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Umsatzsteuerliche Regelungen im Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern

Praxisinformationen für Unternehmen

Beziehen inländische Unternehmer von ausländischen Unternehmern Waren oder Dienstleistungen und liegt der Ort der Lieferung oder sonstigen Leistung nach dem österreichischen Umsatzsteuergesetz im Inland, kommt das österreichische Umsatzsteuergesetz zur Anwendung. Ist der Leistungsort hingegen im Ausland, sind die jeweiligen ausländischen Rechtsvorschriften zu beachten. 

Wer ist ein ausländischer Unternehmer? 

Ausländischer Unternehmer ist, wer in Österreich weder Wohnsitz (Sitz), seinen gewöhnlichen Aufenthalt,  noch eine Betriebsstätte hat, wobei unter einer Betriebsstätte jede feste örtliche Anlage oder Einrichtung verstanden wird, die der Ausübung eines Betriebes dient. Insbesondere sind dies die Stätte an der sich die Geschäftsleitung befindet, Zweigniederlassungen, Fabrikationsstätten, Warenlager, Ein- und Verkaufsstellen und Bauausführungen, deren Dauer sechs Monate übersteigt. 

Ausländische Unternehmer sind in Österreich je nach Art der Lieferung, bzw. Leistung mit unterschiedlichen Besteuerungssystemen konfrontiert, wobei in einem ersten Schritt immer abzuklären ist, ob der Ort der Lieferung, bzw. Leistung in Österreich liegt und dadurch das österreichische Umsatzsteuergesetz zur Anwendung kommt. Im zweiten Schritt ist abzuklären, ob der Empfänger ein Unternehmer oder eine Privatperson ist. 

Achtung:
Die Kleinunternehmerregelung kann nur von Unternehmern in Anspruch genommen werden, die im Inland ihr Unternehmen betreiben! 

1. Warenlieferung in Österreich 

Wann liegt der Ort der Lieferung in Österreich? 

Laut § 3 Abs (7) UStG liegt der Ort der Lieferung in Österreich, wenn sich die Ware zur Zeit der Verschaffung der Verfügungsmacht in Österreich befindet. Das ist bei körperlicher Übergabe der Ort, an dem der Gegenstand der Lieferung dem Abnehmer oder in dessen Auftrag einem Dritten übergeben wird. 

a) Empfänger ist Unternehmer 

Führt ein ausländisches Unternehmen in Österreich eine Lieferung aus und ist der Empfänger ein Unternehmer oder eine juristische Person öffentlichen Rechts, kommt das sogenannte Abzugsverfahren zur Anwendung. 

Auswirkungen des Abzugsverfahrens auf den leistenden Unternehmer

Der ausländische Unternehmer muss über die Lieferung eine Rechnung mit österreichischer Umsatzsteuer legen, sofern nicht im Einzelfall eine Steuerbefreiung gilt. Dazu muss sich der ausländische Unternehmer beim Finanzamt Graz-Stadt für Umsatzsteuerzwecke registrieren lassen. (s. 3. Exkurs: Registrierung ausländischer Unternehmer in Österreich)  

Auswirkungen des Abzugsverfahrens auf den Leistungsempfänger

Der Leistungsempfänger muss die Umsatzsteuer einbehalten und im Namen und auf Rechnung des ausländischen Unternehmers auf dessen Steuerkonto beim Finanzamt Graz- Stadt einzahlen.  

Achtung:
Wird das Abzugsverfahren nicht beachtet, haftet der Leistungsempfänger für den hierdurch entstandenen Steuerausfall. Die Abfuhrverpflichtung gilt auch dann, wenn der ausländische Unternehmer unrichtigerweise für den Inlandsumsatz keine Umsatzsteuer verrechnet (Details auf der Infoseite zur Haftung für die Umsatzsteuer meines ausländischen Lieferanten). 

Vorsteuerabzugsberechtigte Leistungsempfänger dürfen die an das Finanzamt Graz-Stadt überwiesene Umsatzsteuer beim eigenen Finanzamt als Vorsteuer geltend machen. 

Wann kommt das Abzugsverfahren noch zur Anwendung?

