th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close icon-window-edit icon-file-download icon-phone xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin Google-plus facebook pinterest skype vimeo snapchat arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram

Arbeiten gehen darf nicht an Kinderbetreuung scheitern

WKO Freistadt tritt für flächendeckende, ganztägige und leistbare Kinderbetreuungsplätze ein – auch in den Sommerferien!

Kind spielt
© Oksana Kuzmina stock.adobe.com, Abdruck honorafrei

Weder die Pandemie noch der Krieg in der Ukraine haben etwas daran geändert: Viele Arbeitgeber im Bezirk Freistadt suchen nach wie vor – oft vergeblich – intensiv nach Fach- und Arbeitskräften.  

2,3% Arbeitslosenquote im Bezirk Freistadt zeigt, dass der Arbeitsmarkt ausgetrocknet ist. Eine rasche Vermittlung der arbeitslosen Personen bleibt natürlich ein wichtiges Ziel. Um eine zusätzliche Dynamik in die Vermittlungsaktivitäten zu bringen, ist für den Obmann der WKO Freistadt, Christian Naderer, der Gesetzgeber gefordert. 

„Eine reguläre Arbeitsaufnahme muss sich wieder lohnen“, ist Naderer überzeugt. Ein gestaffeltes Arbeitslosengeld, eine deutliche Beschränkung der Zuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslose und die dringend notwendige Reparatur der Notstandshilfe (nur in Österreich gibt es diese unbeschränkt bis zur Pension) sollen den Anreiz für Arbeitslose erhöhen, wieder eine Beschäftigung aufzunehmen. Eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes ist, so Naderer, hingegen kontraproduktiv, weil sie die Differenz zum erzielbaren Einkommen in einem regulären Job weiter reduziert.  

Kinderbetreuung ausbauen 

Beträchtliches Potenzial für zusätzliche Arbeitskräfte sieht die WKO Freistadt bei jungen Eltern. Junge Mütter oder auch Väter würden oft gern einige Stunden oder Tage pro Woche mehr arbeiten gehen, wenn sie eine ausreichende Betreuung für ihre Kinder fänden. Gerade in ländlichen Gemeinden ist allerdings das Betreuungsangebot meist auf Kernzeiten beschränkt, für Kinder unter drei Jahren oft gar nicht existent. Fragt eine junge Mutter in der Gemeinde, ob sie ihr kleines Kind schon um 7 Uhr in Betreuung geben oder etwa um 18.30 Uhr abholen könne, erntet sie so gut wie überall ein Kopfschütteln. Fragt man dann bei Gemeinden, warum sie nicht eine ausgedehntere Kinderbetreuung anbieten, hört man oft, es gebe ja keinen Bedarf danach. Dietmar Wolfsegger: „Das ist das berühmte Henne-Ei-Prinzip. Was nicht angeboten wird, wird meist gar nicht nachgefragt. Erst das Angebot schafft die Nachfrage. Das Dilemma ist also dadurch zu lösen, dass man mal mit dem erweiterten Angebot startet. Dann ergibt sich schrittweise die Nachfrage.“ Gemeinden brauchen dazu mehr Budget. Für ausgedehntere Kinderbetreuung mehr öffentliche Mittel zur Verfügung zu stellen, ist eine entscheindende Investition für die Zukunft am Land. Das ist ein wichtiger Punkt sowohl gegen die Landflucht als auch gegen den Arbeitskräftemangel.

 

Gleich in den Sommerferien das Betreuungsangebot ausdehnen

Christian Naderer: „Wir freuen uns sehr über die § 15aB-VG-Vereinbarung, wonach der Bund die Mittel für Kinderbetreuung in Oberösterreich auf 200 Mio Euro anhebt. Ein umfassendes flächendeckendes Kinderbetreuungsangebot muss rasch ein Standard-Infrastrukturangebot werden, so wie Breitbandinternet. Das ist keine Frage, die wir erst in 5 oder 10 Jahren lösen müssen, sondern raschest. Kinderbetreuungsmöglichkeiten auch am Tagesrand sind eine wesentliche Frage für Jungfamilien geworden, wenn sie entscheiden, ob sie weiterhin am Land wohnhaft bleiben wollen. Und gerade junge Leute wollen wir in den Landgemeinden halten. Gleich jetzt in den Sommerferien soll die Ausdehnung des Betreuungsangebots spürbar sein. “

 

Anspruch auf Kinderbetreuung als Investition in die Zukunft

Ein bereit stehender Kinderbetreuungsplatz ist die Grundvoraussetzung für die Wahlfreiheit der Eltern, entweder arbeiten zu gehen und das Kind in Betreuung zu wissen oder das Kind selbst zu betreuen. Christian Naderer will daher nicht nur ein flächendeckendes Kinderbetreuungsangebot, sondern er bricht auch eine Lanze für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung: „Deutschland hat vor neun Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr geschaffen. Das ist aus meiner Sicht ein Vorbild für Österreich.“

 

Erfolgsmodell Deutschland

Seit 2013 besteht in Deutschland ein einklagbarer Rechtsanspruch auf Förderung in einem Kindergarten oder bei einer Tagesmutter für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. „Einklagbar“ klingt im ersten Moment nach Rechtsstreitigkeiten und Bürokratie und schürt Ängste etwa bei Gemeinden, gegen die sich der Rechtsanspruch richtet. Doch die große Klagewelle ist ausgeblieben, die positiven Effekte überwiegen weitaus.

Die Zahl der teilzeitbeschäftigten Mütter ist gestiegen, bei der Vollzeitbeschäftigung gab es einen Rückgang. Zudem hat sich die Geburten-Anzahl erhöht.

Die Anzahl der extern betreuten Kinder unter 3 Jahren stieg vom Jahr 2008 bis zum Jahr 2020 um 130%. Die Betreuungsquote hat sich im selben Zeitraum von 17,6% auf 35% verdoppelt. Die frühkindliche Betreuung führte zu mehr Bildungsgerechtigkeit und förderte die Sprachkompetenz. Frühkindliche Betreuung bewirkt auch, dass Kinder mit Migrationshintergrund ihre Schullaufbahn mit besseren Deutschkenntnissen beginnen.

Die verbesserte Kinderbetreuung hat die Gemeinden jedenfalls zu einem attraktiveren Standort gemacht. Den Vorteilen gegenüber stehen natürlich höhere Kosten. Der Ausbau der Kinderbetreuung erfordert eine Anschub- und eine laufende Finanzierung. Der Bund hat in Deutschland seit 2008 mit Investitionsprogrammen in Höhe von 5,38 Mrd Euro die Schaffung von 750.000 Betreuungsplätzen gefördert.

 

Längerfristig rechnet sich frühkindliche Bildung mehrfach

Christian Naderer: „Ich fordere einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Geburtstag. Deutschland hat sich als Vorbild herausgestellt. Wir brauchen einen Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und eine Ausweitung der Öffnungszeiten. Kinderbetreuungsplätze müssen flächendeckend, ganztägig, qualitätsvoll und leistbar sein.“  

Einer EcoAustria-Studie zufolge würden schon in kurzer Zeit zwei Drittel der öffentlichen Ausgaben durch Mehreinnahmen gedeckt, die vor allem durch die erhöhte Erwerbsbeteiligung von Eltern entstehen. Dazu kommt ein Anstieg des Privatkonsums. Längerfristig kommt jeder in die frühkindliche Bildung investierte Euro um ein Mehrfaches zurück, nicht nur in Form eines Kinderlächelns. Zu guter Letzt steigert ein lokaler Betreuungspatz die Attraktivität der ländlichen Region für junge Familien und wirkt dadurch der Landflucht entgegen.