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Schutz für Risikopersonen: Eine Checkliste

Wenn Mitarbeiter zur Gruppe der gefährdeten Personen zählen und weiterbeschäftigt werden, ist ein erhöhtes Schutzniveau erforderlich 

„Wie immer ist gesunder Menschenverstand wichtig“, sagt Arbeitsmediziner Heinz Fuchsig von www.gesundesarbeiten-tirol.at. Der Entscheidungsbaum liefert eine einfache Checkliste für Arbeitgeber.

Gut möglich, dass Franzosen sich da ein wenig leichter tun. „Ja, vielleicht. Sie haben kein h, das stark ausgepustet werden kann oder muss“, sagt Heinz Fuchsig. Mit dem kleinen Schlenker in die Welt der unterschiedlichen Sprachen bzw. Aussprachen lenkt der Arbeitsmediziner den Blick auf unsichtbare Faktoren, die in den aktuellen Corona-Zeiten zu Risikofaktoren werden können. „Wenn Menschen viel und laut sprechen, laut singen oder lachen, wird das Risiko einer Infektion erhöht“, so Fuchsig. Derart laut oder lustig in die Luftströme gelangende, potenziell virenbeladene Teilchen können leicht bei anderen Menschen „landen“ und diese gegebenenfalls infizieren. Allein dieses Beispiel zeigt ein wenig, wovor Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Erkrankungsverläufe von COVID-19 geschützt werden müssen, wenn sie am Arbeitsplatz unentbehrlich sind. „Wie immer ist gesunder Menschenverstand wichtig“, umrahmt Fuchsig die Schutzmaßnahmen, die Arbeitgeber treffen müssen, um so genannte Risikopersonen zu schützen und hält fest: „Ich empfehle, auf der Homepage der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt – AUVA – weitergehende Informationen einzuholen www.auva.at - dort sind auch entsprechende Checklisten zu finden.“

Erhöhtes Schutzniveau mit größtmöglicher Sicherheit

Legt also ein Mitarbeiter bzw. Dienstnehmer oder Lehrling ein ärztliches COVID-19-Risiko-Attest vor, so hat der Dienstgeber die Person entweder freizustellen oder für „erhöhtes Schutzniveau mit größtmöglicher Sicherheit“ zu sorgen. Dabei sind einige Regeln zu beachten, die selbstverständlich über jene hinausreichen, die für gesunde Mitarbeiter gelten. Eine Abstandsregel von einem Meter alleine stellt – insbesondere bei trockener Raumluft und Luftbewegung von einem Arbeitnehmer zum nächsten oder unzureichender Belüftung – keinen sicheren Schutz gegen Aerosole dar. Aerosole sind jene feinsten, virenbeladenen Partikel, die mit Beginn der Pandemie die Welt ein Stück weit veränderten. Auch die Arbeitswelt, wo Risikopersonen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Der Entscheidungsbaum liefert dafür eine einfach zu handhabende Orientierungshilfe für Arbeitgeber.

Grafik Risikogruppen
© WKT


Ein paar Punkte sind essenziell bzw. entscheidend, um den Schutz der Risikoperson garantieren zu können:

  • Für kurzfristige Ortsveränderungen am Gang etc. ist der Risikoperson eine Schutzmaske mindestens der Schutzklasse FFP2 mit Ausatemventil zur Verfügung zu stellen, wenn hier nicht alle Personen MNS tragen. Ein dauerhaftes Tragen einer FFP2–Maske ist Risikopersonen maximal 75 Minuten am Stück zuzumuten, auch bei Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels am Arbeitsweg.
  • Das Tragen von MNS ist zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einvernehmlich zu klären, sofern sich eine Verpflichtung nicht aus anderen Rechtsvorschriften ergibt.
  • Die Betreuung oder Behandlung von an den Atemwegen erkrankten Personen ist zu unterlassen. In anderen Bereichen, wo erhöhter Kundenkontakt herrscht – wie etwa in Supermärkten oder Apotheken – sollten Risikopersonen möglichst aus dem direkten Kundenkontakt abgezogen werden und anderweitig im Betrieb eingesetzt werden.
  • Alle Mitarbeiter sollen über die erforderlichen Hygienemaßnahmen und über erhöhte Standards bei Risikopersonen in deren Bereich informiert werden und diese Unterweisung schriftlich bestätigen.
  • Den Mitarbeitern sollte die Anreise per Fahrrad ermöglicht werden. Radfahren senkt sofort Risikofaktoren für schwere Krankheitsverläufe und führt zu einer geringeren Belastung mit Feinstaub als Autofahren. Eine hohe Feinstaubbelastung – auch am Arbeitsplatz – ist ein Risikofaktor für schwere Erkrankungsverläufe.
  • Treten bei diesen Personen Symptome einer Infektion am Arbeitsplatz auf, ist besonders auf professionelle Betreuung zu achten (Telefonat mit 1450). Es ist zu vermeiden, dass Menschen ihre Symptome nicht ernst nehmen.

Die Luft ist ein wichtiger Knackpunkt im Zusammenhang mit den Infektionsgefahren am Arbeitsplatz. Ein einfaches Mittel, um den Luftstrom nachvollziehen zu können, ist eine Kerzenflamme, die zeigt wohin die Luft bläst. „Die Thermodynamik ist höchst komplex. Die Luft bewegt sich nicht immer gleich. Zumindest sollte ein konstanter Luftstrom von anderen Mitarbeitern zur Risikoperson hin unterbunden werden. Eine Plexiglaswand kann hier Abhilfe schaffen“, so Fuchsig, der zudem dazu rät, eventuell vorhandene Klimaanlagen der Bedienungsanleitung entsprechend zu warten und nicht auf Vollbetrieb laufen zu lassen. „Je geringer die Luftfeuchtigkeit in einem Raum ist, umso länger bleiben die Aerosole in der Luft stehen. Sollte die Luftfeuchtigkeit unter 35 bis 30 Prozent fallen, macht es Sinn, den Raum hygienisch zu befeuchten“, ergänzt der Arbeitsmediziner mit dem Hinweis darauf, dass auch die Schleimhäute bei zu trockener Raumluft weniger Abwehrkräfte haben.