Das Abzugsverfahren gilt außerdem beim Road Pricing und wenn ausländische Unternehmer aus anderen Mitgliedsstaaten in Österreich Konsignationslager unterhalten und keine Vereinfachungsregel besteht. 

Beispiel:
Der in einem EU-Staat ansässige Unternehmer X lagert Rohstoffe auf Vorrat bei seinem österreichischen Abnehmer Ö (Produzent) ein. Ö entnimmt die Waren nach Bedarf. Die von Ö aus dem Lager entnommenen Waren werden von X monatlich im Nachhinein abgerechnet. 

Lösung:
Es liegen zwei Umsätze vor:

  • eine innergemeinschaftliche Verbringung: X hat die Verbringung in seinem Staat als innergemeinschaftliche Lieferung und in Österreich als innergemeinschaftlichen Erwerb zu versteuern
  • eine steuerpflichtige Lieferung von X an Ö zum Zeitpunkt der Warenentnahme: X muss eine Rechnung mit Umsatzsteuer legen 

Ö darf die Umsatzsteuer nicht an X auszahlen, sondern muss diese für ihn an das Finanzamt Graz-Stadt abführen. Ö darf die Umsatzsteuer bei seinem Finanzamt als Vorsteuer abziehen. 

Besteht mit dem anderen Mitgliedstaat eine Vereinfachungsregelung, erübrigt sich das Problem, weil X in diesem Fall keinen innergemeinschaftlichen Erwerb in Österreich, sondern direkt eine innergemeinschaftliche Lieferung von X an Ö zum Zeitpunkt der Warenentnahme durch Ö realisiert.  

b) Empfänger ist eine Privatperson 

  • Liefert ein ausländischer Unternehmer in Österreich Waren an Letztverbraucher, kommt grundsätzlich die Regelbesteuerung zur Anwendung. Regelbesteuerung bedeutet für den ausländischen Unternehmer, dass er sich ebenfalls beim Finanzamt Graz–Stadt für Umsatzsteuerzwecke registrieren lassen muss, aber für die Bezahlung der Umsatzsteuer an das Finanzamt selbst verantwortlich ist (s. 3. Exkurs: Registrierung ausländischer Unternehmer in Ö).

  • Liefert ein Unternehmer aus einem anderen Mitgliedsstaat der EU, bestimmt sich bis zu einer Lieferschwelle von € 35.000 pro Kalenderjahr die Umsatzsteuer nach dem Land wo die Versendung oder Beförderung beginnt. Das heißt, der ausländische Unternehmer  verrechnet die Umsatzsteuer des Landes, wo die Versendung oder Beförderung beginnt und führt sie beim dortigen Finanzamt ab. Bei Überschreiten der Lieferschwelle muss sich der ausländische Unternehmer beim Finanzamt Graz–Stadt für Umsatzsteuerzwecke registrieren lassen und die österreichische Umsatzsteuer abführen (Details auf unserer Infoseite zum Versandhandel). 

2. Leistung in Österreich 

Ort der Leistung 

Informationen zur Bestimmung des Leistungsortes finden Sie auf unseren Infoseiten Dienstleistungen für ausländische Unternehmer - B2B-Leistungen und Dienstleistungen für ausländische Privatkunden - B2C-Leistungen

a) Empfänger ist Unternehmer 

Wenn der Empfänger einer Leistung, die in Österreich steuerbar ist, ein Unternehmer ist, kommt das sog. Reverse Charge System (RCS) zur Anwendung, was bedeutet, dass die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergeht. 

Auswirkungen des RCS auf den leistenden Unternehmer

Der ausländische Unternehmer verrechnet keine Umsatzsteuer und bringt auf der Rechnung die UID-Nummer des Leistungsempfängers und einen Hinweis an, dass die Umsatzsteuer vom Leistungsempfänger geschuldet wird (zB "Übergang der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger gem. § 19 UStG – Reverse Charge“). 

Auswirkungen des RCS auf den Leistungsempfänger

Der Leistungsempfänger muss die auf die Reverse Charge-Leistung entfallende Umsatzsteuer mit dem jeweils gültigen Steuersatz selbst berechnen und in der Umsatzsteuervoranmeldung eintragen (im Allgemeinen bei der Kennzahl 057). Bei Vorsteuerabzugsberechtigten ist die Vorsteuer bei der korrespondierenden Kz 066 einzutragen. 

