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Auswirkungen der Sanktionen gegenüber Russland in Zentralasien

Aktuelle Lage und Info-Updates

Die Sanktionen gegenüber Russland wirken sich auch auf Zentralasien aus, da die Wirtschaftssysteme der Länder Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan eng mit Russland verknüpft sind. Geografisch und historisch gesehen ist Russland ein wichtiger Handelspartner für die Länder Zentralasiens. Die Länder pflegen enge wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Russland, aber auch mit der Ukraine sind die Beziehungen gut. Trotz der starken Russland-Bindung nimmt Zentralasien jedoch eine neutrale Haltung ein.

Die Auswirkungen der Situation auf Zentralasien sind bereits deutlich spürbar und betreffen viele Bereiche stark.

Auswirkungen auf das Finanzwesen und Währungsverfall

  • Eines der wichtigsten Anzeichen für die Auswirkungen der Sanktionen ist die anhaltende Abwertung der Währungen in der Region. Dies gilt insbesondere für die zentralasiatischen Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion, Kasachstan und Kirgisistan. Der kasachische Tenge war zwischenzeitlich deutlich unter Druck geraten. Nach dem Bekanntwerden der Sanktionen hat die kasachische Währung ebenso wie der russische Rubel stark nachgegeben und musste von der kasachischen Nationalbank gestützt werden. Dafür setzte die kasachische Zentralbank allein im März 2022 fast 1 Milliarde USD aus ihren Reserven ein. Hinzu kommen die Aktiva des Nationalen Reservefonds in Höhe von knapp 54 Milliarden USD. In Kirgisistan war es ähnlich. Dagegen notierten der usbekische Som und der tadschikische Somoni etwas kräftiger gegenüber dem Euro. Drei russische Banken - SberBank, VTB und Alfa-Bank - spielen in Kasachstan eine aktive Rolle am lokalen Finanzmarkt. Die Sanktionen gegen ihre jeweiligen Mutterhäuser in Russland beeinträchtigen den Geschäftsverkehr der kasachischen Ableger in unterschiedlichem Ausmaß. 

Rücküberweisungen zentralasiatischer Arbeitskräfte in Russland

  • Etwa vier Millionen zentralasiatische Arbeitsmigranten sind in Russland beschäftigt: eine Million aus Tadschikistan, ebenso viele aus Kirgisistan, etwa zwei Millionen aus Usbekistan und 200.000 aus Kasachstan. Sie arbeiten hauptsächlich im Baugewerbe, im Verkehrswesen, in der Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor. Die Überweisungen der in Russland arbeitenden Migranten machen bis zu 30 Prozent des BIP der zentralasiatischen Länder aus. Seit Februar 2022 kehren viele von ihnen in ihre Heimat zurück, während die Überweisungen der Zurückgebliebenen rasch abnehmen, da diese jetzt aufgrund der Devisenausfuhr-Regulierung Russlands Überweisungen nur mehr stark eingeschränkt durchführen können. Besonders stark in Erscheinung tritt dies in Tadschikistan und Kirgisistan, wo die Rückflüsse bis zu 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Die Weltbank schätzt, dass im Jahr 2022 etwa 25 Prozent weniger Geld in den Haushalten Zentralasiens aus Russland ankommt. Hinzukommt der Teilausschluss von sieben russischen Banken aus SWIFT. Dieser zwingt die Gastarbeiter Zentralasiens in Russland auf informelle, meist teurere Transferwege zurückzugreifen. 

Preissteigerungen bereiten Sorgen

  • Die Inflation schnellte wegen der Auswirkungen des Konfliktes in der Ukraine auch in Kasachstan in die Höhe - zwischen Februar und März 2022 allein um gut 3 Prozentpunkte auf ein Niveau von 12 Prozent per annum. Das wirkte sich rasch vor allem auf die Lebensmittelpreise aus. Die kasachische Regierung und die Zentralbank erwarten, dass sich der Preisauftrieb im weiteren Jahresverlauf beruhigt und sich zwischen 8 und 10 Prozent einpendelt. Aber auch von Gegenmaßnahmen der russischen Seite ist Kasachstan betroffen, vor allem in Bereichen, in denen Russland seine Eigenversorgung sicherstellen will. So gelten in Russland seit Mitte März 2022 zeitlich befristete Exportbeschränkungen für Weizen und Weißzucker. Lieferungen nach Kasachstan sind in beiden Fällen genehmigungspflichtig. Ähnlich sieht es bei der Landtechnik aus. Auch Ausrüstungen, die zuvor aus dem Ausland nach Russland importiert wurden, sind betroffen. 

