th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home

Beschäftigung von Schülern und Studenten während der Sommerferien

Im Arbeits- und Sozialversicherungsrecht ist dabei einiges zu beachten

Ferialbeschäftigung ist in drei verschiedenen Varianten möglich: im Rahmen eines Ferialpraktikums, eines Ferialarbeitsverhältnisses oder in Form eines Volontariats. Zusätzlich besteht für gewisse Schüler die Möglichkeit des „Schnupperns“ während der Sommerferien.

Was versteht man unter Ferialpraktikanten?

Ferialpraktikanten sind Schüler oder Studenten, die als Ergänzung zu ihrer schulischen Ausbildung ein vorgeschriebenes Pflichtpraktikum in einem Betrieb absolvieren. Der Ausbildungszweck steht dabei im Vordergrund.

Der Ferialpraktikant ist kein Arbeitnehmer im arbeitsrechtlichen Sinn. Es gelten für ihn daher nicht die arbeitsrechtlichen Bestimmungen wie etwa Urlaubsgesetz, Entgeltfortzahlungsgesetz, Angestelltengesetz oder Kollektivvertrag. Anspruch auf Arbeitsentgelt besteht nicht. Ob ein Taschengeld bezahlt wird bzw. wie hoch dieses ist, unterliegt grundsätzlich der freien Vereinbarung. Ferialpraktikanten ohne Taschengeld sind nicht bei der Gebietskrankenkasse anzumelden. Sobald allerdings ein Taschengeld bezahlt wird, hat die Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse vor Beginn des Praktikantenverhältnisses zu erfolgen.

Vorsicht: Werden in einem Kollektivvertrag spezielle Regelungen hinsichtlich der Ferialpraktikanten getroffen, sind diese zu beachten. Der Kollektivvertrag kann beispielsweise vorsehen, dass Ferialpraktikanten wie Arbeitnehmer zu behandeln sind. Solche Ferialpraktikanten unterliegen den gesetzlichen und entsprechenden kollektivvertraglichen Bestimmungen über Entlohnung, Entgeltfortzahlung, Urlaub, etc. So sieht zum Beispiel der Kollektivvertrag für das Hotel- und Gastgewerbe für Ferialpraktika, die aufgrund schulrechtlicher Vorschriften zu leisten sind, einen Anspruch auf Entgelt in Höhe der jeweiligen Lehrlingsentschädigung vor.

Ferialpraktikanten im Hotel- und Gastgewerbe können nur ihm Rahmen von Arbeitsverhält-nissen beschäftigt werden.

Wer ist Ferialarbeitnehmer?

Der Ferialarbeitnehmer ist ein „normaler“ Arbeitnehmer mit Anspruch auf anteiligen Urlaub und Sonderzahlungen. Da der Ferialarbeitnehmer kein Pflichtpraktikum von der Schule bzw. Hochschule zu absolvieren hat, ist ein Dienstvertrag abzuschließen. Ferialarbeitnehmer sind somit immer zur Pflichtversicherung bei der Gebietskrankenkasse anzumelden.

Vorsicht: Sollte ein unbefristetes Dienstverhältnis abgeschlossen werden, kann nur nach den jeweiligen kollektivvertraglichen oder gesetzlichen Bestimmungen gekündigt werden. Verrichten Ferialarbeitnehmer Angestelltentätigkeiten, sollte daher unbedingt für die Dauer der Tätigkeit ein befristetes Dienstverhältnis abgeschlossen werden. Arbeitsverträge mit Ferialarbeitnehmern sind jedenfalls schriftlich abzuschließen, wobei eine Probezeit vereinbart werden sollte. Sieht der anzuwendende Kollektivvertrag Sonderzahlungen vor, sollte überprüft werden, ob eine Wartezeit für den Anspruch auf Sonderzahlungen vorgesehen ist. Ferialarbeitnehmer haben jedenfalls Anspruch auf Auszahlung einer Urlaubsersatzleistung.

Was ist ein Volontariat?

Neben der Ferialpraxis und der Ferialarbeit gibt es noch das Volontariat. Das Besondere an einem Volontär ist, dass er bereits über eine theoretische Ausbildung verfügt und kurzfristig in einem Betrieb arbeitet, um seine erworbenen Kenntnisse zu erweitern oder zu vertiefen, ohne dass dies von einer Schulvorschrift gefordert wird. Volontäre sind keine Arbeitnehmer, sind nicht weisungsgebunden und brauchen keine Arbeitszeit einhalten. Volontäre haben keinen Anspruch auf Entgelt, sondern beziehen allenfalls nur ein Taschengeld. Für Volontäre besteht keine Sozialversicherungspflicht. Volontäre sind lediglich unfallversicherungspflichtig und direkt bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) in Salzburg anzumelden.

Achtung: Wird einem Volontär ein Taschengeld gezahlt - wenn auch unter der Geringfügigkeitsgrenze -, ist dieser Volontär als lohnsteuerpflichtiger Dienstnehmer der Pflichtversicherung unterworfen. Eine Anmeldung bei der AUVA ist dann nicht mehr ausreichend, sondern es bedarf einer Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse.

Kann auch während der Ferien „geschnuppert“ werden?

Die Möglichkeit des „Schnupperns“ bzw. der individuellen Berufsorientierung während der Ferien besteht für sämtliche Schüler im oder nach dem 8. Schuljahr, sofern im folgenden Schuljahr die Schule weiterbesucht wird und die Zustimmung der Erziehungsberechtigten vorliegt. Die Dauer beträgt maximal 15 Tage pro Betrieb und Kalenderjahr, wobei weder bei der AUVA noch bei der Gebietskrankenkasse eine Anmeldung zu erfolgen hat. Da für die Schüler keinerlei Arbeitsleistungsverpflichtung besteht, muss vom Arbeitgeber auch kein Entgelt bezahlt werden.


Expertentipp von Mag. Karl Antoniazzi
Abteilung Arbeits- und Sozialrecht in der Wirtschaftskammer Tirol

Auch wenn Ferialpraktikanten grundsätzlich kein Anrecht auf ein Arbeitsentgelt haben, gibt es dennoch in einigen Kollektivverträgen Ausnahmebestimmungen. So zum Beispiel im Kollektivvertrag für das Hotel- und Gastgewerbe oder im Kollektivvertrag für das eisen- und metallverarbeitende Gewerbe. Wegen diverser Sonderbestimmungen und den zu empfehlenden Mustervereinbarungen ist jedenfalls anzuraten, vor Abschluss eines Ferialarbeitsverhältnisses mit dem Service Center der Wirtschaftskammer Tirol Kontakt aufzunehmen.

Service Center der WK Tirol
T 05 90 90 5-1111
E service@wktirol.at


Rückfragen: Dr. Karl Antoniazzi