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Tech 4 Impact – Impact-Investment Israel

Zusammenfassung des Online-Workshops 

Für alle Interessierten, die unseren virtuellen „Tech 4 Impact“-Workshop am 11. Februar verpasst haben, stellen wir gerne die nachstehende Zusammenfassung von Mag. Alexandra Bolena, Bolena Impact-Investments, sowie eine Aufzeichnung zum Download zur Verfügung.

Am 11.2. gab es in dem vom AußenwirtschaftsCenter TelAviv gemeinsam mit Mercer veranstalteten Webinar „Tech 4 Impact – Investing in technology, becoming more resilient and increasing profits“ Gelegenheit das Thema „Impact Investment“ aus verschiedenen Investoren-Perspektiven zu beleuchten. Neben der Europäsichen Investitionsbank und der österreichischen Fair Finance, die über ihr Impact-Engagement berichteten, haben auch zwei Venture Capital Expertinnen aus Israel faszinierende Einblicke in die dortige Venture Capital Szene gegeben. Eine Zusammenfassung darüber, was es braucht, um wie Israel als Start-Up-Impact-Nation zu reüssieren, und wo in Europa momentan noch die Hürden liegen, lesen Sie hier. Die Audioaufzeichnung ermöglicht es Ihnen, das Webinar in voller Länge nachzuhören. 

Omri Boral, CEO von TechForGood und Cecile Blilous, Head of Impact of Sustainability bei Pitango Ventures und Mitgründerin von GITA, the Global Impact Tech Alliance, erwähnten gleich zu Beginn die positiven Rahmenbedingungen, die Israel ins Weltspitzenfeld der Venture Capital Szene gebracht haben. Als Voraussetzungen wurden Co-Finanzierungsmodelle, (Teil-) Garantien, steuerliche Vorteile, ausreichend Regulatory Sandboxes und eine Fehlerkultur, die Scheitern nicht als Versagen, sondern als Chance, es das nächste Mal besser zu machen, genannt. Diese Grundeinstellung und der Mut zum Aufbruch und Neues auszuprobieren haben in dem immer schon von Pioniergeist geprägtem Israel ein Umfeld geschaffen, das Start-ups, Venture Capital Fonds und Investoren gleichermaßen beflügelt.

Ursprünglich auf High-Tech fokussiert, sind in den letzten zehn Jahren in Israel die Themen Nachhaltigkeit und Impact in den Vordergrund gerückt – die einstige „Start-up Nation“ wird international immer mehr als „Impact Nation“ wahrgenommen. Man hatte erkannt, dass die Grundvoraussetzung für geschäftlichen Erfolg die Verankerung von ESG Themen ist. Diversity, schonender Umgang mit Ressourcen, gute Governance, etc. müssen in der Unternehmens-DNA verankert sein. Ist dies der Fall, ist zu erwarten, dass auch der Unternehmenszweck positiven Impact erzielen wird. Von dieser Überlegung ausgehend, sei Impact Investing daher keine eigene Asset Class, sondern als Venture Capital eine althergebrachte Investmentstrategie, die Innovation bringt, die Wirtschaft beflügelt und mit der sich hervorragend Geld verdienen lässt – vorausgesetzt, das Unternehmen selbst hat seine „ESG Hausaufgaben“ gemacht.

Omri Boral ergänzte, dass es gerade im Impact Bereich wichtig ist, nachfrageorientiert und nicht am Markt vorbei zu agieren. Zudem sei es wichtig, sich bereits von Anfang an mögliche Exit-Strategien zu überlegen, denn diesbezüglich unterscheiden sich Impact Unternehmen mit sozialem Fokus sehr wohl von herkömmlichen Unternehmen: Ein IPO oder Übernahmen sind oft kein passendes Exit-Szenario für Sozialunternehmen. Omri, die auch wissenschaftlich zum Thema Impact Measurement arbeitet, betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig und notwendig es in Zukunft sein wird, Sozialrendite (aber auch ökologische Rendite) in „echte Rendite“ umzurechnen, um Kostenwahrheit zu schaffen.

