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Energie-Tag 2017

Energie- und Klimapolitik mit Augenmaß als Standortfaktor!

Präsentationen und Medienberichte der Veranstaltung vom 5.10.2017

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DI Dr. Clemens Malina-Altzinger, Vizepräsident der WKO Oberösterreich

„Europa ist gerade dabei, mit der Energieunion die rechtlichen, organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen bis 2030 und darüber hinaus festzulegen. Gerade Oberösterreich braucht als energieintensivstes Bundesland langfristige Planungssicherheit, um seine Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler und internationaler Ebene weiter auszubauen“, führte WKOÖ Vizepräsident DI Dr. Clemens Malina-Altzinger bei der Eröffnung des Energie-Tages 2017 in der WKO Oberösterreich vor knapp 230 Teilnehmern aus.

Die Energie- und Klimastrategie des Landes wurde erst im Vorjahr in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft grundlegend überarbeitet und könnte als Vorbild auf Bundesebene dienen. „Wir haben uns auf ambitionierte indikative Ziele wie die Verbesserung der Energieintensität um 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr und eine Reduzierung der Treibhausgasintensität um 25 bis 30 Prozent bis 2030 festgelegt“, unterstreicht Malina-Altzinger die ambitionierten Ziele der „Energie Leitregion OÖ 2050“.

Oberösterreichs Unternehmen sind vielfach schon derzeit internationaler Technologieführer in punkto Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Nichts desto trotz gehen knapp 50 Prozent des Endenergieverbrauchs in die Produktion und in Dienstleistungen. Positiv stimmt, dass schon jetzt 32 Prozent des oö. Bruttoenergieverbrauchs durch erneuerbare Energieträger gedeckt werden. Bei der Stromerzeugung kann Oberösterreich dank Wasserkraft, Biomasse, Wind und Photovoltaik sogar auf 75 Prozent Erneuerbare zurückgreifen.

Abschließend plädiert Malina-Altzinger für eine bessere Abstimmung der Energie- und Klimastrategien zwischen Europäischer Union, Bund und Ländern. Dazu sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Energie-Union wirtschaftsfreundlich zu gestalten.



LAbg. DI Josef Rathgeb
LAbg. DI Josef Rathgeb

In Vertretung von LH Dr. Thomas Stelzer verwies LAbg. DI Josef Rathgeb auf den hohen Stellenwert der Sachgüterproduktion in Oberösterreich, welche mit knapp 37 Mrd. Euro für etwa 60 Prozent des Bruttoregionalproduktes verantwortlich zeichnet. In seinem Statement zeigte er sich erfreut, dass das WIFO erst kürzlich seine Konjunkturprognose für 2017 und 2018 auf 2,8 Prozent angehoben hat. Eine wichtige Grundlage dazu sei das neue OÖ Energiekonzept „Energie Leitregion OÖ 2050“, das im Vorjahr in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erstellt wurde und nunmehr relative Zielgrößen anstelle von absoluten Vorgaben vorsieht. Rathgeb verwies dazu auf die Erfolge der letzten Jahre, welche zeigen, dass die Energieintensität von 2005 bis 2015 um 11 Prozent und die Treibhausgasintensität um 20 Prozent gesunken sind.



Susanne Dickstein, OÖN, DI Günter Rübig und Mag. Erich Frommwald sparte.industrie
Susanne Dickstein, OÖN, DI Günter Rübig und Mag. Erich Frommwald sparte.industrie

Der Obmann der sparte.industrie, DI Günter Rübig verwies darauf, dass die heimische Politik bislang den Fokus der Energie- und Klimastrategie auf die Dekarbonisierung und auf  die Elektrizität gelegt hat,  dies aber nur 20 Prozent des Energieverbrauchs betrifft und 80 Prozent des Energiebedarfes von den übrigen Energieträgern bereitgestellt werden. 

Das Fazit des Spartenobmannes: „Um die gesteckten Ziele zu erreichen und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Barrieren abgebaut und gezielt Förderinstrumente für die Sektorkopplung – also die Integration von Strom, Gas, Fernwärme und Treibstoffen - geschaffen werden.“ 

Laut Rübig führt auch kein Weg an einer weiteren Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen vorbei. Er kritisierte jedoch die bürokratischen Auswüchse des Energieeffizienzgesetzes und forderte, das bisherige Verpflichtungssystem durch effektive strategische Maßnahmen abzulösen. 

