th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close icon-window-edit icon-file-download icon-phone xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin Google-plus facebook pinterest skype vimeo snapchat arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram

Liebhaberei-Richtlinien: Wartungserlass 2021

Überblick: Die wichtigsten Änderungen

Am 2. März 2021 wurde der Wartungserlass der Liebhabereirichtlinien 2012 (LRL 2012) veröffentlicht. Seit dem letztem Wartungserlass liegen mehrere Jahre zurück und es wurden nunmehr Gesetzesänderungen und höchstgerichtliche Entscheidungen in die LRL eingearbeitet.

Liebhaberei im Steuerrecht

Von Liebhaberei spricht man dann, wenn Tätigkeiten mittel- bis langfristig keinen Gewinn erwarten lassen. Einkünfte aus dieser Tätigkeit sind steuerlich unbeachtlich. Das bedeutet, dass Verluste aus einer „Liebhaberei-Tätigkeit“ nicht mit Gewinnen anderer Einkunftsarten ausgeglichen werden können.
Details finden Sie auf unserer Infoseite Liebhaberei im Steuerrecht. 

Liebhaberei-Richtlinien 

Die rechtliche Grundlage für die Beurteilung, ob Liebhaberei vorliegt, bildet die Liebhabereiverordnung (BGBl. Nr. 33/1993 idF BGBl. II Nr. 358/1997). Die LRL 2012 stellen einen Auslegungsbehelf zur Liebhabereiverordnung dar und bieten einen Leitfaden einer einheitlichen Vorgangsweise.

Die Highlights der Änderungen werden nachfolgend dargestellt:

COVID-19-Pandemie als Unwägbarkeit

Unwägbarkeiten sind unvorhersehbare Ereignisse (z.B. Naturkatastrophen). Verluste, die aufgrund solcher Unwägbarkeiten verursacht werden, führen nicht zu einer neuerlichen Liebhabereibeurteilung, wenn davor eine Gewinnerzielungsabsicht darstellbar war. Wenn die Tätigkeit aufgrund von unvorhergesehenen Betätigungsrisiken oder Unwägbarkeiten beendet wird und bis zum Zeitpunkt der Beendigung die Absicht einen Gesamtgewinn zu erzielen gegeben war, liegt somit eine Einkunftsquelle vor. Es wird im Wartungserlass nun klargestellt, dass die COVID-19-Pandemie als Unwägbarkeit anzusehen ist.  

Wandel zur Liebhaberei

Grundsätzlich gilt: Wird bei einem Sachverhalt festgestellt, dass kein Gesamtgewinn erzielt werden kann, führt eine Weiterführung der Betätigung aufgrund fehlender Gewinnerzielungsabsicht zu keinen steuerwirksamen Einkünften (Wandel zur Liebhaberei).

Nach alter Rechtsauffassung ist Betriebsvermögen bei einem Wandel der Tätigkeit zur Liebhaberei weiterhin mit dem Betrieb verbunden geblieben (nachhängiges Betriebsvermögen). Darin enthaltene stille Reserven (Unterschiedsbetrag zwischen Buchwert und gemeinem Wert) blieben weiterhin steuerlich relevant. Bei einer späteren Veräußerung waren diese stillen Reserven als nachträgliche betriebliche Einkünfte zu erfassen.

Neu ist nun, dass bei einem Wandel zur Liebhaberei, ab diesem Zeitpunkt keine Einkunftsquelle mehr angesehen wird. Somit ist auch kein Betrieb im wirtschaftlichen Sinn vorhanden und es liegt demnach nicht weiter Betriebsvermögen vor. Das Betriebsvermögen wird zum Privatvermögen des Betriebsinhabers. Entsprechend § 24 EStG wird eine Betriebsaufgabe verwirklicht und es kommt zu einer Aufdeckung der stillen Reserven. Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen können die Steuerbegünstigungen des § 24 Abs 4 EStG bei der Besteuerung des Aufgabegewinns berücksichtigt werden.

Einer VwGH-Judikatur folgend wird in Ausnahmefällen vom Wandel zur Liebhaberei abgegangen. Dies ist beispielsweise Fall, wenn die Einstellung einer Tätigkeit geplant ist und die zwischenzeitliche Fortsetzung dieser Tätigkeit zu einem bestmöglichen Veräußerungserlös führt. 

Klarstellungen zum Inhalt von Prognoserechnungen

Um den Gesamtüberschuss einer Tätigkeit (insbesondere Vermietungstätigkeiten) gegenüber der Finanzverwaltung plausibel darzustellen, sind Prognoserechnungen für den Betrachtungszeitraum notwendig. Mit dem vorliegenden Wartungserlass werden erstmals Details zu den Inhalten von Prognoserechnungen in die LRL eingearbeitet. Zahlreiche Beispielrechnungen helfen dem Steuerpflichtigen zum besseren Verständnis weiter. 

Kriterienprüfung bei „großer Vermietung“ nicht anzuwenden

Bei Tätigkeiten mit der Absicht einen Gesamtgewinn bzw. Gesamtüberschuss zu erzielen (§ 1 Abs. 1 Liebhabereiverordnung), ist bei vorliegenden Verlusten eine Kriterienprüfung nach § 2 Abs. 1 Liebhabereiverordnung vorzunehmen.

Bei der Kriterienprüfung werden folgende Umstände beurteilt:

  • Ausmaß und Entwicklung der Verluste
  • Relation der Verluste zu den Gewinnen
  • Ursachen der Verluste im Verhältnis zu Vergleichsbetrieben
  • marktgerechtes Verhalten in Bezug auf die angebotenen Leistungen und die Preisgestaltung
  • Art und Ausmaß der Bemühungen zur Verbesserung der Ertragslage (z.B. Marketingmaßnahmen) 

Entsprechend einer VwGH-Judikatur ist bei der entgeltlichen Gebäudeüberlassung („große Vermietung“) diese Kriterienprüfung irrelevant. Es kommt für die Liebhabereibeurteilung ausschließlich darauf an, ob anhand einer Prognoserechnung dargestellt werden kann, dass im absehbaren Zeitraum von 25 bzw. 28 Jahren ein Gesamtgewinn bzw. ein Gesamtüberschuss erzielt werden kann.