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Energie-Tag 2016

Präsentationen und Medienberichte

Der Energiemarkt im Umbruch: Wohin steuern die EU, Österreich und Oberösterreich?
Mag. Angelika Sery-Froschauer, Vizepräsidentin der WKO Oberösterreich
Mag. Angelika Sery-Froschauer, Vizepräsidentin der WKO Oberösterreich
 

„Die Energiepolitik wird nach dem Klimavertrag von Paris wesentlich vom Klimawandel und den Treibhausgas-Emissionen bestimmt. Gerade im industriell geprägten Oberösterreich liegt die Herausforderung darin, Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Nachhaltigkeit möglichst effizient zu vereinen“, führte WKOÖ Vizepräsidentin Mag. Angelika Sery-Froschauer bei der Eröffnung des Energie-Tages 2016 in der WKO Oberösterreich vor knapp 300 Teilnehmern aus.

Der Fokus der Energie- und Klimastrategien – die derzeit sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene überarbeitet werden - muss laut Sery-Froschauer darin liegen, positive wirtschaftliche Impulse mit hoher regionaler Wertschöpfung auszulösen.

Oberösterreichs Unternehmen sind vielfach schon derzeit internationaler Technologie­führer in punkto Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Nichts desto trotz gehen exakt 50 Prozent des Endenergieverbrauchs in die Produktion und in Dienstleistungen. Positiv stimmt, dass schon jetzt 32 Prozent des oö. Bruttoenergieverbrauchs durch erneuerbare Energieträger gedeckt werden. Bei der Stromerzeugung kann Oberösterreich dank Wasserkraft, Biomasse, Wind und Photovoltaik sogar auf 81 Prozent erneuerbare Energieträger zurückgreifen. 

Entscheidend für den Wirtschaftsstandort werden daher die weitere Verbesserung der Energieeffizienz und ein geordneter und planbarer Umstieg auf erneuerbare Energieträger sein. Aus Sicht der oberösterreichischen Wirtschaft ist es aber darüber hinaus nicht erforderlich, weitere quantitative Ziele festzulegen. Dies würde lediglich die Kosten für den Umbau des Energiesystems erhöhen, ohne einen ökologischen Mehrwert zu schaffen. 

Abschließend plädiert Sery-Froschauer für eine bessere Abstimmung der Energie- und Klimastrategien zwischen Europäischer Union, Bund und Ländern sowie für eine Plausibilitätskontrolle zu den geplanten Maßnahmen, wobei auch die makroökonomischen Effekte samt den dafür notwenigen Budgets berücksichtigt werden sollten.

Dr. Michael Strugl, MBA Wirtschaftslandesrat Oberösterreich
Dr. Michael Strugl, MBA Wirtschaftslandesrat Oberösterreich
 

„Klares Ziel der neuen Oberösterreichischen Energiestrategie ist“, so Wirtschafts- und Energielandesrat Dr. Michael Strugl in seinem Einleitungsstatement „sich mit effizienten und innovativen Umwelttechnologien zur Energie-Leitregion zu entwickeln. Dafür sind               ökonomisch effiziente und ökologisch treffsichere Rahmenbedingungen und Infrasturkturmaßnahmen Voraussetzung.

In die adaptierte Energie- und Klimastrategie des Landes sollen daher künftig auch standortrelevante Facetten einfließen. Ein starker Fokus wird daher auf der sicheren Versorgung mit wettbewerbsfähiger Energie für die oö. Unternehmen und leistbaren Energiedienstleistungen für die Haushalte gelegt. 

Dringender Handlungsbedarf ist auch bei den Genehmigungsverfahren für Energieinfrastrukturmaßnahmen gegeben. So soll etwa ein neuer Leitfaden für die Trassenplanung den Leitungsbau beschleunigen. Golden Plating - also strengere Auflagen als von der EU oder vom Bund vorgesehen - soll grundsätzlich vermieden werden. Anstelle absoluter Zielvorgaben ist geplant, relative Kennzahlen wie etwa die Energie- oder Treibhausgas-Intensität in den Mittelpunkt zu stellen.

Neben der noch stärkeren Ausrichtung auf Energieeffizienz soll auch der Anteil an erneuerbaren Energieträgern weiter ausgebaut werden. Schon derzeit weisen die heimischen Umwelt- und Ökoenergie-Unternehmen – oft als internationaler Technologieführer - eine hohe Wachstumsdynamik auf. „Mit einem starken Heimmarkt und zielgerichteter F&E sowie Exportaktivitäten sollen den Unternehmen neue Marktchancen in Europa und Übersee eröffnet werden“, so Strugl abschließend.

