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Darauf sollten Sie bei Beginn und Ende eines Lehrverhältnisses achten

Das sollten Ausbildungsbetriebe wissen: Im Berufsausbildungsgesetz (BAG) sind Länge der Probezeit, Dauer der Weiterverwendungs- bzw. Behaltezeit und mehr geregelt 

Zahlreiche Lehrlinge beenden in den Sommermonaten ihr Lehrverhältnis und gleichzeitig beginnen etwa 3.500 Tiroler Jugendliche mit der dualen Ausbildung. Speziel in dieser ersten Ausbildungsphase bzw. bei Beendigung des Lehrverhältnisses sind einige Besonderheiten
zu beachten.

Wie lange dauert die Probezeit bei einem Lehrverhältnis?

Die ersten drei Monate der Lehrzeit gelten nach dem Berufsausbildungsgesetz (BAG) als Probezeit. Die Probezeit bedarf keiner eigenen Vereinbarung und kann auch durch die Lehrvertragsparteien nicht verändert werden. Während dieser Zeit kann der Lehrvertrag sowohl vom Lehrberechtigten als auch vom Lehrling jederzeit ohne Angabe von Gründen gelöst werden. Wird der Lehrling während der ersten drei Monate des Lehrverhältnisses in eine lehrgangsmäßige Berufsschule (Blockunterricht) einberufen, so gelten die ersten
sechs Wochen der tatsächlichen betrieblichen Ausbildung als Probezeit.

Was ist bei einer Auflösung in der Probezeit zu beachten?

  • Die Auflösung des Lehrverhältnisses muss auch in der Probezeit schriftlich erfolgen. Beachten Sie bei minderjährigen Lehrlingen (bis zum vollendeten 18. Lebensjahr) die Zustimmungspflicht
    des gesetzlichen Vertreters (bei aufrechter Ehe die Zustimmung beider Elternteile) wenn der Lehrling von sich aus das Lehrverhältnis lösen möchte.
  • Die Probezeit gilt auch dann, wenn der Lehrling bereits bei einem anderen Betrieb eine Lehre begonnen, diese jedoch vorzeitig abgebrochen hat (Vorlehrzeit)


Wann endet das Lehrverhältnis?

Das Lehrverhältnis endet im Normalfall mit dem im Lehrvertrag vereinbarten letzten Lehrtag. Der Lehrling hat am Ende der Lehrzeit die Möglichkeit, die Lehrabschlussprüfung abzulegen. Wird die Lehrabschlussprüfung vor dem im Lehrvertrag vereinbarten Ende der Lehrzeit abgelegt und bestanden, so endet die Lehrzeit bereits mit Ablauf der Woche, in der die Prüfung absolviert wurde.

Wie lange muss ein Lehrling nach dem Lehrzeitende weiter beschäftigt werden?

Nach Beendigung der Lehrzeit muss der ausgelernte Lehrling noch drei Monate in seinem erlernten Beruf im Unternehmen weiter beschäftigt werden. Diese Zeit wird als Weiterverwendungszeit oder Behaltezeit bezeichnet. Die Verpflichtung zur Weiterverwendung entsteht jedoch nur dann, wenn das Lehrverhältnis durch Ablauf der vereinbarten Lehrzeit endet oder der Lehrling innerhalb der Lehrzeit zur Lehrabschlussprüfung antritt und diese erfolgreich ablegt. Diese Weiterverwendungspflicht beinhaltet nicht nur die Verpflichtung zur Bezahlung entsprechend der kollektivvertraglichen Einstufung für facheinschlägig ausgebildete Arbeitnehmer, sondern auch das Recht des ausgelernten Lehrlings auf Verwendung im erlernten Beruf.

Kann diese Weiterverwendungspflicht auch kürzer oder länger sein?

Wenn der Lehrling in Ihrem Unternehmen nur die Hälfte oder weniger als die Hälfte der festgesetzten Lehrzeit absolviert hat, dann sind Sie nur zur Weiterverwendung im halben Ausmaß verpflichtet. Durch Bestimmungen in einzelnen Kollektivverträgen kann die Dauer der Weiterverwendungszeit auch mehr als drei Monate betragen. Der Kollektivvertrag der Handelsangestellten sieht beispielsweise eine Weiterverwendungszeit von fünf Monaten vor, im eisen- und metallverarbeitenden Gewerbe sind es sechs Monate. Im Falle einer Schwangerschaft oder eines Präsenzdienstes kann der Ablauf der Behaltezeit gehemmt werden.

Wie wird der Lehrling nach bestandener Lehrabschlussprüfung entlohnt?

Besteht ein Lehrling die Lehrabschlussprüfung vor dem Ende der Lehrzeit, so endet das Lehrverhältnis mit Ende der Woche, in der die Lehrabschlussprüfung stattfindet (darauffolgender Sonntag). Das heißt, die Lehrlingsentschädigung wird nur bis zu diesem Tag bezahlt. Ab dem darauffolgenden Montag befindet sich der Lehrling in der so genannten Weiterverwendungszeit und erhält das entsprechende kollektivvertragliche
Entgelt. Hinsichtlich der konkreten Einstufung nach Beendigung der Lehrzeit ist unbedingt der
anzuwendende Kollektivvertrag zu beachten.


Expertentipp von Helmut Wittmer, Bildungsabteilung der Wirtschaftskammer Tirol

Eine einseitige Auflösung des Lehrverhältnisses ist nach Ablauf der Probezeit nur mehr aus schwerwiegenden, im Gesetz angeführten Gründen oder zu bestimmten Zeitpunkten (Ende erstes und Ende zweites Lehrjahr) möglich. Nutzen Sie daher die Probezeit aktiv für die Feststellung der beruflichen Eignung des Lehrlings! Für die Zeit der Weiterverwendungspflicht
kann bereits im Lehrvertrag ein befristetes Dienstverhältnis vereinbart werden.


Rückfragen:
Wirtschaftskammer Tirol
Bildungsabteilung/Lehrvertragsservice
Helmut Wittmer
T 05 90 90 5-7301
E helmut.wittmer@wktirol.at