Rohstoff- und Energieexporte

  • Die Abwertung des Rubels lässt die Preise für Importe in Russland massiv ansteigen, was auch den Exportsektor in Zentralasien schwächt. Zwar dominieren Öl, Gas und Gold nach China und Europa die zentralasiatischen Exporte, doch für verarbeitete Waren und landwirtschaftliche Erzeugnisse war bislang auch Russland ein guter Abnehmer. Usbekistan beispielsweise, welches seine Wirtschaft seit 2017 umfassend diversifiziert, hat bislang überwiegend Textilien, Kleidung, Gemüse, Obst und Polymererzeugnisse nach Russland exportiert. Gleiches gilt für Tadschikistan und Kirgisistan. Das verarbeitende Gewerbe und die Landwirtschaft sind wichtige Arbeitgeber und tragen durch eine erhöhte Wertschöpfung auch zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung und sozialen Stabilität bei. Selbst das rohstoffreiche Kasachstan ist betroffen, welches hauptsächlich Erze, Metalle und Stahl nach Russland exportiert. Aufgrund der Sanktionen gegen russische Stahlproduzenten dürfte auch hier die Nachfrage nach Vorprodukten sinken.  

Logistik und Transport

  • Flüge über den russischen oder ukrainischen Luftraum sind derzeit nicht möglich, dementsprechend müssen Flüge zwischen Zentralasien und Europa Alternativrouten verwenden, was mit entsprechenden Kostensteigerungen verbunden ist. Neben der Sperrung von Lufträumen sowie Einschränkungen im Schiffs- und Lkw-Verkehr ist auch der Schienentransport entlang der neuen Seidenstraße betroffen. Der Seetransport über russische Häfen, insbesondere für Kasachstan ein wichtiger Weg, ist derzeit nicht mehr möglich, da die meisten westlichen Reedereien russische Häfen anlaufen. Hier spielen weniger die Sanktionen, sondern die fehlenden Versicherungsmöglichkeiten eine Rolle. Der Zugverkehr, der insbesondere im Transit zwischen China und der EU über Kasachstan, Russland und Belarus abgewickelt wurde, steht derzeit vor Herausforderungen an den Grenzübergängen. Direkte Sanktionen sind hier bislang allerdings nicht in Kraft. Kurzfristig positiv wirken sich die Sanktionen durch die stark gestiegenen Überflüge russischer Airlines über dem Land auf die Transiteinnahmen Kasachstans aus.

Russland ist größter Handelspartner und wichtiger Investor für Kasachstan

Russland war 2021 mit einem Anteil von knapp 24 Prozent am Außenhandel erneut Kasachstans wichtigster Handelspartner. Beide Länder tauschten im Jahr 2021 Waren im Wert von mehr als 24 Milliarden USD aus. Kasachstan bezog in erster Linie Eisen und Stahl sowie Maschinen und Ausrüstungen. Nach Russland wurden hauptsächlich Erze sowie Eisen und Stahl geliefert. Auch durch Investitionen sind Kasachstan und Russland eng verbunden. Per 1. Oktober 2021 standen gut 5,2 Milliarden USD russischer Direktinvestitionen einem kasachischen Engagement von 1,5 Milliarden USD in Russland gegenüber.

Auch für Usbekistan ist Russland ein wichtiger Partner. Bei den Firmengründungen in Usbekistan sind russische Unternehmen Spitzenreiter: 1.467 Unternehmen, was gemäß der Daten des Nationalen Statistikkomitees Usbekistans einem Gesamtanteil von 19 Prozent aller Firmengründungen aus dem Ausland entspricht. Russland ist nach China der zweitgrößter Investor in Kirgisistan.

Das AußenwirtschaftsCenter Almaty unterstützt Sie gerne mit aktuellen Informationen zur aktuellen Lage in Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und gibt Ihnen – soweit möglich – Auskunft über lokale Firmen hinsichtlich Sanktionsbetroffenheit. Aufgrund der Komplexität des Themenkreises ist eine individuelle Beurteilung aller Geschäftsfälle nötig. 

Kontaktieren Sie uns via E-Mail an almaty@wko.at oder telefonisch unter +7 727 225 14 84.

Weitere Informationen bezüglich des aktuellen Stands der Sanktionen gegen Russland und in Bezug auf die Ukraine finden Sie auf der Webseite unserer Kollegen des AußenwirtschaftsCenter Moskau.