Kritisch steht der Obmann der Sparte Industrie auch der erst kürzlich beschlossenen „kleinen“ Ökostrom-Novelle gegenüber, weil diese nur Teillösungen für den Weiterbestand einzelner Anlagen und Technologien schafft, ohne von der Dauersubvention über die geförderten Einspeisetarife abzugehen. Rübig forderte eine möglichst rasche, mit dem EU-Beihilfenrecht konforme Systemumstellung, weg von den Einspeisetarifen hin zu Investförderungen und Ausschreibungen. „Beim neuen Förderregime müssen Kriterien wie Fördereffizienz, Technologieneutralität, Selbstvermarktungsfähigkeit und Netzverträglichkeit der Anlagen im Vordergrund stehen“, so Rübig abschließend.  

Der Vorsitzende der Strategiegruppe Energie in der sparte.industrie, Mag. Erich Frommwald appellierte an die verantwortlichen Stellen, dass der gemeinsame deutsch-österreichische Strommarkt möglichst erhalten bleiben soll. Nachdem Deutschland ursprünglich angekündigt hatte, die Strompreiszone ohne Zustimmung Österreichs einseitig aufzulösen, könnte die heimische Wirtschaft nun mit einem blauen Auge davonkommen, indem die Mehrkosten überschaubar bleiben. 

So haben sich die Deutsche Bundesnetzagentur und die Energie-Control Austria auf 4.900 MW gesicherte freie Langfristkapazität geeinigt. „Wir brauchen aber rasch neue Spielregeln, wie bei einer Überschreitung dieser Transportkapazitäten umgegangen wird“ forderte Frommwald praxisgerechte Lösungen ein. Zudem zählt laut Frommwald zu den vordringlichen Aufgaben der Europäischen Energieunion, Nadelöhre und Flaschenhälse bei grenzüberschreitenden Energieflüssen durch gezielten Netzausbau und Verstärkung der Transportkapazitäten zu beseitigen, um den angestrebten einheitlichen und integrierten europäischen Energiemarkt zu entwickeln. 

Frommwald forderte weiters, den Zugang zum Ausgleichs- und Regelenergiemarkt noch transparenter und flexibler zu gestalten. So soll etwa rasch ein gemeinsamer länderübergreifender Markt für Ausgleichs- und Regelenergie installiert werden, an dem auch energieintensive Unternehmen teilnehmen können.  

Dass die derzeit unter marktwirtschaftlichen Prämissen neu gestalteten rechtlichen, organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen der Energieunion für die zukünftige Ausrichtung der Energieversorgung eine zentrale Rolle spielen werden, waren sich Mag. Lukas Wernert MA von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission und DI Walter Boltz, ehemaliger Vorstand der Energie-Control Austria einig. 



Mag. Lukas Wernert,  Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission
Mag. Lukas Wernert, Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission

„In punkto Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Treibhausgasemissionen ist Europa auf gutem Weg. Mit der Energieunion wird ein effektiver rechtlicher Rahmen über 2020 hinaus geschaffen, der Investoren Sicherheit gibt“, so die Analyse von Mag. Lukas Wernert von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission.

Ende November 2016 hat die Europäische Kommission ihr lange angekündigtes und sehr umfangreiches Paket „Clean Energy for all Europeans“ veröffentlicht. Bereits zuvor hatten sich die EU Staats- und Regierungschefs auf anspruchsvolle Ziele für 2030 geeinigt:

40 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu 1990, 27 Prozent Anteil erneuerbarer Energiequellen und 27 Prozent Einsparungen durch Effizienzmaßnahmen.

Die Energieunion ist somit der politische Rahmen für die Umsetzung der europäischen Energie- und Klimapolitik. Dafür hat die Europäische Kommission eine Reihe von Gesetzesvorschlägen zur Energieeffizienz, Gestaltung des Strommarktes, Sicherheit der Stromversorgung, Steuerung der Energieunion sowie zur Nutzung erneuerbarer Energien vorgelegt. 

