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OÖ. Stromnetz-Masterplan und Trassenfindungsleitfaden sollen hohe Versorgungsqualität bei Strom auch in Zukunft sichern

Um sowohl zentral positionierte Kraftwerke als auch dezentrale Erzeugungseinheiten etwa aus Wasserkraft, Wind, Sonne oder Biomasse ins Versorgungssystem integrieren zu können, muss rasch in den Ausbau eines leistungsfähigen Übertragungs- und Verteilnetzes investiert werden.

WKOÖ Standortentwickler


Die sichere und qualitativ hochwertige Versorgung mit elektrischer Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen ist gerade für den exportorientierten Wirtschaftsstandort Oberösterreich von besonderer Bedeutung. Die WKO Oberösterreich unterstützt daher die Initiative des Landes Oberösterreich, durch einen sorgfältig abgestimmten Stromnetz-Masterplan und einen Leitfaden für die Trassenfestlegung, die Basis für eine weitere positive Entwicklung der heimischen Unternehmen zu legen.

Trotz der geplanten Einsparungs- und Energieeffizienzmaßnahmen gehen alle Energieszenarien von einem weiter steigenden Stromverbrauch aus. Um sowohl zentral positionierte Kraftwerke als auch dezentrale Erzeugungseinheiten etwa aus Wasserkraft, Wind, Sonne oder Biomasse ins Versorgungssystem integrieren zu können, muss daher rasch in den Ausbau eines leistungsfähigen Übertragungs- und Verteilnetzes investiert werden.

Die österreichischen Stromkunden können sich derzeit zwar über eine zuverlässige Versorgung mit Elektrizität freuen. Im Durchschnitt war ein Kunde 2015 wegen ungeplanter Stromausfälle laut Ausfalls- und Störungsstatistik 2015 der Energie Control Austria lediglich 27 Minuten ohne Strom. Allerdings werden in dieser Statistik weder bestehe Defizite in regional abgegrenzten Gebieten, noch die Herausforderungen der zukünftigen Marktentwicklung berücksichtigt.

So ist die Verbesserung der Stromversorgung in der Region Pramtal Süd schon seit mehreren Jahren ein besonderes Anliegen der regionalen Wirtschaft. In diesem Gebiet scheitern Betriebserweiterungen oder Betriebsansiedlungen zunehmend an Kapazitätsengpässen bei der Stromversorgung. Verbesserungspotential wird weiters im oberen Mühlviertel und im unteren Mühlviertel sowie im Raum Laakirchen, Vorchdorf und Kirchdorf geortet.

Stromnetz-Masterplan Oberösterreich 2028 legt klare zeitliche Abfolge für die Realisierung der Projekte fest

Die im Masterplan präsentierten Projekte sind essentiell für die Versorgungssicherheit in unserem Bundesland. So mussten wegen überlasteter Leitungen heuer schon 10 Mio. Euro in Ausgleichsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung investiert werden.

Da etliche Infrastruktur-Projekte stark voneinander abhängig sind, wurde der vorliegende Stromnetz-Masterplan Oberösterreich 2028 durch die betroffenen Netzbetreiber Austrian Power Grid AG, Netz Oberösterreich GmbH und Linz Strom Netz GmbH in enger Zusammenarbeit erstellt. Damit wurde eine integrierte und vorausschauende Planung ermöglicht, welche sowohl aktuelle energiewirtschaftliche Szenarien als auch die regionale Bedarfsentwicklung berücksichtigt.

Basierend auf einer zehnjährigen Ausbauplanung der drei Netzbetreiber finden sich im Masterplan insgesamt 38 Leitungsprojekte und Umspannwerke auf den Spannungsebenen zwischen 110 und 380 kV. Die Investitionssumme der im Masterplan definierten Projekte beträgt ca. 1 Mrd. Euro. Insgesamt sollen 175 km Hochspannungsleitungen neu errichtet und 328 km bestehende Leitungen ersetzt werden. Im Masterplan sind neue Leitungsprojekte auf gänzlich neuen Trassen systemneutral enthalten. Das heißt, dass die Entscheidung, ob das Projekt als Freileitung oder als Kabel ausgeführt wird, erst im Planungsprozess zur Trassenfestlegung fällt.

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Die wichtigsten Projekte des oberösterreichischen Masterplans

