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Unternehmerin des Monats Mai 2014 Ingrid Jölli aus St. Andrä im Lavanttal

Frau in der Wirtschaft stellt die Unternehmerin des Monats vor

Ingrid Jölli
Unternehmerin des Monats Mai 2014 Ingrid Jölli


Apfelbäume blühen, Kätzchen sonnen sich gemütlich vorm Eingang, der Gastgarten wird natürlich beschattet von einem alten Kastanienbaum und bei einem Kaffee mit Cremeschnitten blicken Wanderer hinab auf die Kirche und ins Lavanttal: Hier auf über 700 Meter Seehöhe führt Ingrid Jölli seit 26 Jahren das Gasthaus Sieber in der zweiten Generation. Ihr Vater, ein gelernter Zimmermann, wollte lieber Bauer sein und kaufte den Hof 1961 als völliger Quereinsteiger. Schritt für Schritt brachte er das Wirtshaus und den Stall auf Vordermann. Jölli erinnert sich: „Für ihn war es unverständlich, dass zu Weihnachten in der Gaststube noch die Musikbox spielte. Er war lieber bei seinen Tieren und am Feld.“ Damals gab es in der Ortschaft Lamm vier Wirtshäuser – und das bei gerade einmal 90 Einwohnern. Heute haben bereits alle geschlossen – bis auf das Gasthaus Sieber. Es ist nach wie vor der Treffpunkt für die Einheimischen und sonntäglichen Kirchengeher, aber auch genauso beliebt bei Urlaubern.

Der einheimische Gast ist mir sehr wichtig, er kommt das ganze Jahr.

Vom Wandern zum Gackern

Das Gasthaus liegt direkt an der Saualm-Aussichtsstraße und ist damit ein idealer Ausgangspunkt für einen erholsamen Tagesausflug oder Wanderurlaub. Zwar ist die Konkurrenz im Sommer durch die vielen Hütten auf der Saualm groß, aber dennoch kehren Gäste gerne beim Sieber ein. „Das auf die Alm gehen ist bei uns sehr beliebt. Vor allem, wenn es heiß ist, kann man sich bei uns gut erfrischen“, erzählt Ingrid Jölli. Obwohl es für sie wichtig ist, immer wieder neue Kunden anzusprechen, legt sie auch großen Wert auf die Einheimischen. „Selbst wenn die Gäste einmal ausbleiben, der Einheimische kommt das ganze Jahr.“ Und bei den Leuten im Tal ist das Gasthaus Sieber bekannt für seinen Frühschoppen, das Seifenkistenrennen, die Sonnwendfeier oder kulinarischen Wochen mit saisonalen Spezialitäten wie Spargel oder Wild. Immer wieder wird etwas Neues geboten, dazu kommt die klassische Hausmannskost. Meistens ist Jölli gut gelaunt in der Stube anzutreffen. In der Küche wird sie von ihrem 29jährigen Sohn Wolfgang unterstützt, der bereits in renommierten Hotels als Küchenchef tätig war und nun zurück in den Familienbetrieb gekehrt ist. Nebenbei kümmert er sich um die Landwirtschaft und züchtet das Kärntner Blondvieh.

Seit 15 Jahren ist Jölli beim Gackern aktiv. Gemeinsam mit acht Unternehmern ist sie in der Wirtegemeinschaft und bietet beim Gackern 30 verschiedene Geflügelgerichte. „Die Veranstaltung ist sehr beliebt und das Erfolgsrezept ist ganz einfach die Qualität, die wir bieten.“ Wer es nicht zum Gackern schafft, kann die eine oder andere Köstlichkeit direkt im Gasthaus Sieber probieren.

Ich will hier arbeiten, wo ich lebe, auch wenn es anstrengend ist. Aber als Arbeitnehmer hat man es auch nicht leicht. Warum sollte es als Selbstständiger anders sein.

Verbunden mit der Heimat

„Regionalität ist für mich sehr wichtig“, erzählt Jölli. Die heimatverbundene Unternehmerin wollte daher auch nicht weggehen und übernahm das Wirtshaus mit Landwirtschaft von ihren Eltern. „Für meine drei Geschwister war die Arbeit zu schwer, deshalb übernahm ich das Wirtshaus“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Das Unternehmergen dürfte aber in der Familie liegen. Ihr Bruder führt in Salzburg mehrere Trachtengeschäfte mit 50 Mitarbeitern. „Im Vergleich dazu fühle ich mich nicht als klassische Unternehmerin, schließlich habe ich nicht so viele Angestellte“, sagt Jölli. Trotzdem ist sie mit großer Leidenschaft selbstständig. „Ich will hier arbeiten, wo ich lebe, auch wenn es anstrengend ist. Aber als Arbeitnehmer hat man es auch nicht leicht. Warum sollte es als Selbstständiger anders sein. Höhen und Tiefen gehören dazu.“ Sie möchte gerne weiter in den Betrieb investieren, vielleicht einen Wintergarten dazu bauen und in ein paar Jahren an ihren Sohn übergeben.

In schwierigen Zeiten gibt es nur eines: Durchhalten.

Kämpfen gehört manchmal dazu

Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern und Unternehmerin machte Jölli schwierige Zeiten durch: „Wenn mein Leben ein Bestseller wäre und ich ihn lese würde, würde ich mir denken, wie kann das alles passieren.“ Dazu kommt, dass in der ländlichen Gegend vor den Nachbarn nichts verborgen bleibt und sie als Wirtin immer in der Öffentlichkeit steht. Aufgeben kam für sie jedoch nie in Frage. Heute hat sie es geschafft, privat und beruflich ist alles im Lot. „Meine Familie und meine Kinder haben mir die Kraft zum Weitermachen gegeben. In schwierigen Zeiten gibt es eben nur eines: Durchhalten.“ Trotz vieler Enttäuschungen sieht sie immer das Gute in einem Menschen und glaubt an das Glück. 


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