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Was Sie beim Durchrechnen von Arbeitszeiten beachten müssen!

Möglichkeiten zur Durchrechnung von Arbeitsstunden hängen vom Arbeitszeitgesetz sowie vom Kollektivvertrag ab

Arbeitgeber und genauso ihre Mitarbeiter wünschen sich mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit. Eine Möglichkeit ist, die Arbeitsstunden ungleichmäßig zu verteilen und über einen längeren Zeitraum durchzurechnen. Von einer Durchrechnung der Normalarbeitszeit spricht man im Arbeitsrecht, wenn in einigen Wochen die vereinbarte wöchentliche Normalarbeitszeit erhöh wird und in anderen Wochen als Ausgleich die wöchentliche Normalarbeitszeit reduziert wird. Es muss im Durchschnitt die wöchentlich vereinbarte Normalarbeitszeit herauskommen.

Beispiel: Mit dem Dienstnehmer ist eine wöchentliche Normalarbeitszeit von 40 Stunden vereinbart; im Jänner arbeitet er zwei Wochen 45 Stunden, im Februar dafür zwei Wochen lang nur 35 Stunden. Im Durchschnitt arbeitet er in diesen beiden Monaten 40 Stunden. Ob und welche Art der Durchrechnung es gibt, hängt vom Arbeitszeitgesetz und/oder vom Kollektivvertrag ab. Die viel gewünschte Jahresarbeitszeitdurchrechnung gibt es nur im Rahmen eines Gleitzeitmodells oder wenn der Kollektivvertrag
sie vorsieht. Das Arbeitszeitgesetz kennt nur folgende Durchrechnungsmodelle:

Einarbeiten im Zusammenhang mit Feiertagen:

Soll der Mitarbeiter an einem Zwickeltag (Arbeitstag zwischen Feiertag und Wochenende frei haben, dann kann vereinbart werden, dass dieser Arbeitstag innerhalb von 13 Wochen (die den Feiertag umschließen) eingearbeitet wird. Dabei darf bis zu zehn Stunden zuschlagsfrei am Tag gearbeitet werden.

Gleitzeit:

Gleitende Arbeitszeit liegt vor, wenn der Arbeitnehmer innerhalb eines vereinbarten zeitlichen Rahmens Beginn und Ende seiner täglichen Normalarbeitszeit selbst bestimmen kann. Die tägliche Normalarbeitszeit kann zehn Stunden und die wöchentliche 50 Stunden betragen. Eine Gleitzeitvereinbarung muss schriftlich gemacht werden.

Normalarbeitszeit in Verkaufsstellen im Sinne des Öffnungszeitengesetz und im Handel

Innerhalb eines Durchrechnungszeitraumes von vier Wochen kann die wöchentliche Normalarbeitszeit auf 44 Stunden ausgedehnt werden, wenn innerhalb dieser vier Wochen die vereinbarte wöchentliche Normalarbeitszeit im Durchschnitt erreicht wird. Die oben angeführten Modelle sind unabhängig von den Möglichkeiten, die ein anzuwendender Kollektivvertrag bieten kann.

Viele Kollektivverträge ermöglichen darüber hinaus zusätzliche Durchrechnungsmodelle:

  • Bandbreite,
  • Erweiterte Bandbreite,
  • Einarbeiten von Feiertagen mit längerem Durchrechnungszeitraum als 13 Wochen
  • Durchrechnung bis 48 Stunden wöchentlicher Normalarbeitszeit


Die Bandbreite gibt es in unterschiedlichen Ausgestaltungen. Der Kollektivvertrag gibt einen Durchrechnungszeitraum (bspw. 13 oder 52 Wochen) vor und die Bandbreite der wöchentlichen Arbeitszeit.
So dürfen etwa pro Woche 35 Stunden nicht unterschritten und 45 Stunden nicht überschritten werden. Ob ab der 40. Stunde ein Zuschlag zu zahlen ist, hängt vom anzuwendenden Kollektivvertag ab (z. B. Metallgewerbe ab der 40. Stunde 25 Prozent Zuschlag). Eine wöchentliche Normalarbeitszeit von 48 Stunden ist im Gastgewerbe möglich, wenn innerhalb von 26 Wochen der Durchschnitt der Wochenarbeitszeit 40 Stunden
beträgt. Alle Durchrechnungsmodelle müssen mit dem Mitarbeiter eigens schriftlich vereinbar werden. Liegt keine Vereinbarung vor, so wird das Durchrechnungsmodell bei einer Beitragsprüfung nicht akzeptiert, als Folge sind Überstundenzuschläge nachzuzahlen und man verstößt gegen das Lohn- und Sozialdumpinggesetz.

Expertentipp von Mag. Florian Brutter, 
Abteilung Arbeits- und Sozialrecht in der Wirtschaftskammer Tirol

Die rechtlichen Gegebenheiten lassen verschiedene Varianten der Durchrechnun zu, wobei es abzuwägen gilt, welche für das jeweilige Unternehmen die geeignetste ist. Vor Einführung eines flexiblen Arbeitszeitmodelles sollten Sie mit Ihrer Wirtschaftskammer Kontak aufnehmen. Die Arbeitsrechtsexperten beraten und unterstützen Sie gerne bei Ihrem Vorhaben.
 

Rückfragen: Mag. Florian Brutter