Laut Wernert soll Europa demnach zur Weltspitze in Sachen erneuerbare Energie aufrücken und deren Nutzung in Gebäuden, Verkehr sowie im Strom- und Wärmebereich voranbringen. Dazu sind stabile Investitions- und Rahmenbedingungen entscheidend. Erneuerbare Energien sollen zukünftig verstärkt durch den Markt finanziert werden. Das erfordert eine Anpassung von Marktstrukturen, eine Stärkung der Marktflexibilität, vor allem aber auch eine neue Rolle für Stromerzeuger und Verbraucher in der Energiewende. Die Governance der Energieunion soll die Erreichung der Ziele durch koordinierte nationale und europäische Maßnahmen ermöglichen.



GD Ing. DDr. Werner Steinecker MBA, Energie AG, Susanne Dickstein, OÖN,  VDir. DI Wolfgang Dopf MBA, Linz AG
GD Ing. DDr. Werner Steinecker MBA, Energie AG, Susanne Dickstein, OÖN, VDir. DI Wolfgang Dopf MBA, Linz AG

Im Energietalk bezeichnete Ing. DDr. Werner Steinecker MBA, GD der Energie AG die Digitalisierung als eine der großen Herausforderungen der Zukunft, welche die Energiewirtschaft und deren Geschäftsmodelle nachhaltig verändern wird. Um eine „Digital Company“ zu werden, wird Informatikern ein immer wichtigerer Stellenwert zukommen.

Zudem werden laut Steinecker die Versorgungssicherheit und die Versorgungsqualität weiterhin das zentrale Thema in der Branche leiben. Damit diese auch künftig gewährleistet werden kann, sind redundante Leitungen, Großspeicher sowie eine ausgewogene Kombination von erneuerbaren und traditionellen Kraftwerken erforderlich.

VDir. DI Wolfgang Dopf MBA von der Linz AG forderte ein international abgestimmtes Vorgehen mit klaren Verantwortlichkeiten, um Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der europäischen Energiewirtschaft zu vermeiden. So können Investitionen mit nur wenigen Federstrichen in Gesetzen, Verordnungen oder Förderrichtlinien über Nacht unwirtschaftlich werden.

Um den Wirtschaftsstandort Oberösterreich energetisch abzusichern braucht es laut Dopf ein flexibles Energiesystem mit zentralen und dezentralen Erzeugungseinheiten. Für die LINZ AG stehen daher nach wie vor laufende Investitionen in Kraftwerke, Umspannwerke, Ringleitungen und Kommunikationssysteme im Fokus. 



DI Walter Boltz,  ehemaliger Vorstand der Energie-Control Austria
DI Walter Boltz, ehemaliger Vorstand der Energie-Control Austria

„Um keine unnötigen Wettbewerbsnachteile für die heimische Wirtschaft zu generieren, muss eine langfristige Energie- und Klimastrategie zentrale Aspekte für den Wirtschaftsstandort Österreich vorrausschauend berücksichtigen und pragmatisch auf zukünftige Herausforderungen im internationalen Umfeld eingehen“, lautet die Analyse von DI Walter Boltz. Die Lösung sieht der ehemalige Energie-Regulator in der stärkeren Vernetzung von Strom, Wärme, Mobilität und intelligenten Datenanwendungen. 

Aus Sicht des Experten ist jedenfalls ein signifikanter Beitrag des Transportsektors erforderlich um europäische und somit auch heimische CO2-Ziele zu erreichen. Da E-Mobilität alleine diesen Beitrag nicht schnell genug liefern kann, müssen alle Antriebstechnologien wie Brennstoffzellen, LNG, Biogas oder synthetische Gase angedacht und erneuerbare und fossile Treibstoffe sauberer werden.  

Dass Oberösterreich für die Weiterentwicklung dieses Bereiches besonders prädestiniert ist, begründete Boltz mit den schon derzeit verfügbaren (Erdgas)-Speicherstätten, Übertragungsnetzen und Fernleitungen sowie mit der schon vorhandenen Forschungsinfrastruktur, von der angewandten Forschung bis zur theoretischen Forschungsexpertise.



Die Träger des Energie-Tages 2017: Günter Rübig, Obmann sparte.industrie, Clemens Malina-Altzinger, WKOÖ, Wolfgang Dopf, LINZ AG, Werner Steinecker, Energie AG, Erich Frommwald, Energiesprecher sparte.industrie
Die Träger des Energie-Tages 2017: Günter Rübig, Obmann sparte.industrie, Clemens Malina-Altzinger, WKOÖ, Wolfgang Dopf, LINZ AG, Werner Steinecker, Energie AG, Erich Frommwald, Energiesprecher sparte.industrie



Energietag