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Umsatzsteuer bei einer Messebeteiligung im Ausland

Informationen für Unternehmen

Die Messebeteiligung eines österreichischen Unternehmens auf einer Messe im Ausland wirft immer auch Fragen zur Umsatzsteuer auf. Diese Informationsseite gibt einen Überblick über die umsatzsteuerlichen Besonderheiten bei einer Messebeteiligung in anderen Mitgliedsstaaten der EU und in ausgewählten Drittländern.

1. Messebeteiligung in einem anderen Mitgliedsstaat der EU

Verrechnung von Standmiete und diversen Zusatzdienstleistungen

Grundsätzlich sind seit 01.01.2011 Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit Messen und Ausstellungen an Unternehmer erbracht werden, am Sitz des Leistungsempfängers zu versteuern (Generalklausel = Empfängerortprinzip). Sofern der Leistungsempfänger am Veranstaltungsort nicht zur Umsatzsteuer erfasst ist, führt das Empfängerortprinzip in der Regel zu Reverse Charge. Das heißt der Unternehmer, der auf einer Messe im Ausland einen Stand mietet und diverse Zusatzleistungen in Anspruch nimmt (Herstellung der Anschlüsse für Strom, Wasser, Internetzugang, Lautsprecheranlagen, etc., Standbetreuung und -bewachung, Standreinigung, etc.) erhält vom Veranstalter eine Nettorechnung mit dem Hinweis „Reverse Charge – Übergang der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger“.

Der österreichische Unternehmer hat die Umsatzsteuerschuld selbst zu berechnen und an das zuständige österreichische Finanzamt abzuführen. In der Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) wird der Betrag unter der Kennziffer 057 eingetragen. Gleichzeitig kann, sofern eine Berechtigung zum Vorsteuerabzug besteht, die Vorsteuer aus dieser Steuerschuld unter der Kennziffer 066 in derselben UVA geltend gemacht werden.

Verrechnung von Eintrittsberechtigungen und Cateringleistungen

Von dieser Regelung ausgenommen sind Eintrittsberechtigungen und entsprechende Nebendienstleistungen wie Garderobe, Parkplatzgebühren, etc. und Cateringleistungen. Diese Leistungen sind in der Regel am Veranstaltungsort steuerbar und müssen daher mit der Umsatzsteuer des Landes in dem die Messe stattfindet verrechnet werden. Sofern keine steuerbaren Umsätze im jeweiligen Land getätigt werden und alle anderen Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Umsatzsteuer für diese Leistungen im Vorsteuerrückerstattungsverfahren über Finanzonline geltend gemacht werden. Der Antrag dafür ist bis spätestens 30. September des Folgejahres einzureichen. 

Der österreichische Unternehmer stellt aus und verkauft Waren auf der Messe 

Wer als österreichischer Unternehmer auf einer Messe im Ausland auch Waren verkaufen möchte, führt eine Lieferung vor Ort aus, muss sich im Regelfall im jeweiligen Land steuerlich registrieren lassen und die verrechnete Umsatzsteuer auch dort abliefern.

Achtung:
Der steuerpflichtigen Lieferung am Veranstaltungsort muss eine innergemeinschaftliche Verbringung voraus gehen!

Abweichende Regelungen in ausgewählten Mitgliedsstaaten der EU

Achtung:

Die Anwendung der Generalklausel für Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit Messedienstleistungen erbracht werden, wurde nicht in allen EU Ländern voll umgesetzt!

Durch die unterschiedliche Auslegung der Regelung in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU kann eine Doppelbesteuerung in Einzelfällen nicht ausgeschlossen werden!

In Italien, Polen, der Slowakei, Spanien, Tschechien und Ungarn kann man davon ausgehen, dass die Verrechnung von Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit Messen und Ausstellungen an Unternehmer erbracht werden, nach den dargestellten Regelungen erfolgt. Abweichende Regelungen gibt es hingegen in Bulgarien, Deutschland, Frankreich und Rumänien.

Bulgarien

In Bulgarien findet das Empfängerortprinzip für Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit Messen und Ausstellungen an Unternehmer erbracht werden, keine Anwendung. Sämtliche Rechnungen für die Standmiete und alle im Zusammenhang stehenden Nebenleistungen (Herstellung der Anschlüsse für Strom, Wasser, Internetzugang, die Standbetreuung und -reinigung, Eintrittsberechtigungen, Garderobe, Parkplatzgebühren und auch Cateringleistungen) werden daher mit bulgarischer Umsatzsteuer in Rechnung gestellt.

Sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Umsatzsteuer für diese Leistungen im Vorsteuerrückerstattungsverfahren über Finanzonline geltend gemacht werden. Wenn ein Unternehmer seine Waren auf einer Messe in Bulgarien verkauft, ist eine steuerliche Registrierung in Bulgarien nur dann notwendig, wenn der Umsatz aus Messeverkäufen für die letzten 12 Monate BGN 50.000 (ca. EUR 25.000) übersteigt. 

Deutschland

In Deutschland gilt das Empfängerortprinzip auf jeden Fall dann, wenn neben der Standmiete mindestens 3 weitere Dienstleistungen erbracht werden, die als solche auf der Rechnung auch angeführt werden. Dieses Leistungspaket – in Deutschland spricht man hier von einer Veranstaltungsleistung - fällt dann insgesamt unter die Reverse Charge Regelung. Liegt kein Fall einer Veranstaltungsleistung vor, muss man sich den verrechneten Umsatz hinsichtlich des anzuwendenden Umsatzsteuerrechts im Einzelnen ansehen. Wird in Deutschland nur die Standmiete allein verrechnet, so bleibt es für diese Kosten bei der Verrechnung mit deutscher Umsatzsteuer.

Sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Umsatzsteuer für diese Leistungen im Vorsteuerrückerstattungsverfahren über Finanzonline geltend gemacht werden.

Frankreich

In Frankreich gilt das Empfängerortprinzip unter der Bedingung, dass neben der Standmiete auch die Kosten für eine Hostess in Rechnung gestellt werden. Wird in Frankreich nur die Standmiete allein verrechnet, erfolgt dies mit französischer Umsatzsteuer. Zusatzleistungen wie die Herstellung der Anschlüsse für Strom, Wasser und Internetzugang werden in Frankreich als Grundstücksleistungen ebenfalls mit französischer Umsatzsteuer in Rechnung gestellt.

Rumänien

Auch in Rumänien findet das Empfängerortprinzip  für Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit Messen und Ausstellungen an Unternehmer erbracht werden keine Anwendung. Sämtliche Rechnungen für die Standmiete und alle im Zusammenhang stehenden Nebenleistungen (Herstellung der Anschlüsse für Strom, Wasser, Internetzugang, die Standbetreuung und -reinigung, Eintrittsberechtigungen, Garderobe, Parkplatzgebühren und auch Cateringleistungen) werden daher mit rumänischer Umsatzsteuer in Rechnung gestellt.

Sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Umsatzsteuer für diese Leistungen im Vorsteuerrückerstattungsverfahren über Finanzonline geltend gemacht werden.

2. Messebeteiligung in ausgewählten Drittländern

Aufgrund der unterschiedlichen Steuersysteme empfiehlt es sich vor einer Messebeteiligung in einem Drittland über das jeweilige Außenwirtschafts Center die steuerlichen Rahmenbedingungen abzuklären, um sicherzustellen, dass ev. Registrierungspflichten rechtzeitig nachgekommen werden kann. Nachfolgend werden die steuerlichen Gegebenheiten in ausgewählten Drittländern beleuchtet. 

China

Dienstleistungen sind in China grundsätzlich steuerpflichtig, wenn der Leistungserbringer oder der Leistungsempfänger seinen Sitz in China hat. Dabei fällt in der Regel eine Umsatzsteuer an, das Reverse Charge Verfahren gibt es in China nicht. Messewaren dürfen in China nicht verkauft werden, wenn das ausstellende österreichische Unternehmen selbst keine Handelsfirma in China hat, oder mit Distributoren vor Ort zusammenarbeitet.

Schweiz

Auch in der Schweiz werden Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit einer Messebeteiligung erbracht werden, mit Schweizer Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt. Eine Rückerstattung der bezahlten Mehrwertsteuer ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Waren, die auf einer Messe in der Schweiz verkauft werden sollen, müssen mit dem Zollverfahren der vorübergehenden Verwendung (ZAVV) eingeführt werden. Bei der Wiederausfuhr der nicht verkauften Waren werden die Importabgaben (Einfuhrumsatzsteuer und ev. Zoll) für die verkauften Waren verrechnet. 

Türkei

Auch in der Türkei sind Dienstleistungen grundsätzlich steuerpflichtig. Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit einer Messe erbracht werden, werden daher in der Regel mit türkischer Umsatzsteuer verrechnet. Eine Möglichkeit der Rückerstattung der Umsatzsteuer gibt es nur dann, wenn zwischen der Türkei und dem jeweiligen Land Reziprozität herrscht. Dies ist zwischen Österreich und der Türkei hinsichtlich der Rückerstattung derzeit nicht der Fall, wodurch alle Kosten sowie sonstigen Dienstleistungen mit Türkischer Umsatzsteuer verrechnet werden müssen und nicht rückerstattet werden.

Der Verkauf von Messewaren ist in der Türkei nicht möglich, da Messegut in der Regel mit Carnet ATA eingeführt wird und dieses nach der Messe wieder ausgeführt werden muss. 

USA

In den USA ist die Umsatzsteuer ("Sales Tax") einzelstaatlich geregelt. Serviceleistungen (mit Ausnahme von Vermietung und Verpachtung) sind in den meisten Bundesstaaten nicht Sales Tax pflichtig. Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit Messen und Ausstellungen verrechnet werden, werden daher in der Regel ohne Sales Tax in Rechnung gestellt.

Ein Verkauf von aus dem Ausland mitgebrachten Waren auf US-Messen ist höchst problematisch, nachdem man dazu bei der einzelstaatlichen Steuerbehörde registriert sein und die entsprechende Sales Tax einbehalten und abführen muss. Zudem wird man in einigen Bundesstaaten bei Überschreiten von bestimmten Jahresumsätzen einkommensteuerbar.

Vereinigte Arabische Emirate  

Da die Vereinigten Arabischen Emirate derzeit keine Umsatz- bzw. Verkaufssteuer haben, werden auch Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit Messen oder Ausstellungen erbracht werden ohne Umsatzsteuer verrechnet. Eine Mehrwertsteuer wird voraussichtlich im Jänner 2018 eingeführt, Details sind derzeit noch nicht bekannt. Waren, die im Rahmen einer Messe verkauft werden, müssen im Nachhinein regulär importiert werden.

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