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Ukrainische Forstwirtschaft

Aktuelle Entwicklungen, Potenziale und Probleme 

Die ukrainische Forstwirtschaft war in den vergangenen Jahren geprägt von Marktbeschränkungen, Unterfinanzierung, Strukturproblemen, Bodendegradierungen und Korruptionsvorwürfen. Dem gegenüber steht ein enormes Potenzial und erste positive politische Signale hin zu einer längst überfälligen Forstreform, um eine funktionierende Forst- und Holzwirtschaft zu ermöglichen.   

Potenziale vs. Herausforderungen

Die ukrainische Forstwirtschaft hat ein erhebliches Produktionspotenzial. Die Altersstruktur der Waldbestände steigt, zur Erneuerung des Bestandes muss mehr Holz eingeschlagen werden. In der Folge werden in den nächsten Jahren mehr Holz und Holzprodukte auf den Markt kommen. Insbesondere die Karpatenregion mit ihren großen Holzvorräten kann für österreichische Unternehmen interessant werden. Die fortschreitende Digitalisierung der Forstwirtschaft erfordert neue Lösungen im Bereich Datenerfassung und Auswertung. Innovative Soft- und Hardware für Forst- und Umweltschutz finden auf dem ukrainischen Markt zunehmend Anwendung.

Die Ukraine hat eine Waldfläche von 10,4 Mio. ha. Die Wälder befinden sich in Staatsbesitz, 73% werden durch die Staatsagentur für Forstressourcen verwaltet, 13% sind Kommunalwälder, 14% gehören anderen Waldbesitzern (Ministerium für die Wirtschaftsentwicklung, Handel und Landwirtschaft, Zivilschutzministerium, Verteidigungsministerium, sonstige staatliche Stellen). Die dominierenden Baumarten sind Kiefer (33%), Eiche (24%), Fichte (8%) und Buche (7%) 

Rundholzexportverbot

Seit 2015 ist ein Exportverbot von Rundholz in Kraft. Nachdem die Ukraine 2014 zu einem der größten Rundholzexporteure weltweit wurde, kam es zu Interessenskonflikten zwischen Holzverkäufern- und Käufern und in Folge zum bis dato bestehenden Exportverbot.

Das Ziel der eingeführten Einschränkungen war es, die Forstbetriebe vom reinen Rohstoffexport auf Produkte mit einem höherer Wertschöpfung umzuorientieren und illegalen Holzeinschlag zu bekämpfen. Jedoch nur wenige Forstbetriebe waren finanziell in der Lage, ihre Holzproduktionsanlagen zu modernisieren, um konkurrenzfähige Produkte herzustellen. Die meisten stellten daher auf Brennholz-Export um. Die angestrebten Ziele wurden mit dem Exportverbot von Rundholz nicht erreicht. Im Gegenteil: es brachte eine Reihe direkter und indirekter negativer Folgen für die Forstwirtschaft. Die Verluste der Forstunternehmen werden auf Millionen UAH geschätzt, was wiederum bedeutet, dass Unternehmen gezwungen sind, die Ausgaben für Waldpflege-, Waldschutz- und Wiederaufforstung zu kürzen. Die weitere Folge ist die Degradierung des Waldes.

Das Rundholzexportverbot widerspricht den Regelungen des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und der Ukraine. Da Gespräche und offizielle Konsultationen ergebnislos blieben, hat die EU Kommission am 20. Juni 2019 ein EU-Schiedsverfahren gestartet. Aufgrund der aktuellen Corona-Krise wurden die Verhandlungen verschoben und eine Entscheidung ist noch ausständig.  

Nationale Waldinventur (NWI)

Ein wesentlicher Fortschritt wurde bei der Vorbereitung zur nationalen Waldinventur erzielt.  Das ukrainische Parlament verabschiedete am 2. Juni 2020 ein Gesetz, das die Grundlagen für die Nationalwaldinventur in der Ukraine schafft. Zurzeit laufen Verhandlungen mit der EBRD betreffend eine finanzielle Unterstützung. Die letzte Waldinventur und Audit wurden 2011 durchgeführt. Eine umfassende NWI wäre eine wichtige Grundlage für eine nachhaltige Waldbewirtschaftungs- und Entwicklungsstrategie auf nationaler und regionaler Ebene.

Die Durchführung der Waldinventur soll von der Agentur für Forstressourcen geleitet werden. Erste Pilotprojekte (in der waldreichen Region Ivano-Frankivsk und der Region Sumy mit geringerem Waldanteil) wurden erfolgreich abgeschlossen.

» Die Ergebnisse wurden in einer Studie publiziert 

Beratung und technische Unterstützung kommen vom APD (Deutsch-Ukrainischer Agrarpolitischer Dialog). Schätzungen der erforderlichen Kosten für die Durchführung der NWI variieren zwischen 7,7 und 12,6 Mio. UAH pro Jahr.  

Elektronische Holzerfassung

Um gegen illegalen Holzeinschlag vorzugehen, wurde das System der elektronischen Holzerfassung EDO (= Elektronyi Derevo-Oblik) eingeführt. Der Vorsitzende der Forstagentur, Andrii Zablotskyi, erklärte am 14.1.2020, dass die elektronische Holzerfassung für alle Waldeigentumsformen verpflichtend wird. 2019 wurden in der Ukraine neue nationale Qualitätsstandards für Holz eingeführt, die mit den europäischen Standards übereinstimmen. Die Standards sind hier aufgelistet.

„Der Wald im Smartphone“

Das Pilotprojekt "Wald im Smartphone“ zielt darauf ab, dass die Bevölkerung und NGOs illegalen Holzeinschlag schnell erkennen und die Behörden informieren zu können.

Die Online-Forstnutzungskarte, die im Rahmen dieses Projektes angelegt wurde, ist in 16 Regionen der Ukraine verfügbar. Auf der Webseite des Pilotprojekts LK.UKRFOREST.COM werden Informationen zu 32.900 erteilten Genehmigungen für Holzeinschlag veröffentlicht. Die erfassten Regionen sind: Cherkasy, Chernihiv, Dnipropetrovsk, Kherson, Khmelnytskyi, Kyiv, Mykolaiv, Odesa, Poltava, Rivne, Sumy, Ternopil, Volyn, Vinnytsia, Zakarpattia, Zhytomyr, und Forstbetrieb Novoaidarsk (Region Luhansk).

Rundholzlogistik

Mithilfe der elektronischen Holzerfassung soll der Holzhandel entlang der Lieferkette kontrolliert und illegaler Holzeinschlag verhindert werden. Darüber hinaus bietet das System Möglichkeiten für die Optimierung von Geschäftsprozessen und mehr Transparenz. Das Holzlogistiksystem funktioniert in Echtzeit und bietet öffentlichen Zugang zu Informationen über die Herkunft des Holzes. Die Rechtmäßigkeit des geernteten Holzes kann auf der Website des staatlichen Unternehmens Forestry Innovation and Analytical Center überprüft werden. Das System wird von Entwicklern laufend verbessert und ermöglicht eine einfache Nutzung auf normale Smartphones. 

Online-Versteigerung von Rundholz

Am 01.02.2020 fand der Übergang zum Rundholzverkauf auf elektronischen Marktplätzen und Versteigerungsplattformen statt. Holzverarbeitende Betriebe erhalten damit einen gleichberechtigten Zugang zu den Ressourcen. Forstbetriebe, deren Einkommen 10 Mio. UAH überstieg, müssen mindestens 1/4 des monatlich geplanten Rundholzverkaufsvolumens auf der staatlichen Online-Versteigerungsplattform ProZorro anbieten.

Stand: