th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close icon-window-edit icon-file-download icon-phone xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin Google-plus facebook pinterest skype vimeo snapchat arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram

Energietag 2020 - Nachbericht

Energietag 2020 – Neue Impulse für die Energiewelt

© Mag.a Doris Hummer, Präsidentin der WKO Oberösterreich

„Die weitere Verbesserung der Energieeffizienz und der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen sind – richtig verstanden -  ein gigantischer Innovationsmotor. Aber: Klimaschutz ist kein Selbstläufer und braucht einen kraftvollen Anschub“, stellte WKOÖ Präsidentin Mag.a Doris Hummer bei der Eröffnung des Energie-Tages 2020 klar.

Der Energietag ist das Event der WKO Oberösterreich zum Thema Energie und Klima und ging - allen äußeren Umständen zum Trotz - in der nunmehr 20. Auflage als Online-Event über die Bühne.

Die im September von der Bundesregierung eingeführte Investitionsprämie ist laut Hummer eine wichtige Maßnahme, um einen dringend notwendigen Wirtschaftsimpuls mit Langfristwirkung auszulösen und gleichzeitig unsere Energie- und Klimaziele zu erreichen.

Der Run der Unternehmen auf die mit 2 Mrd. Euro dotierte breite Förderpalette ist ungebrochen.  So dienen 14.100 Anträge oder 41 Prozent der eingereichten Projekte der Ökologisierung. Erfreulich ist, dass rund ein Drittel dieser Anträge aus Oberösterreich stammen. Dies zeigt die Bereitschaft der Unternehmen, gerade jetzt in diesem Bereich zu investieren.

Oberösterreich braucht aber als energieintensivstes Bundesland langfristige Planungssicherheit und eine leistbare und sichere Energieversorgung, um seine Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler und internationaler Ebene gerade in dieser schwierigen Zeit weiter auszubauen.

Damit alle Unternehmen von den Möglichkeiten des ökologischen Wandels profitieren können, müssen bei allen neuen Strategien und gesetzlichen Rahmenbedingungen die Auswirkungen auf die Wirtschaft mitgedacht und bei Energie- und Umweltförderungen vorrangig Maßnahmen mit hoher heimischer Wertschöpfung forciert werden.

Neben gemeinsam definierten und machbaren Zielen, sind abgestimmte und angemessene finanzielle Hilfen von EU, Bund und Land für Wirtschaft und Private sowie vereinfachte und rasche Genehmigungsverfahren beim Infrastrukturausbau notwendig. Parallel dazu sollten Technologiekooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft die technologieneutrale Forschung und Entwicklung vorantreiben um neue und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen markttauglich zu machen.

„Essentiell bei der Dekarbonisierung der Gesellschaft ist, die Wirtschaft als Teil der Lösung zu sehen. Denn: Ökologie und Ökonomie bedingen einander!“, so Hummer abschließend.

© Dipl. HTL-Ing. Ernst Spitzbart, Energiesprecher sparte.industrie und KommR Mag. Erich Frommwald, Obmann sparte.industrie

Der Obmann der sparte.industrie, KommR Mag. Erich Frommwald verwies in der, von OÖN-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Rubasch moderierten Talkrunde darauf, dass die oö. Industrie hinter den europäischen und nationalen Bemühungen hin zu einer “Low-Carbon-Economy” steht.

Gerade in der wirtschaftlich extrem herausfordernden Zeit dürfen aber die nationalen und internationalen Energie- und Klimaziele kein Hemmschuh für den Wirtschaftsstandort Europa und seine Unternehmen sein, sondern müssen mit Blick auf den Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und dem Ziel einer international einheitlichen CO2-Bepreisung formuliert werden. 