Visiere und/oder Mund-Nasen-Schutz?

„Laut Robert Koch Institut Deutschland wird die Verwendung von Visieren anstelle von MNS  derzeit bereits von verschiedenen Herstellern beworben, ohne dass Belege für die Äquivalenz, also die Gleichwertigkeit dieser Ersatzmaßnahme vorliegen“, macht Heinz Fuchsig darauf aufmerksam, dass die Verwendung von Visieren nicht als gleichwertige Alternative zum MNS angesehen werden kann, und sagt: „Solange die Infektionszahlen niedrig sind, könnten Visiere für Nicht-Risikopersonen akzeptiert werden und sind in Österreich im Unterschied zu Deutschland  ein gültiger Schutz. Kommt es zu einer ‚zweiten Welle‘ oder handelt es sich um eine Risikoperson, wird ein Visier mit einem MNS kombiniert werden müssen.“


Als Ergänzung zum Entscheidungsbaum hat Heinz Fuchsig drei Fallbeispiele ausgearbeitet, die exemplarisch für einen Produktionsmitarbeiter, eine Sachbearbeiterin und einen Busfahrer aufzeigen, welche Maßnahmen zum Schutz der Risikoperson getroffen werden können oder müssen.

Der Produktions-Mitarbeiter:

Ein Produktionsmitarbeiter legt ein Attest vor, Home-Office ist unmöglich. Er kommt per Bus oder als Mitfahrer und trägt für diese 20 Minuten eine FFP2-Maske (oder zu Fuß, per Fahrrad oder PKW alleine fahrend ohne Maske). Er arbeitet zwar nicht alleine in einem Raum, kann aber zwei Meter Abstand zu Kollegen einhalten, diese tragen MNS. Alle weiter als vier Meter entfernt Arbeitenden können nun auch ohne MNS arbeiten, wenn sie untereinander einen Meter Abstand halten. Sollten auch die zwei Meter nicht eingehalten werden, muss die Risikoperson (RP) eine FFP2-Maske mit Ausatemventil benutzen und dann allerdings alle 75 Minuten 30 Minuten Pause alleine ohne Maske zur Erholung erhalten 
„Zusätzliche Sicherheit wäre gegeben, wenn die Zuluft des Raumes hinter der Risikoperson eintritt und damit potenziell infektiöse Luft vom Gefährdeten weggeblasen wird oder eine Luftströmung zwischen der Risikoperson und anderen durch eine bauliche Trennung, wie etwa eine Plexiglasscheibe, verhindert wird“, so Fuchsig.
Der Mitarbeiter kann am Arbeitsplatz seine im Sozialraum aufgewärmte Mahlzeit einnehmen, da ein Verweilen unter Mindestabständen oder alleine im Sozialraum zur Zubereitung / Wärmen möglich ist, auf den Gängen MNS getragen und auf Abstand geachtet wird. Die Umkleide kann er
alleine benutzen und desinfiziert seine Hände nach Schließen der letzten Türe.

Die Sachbearbeiterin: 

Eine Sachbearbeiterin mit Attest soll wieder im offenen Büro – das sie mit weiteren sieben Mitarbeitern teilt (open space) arbeiten. Home-Office ist aufgrund Kinderbetreuung und beengter Verhältnisse zu Hause kaum möglich. Ein Mitarbeiter des Raumes sitzt weniger als zwei Meter entfernt und kann aufgrund ständiger Telefonate keinen MNS tragen. Die Arbeitnehmerin darf maximal eine 75 Minuten-Einheit mit einer FFP2-Maske mit Ventil in diesem Raum arbeiten, wenn ihr Risikoprofil das Tragen einer solchen Maske zulässt (nicht bei Herz- und Lungenkrankheiten, Rücksprache mit der Arbeitsmedizin). Danach ist eine halbe Stunde Pause einzuhalten, dann sind weitere Einheiten möglich. „Oder die beiden sind durch eine 150 Zentimeter hohe Pinnwand getrennt, es gibt keine Luftströmung vom telefonierenden Mitarbeiter zur Risikoperson und der Raum wird halbstündlich natürlich belüftet“, sagt Fuchsig und ergänzt: „Dann genügt ein MNS für die Risikoperson.“

Der Busfahrer:

Ein Busfahrer mit Attest muss auch Fahrkarten an Kunden verkaufen. Die Durchreiche (das Loch) über der Kasse ist lediglich 20 Zentimeter hoch, die Lüftung im Fahrerbereich auf dauernde Zuluft geschaltet. Der Arbeitnehmer kann beschäftigt werden; einen MNS bei der Fahrt zu tragen wäre günstig, aber nicht zwingend vorzuschreiben.


Gültigkeit des COVID-19 Risikoattests

Die COVID-19-Risikogruppe-Verordnung des Bundesministers für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz über die Definition der allgemeinen COVID-19-Risikogruppe ist am 7. Mai 2020 veröffentlicht worden und gilt rückwirkend seit 6. Mai 2020. Somit haben die COVID-19-Risikoatteste ab 6. Mai 2020 ihre Gültigkeit und können von den Ärzten ausgestellt werden. Die Freistellung wurde bis 30. Juni 2020 verlängert.