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Wahl der Rechtsform aus steuerlicher Sicht

Informationen im Überblick

Dieses Thema ist für jedes Unternehmen von grundlegender Bedeutung. Durch die Wahl der Rechtsform können steuerliche oder auch sonstige Vorteile oder eben auch Nachteile erzielt werden. Die Erfahrung zeigt, dass keine Rechtsform nur Vorteile bietet. Auch die weniger günstigen Aspekte einer Rechtsform müssen vor dieser Wahl bedacht und gewichtet werden.

In Österreich führen laut Statistik etwa 73 % der aktiven Wirtschaftskammer-Mitglieder ihren Betrieb als Einzelunternehmen, ca. 19% als Kapitalgesellschaft (GmbH, AG) und um die 6 % als Personengesellschaft (OG, KG). Da die gesetzlichen Rahmenbedingungen immer wieder geändert werden, ist regelmäßig zu prüfen, ob das Unternehmen noch in der optimalen Rechtsform geführt wird. 

Steuerliche Einflussfaktoren für die Rechtsformwahl

Aus steuerlicher Sicht ist das entscheidende Kriterium die Höhe des zu versteuernden Jahreseinkommens. In Kombination damit wird die Rechtsformwahl vor allem von folgenden Faktoren bestimmt: 

  • Phase, in der sich das Unternehmen befindet (z.B. Gründung, Wachstum, Schließung)
  • Tarifvergleich (= laufende Besteuerung)
  • Entnahme- bzw. Ausschüttungspolitik
  • Mitarbeit der Gesellschafter
  • Aufteilung der Einkünfte im Familienverband (bei Mitarbeit mehrerer Familienmitglieder)
  • Erzielung anderer Einkünfte
  • Einmalige Kosten beim Wechsel der Rechtsform (sehr teuer kann z.B. die Privatentnahme des Betriebsgebäudes im Rahmen einer Umgründung sein)  

Wesentliche außersteuerliche Aspekte

Für die Entscheidung zwischen Kapitalgesellschaft einerseits und Einzelunternehmen bzw. Personengesellschaft andererseits spielen auch außersteuerliche Aspekte und hier vor allem die Haftung, die einmaligen (Um-)Gründungskosten und der laufende Rechtsformaufwand eine große Rolle. 

Ein paar Worte zum Trennungsprinzip bei der GmbH

Die GmbH ist eine eigene Rechtspersönlichkeit unabhängig von ihren Gesellschaftern. Aus der täglichen Beratungspraxis ergibt sich manchmal aber der Eindruck, dass Unternehmer meinen, sie könnten bei einer GmbH genauso agieren wie bei einem Einzelunternehmen und z.B. jederzeit Geld zur privaten Verwendung entnehmen. Das ist bei einer GmbH aber nicht zulässig. Hier ist der Geschäftsführer verpflichtet, den Gewinn der GmbH zu maximieren. Die erwirtschafteten Mittel stehen grundsätzlich der Gesellschaft für betriebliche Zwecke zur Verfügung. 

Sollen Geld oder andere Vorteile von der GmbH an Gesellschafter bzw. Geschäftsführer fließen, stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung: 

  • Für die Mitarbeit im Unternehmen bzw. die Übernahme der Geschäftsführung kann eine Entlohnung vereinbart werden, die einem sogenannten Fremdvergleich standhalten muss. Details dazu enthält das Infoblatt „Vereinbarungen zwischen Angehörigen im Steuerrecht“ auf der Homepage der WKO.
  • Das gleiche gilt für andere Vereinbarungen der GmbH mit ihren Gesellschaftern, wie Miet-, Darlehens- oder Kaufverträge. Der sogenannte Fremdvergleich ist auch hier zu beachten.
  • Mittelzuflüsse aus der GmbH können auch durch eine Gewinnausschüttung erfolgen. Dazu ist – das Vorliegen eines entsprechenden Bilanzgewinnes vorausgesetzt - ein Gewinnausschüttungsbeschluss der Gesellschafter erforderlich. Die Gewinnausschüttung ist dem Finanzamt mit dem Formular Ka1 zu melden und es fallen 27,5 % Kapitalertragsteuer (KESt) an.  

Hinweise zur Entscheidungsfindung

Ein Vergleich der Zweckmäßigkeit zwischen den einzelnen Rechtsformen muss unter Berücksichtigung zahlreicher Umstände erfolgen. Dabei kann die Gewichtung von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich sein. Ein „Patentrezept“, das für alle gilt, gibt es nicht. Bei einer GmbH sollte sinnvoller Weise neben einem Geschäftsführerbezug nahe oder über der sozialversicherungsrechtlichen Höchstbeitragsgrundlage noch ein ausreichender Gewinn für die Gesellschaft verbleiben. 

Aus rein steuerlicher Sicht kann gesagt werden, dass bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen unter € 60.000,- (= Grenze zu 48% ESt-Satz) eine GmbH nie lukrativ sein dürfte. Zwischen € 60.000,- und etwa € 200.000,- bzw. bei stark schwankenden Ergebnissen kommt es auf die Umstände (Höhe der Investitionen, Ausschüttungsverhalten, Höhe der Geschäftsführervergütung etc.) im Einzelfall an. Hier könnte die Wahl einer GmbH & Co KG trotz der höheren laufenden Kosten zu überlegen sein. Bei regelmäßigem, laufendem Einkommen von über € 200.000,- pro Jahr wird die GmbH möglicherweise zweckmäßiger sein. 

Auf jeden Fall sollte vor einer Gesellschaftsgründung eine Berechnung der einmaligen Kosten einer Umgründung und eine Vergleichsrechnung für die laufenden Steuern und Abgaben gemacht werden. Allgemein gehaltene kurze Beispiele weisen oft in eine falsche Richtung. Nur auf den konkreten Einzelfall bezogene, detaillierte Berechnungen, welche die Einkommen- bzw. Lohnsteuer und die Körperschaft- bzw. Kapitalertragsteuer sowie die Sozialversicherungsbeiträge und die Lohnnebenkosten sowohl bei den Gesellschaftern und Geschäftsführern als auch bei der Gesellschaft bzw. beim Einzelunternehmen oder einer Personengesellschaft berücksichtigen, sind eine taugliche Entscheidungshilfe für die Wahl der passenden Rechtsform. 

Ausführlichere Informationen zum Thema enthält das Infoblatt „Die Wahl der Rechtsform aus steuerlicher Sicht“.

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