Eröffnungstalk: Günter Rübig, WKOÖ sparte.industrie, Angelika Sery-Froschauer, WKOÖ, Dietmar Mascher, OÖN, und Erich Frommwald sparte.industrie
Eröffnungstalk: Günter Rübig, WKOÖ sparte.industrie, Angelika Sery-Froschauer, WKOÖ, Dietmar Mascher, OÖN, und Erich Frommwald sparte.industrie
 

Der Obmann der sparte.industrie, DI Günter Rübig verwies darauf, dass Europa zwar derzeit rund 30 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung hält, jedoch nur für knapp 10 Prozent des globalen THG-Ausstoßes verantwortlich zeichnet. Bis 2030 werden es nur noch 7 Prozent sein. Österreich stößt gar nur 2 Promille der weltweiten THG-Emissionen aus.

Das Fazit des Spartenobmannes: „Europa alleine kann daher die Welt nicht retten. Länder wie China und Indien vollziehen ein massives wirtschaftliches Wachstum mit einem enormen Energiehunger, der zwar zunehmend mit erneuerbaren, aber eben auch mit fossilen Energieträgern gedeckt wird.“ 

Rübig kritisierte zudem, dass eine De-Karbonisierung der Gesellschaft mit einer Verringerung der THG Emissionen um 80 bis 90 Prozent, wie sie der Klimavertrag von Paris und die EU-Roadmap vorsehen, nur mit radikalen Innovationen möglich ist, die derzeit aber nicht absehbar sind.  

Rübig warnte weiters vor der derzeit heiß diskutierten Auftrennung des deutsch-österreichischen Marktgebietes. Diese kann die - insbesondere in Polen und Tschechien bei hoher Solar- und Windenergieeinspeisung auftretenden ungewollten Ringflüsse, wenn überhaupt - nur temporär lösen. Zudem würde das Strommarkt-Splitting die Etablierung des gemeinsamen europäischen Strombinnenmarktes erheblich behindern, die Markteffizienz und den Wettbewerb verringern und letztlich höhere Strompreise für die österreichische Wirtschaft nach sich ziehen.  

Der Vorsitzende der Strategiegruppe Energie in der sparte.industrie, Mag. Erich Frommald, ging auf die Chancen für Unternehmen ein, die sich durch den neuen Energiemarkt ergeben. So steigert  der stetige Ausbau der Erneuerbaren, insbesondere der volatilen Sonnen-  und Windenergie den Bedarf an Ausgleichs- und Regelenergie und trägt damit zur Eröffnung  neuer Geschäftsmodelle bei. Weiters wies Frommwald darauf hin, dass die Industrie mit ihren Eigenanlagen etwa durch Abwärmenutzung oder Verstromung von Biomasse oder Ablauge schon immer „Prosumer“ – also gleichzeitig Produzent und Konsument war. 

Frommwald forderte dazu, den Zugang zum Ausgleichs- und Regelenergiemarkt noch transparenter und flexibler zu gestalten. So ist es aus seiner Sicht effizienter, einige Großkunden für das Management der Ausgleichsenergie heranzuziehen, als hundert­tausende Haushalte  zu einer Änderung ihres Bezugsverhaltens zu drängen, was zusätzliche Instabilitäten im Netz nach sich ziehen könnte.   

Um die Versorgungssicherheit auf dem derzeitigen hohen Niveau halten zu können, brachte Frommwald die wichtigsten Forderungen der Wirtschaft auf den Punkt:  

  • Rascher Ausbau der Energie-Infrastruktur als effektivstes  und effizientestes Mittel zur Stabilisierung der Stromversorgung und Adaptierung der Genehmigungsverfahren
  • Länderübergreifende Abstimmung bei Erzeugungsanlagen und Überragungsnetzen anstelle einer Verteuerung durch künstliche Teilung der Preiszonen
  • Ausbau der Eigenerzeugung – insbesondere der Wasserkraft – in ausgewogener Blance zwischen Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz -  um den Strombedarf großteils eigenständig aufbringen zu können.   

Dass die internationalen und nationalen Energie- und Klimaziele für die zukünftige Ausrichtung der Energieversorgung eine zentrale Rolle spielen, waren sich Dr. Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der Energie Control Austria und Univ. Prof. DI Karl Rose vom World Energy Council einig. 

Urbantisch: Dr. Wolfgang Urbantschitsch LL.M. Vorstand der Energie Control Austria
Urbantisch: Dr. Wolfgang Urbantschitsch LL.M. Vorstand der Energie Control Austria
 

„Österreich liegt im Zentrum des kontinentalen Stromnetzes. Jede Änderung des europäischen Energiemarktes hat daher direkte Auswirkungen auf Unternehmen

und Konsumenten in Österreich“, so die Analyse von Energie-Regulator Dr. Wolfgang Urbantschitsch. 

So ist die Transformation der Sengiesysteme von der zentralen Versorgung hin zur dezentralen Aufbringung bereits voll im Gange. Mittlerweile haben wir etwa 16 Prozent geförderten Ökostrom im Netz. Die Bandbreite der Kosten dafür liegen zwischen 100 EUR pro Jahr oder knapp 3,5 Cent/kWh bei Haushalten bis zu 366.000 EUR p.a. oder 0,67 Cent je kWh. 