Die Rechnungsbeträge für die Reverse Charge-Leistungen müssen getrennt nach Steuersätzen aufgezeichnet werden (eigene Konten). 

Achtung:
Leistungsempfänger sollten unbedingt darauf achten, dass in der Rechnung keine Umsatzsteuer ausgewiesen ist. Eine entgegen den gesetzlichen Bestimmungen ausgewiesene Umsatzsteuer darf nicht als Vorsteuer abgezogen werden. 

Beispiel:
Das deutsche Unternehmen D repariert für einen österreichischen Kunden eine Maschine in Wien.

Variante a): Die Reparatur erfolgt für ein Handelsunternehmen.
Variante b): Die Reparatur erfolgt für eine Bank. 

Lösung:
Sowohl bei der Variante a) als auch bei der Variante b) kommt das RCS zur Anwendung. D darf keine Umsatzsteuer verrechnen. Die Bank kann im Gegensatz zum Handelsunternehmen die übergegangene Steuerschuld nicht als Vorsteuer geltend machen. Sie hat daher die selbstberechnete Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen. 

Wann kommt das RCS noch zur Anwendung?

Das RCS findet außerdem  beispielsweise bei der Lieferung von Gas, Elektrizität, Wärme, etc., der Lieferung bestimmter Metallwaren, Laptops, etc., im Sekundärrohstoffbereich, bei der Übertragung von Treibhausgasemissionszertifikaten und bei Bauleistungen Anwendung. Weitere Details dazu finden Sie auf unseren Infoseiten Reverse Charge – Umkehr der Steuerschuld, Reverse Charge im Sekundärrohstoffbereich, Übergang der Umsatzsteuerschuld bei Bauleistungen.

b) Empfänger ist eine Privatperson  

Erbringt ein ausländischer Unternehmer in Österreich eine Dienstleistung an  Letztverbraucher kommt ebenfalls die Regelbesteuerung zur Anwendung (s. oben).


3. Exkurs: Registrierung ausländischer Unternehmer in Österreich   

Zuständig für die Registrierung von ausländischen Unternehmern in Österreich ist das Finanzamt Graz-Stadt, Conrad-von-Hötzendorf-Straße 14-18, 8010 Graz, T 050/233 333, F 050/233 5938001.

Antrag auf Vergabe einer Steuernummer 

Besteht Registrierungspflicht, hat der ausländische Unternehmer eine Steuernummer und gegebenenfalls eine Umsatzsteueridentifikationsnummer zu beantragen. Der Antrag für die Vergabe einer Steuernummer kann formlos gestellt werden. Dem Antrag sind beizulegen: 

  • Ausgefüllter Fragebogen (Verf 19)
  • Unterschriftenprobenblatt bei Kapitalgesellschaften im Original (Verf 26)
  • Kopie des Handelsregisterauszuges und/oder Gesellschaftsvertrages bei Kapitalgesell-schaften
  • Nachweis der ausländischen Finanzverwaltung über die Erfassung als Unternehmer im Original (Formular U 70) 

Der Antrag auf Vergabe einer Umsatzsteueridentifikationsnummer ist mit dem Formular U 15 im Original zu stellen. 

Melde- und Erklärungspflichten

Registrierungspflichtige Unternehmer müssen grundsätzlich bis zum 15. des zweit- folgenden Monates nach Ende des Voranmeldungszeitraumes (meist Kalendermonat) eine Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) elektronisch an das Finanzamt übermitteln und die Umsatzsteuer einzahlen. In bestimmten Fällen bestehen Ausnahmen von der Pflicht zur elektronischen Übermittlung von UVAs bzw. von der Pflicht zur Abgabe überhaupt.   

Darüber hinaus ist bis 30.4. des Folgejahres eine Umsatzsteuerjahreserklärung abzugeben, bei elektronischer Übermittlung bis 30.6. 

Details zur UVA und zur Umsatzsteuerjahreserklärung, die auch für ausländische Unternehmer gelten, finden Sie auf unseren Infoseiten zur Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) und Umsatzsteuerjahreserklärung. 

Achtung:
Führt ein ausländischer Unternehmer in Österreich nur RC-Umsätze aus, besteht keine Registrierungspflicht.
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