Bei der Energieeffizienz sollten laut Frommwald Know-How in finanzielle Mittel in die Umsetzung der richtigen und effektivsten Maßnahmen fließen und der bisherige Bürokratieaufwand deutlich reduziert werden.  Kritisiert wird die Ankündigung, einerseits die Ziele zu verschärfen und andererseits den Katalog für anrechenbare Maßnahmen immer weiter zusammenzukürzen. Österreich könnte sich einen Großteil der neuen Energie- und Umweltförderungen als strategische Maßnahme auf seine Unionsziele anrechnen lassen und damit die Lieferantenverpflichtung deutlich reduzieren, was sich auch positiv auf den Energiepreis auswirken würde.

Der Vorsitzende der Strategiegruppe Energie in der sparte.industrie, Dipl. HTL-Ing. Ernst Spitzbart appellierte an die Verantwortlichen, bei der grundlegenden Neukonzeption der Ökostromförderung auf eine hohe Fördereffizienz zu achten. So sollten jeweils die besten Projekte an den besten Standorten ausgebaut werden, um aus jedem Fördereuro ein Maximum an Energie-Output und CO2-Einsparung herauszuholen. Denn: Bereits heute sind die Ökostromkosten im Kontext mit den steigenden Netztarifen und den Kosten für Ausgleichsenergie in stromintensiven Betrieben oft ein Hemmschuh für Neuinvestitionen.

Der geplante Ausbau insbesondere von Wind und Photovoltaik stellt auch die Strominfrastruktur vor massive Herausforderungen. Dabei könnte die Wirtschaft laut Spitzbart bei geeigneten Rahmenbedingungen eine bedeutende Rolle einnehmen um mit ihren Eigenerzeugungsanlagen und durch eine intelligente Lastverteilung die Netze temporär zu entlasten. Dazu würde sich anbieten – so wie in Deutschland bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert -  zusätzlich Anreize für die Energiespeicherung in Unternehmen oder in Produktionsprozessen zu schaffen um damit netzdienlich zu wirken.

© Leonore Gewessler BA, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
 „Wir können die Klimakrise nur gemeinsam und durch entschlossenes Handeln bewältigen. Investieren wir jetzt in den Klimaschutz, profitieren wir alle: unser Planet, unsere Gesellschaft und die Wirtschaft. Denn Investitionen in den Klimaschutz wirken auf Jahrzehnte. Sie sind ein Wirtschaftsmotor – sie sichern Arbeitsplätze und Wertschöpfung direkt in der Region und machen österreichische Unternehmen international zu Vorreitern“, so das erste Statement von Energie- und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.

Der Umweltministerin sind die Bedenken der energieintensiven Industrie etwa zu den Zielverschärfungen im Zuge des europäischen Green Deal, gerade in Oberösterreich, nicht fremd. „Sie wolle die Diskussion nach vorne richten und die industrielle Basis durch wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen erhalten.“ Dazu werde sie sich auf europäischer Ebene für einen effektiven Schutz der Carbon-Leakage Sektoren, und einen effizienten Grenzausgleich einsetzen, um Klimadumping zu verhindern.

Laut Gewessler sind oberösterreichische Unternehmen ein guter „Kunde“ bei der staatlichen Umweltförderung. So wurden im Vorjahr 40 Mio. Euro an Zuschüssen abgeholt und damit ein Investitionsvolumen von 300 Mio. Euro ausgelöst.  

Die Energie- und Umweltministerin sieht die Mobilität als eines „der größten Sorgenkinder“ auf dem Weg zur Klimaneutralität. Da brauche es eine Vielzahl an Maßnahmen wie etwa eine Intensivierung von Forschung und Entwicklung, verstärkte internationale Kooperationen oder zielgerichtete themenspezifische Strategien zu Raumwärme, Mobilität oder Wasserstoff, so die Ministerin.

