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Pauschalierung im Gastgewerbe bis 31.12.2012

Vereinfachte Methode für Gewinn- und Vorsteuerermittlung

Achtung:
Diese Pauschalierung ist nur mehr bis zur Veranlagung des Jahres 2012 anwendbar. Ab 1.1.2013 gilt eine neue Gastgewerbepauschalierungsverordnung. Einzelheiten dazu finden Sie in unserem Infoblatt "Pauschalierung im Gastgewerbe ab 2013"

Gastwirte und Beherbergungsunternehmer können sowohl den Gewinn als auch die Vorsteuern nach einer vereinfachten Methode ermitteln. Bei der Einkommensteuer handelt es sich um eine komplette Gewinnpauschalierung, bei der Umsatzsteuer um eine Teilpauschalierung der Vorsteuern.

Hinweis:
Zwischen der einkommensteuerlichen und der umsatzsteuerlichen Pauschalierung gibt es keine wechselseitige Bindung. Es können entweder beide Ermittlungsmethoden zusammen oder jeweils einzeln in Anspruch genommen werden.

Aufzeichnungen

Auch im Fall der Pauschalierung müssen sämtliche Einnahmen laufend und vollständig aufgezeichnet werden. Die Weiterführung des Anlageverzeichnisses ist nicht erforderlich, aber empfehlenswert (für den Fall des späterer Umstiegs auf eine andere Gewinnermittlungsart oder der Betriebsaufgabe).

Voraussetzungen für die Pauschalierung

Die Pauschalierung kommt für Betriebe des Gaststättengewerbes, Betriebe des Beherbergungsgewerbes und für Betriebe in Betracht, die sowohl das Gaststättengewerbe als auch das Beherbergungsgewerbe betreiben (z.B. Gaststätte mit Fremdenzimmern).

Ein Gastgewerbe liegt vor, wenn in geschlossenen Räumlichkeiten Speisen und Getränke zur dortigen Konsumation angeboten werden und die Umsätze überwiegend aus derartigen Konsumationen erzielt werden.

Hinweis:
Nicht zu den Betrieben des Gaststättengewerbes gehören: Würstelstände, Maroni- und Kartoffelbratereien, Eisgeschäfte, Konditoreien, Fleischhauer, Bäcker, Milchgeschäfte und Molkereien, Spirituosenhandlungen, Bars, Nachtclubs, Diskotheken und ähnliche Betriebe.

Es darf weder Buchführungspflicht bestehen (wie z.B. bei einer GmbH), noch dürfen freiwillig Bücher geführt werden. Basis für die Pauschalierung ist eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Eine solche darf zu Vergleichszwecken auch parallel geführt werden. Die Umsätze des vorangegangenen Wirtschaftsjahres dürfen nicht mehr als € 255.000,- (netto) betragen haben.

Wird vor der Pauschalierung von einer freiwilligen Buchführung auf eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung übergegangen, ist ein Übergangsgewinn/-verlust zu ermitteln (nicht jedoch bei Wechsel von einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung auf die Pauschalierung).

Hinweis:
Die Entscheidung, ob die Pauschalierung in Anspruch genommen wird, muss erst mit Abgabe der Steuererklärung getroffen werden. Ein gesonderter Antrag ist nicht erforderlich.

Gewinnpauschalierung

Der (Jahres)Gewinn ist mit einem Fixbetrag von € 2.180,- zuzüglich 5,5 % der regelmäßig im Betrieb anfallenden Betriebseinnahmen (einschließlich Umsatzsteuer) anzusetzen, beträgt jedoch mindestens € 10.900,- Wird die betriebliche Tätigkeit nicht das ganze Jahr ausgeübt, erfolgt keine Aliquotierung des Fixbetrages bzw. des Mindestgewinnes.

Außergewöhnliche Vorgänge (z.B. die Entnahme von Betriebsgebäuden oder die Betriebsveräußerung) sind ausdrücklich nicht von der Pauschalierung erfasst. Weiters müssen Provisionen (zB aus Lotto/Toto-Annahmestellen) gesondert als Einnahme angesetzt werden.

Achtung:

Von dem so ermittelten Gewinn dürfen keinerlei Betriebsausgaben abgezogen werden.

Daher sollten vor Inanspruchnahme der Pauschalierung mehrere Jahre vergleichsweise durchgerechnet werden um festzustellen, ob voraussichtlich die regulär ermittelten oder die pauschalierten Gewinne niedriger sein werden. Dabei sind auch Kostenersparnisse durch Verwaltungsvereinfachungen zu berücksichtigen.

Bei der Gewinnpauschalierung erübrigen sich die Aufzeichnung der Betriebsausgaben und die Aufbewahrung der dazugehörigen Belege. Bei der Vorsteuerpauschalierung müssen die Rechnungen für die neben der Pauschale abziehbaren Vorsteuern aufbewahrt werden. Ebenso müssen Belege, die Grundlage für Eintragungen in das Wareneingangsbuch sind aufbewahrt werden.

