordert, dass die Anwendung von abfallfreien Technologien in Russlands Industrie per Gesetz gefördert werden sollte.

Reststoffe werden dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt

In der Diskussion zum Thema Abfallwirtschaft konnten österreichische Unternehmen ihre Kompetenz unterstreichen.

Die Pörner Gruppe ist ein führendes Unternehmen für verfahrenstechnischen Anlagenbau. Pörner unterstützt die Industrie dabei, ihre CO2-Bilanz zu verbessern und den Wechsel zu erneuerbaren Energieträgern durch nachhaltige Power-to-X- und Biomass-to-X-Lösungen zu realisieren. Eine Biomass-to-X-Lösung ist die Verwertung von Holzabfällen für die Herstellung von Synthesegas. Darüber hinaus hat Pörner einen Gesamtprozess entwickelt, mit der die kommerzielle Herstellung von synthetischem Kerosin aus CO2, Wasser und erneuerbarem Strom möglich ist – dieses System wird insbesondere bei der Luftsäuberung an Flughäfen genutzt. Pörner sieht unter anderem die Förderung von KMU-Projekten als entscheidend für die Emissionsreduktion an.

Ecocom hat sich auf den Bau von modernen Abfalldeponien mit Anlagen zur Aufbereitung von Sickerwasser und Deponiegas spezialisiert. Auf Mülldeponien entstehende Gase können von Ecocom aufgefangen und im selbst entwickelten Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung als erneuerbare Energiequelle eingesetzt werden. Russland muss laut Ecocom die finanziellen Anreizsysteme für Abfallverwertungsunternehmen weiter ausbauen, um effizientes Recycling zu garantieren.

eastconsult widmet sich ebenfalls der Steigerung der Energieeffizienz von Industriebetrieben: Durch die Einführung moderner Produktionstechnologien, Müllsortierung und thermische Verwertung von Biomasse, wie unter anderem auch Holzabfällen und getrocknetem Klärschlamm, können die Anlagen des Unternehmens Strom und Wärme erzeugen. Ein weiteres Geschäftsfeld ist die Planung und Errichtung von mehrstöckigen Holz-Gebäuden in Modulbauweise, wobei der Fokus vor allem auf Energieeffizienz gelegt wird. Die Harmonisierung von baurechtlichen Vorschriften in Russland und der EU könnte laut eastconsult dabei helfen, klimafreundliche Bauweisen zu fördern. 

Klares Bekenntnis zum Klimaschutz

In ihren abschließenden Statements waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, dass in den letzten Monaten die Stimmung in Russland zum Thema Klimawandel umgeschlagen ist, und nun mehr Bereitschaft zur Veränderung herrscht. Alle Unternehmen am Tisch begrüßten diese positive Entwicklung und wollen nun auch mit öffentlichen Vertretern in Austausch treten, um ihre Anliegen in Sachen Klimaschutz vorzubringen. Die Round-Table-Diskussion stellt deshalb nur den Auftakt für dieses Fokusthema dar, das die österreichischen und russischen Stakeholder in den kommenden Jahren verstärkt beschäftigen wird. 

Fazit:

Als Kernbereiche für effektiven Klimaschutz und weitere gemeinsame Aktivitäten von österreichischen und russischen Firmen wurden definiert:

  • Einsatz von umweltfreundlicher, emissionsarmer Technologie für Verkehr, Industrie und Bergbau 
  • Kreislaufwirtschaft mit dem Ziel, ressourcenschonend alle Prozesse ohne Abfall, Abgas und Abwasser im Produktionszyklus zu optimieren
  • Ausbau der Alternativenergie und verstärkter Fokus auf Energieeffizienz

Die Veranstaltung erfolgt im Rahmen von ReFocus Austria, einer gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten, des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, der Wirtschaftskammer Österreich, der Österreich Werbung und von Vertretern anderer Bundesministerien.

moskau
© Angelika Wohlmuth Die Teilnehmer des Round Table Russland und Österreich – Partnerschaft für den Klimaschutz

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