© Dr. Thilo Schaefer, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

„Nicht nur die Energieerzeugung, sondern die gesamte Wirtschaft soll sich von fossilen Quellen verabschieden und auf Dekarbonisierung setzen – so will es der Green Deal der EU-Kommission. Darin liegen viele Chancen, doch auch zahlreiche Risiken und vor allem hohe Kosten. Mehr denn je sind deshalb kluge politische Rahmenbedingungen gefragt“, so Dr. Thilo Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

„Die beste Lösung wäre ein einheitlicher globaler Preis für Treibhausgase. Damit würde CO2 zunächst dort vermieden, wo es am günstigsten ist und so die Dekarbonisierung der Gesellschaft weltweit am effizientesten umgesetzt werden“, argumentiert Schaefer. Der ins Auge gefasste europäische Emissionshandel für alle Sektoren wäre auch bei perfektem Carbon-Leakage Schutz für wettbewerbsintensive Branchen seiner Meinung nach nur die zweitbeste Lösung.

Leider finden wir uns laut Schaefer aktuell in einer Welt mit uneinheitlicher Regulierung wieder, in welcher ETS-Sektoren und Nicht-ETS-Sektoren getrennt voneinander betrachtet werden. Zusätzliche Kosten entstehen durch inkonsistente nationale Regelungen.   

Auch der von der EU-Kommission geplante Grenzausgleich für nicht in der Europäischen Union – und damit ohne zusätzliche CO2-Kosten - produzierte Produkte wird von Schäfer in Frage gestellt. Er befürchtet, dass unsere außereuropäischen Handelspartner mit Zöllen und Einfuhrbeschränkungen reagieren könnten.

Laut Schaefer wird als Grundvoraussetzung die Sektorenkopplung von Strom, Mobilität und Wärme auf Basis erneuerbare Energien zum Gelingen der Energiewende beitragen.

Vorsichtig optimistisch ist Schaefer auch bei der globalen Ausrollung der Klimaschutzpolitik. Die Chinesen haben erst vor kurzem angekündigt, bis 2060 klimaneutral zu werden und auch in den USA ist mit dem Wahlsieg von Joe Biden ein Schwenk in der Klimapolitik absehbar.

© KommR Ing. DDr. Werner Steinecker MBA, Generaldirektor der Energie AG OÖ
Für Werner Steinecker, Generaldirektor der Energie AG, ist bei der Energiewende der Infrastruktur-Ausbau eine wesentliche Herausforderung. Bis 2030 müsse die Strombranche 18 Milliarden Euro in Netze und Speicher investieren, damit das Erneuerbare-Ausbau-Gesetz die gewünschte Wirkung entfalten kann, ohne die - mit 36 Minuten Ausfallzeit pro Jahr - gewohnt hohe Versorgungsqualität in Zukunft zu gefährden.

Steinecker verwies auch auf Notwendigkeit von Speichern, um den Überschuss von PV-Anlagen im Sommer „wie ein Eichhörnchen“ für die Nutzung im Winter verlagern zu können. Dazu kommen aus Kostengründen nur großtechnischen Anlagen wie Pumpspeicher und künftig auch grüner Wasserstoff in Frage.   

© Josef Siligan, Vorstandsdirektor der Linz AG

Josef Siligan, Vorstandsdirektor der Linz AG, verwies auf die hohe Bedeutung der Fernwärme in der Landeshauptstadt. Derzeit werden rund 90.000 Objekte mit umweltfreundlich erzeugter Wärme versorgt, stammen doch mehr als 30 Prozent aus Biomasse. Die Ziele der Erneuerbaren-Richtlinie für Fernwärme sowie im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz sieht Siligan als „sehr ambitioniert“ an. Er wünscht sich, dass dabei der Systemgedanke zum Zug kommt: Fernwärme und Stromerzeugung im Sinne der Sektorkopplung gemeinsam zu betrachten.

©

Die Träger des Energie-Tages 2020: Josef Siligan, VDir. der Linz AG, Werner Steinecker, GD der Energie AG Oberösterreich, Doris Hummer, Präsidentin der WKOÖ, Ernst Spitzbart, Energiesprecher sparte.industrie und Erich Frommwald, Obmann sparte.industrie, 

Stand: