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Neuste Tricks der Betrüger

Interview mit Mag. Martin Sablatnig

Abo-Fallen, Fake-Shops und Viren am Handy: Die Tricks der Betrüger werden immer dreister und Fälschungen immer besser. Rechtsexperte Martin Sablatnig bleibt immer am Laufenden und spricht über aktuelle Entwicklungen.

Unternehmen sind fast täglich mit unlauteren Versuchen konfrontiert, die sie in dubiose Verträge locken sollen. Wie gehen die Betrüger dabei vor?

Martin Sablatnig: Vor allem Adressbuchschwindel, Erlagscheinschwindel und Internetabzocke boomen. Beim Erlagscheinschwindel bedienen sich unseriöse Anbieter regelmäßig zum Beispiel der öffentlich zugänglichen Daten des Firmenbuches oder Werbungen, die bei seriösen Firmen geschaltet werden, und verschicken Angebote mit beiliegendem Erlagschein. Aber wenn eine Einzahlung getätigt wird, ist das Geld weg! Beim Adressbuchschwindel wird mittels unerlaubter Werbeanrufe und –faxe versucht, zu einer Unterschrift zu gelangen. Häufig beziehen sich die Anrufer auf eine vermeintlich bestehende Vertragsbeziehung, die gekündigt werden soll. Mit einer Unterschrift wird aber tatsächlich ein neuer Vertrag - oft zu horrenden Kosten – abgeschlossen. Und bei der Internetabzocke bieten die Schwindler verschiedene Dienstleistungen im Internet an. Man wird aufgefordert, seine persönlichen Daten anzugeben. Nur versteckt wird aber darauf hingewiesen, dass ein kostenpflichtiger Vertrag abgeschlossen wird.

 

Wie läuft ein Anzeigenschwindel ab?

Martin Sablatnig: Der Unternehmer gibt eine Werbeeinschaltung auf. Anzeigenschwindler kopieren diese Werbeeinschaltung und melden sich unter dem Vorwand, noch eine Unterschrift zu benötigen. Diese Unterschrift soll nur die Richtigkeit der Firmendaten bestätigen. In besonders krassen Fällen werden absichtlich Fehler in den Anzeigentext geschwindelt, um eine Korrektur und Unterschrift zu erlangen. Mit dieser Unterschrift wird aber ein neuer Vertrag abgeschlossen, dessen Bezahlung unter Einschaltung von Rechtsanwälten und Inkassobüros erzwungen wird. Viele dieser Anzeigenschwindler haben ihren Firmensitz im Ausland und verstoßen mit unerlaubten Werbefaxen gegen das Telekommunikationsgesetz. Die Wirtschaftskammer Kärnten hat in mehreren Fällen deutsche Firmen zur Anzeige gebracht und empfindliche Geldstrafen erwirkt.

 

Im Internet werden die Pishing-Mails immer raffinierter. Mit welchen neuen Tricks werden die Unternehmen online abgezockt?

Martin Sablatnig: Die E-Mails sind optisch besser aufbereitet, aber die Methode dahinter ist immer noch die Gleiche. Aktuell erhalten viele Betriebe gefälschte Bewerbungen per E-Mail. Aber das Erstaunliche dabei ist, diese sind richtig gut gemacht. Der Absender passt mit der Unterschrift zusammen und auch das Anschreiben ist perfekt getextet. Im ersten Eindruck also eine sympathische Bewerbung, nur wer dann den Lebenslauf als Zipdatei aufmacht, tappt in die Falle der Betrüger.

 

Auch die sogenannte Ransom-Software, welche Daten verschlüsselt und für die Freigabe Lösegeld fordert, ist in aller Munde …

Martin Sablatnig: Der Trend hält an und die Internetbetrüger leben heute davon, dass die Unternehmen sorglos mit ihren Daten umgehen und diese nicht mit einem professionellen Back-up, getrennt vom Rechner, sichern. Wer über so ein Back-up verfügt, kann seine Daten schnell wieder herstellen. Die Kriminalpolizei rät, solche Lösegeldforderungen nicht zu bezahlen. Denn man kann sich nicht sicher sein, ob die Betrüger die Daten wirklich wieder freigeben oder eine zweite Zahlung fordern. Außerdem können sie immer wieder auf die EDV zugreifen. Nur Vorsorge schützt.

 

Aber was tun, wenn man auf die Masche der Betrüger bereits hereingefallen ist?

Martin Sablatnig: Bewahren Sie die Nerven. Sie sind nicht alleine. Bereits vielen Unternehmen – von groß bis klein, quer durch alle Branchen – ist das passiert. Aber wir werden oft erst spät kontaktiert, weil es den Betroffenen peinlich ist, ein Opfer zu sein. Rufen Sie lieber einmal zu oft, als einmal zu spät bei uns an. Wir können Ihnen weiterhelfen und bearbeiten pro Jahr an die 300 Fälle.