Ebenfalls bemerkenswert: 80% der israelischen Venture Capital Fonds investieren ausschließlich in israelische Unternehmen – nicht weiter verwunderlich allerdings, wenn man sich vor Augen führt, dass viele der begleitenden Rahmenbedingungen, wie Förderungen und Steuererleichterungen doch primär den Sinn haben, die nationale Wirtschaft zu stärken und attraktive Bedingungen für Investoren zu bieten. 

Felix Knidlberger berichtete über die Möglichkeiten der EIB, in Ländern des Globalen Südens zu investieren. Meist geschieht dies über Veranlagungen in Venture Capital Fonds mit Fokus auf Afrika, LatAm und Asien, mit dem klaren Ziel, der Bevölkerung vor Ort neue wirtschaftliche Möglichkeiten zu eröffnen, die eine Lebensgrundlage garantieren können. Als Beispiel nannte er Fin-Techs, die mittels app-basierter „mobile payment Lösungen“ Menschen, die zwar ein Mobiltelefon, aber kein Bankkonto haben, online Zahlungsmöglichkeiten anzubieten und damit wirtschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. „Profit by purpose“ ist das Motto und die Entwicklung der Investments beweist, dass „Geldverdienen“ und „Gutes tun“ schon lange kein Widerspruch mehr sind – ganz im Gegenteil. Diese Erkenntnis teilt die EIB mit vielen ihrer Mitinvestoren – meist ebenfalls Entwicklungsbanken und große Stiftungen. Institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensions- und Abfertigungskassen gehen Engagements in diesen Regionen aktuell leider noch kaum ein. Neben dem Risiko, das mit Investments in Emerging Markets traditionell verbunden ist, und das institutionelle Investoren oft scheuen gibt es auch regulatorische Hindernisse.

Markus Zeilinger von der österreichischen Fair Finance bestätigte, dass es angesichts der Regulatorik oder der Auslegung dieser durch die Aufsicht nicht immer leicht sei, Impact-Investing zu betreiben. So gebe es zwar einen gesetzlichen Auftrag, das einer Abfertigungskasse anvertraute Geld treuhänderisch zu verwalten, im Gesetz stehe aber nirgends, dass damit auch sozialer oder umweltrelevanter Impact erzielt werden soll. Eine geringere Performance(erwartung), bei Investments in Social Private Equity im Vergleich zu herkömmlichen Private Equity ist daher ein Wettbewerbsnachteil, der aktiv kommuniziert und bewusst in Kauf genommen werden muss. Entsprechend eingeschränkt sind daher aktuell die Möglichkeiten. Wer nicht wirklich eine Leidenschaft für das Thema „Impact“ habe, könnte schon rasch an die Grenzen dessen, was als „machbar“ definiert wird, stoßen. Nichtsdestotrotz steht der von der Fair Finance initiierte „Social Entrepreneurship Fund - SEF“ unmittelbar vor dem Start und die Pipeline an Unternehmen, in die investiert werden soll, ist gut gefüllt, so Markus Zeilinger.

Anhand eines Beispiels aus Dänemark – zwei große Pensionsfonds fanden mit Unterstützung der dänischen Regierung Möglichkeiten, sich an einem innovativen Windenergie(speicher)projekt zu beteiligen – wurde kurz diskutiert, ob Co- finanzierungs- und Garantiemodelle in Europa Schule machen könnte. Am Podium war man sich einig, dass das durchaus möglich wäre – allerdings bräuchte es neben politischen Willen auch umfassende regulatorische Maßnahmen, um den „Hebel Privatkapital“ zur Erreichung der Klimaziele umfassend zu aktivieren.

Fazit: Es mangelt weder an Ideen noch Investmentopportunitäten. Was fehlt ist allerdings noch die klare EU-Taxonomie, die im Detail formuliert, was Europa will und eine Regulatorik, die es ermöglicht, diese Ziele auch zu finanzieren.

Die Autorin der Zusammenfassung ist Alexandra Bolena, die die Diskussion als Moderatorin begleitet hat.