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Die Zukunft des Arbeitens - wir können bestimmen, was wir wie machen

Positive Aussichten auf die Arbeitswelt von morgen  - Veranstaltung HORIZONTE am 21.2.2018

Die erste Botschaft des Abends war, dass wir uns eigentlich schon mitten drinnen in der Zukunft des Arbeitens befinden. Digitalisierung ist nichts Neues und es wird auch nicht alles auf einmal auf uns einstürzen. Vielmehr können wir bestimmen – und werden dabei gefordert, was wir wie machen wollen, welche Technologien wir wie einsetzen und worauf wir bewußt verzichten wollen, um das Menschsein zu leben. Hier müssen wir Menschen – im Arbeitsprozess wie auch privat - die Grenzen genau festlegen. Andererseits ist es wesentlich, dass wir im Innovationsmodus bleiben, um mit den Neuerungen mitleben zu können, weshalb die Bereitschaft zu stetem Lernen und der Bereitschaft zum Ausprobieren von Neuem ausschlaggebend für den eigenen Erfolg sein wird.

Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation sowie Vorsitzender der Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung hob bei seinem Vortrag am 21.2.2018 in Wien im Rahmen der HORIZONTE-Veranstaltungsreihe zum Thema „Zukunft des Arbeitens“ hervor, dass die Digitalisierung vor etwa 35 Jahren mit der Einführung des ersten PCs begonnen hat, wir aber erst ein Prozent des ganzen Weges gegangen sind.

HORIZONTE „Zukunft des Arbeitens“ am 21.2.2018 in der WKÖ mit Fraunhofer IAO und Zukunftsinstitut
© AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA HORIZONTE „Zukunft des Arbeitens“ am 21.2.2018 in der WKÖ mit Fraunhofer IAO und Zukunftsinstitut

„In Wahrheit sind es wir Menschen, die die Welt verändern, die technologische Entwicklung ist menschgetrieben. Wir müssen nicht Dinge tun, die wir nicht wollen, aber wir wollen es offensichtlich und tun dies oft“, zeigte sich Prof. Bauer überzeugt. „Die kommenden Veränderungen werden auch Zeit brauchen. Selbst wenn es sich beschleunigt, wird nicht alles in fünf Jahren da sein. Sie müssen auch von der Gesellschaft mitgetragen werden. Aber es kommt Großes auf uns zu.“, fügte er hinzu.

Obwohl bei den Top 10 IT-Themen ganz oben noch IT-Sicherheit steht, gewinnen digitale Plattformen und künstliche Intelligenz an Stellenwert. An Beispielen von Boston Dynamics, KUKA und Hanson Robotics veranschaulichte Prof. Bauer den ungeheuren Fortschritt beim Einsatz von Robotern. Facebook musste kürzlich zwei Bots abdrehen, da sie sich eine eigene Sprache entwickelten und von ihren Entwicklern nicht mehr verstanden werden konnten.

Der nächste Digitalisierungsschritt wird dazu führen, dass gewisse Berufsbilder verschwinden. Es gibt keinen Jobverlust, wo es um Menschen mit Menschen und Kommunikation geht. Laut Weißbuch „Arbeiten 4.0“ des deutschen Arbeitsministeriums sollten in den nächsten zehn Jahren durch Digitalisierung mehr neue Jobs geschaffen werden, als man in der kurzen Zeit aufgrund des akuten Fachkräftemangels besetzen könnte. „Das wird der größte Bremsfaktor der künftigen Wirtschaftsentwicklung sein“, meinte Prof. Bauer. „Kümmert Euch nicht um Studien, sondern um neue Arbeit, um interessante Produkte, Innovation. Jetzt können wir uns aussuchen, ob wir nur konsumieren oder uns an der Entwicklung dieser Technologien beteiligen wollen, ansonsten bremsen uns Silicon Valley und China aus.“

Harry Gatterer betonte im anschließenden Dialog zwischen Prof. Bauer, Dr. Sabine Bothe von T-Mobile Austria und ihm als Moderator, dass wir bis jetzt einen Austausch von Beziehungen zwischen Menschen als soziale Wesen hatten, wo nun der Computer dazukommt. „Wir verstecken uns hinter dem Begriff Digitalisierung, es geht eigentlich um Rationalisierung“, brachte es Gatterer auf den Punkt. Die typischen Fähigkeiten von Mensch und Maschine werden sich gut ergänzen: auf Ausdauer, Kraft, Wiederholbarkeit, Genauigkeit, Reaktion, Performanz und Multitasking-Fähigkeit treffen Kreativität, Beurteilungs-und Entscheidungsfähigkeit, Lösungskompetenz, Intuition, Gefühl, Emotion, Empfindung, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und soziale Kompetenz.

Dazu muss das Ausbildungssystem verstärkt in Richtung MINT-Fächer gehen und auch Unternehmen sind in der Pflicht, in Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren. Vorgesetzte werden künftig eher Projekte führen und coachen, befähigen statt vorgeben.

Dr. Bothe sprach aus der Praxis, dass Arbeit viele Dimensionen aufweist und wir es weiterfassen müssen als bisher, nicht nur den Erwerbsaspekt berücksichtigend. Die Grenzen zwischen Familienleben und Beruf vermischen sich. Wir sind auch mehr gezwungen, stetig zu lernen, statt Angst vor Veränderung zu zeigen: „Neue Technologien führen dazu, dass wir alle stark an uns selbst arbeiten und neue Fähigkeiten erlernen müssen“, stellte Frau Bothe klar. Es wird aber nicht alles fluid und agil, wodurch wir noch länger beidhändig zu bleiben haben, was zu Komplexität führt. Wir haben ein Recht auf Unerreichbarkeit, Abschalten ist für unser Wohlbefinden wichtig. Im Moment und auch in nächster Zukunft wird das neue Arbeiten noch nicht gelebt.

Herr Gatterer wies auf die Bedeutung hin, Überblick über das Wesentliche und Zeit für das Wichtige zu bewahren. Die menschliche Leistung liegt darin, das Wichtige herauszufiltern. Die Welt wird komplexer und beratungsintensiver, unsere menschliche Leistung wird noch mehr gefragt. Das Management müsste auf Beobachtung umschalten, da man es nicht mehr im Griff hätte – dafür sollte eine Führungskraft klug und pointiert intervenieren.

Zum Thema Innovation und Startups verwies Prof. Bauer darauf hin, dass man nicht nur auf Startups setzen kann, es muss auch Innovation im Unternehmen selbst geschehen. Die Vision der Arbeit wäre seiner Ansicht nach, dass die Menschen sehr individualisiert entscheiden können, was und wie viel sie arbeiten wollen. Ein gesichertes Grundeinkommen sei nötig, das wir eigentlich heute schon hätten. Wenn eine Arbeit bei einem bestimmten Unternehmen spannend ist, werden Menschen das tun wollen. Wir sollten auf mehr Flexibilität setzen, temporäre Möglichkeiten für verschiedene Lebensphasen schaffen, mehr Selbstbestimmung zulassen.

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