  • Generalerneuerung Donauschiene mit Netzabstützung Innkreis (2b, 19)
    Die 220-kV-Leitung vom Umspannwerk St. Peter am Hart zum Umspannwerk Ernsthofen stammt aus dem Jahr 1941, ist dringend sanierungsbedürftig und soll auf 380 kV umgestellt werden. Die Leitung ist eine wichtige Versorgungsader in der Region, an der rund 50.000 Betriebe und 250.000 Haushalte hängen. 
  • Netzabstützung des oberösterreichischen Zentralraumes (4)
    Dieses Projekt sichert langfristig die Versorgung der Stadt Linz sowie des oö. Zentralraumes. Zentrale Maßnahmen sind die Entwicklung von zwei räumlich getrennten 220-kV Trassen in den Großraum Linz mit dem Aufbau von 220/110-kV Umspannungen im Umspannwerk Pichling und später im Umspannwerk Wegscheid. 
  • Stromversorgung oberes (8b, 8c) und unters Mühlviertel (15a, 15b)
    Zur Abdeckung der lokalen Versorgungsstruktur im oberen Mühlviertel wird im Bereich Freistadt und Rainbach eine neue Leitungsverbindung samt einem neuen Umspannwerk in Rainbach errichtet. Weiters ist eine neue 110 kV-Leitungsverbindung von Rohrbach über Bad Leonfelden nach Rainbach geplant. Im unteren Mühlviertel besteht das Projekt aus dem Bau der Leitung Baumgartenberg - Mühlviertel Nordost und der Errichtung des Umspannwerkes. Durch den Ringschluss über die geplante 110 kV-Verbindung der Umspannwerke Friensdorf und dem neuen UW Mühlviertel Nordost kann die Versorgungssicherheit enorm gesteigert werden. 
  • Stromversorgung Alm- und Kremstal (16)
    Um die Versorgung des Kremstals zu verbessern, werden die Umspannwerke Kirchdorf und Vorchdorf mit einer 23,5 km langen 110 kV-Leitung miteinander verbunden. Die Möglichkeit des Ringschlusses steigert die Versorgungssicherheit. Das neu errichtete Umspannwerk Steinfelden übernimmt die Versorgungsaufgabe des inneren Almtals.
  • Stromversorgung Pramtal Süd (17)
    Das Gebiet „Pramtal Süd“ rund um Raab wird derzeit aus den umliegenden Umspannwerken über 30 kV-Leitungen versorgt. Zur Sicherung der lokalen Versorgung und zur Abstützung des Mittelspannungsnetzes ist eine neue 110 kV-Leitung mit 20,5 km Länge von Ried nach Raab notwendig. Das Landesverwaltungsgericht OÖ hat erst vor Kurzem die behördliche Bewilligung für die geplante Leitung bestätigt. Die Inbetriebnahme ist für 2019 vorgesehen.


Neuer Leitfaden bringt Transparenz in die Planungsprozesse zur Trassenfestlegung

Dass die im Masterplan gelisteten Projekte auch rasch umgesetzt werden, dafür soll ein neuer Trassenfindungsleitfaden sorgen. Die frühe Einbeziehung der Verantwortlichen in den jeweiligen Regionen soll die Genehmigungsverfahren verkürzen und damit Einsprüche und langwierige Gutachterstreitigkeiten vermeiden.

Der Umsetzungszeitraum von der Planung über die Genehmigung bis zur Errichtung von 110, 220 oder 380 kV-Leitungsprojekten reicht von mehreren Jahren bis zu Jahrzehnten. Eine der Ursachen dafür liegt oftmals in der mangelnden Transparenz des Planungsprozesses und der Entscheidungsfindung.

Im Genehmigungsverfahren werden die Netzbetreiber, die Genehmigungsbehörde und die Politik immer wieder mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Zur Notwendigkeit - „Ist die Leitung überhaupt notwendig?“
  • Zur Systementscheidung - „Warum wird eine Freileitung und nicht ein Erdkabel verhandelt?“
  • Zum Trassenverlauf - „Warum verläuft die Trasse hier und nicht anderswo?“

Diese Fragen konnten nachträglich oft nur durch zusätzliche Gutachten beantwortet werden. Der nun vorliegende „Leitfaden für Planungsprozesse zur Trassenfestlegung bei neuen Hochspannungsanlagen“ wurde von Experten des Landes Oberösterreich, der Netzbetreiber sowie externer Stakeholder erarbeitet und soll im Rahmen des Trassenauswahlverfahrens folgende Ziele in einem transparenten, akzeptierten und nachvollziehbaren Prozess sicherstellen:

  • Vereinheitlichung des Rahmens eines Trassenauswahlverfahrens
  • Sicherstellung der frühzeitigen Berücksichtigung später notwendiger Bewilligungsverfahren
  • Ermittlung der bestmöglichen Leitungstrasse aus einem breiten, interdisziplinären Blickwinkel nach festgelegten Grundprinzipien
  • Hohe Akzeptanz der vorgeschlagenen Lösung
  • Systementscheidung über Freileitung oder Erdkabel auf Basis von vorher festgelegten Parametern

Der Leitfaden stellt kein starres Bewertungssystem dar, sondern besitzt Modulcharakter, um die nötige Flexibilität bei der Anwendung zu gewährleisten. Die Anwendung des Leitfadens ist grundsätzlich freiwillig, wird aber vom Land Oberösterreich empfohlen und unterstützt. Der Planungsauftrag und die Verantwortlichkeit für das jeweilige Projekt bleiben beim jeweiligen Netzbetreiber.

Der nun vorliegende Trassenfindungsleitfaden bietet aus Sicht der Wirtschaft eine gute Grundlage dafür, zu rascheren und transparenten Verfahren im Interesse aller Beteiligten zu kommen.