Hinsichtlich Versorgungssicherheit stimmt Urbantschtsch positiv, dass die Investitionen ins Verteilernetz bei Strom in den letzten 10 Jahren auf etwa 600 Mio. EUR verdoppelt wurden. Ins Gasnetz werden jährlich etwa 100 bis 250 Mio. EUR investiert. Dennoch konnten die Netztarife seit 2001 um 536 Mio. EUR pro Jahr reduziert werden. 

Zur künftigen Preisentwicklung führte Urbantschisch aus, dass die Intraday Märkte immer mehr die Rolle eines physischen Preisindikators übernehmen. So sind die Großhandelspreise auf dem Terminmarkt für 2017 zuletzt wieder auf das Niveau von 2015 gestiegen.  

Der Energieregulator sieht die Rolle der Energie Control Austria in der möglichst kostengünstigen Verwirklichung der Entwicklung verbraucherorientierter, sicherer, zuverlässiger, effizienter und nichtdiskriminierender Systeme.  Im Einklang mit den allgemeinen Zielen der Energiepolitik liegen Energieeffizienz, die Einbindung von Strom und Gas aus erneuerbaren Energiequellen und die dezentrale Erzeugung im Fokus.

Energietalk: GD Dr. Leo Windtner, Energie AG, CR-Stv. Mag. Dietmar Mascher, OÖN, VDir. DI Wolfgang Dopf, Linz AG
Energietalk: GD Dr. Leo Windtner, Energie AG, CR-Stv. Mag. Dietmar Mascher, OÖN, VDir. DI Wolfgang Dopf, Linz AG
 

Im Energietalk sprach Dr. Leo Windtner, GD der Energie AG von einem Tsunami, der in den letzten Jahren durch den übermäßigen Ausbau von Sonne und Wind in Deutschland über die heimische Energiewirtschaft hereingebrochen ist. Gleichzeitig wurden durch die Renaissance der Braunkohleverstromung in Deutschland und Polen die CO2 Ziele völlig außer Acht gelassen.

Windtner kritisierte zudem, dass dieser - durch die fehlende koordinierte Vorgangsweise in Europa - verzerrte Strommarkt sichere Kraftwerkskapazitäten verdrängt. So war das hochmoderne GuD Kraftwerk Timmelkam in den letzten Jahren jeweils nur einige hundert Stunden in Betrieb, sogar Wasserkraftwerke lassen sich derzeit nicht wirtschaftlich betreiben. Ein massives Ungleichgewicht gibt es auch bei den Genehmigungsverfahren: Während für den Ausbau des 110 kV Netzes 15 bis 20 Jahre veranschlagt werden, können etwa Windparks innerhalb von einem Jahr genehmigt und errichtet werden.  

VDir. DI Wolfgang Dopf von der Linz AG forderte ein international abgestimmtes Vorgehen mit klaren Verantwortlichkeiten, damit der Wirtschaftsstandort Oberösterreich energetisch abgesichert werden kann. Für die LINZ AG steht nach wie vor die regionale Versorgungssicherheit mit laufenden Investitionen in Kraftwerke, Umspannwerke, Ringleitungen und Kommunikationssysteme im Fokus.  

Von der fortschreitenden Digitalisierung – sowohl die Energie AG als auch die Linz AG haben bereits mehr als 50 Prozent ihrer Kunden mit intelligenten Messgeräten ausgerüstet – erwartet sich Dopf Einsparpotenziale durch zeitnahes Feedback über den Strombezug, neue Tarifangebote und Vernetzung etwa mit smart-home Lösungen.

Prof. DI Karl Rose, World Energy Council
Prof. DI Karl Rose, World Energy Council
 

„Die Energieversorgung der Zukunft wird multimodal und smart. Der Konsument wird oftmals auch zum Erzeuger (Prosumer = Produzent und Konsument). Das alles braucht umfassendes Systemdenken“, ist Univ.-Prof. DI Karl Rose überzeugt. Die Lösung sieht Rose in der Vernetzung von Strom, Wärme, Mobilität und intelligenten Datenanwendungen. 

Aus Sicht des Experten werden neue Technologien, einschließlich der vollständigen Verbreitung der Informationstechnologie und Automatisierung die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen völlig neu gestalten. 

Relevante Technologien werden PV-Anwendungen samt Batterien und Speichern, Dezentrale und mobile Erzeugungseinheiten, intelligente Netze,

Sensortechnik und Automatisierung von Energiedienstleistungen, die 3D Visualisierung und Steuerung von optimierten Betriebsprozessen sowie die Elektromobilität sein.

Die Träger des Energie-Tages 2016

Die Träger des Energie-Tages 2016:

Günter Rübig, Obmann sparte.industrie, Karl Rose, WEC, Leo Windtner, Energie AG, Angelika Sery-Froschauer, WKOÖ, Wolfgang Urbantschitsch, E-Control, Erich Frommwald, Energiesprecher sparte.industrie, Wolfgang Dopf, LINZ AG, Energielandesrat Michael Strugl


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