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Unternehmerin des Monats September 2014: Christine Spazier aus Villach

Frau in der Wirtschaft stellt die Unternehmerin des Monats und "Kräuterspatz" vor

Zum Trocknen geht’s auf den Dachboden, zum Verarbeiten in den Keller und dazwischen wird Hustenelixier am Fensterbankerl gelagert, die Ordner sind im Esszimmer verteilt und die fertigen Produkte werden in einem eigenen, neu adaptierten Raum präsentiert:

Christine Spazier
Unternehmerin des Monats September 2014, Kräuterspatz Christine Spazier


Der Kräuterexpertin Christine Spazier geht es so wie vielen Ein-Personen-Unternehmen. Die Arbeit verteilt sich im ganzen Haus und jede freie Ecke wird beruflich genutzt. Allein im Arbeitsraum bewahrt die Villacherin rund 200 verschiedene Kräuter auf. Den Großteil davon sammelt sie in der wilden Natur, zum Beispiel im Naturpark Dobratsch.

„Viele denken, ich sammle die Kräuter körbeweise, wenn ich unterwegs bin. Das stimmt nicht“, erzählt Spazier. Sie geht behutsam mit der Natur um, pflückt nur ein Büschchen von jenem oder ein kleines Sträußchen vom anderen Kraut. Sogar beim Familienausflug nach Italien oder Slowenien findet sie zufällig seltene Kräuter. Worauf man beim Kräutersammeln und –verarbeiten achten muss, verrät sie in eigenen Workshops oder Kräuterwanderungen. Spazier will die Menschen zum selber sammeln und verarbeiten motivieren. „Wir sollten mehr auf unser Bauchgefühl hören. Wenn man selbst Kräuter sammeln geht, ist das automatisch der passende Zeitpunkt.“ Es müsse nicht immer alles bis aufs kleinste Detail vorgegeben und strukturiert sein. Nur auf eines legt sie Wert: „Jeder Wald und jede Wiese gehört irgendjemanden, daher frage ich, ob ich mir ein paar Kräuter pflücken darf.“

Als Naturmensch hat sie großen Respekt vor der Mutter Erde.

Die Lebensqualität, die wir in Kärnten haben, ist einzigartig und es ist mir ein großes Anliegen in meinem Ermessen das Meinige dazu beizutragen, sie zu erhalten.


 

 


Kräuterwissen von den Vorfahren

Schon die Großeltern von Spazier sammelten Kräuter – als Enkelin wurde sie zum Helfen zwangsverpflichtet. „Damals habe ich das gehasst, weil ich es musste“, erinnert sich Spazier. Heute ist das anders. Nach mehrjährigen Auslandaufenthalten in London und Rom zog sie zurück nach Villach und bekam mit ihrem Mann drei Kinder. „Ich war eine richtige Großstadttussi und durch die Neurodermitis sowie Glutamatunverträglichkeit meines Sohnes kam ich wieder zurück zu natürlichen Zutaten und Kräutern.“ Bereits vor 23 Jahren stellte sie für ihren Sohn selbst Cremen und Shampoos her. „Mir blieb nichts übrig, er vertrug nichts anderes.“ Immer wieder fragte sie die alten Leute nach ihrem Kräuterwissen. Ihre Freunde aus England und Italien brachten sie auf die Idee, ihre Produkte in einem Onlineshop zu verkaufen. Das war der Start von Kräuterspatz. Ein Jahr lang plante sie den Onlineshop. Eigene Produkte auf den Markt zu bringen, ist nicht einfach. Vor allem bei Lebensmitteln muss vieles beachtet werden. „Ich werde regelmäßig vom Lebensmittelinspektor kontrolliert und schicke meine Produkte zur Analyse in die Lebensuntersuchungsanstalt nach Klagenfurt“, berichtet Spazier. Ein aufwendiges und manchmal auch teures Prozedere. „Mein Vorteil war, dass ich ohne Druck starten konnte. Ich musste nicht gleich von Beginn weg, davon leben“, erzählt Spazier. Sie gönnt sich den Luxus und arbeitet nicht mit großen Lebensmittelketten zusammen, obwohl es bereits Anfragen gab. „Wenn ich meine Produkte an Supermärkte liefern würde, müsste ich immer alles verfügbar haben.“ Das ist unvorstellbar für Spazier, die so wenig wie möglich dazu kaufen will. „Gibt es ein Kraut einmal nicht, dann gibt es die Teemischung erst wieder in der nächsten Saison.“

Je vollständiger das Kraut, desto besser die Qualität.


 
Christine Spazier
v.l.n.r.: Julia Klatil, FiW-Bezirksvorsitzende Villach, Unternehmerin des Monats Christine Spazier aus Villach und Sabine Inschick, FiW-Bezirksgeschäftsführerin Villach

 

Kräutertipps für den Herbst

Hildegard von Bingen, eine Vorreiterin der traditionellen europäischen Medizin, konnte zu ihrer Zeit noch nicht destillieren. „Sie hatte nur eine Möglichkeit, um die Inhaltsstoffe herauszuholen – sie setzte die Kräuter in Wein an.“ Damit würden sich andere Inhaltsstoffe lösen als beim Teekochen. Dieses Wissen nutzt Spazier und stellt eine Vielzahl von Heilkräuterweinen und Elixieren her: Der Rosmarinwein zum Beispiel gilt als potenzfördernd, das Schlehen-Blüten-Elixier hilft bei Frühjahrsmüdigkeit . Auch die Kraft der Esche sollte nicht unterschätzt werden. „Wir arbeiten viel zu wenig mit Bäumen. Wer einen Eschenwein trinkt, spürt die Veränderung in sich selbst.“ Ihr Tipp für den Herbst: Achten Sie beim Kauf von Tee auf die Qualität. Sind die Kräuter fein zerrieben, verlieren sie an ätherischen Ölen. Teemischungen mit großen oder vollständigen Blättern und Blüten sind hochwertiger.

Ich wünsche mir eines Tages einen Kräuterverband vorzustehen, so ähnlich wie es die Gemeinde Irschen umgesetzt hat.


 


Einzelunternehmerin mit Vision

Neben dem überlieferten und selbst angeeigneten Wissen über Kräuter absolvierte Spazier verschiedene Ausbildungen, wie jene zur Kräuterpädagogin und Grünen Kosmetik Pädagogin. Außerdem ist Spazier im Gremium Naturpark Dobratsch, Naturpark Dobratsch Spezialitätenerzeuger und Landesleiterin des Kräutervereins FNL. „Das Kräutersammeln und –verarbeiten erfordert viel Fachwissen und Idealismus.“ Seit 2009 erzeugt und verkauft sie erfolgreich Kräutertees, Kräutersalze, Liköre, Schnäpse, Essig, Dörrobst, eingelegte Früchte und Sirup. Zum Unternehmertum sagt sie: „Selbstverantwortung kann ich nicht in andere Hände legen – das muss ich schon selber tun.“ Da ihre Söhne schon erwachsen sind, klappt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut. In zehn Jahren möchte sie ihre Vision verwirklicht haben: „I have a dream, sagte Martin Luther King. Ich wünsche mir eines Tages einen Kräuterverband vorzustehen, so ähnlich wie es die Gemeinde Irschen umgesetzt hat.“ Und das im Villacher Raum oder der gesamten Region Mittelkärnten.

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Kontakt:

Kräuterspatz

Christine Spazier

Waldheimstraße 59

9523 Landskron

T 0664 129 1630

www.kraeuterspatz.at