Beispiel

Vereinfachte Führung des Wareneingangsbuches

Die Belege sämtlicher Wareneingänge sind jeweils getrennt nach ihrer Bezeichnung (branchenübliche Sammelbezeichnung) in richtiger zeitlicher Reihenfolge mit einer fortlaufenden Nummer zu versehen und getrennt nach Warengruppen abzulegen.

Als Warengruppen kommen insbesondere in Betracht: 

- Spirituosen

- Alkholfreie Getränke

- Rauchwaren

- Hilfsstoffe

- Sonstige Wareneinkäufe

- Küche

- Brot und Gebäck

- Speiseeis

- Heißgetränke

- Bier

- Wein

Die Beträge müssen nur einmal jährlich für das abgelaufene Wirtschaftsjahr getrennt nach den Warengruppen zusammengerechnet werden. Die so addierten Beträge sind in das Wareneingangsbuch einzutragen. Die Berechnungsunterlagen zu den Summenbildungen (Rechenstreifen) und die Belege der Wareneinkäufe müssen 7 Jahre aufbewahrt werden.

Vorsteuerpauschalierung

Die Vorsteuer beträgt 5,5 % jener Betriebseinnahmen (einschließlich Umsatzsteuer), die nicht auf Getränkeumsätze entfallen.

Zusätzlich können folgende Vorsteuerbeträge abgezogen werden: 

  • Vorsteuern für abnutzbare Anlagegüter mit Anschaffungs-/Herstellungskosten von mehr als € 1.100,- sowie für die Lieferung von Grundstücken des Anlagevermögens 

  • Vorsteuern für die Lieferung von Getränken (einschließlich Rohstoffe und Halberzeugnisse dafür

Die Umsatzsteuerzahllast/Gutschrift ergibt sich, indem von der errechneten Umsatzsteuer sowohl die pauschalierten als auch die konkret ermittelten Vorsteuerbeträge abgezogen werden.

Wird die Vorsteuer auf diese Weise pauschaliert, so ist der Unternehmer insoweit von den Aufzeichnungsverpflichtungen befreit (d.h. keine Aufzeichnung der Entgelte für empfangene Leistungen und die darauf entfallende Steuer, ebenso für Einfuhren). Hinsichtlich gesondert geltend gemachter Vorsteuerbeträge (d.h. nicht pauschaliert) bleiben die Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten bestehen.

Die Inanspruchnahme der Vorsteuerpauschalierung wird durch eine formfreie Erklärung dem Finanzamt bekannt gegeben. Dies ist bis zur Rechtskraft des Umsatzsteuerjahresbescheides möglich.

Achtung:

Nimmt der Gastwirt die Vorsteuerpauschalierung in Anspruch, so ist er daran für die Dauer von zwei Kalenderjahren gebunden. Im Falle eines Ausstieges aus der Pauschalierung ist ein neuerlicher Wiedereinstieg erst nach 5 Kalenderjahren möglich.

Beispiel zur Vorsteuerpauschalierung

  Beträge in €  
tatsächliche Vorsteuern aus Getränkeeinkäufen
5.282,50,-
 
tatsächliche Vorsteuern aus Investitionen
4.500,-
 

pauschalierte Vorsteuer 5,5% der Bruttobetriebseinnahmen ohne Getränkeumsätze, d.s. 5,5% von € 58.500,-- *)

3.217,50,-
 
Summe Vorsteuern
13.000,-
 
     

Umsatzsteuererklärung (beispielhaft)

   
Entgelte aus Lieferungen und Leistungen
150.734,85,-
 
Eigenverbrauch
1.325,75,-
 
Gesamtbetrag der Entgelte
152.060,60,-
 
     
davon zu versteuern mit 20%
99.333,33,-
19.866,67,-
davon zu versteuern mit 10%
52.727,27,-
5.272,73,-
Umsatzsteuer  
25.139,40,-
abzüglich Vorsteuern (von oben)  
-13.000,-
Zahllast  
12.139,40,-
*) siehe Umsatzaufstellung des Beispiels zur Gewinnermittlung    

Vorteile der Pauschalierung 

  • Einfache Gewinnermittlung, vereinfachte Vorsteuerermittlung

  • Wegfall der Betriebsausgabenaufzeichnungen (ausgenommen Lohnkonten)

  • Vereinfachte Führung des Wareneingangsbuches

  • Wegfall der Vorsteueraufzeichnungen, soweit diese pauschaliert werden

  • Kostenersparnis durch Verwaltungsvereinfachung

Verhältnis zum 13 %igen Gewinnfreibetrag

Wenn der Gewinn nach Durchschnittssätzen oder durch Teil- oder Vollpauschalierung auch nur teilweise mit Pauschalbeträgen ermittelt wird, kann zwar der Grundfreibetrag, nicht aber ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden. Einzelheiten dazu enthält das Infoblatt "Der Gewinnfreibetrag“.

Soll zusätzlich zum Grundfreibetrag auch einen investitionsbedingter Gewinnfreibetrag (z.B. durch Investitionen bzw. den Kauf bestimmter Wertpapiere) in Anspruch genommen werden, muss auf die Gastgewerbepauschalierung verzichtet werden und sämtliche Betriebsausgaben sind durch Belege nachzuweisen.

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