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Interview: Digitale Trends – Lassen Sie sich inspirieren!

Digitalisierung: Was kommt und was kann ich als Unternehmerin bzw. Unternehmer tun?

Interview mit Mag. Michael Dell:

Ihre Botschaft ist, dass niemand Angst vor der Digitalisierung zu haben braucht?

Wir haben, die erste industrielle Revolution überlebt, die zweite und die dritte. Wir werden auch die vierte Industrielle Revolution überleben. Der Satz „Wo Chancen sind, gibt es auch Risiken“ gilt auch umgekehrt: „Wo Risiken sind, gibt es auch Chancen“.

Sie empfehlen, dass Unternehmen verstärkt in die Ausbildung investieren, weshalb?

Früher gab es Innovationszyklen von 20-30 Jahren, heute dauern sie zwei Jahre. Ich empfehle, dass Unternehmerinnen  und Unternehmer bei sich und bei  ihrem Team in Ausbildung investieren. Das kostet hauptsächlich Zeit und gar nicht so viel Geld. Denn es gibt zahlreiche geförderte Angebote. Wer auf die digitale Evolution der Revolution besser vorbereitet ist, ist erfolgreicher. Es gibt Chancen für ein neues, anderes oder besseres Geschäft und einfachere Abläufe. Es geht darum digitalisierte Produkte und Dienstleistungen zu erkennen und umzusetzen sowie potenzielle Risiken zu sehen und zu vermeiden.

Wo liegen für Sie die Chancen der Digitalisierung?

Es geht vorwiegend um zwei Bereiche:
Einerseits darum, unbefriedigte Kundennutzen zu erkennen und zu befriedigen, zukünftige Kundenprobleme kreativ zu lösen.

Und andererseits geht es um die IT-mäßige Unterstützung von unternehmensübergreifenden Prozessen. Das ist ein vielfach unterschätzter Bereich der Digitalisierung mit sehr viel Potenzial. Die so „gewonnene“ Zeit kann beispielsweise dafür verwendet werden, um gezielt Kundennutzen zu erhöhen.

Was ist bei der Digitalisierung für Unternehmerinnen und Unternehmer relevant?
Es geht um folgende Fragen: Verdiene ich gleich viel oder mehr? Macht es meine Arbeit leichter?
Habe ich dadurch mehr Zeit? Kann ich dadurch Alleinstellungmerkmale generieren? Kann ich kreativer werden?

Haben Sie ein Beispiel im Bereich Augmented Reality?
Eine Unternehmerin der Modebranche zum Beispiel bietet ihren Kundinnen an, dass sie sich mit dem Kleid ihrer Wahl auf einem Bildschirm sehen können, ohne das Kleid anziehen zu müssen. Die Unternehmerin hat auch ihre Prozesssteuerung, ihre Produktionsplanung und ihren Internetverkauf transformiert.

Kann man Augmented Reality auch mit Virtual Reality verknüpfen?

Selbstverständlich. Diese Frage stellt sich zum Beispiel im Verlagswesen. Wie sieht das Kinderbuch oder das Schulbuch der Zukunft aus.

Bei Big Data denkt man eher an große Unternehmen ist das richtig?
Das stimmt so nicht. Big Data ist auch für kleine Unternehmen relevant. Ein Unternehmen im Bereich Sanierungen in der Baubranche beispielsweise macht sich Big Data zu Nutze, um auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. Und akquiriert auf diese Weise Kunden.

Gibt es in der Robotik Themen, an die man nicht so schnell denkt?

Die Systemgastronomie ist so ein Beispiel. In Deutschland gibt es schon einen Pizzaroboter in einer Massenpizzeria. Generell in der Robotik ist es so, dass Menschen von Arbeiten, die körperliche, aber auch psychischen Schmerzen verursachen befreit werden.

Was können Apps für Unternehmen leisten?
Das möchte ich an einem sehr konkreten Beispiel erzählen: Die Einkaufsgenossenschaft der Wiener Rauchfangkehrer betreibt eine App, mit der gleich auf dem Dach die richtigen Produkte bestellt werden können.

Wie sieht die Entwicklung bei Ambient Assisted Living aus?
Der Bedarf an Pflegeunterstützung und Eigenermächtigung von zu Pflegenden wird in Zukunft steigen. Ein Mechatroniker, der durch den Schlaganfall seines Vaters persönlich betroffen war, hat einen leicht steuerbaren Rollstuhl entwickelt, mit dem auch die Türen geöffnet und geschlossen, das Licht ein- und ausgeschaltet oder das Wasser ein- und aufgedreht werden kann.  Dies sind aber Entwicklungen, die für jeden von uns durchaus Sinn machen können.

Zurück zu Augmented Reality – inwiefern ist es ein Thema bei kollaborativem Arbeiten und der Dokumentation?

Vieles wird einfacher. Ein Planungsunternehmen in der Baubranche zum Beispiel setzt AR bereits ein. Damit ist es möglich auch Menschen, die nicht körperlich anwesend sind, in Entscheidungen miteinzubeziehen. Und in der Dokumentation kann man die Prozesse stark vereinfachen: Ein Foto wird zu einem Dokument, das plangenau verortet ist und zweidimensional oder dreidimensional dargestellt werden kann.

Und nun zu einem Trend, der in aller Mund ist, das autonome Fahren: Was bedeutet das für die unternehmerische Zukunft?

Das private Auto der Zukunft gehört nicht dem, der es fährt und wird mittels App geholt. Es wird weniger Autos geben. Der öffentliche Raum bekommt Platz zurück. Die Menschen gewinnen Zeit.

Das heißt, wir können uns unternehmerische Angebote überlegen:  Welche Angebote schaffen wir im öffentlichen Raum, welche für die neu gewonnene Zeit, und so weiter.

Sie haben hier auch die sharing economy angesprochen?

Ja, wir müssen uns neue Geschäftsmodelle überlegen. Den Wohnraum, ein Auto zu teilen ist bei uns schon bekannt und angekommen. Oder auch Geschäftslokale, die geteilt werden und mit unterschiedlichen Branchen bespielt werden, sind attraktiv und nicht mehr ganz neu. Oder das Arbeiten in gemeinsamen Räumen, die Coworking Spaces. Es gibt aber auch schon Beispiele, wo Mode geteilt wird. Beispielsweise bei Ballkleidern und Socken. Es geht darum neue Geschäftsmodelle anzudenken. Was wäre etwas, was man gut brauchen könnte?

Wie sehen Sie das Internet der Dinge?

Mit dem Internet der Dinge werden viele Dinge anders. Stellen wir uns ein T-Shirt vor, das die Herzfrequenz misst. Dieses T-Shirt kann zum Lebensretter werden, wenn es gleich die Rettung ruft.

In produzierenden Unternehmen können Maschinen Daten senden, die unternehmensübergreifend auf die Zulieferer-Kette Einfluss nehmen. Und sie können Umfelddaten einbeziehen, um die Planung zu optimieren.

Welche Fragen stellen sich bei den Trends?
Das sind die Fragen nach Privatsphäre, nach Datensicherheit, nach Ungerechtigkeiten bei Steuern.

Sie sind ein Befürworter von Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen?

Für Digital Leadership  braucht es das Zusammenspiel aller. Digital Natives sollen mit der Generation 50+ zusammenkommen, die bestehendes Erfahrungswissen haben. Gemeinsam kann man alles noch viel besser machen.

Kurzbiografie Experten

Mag. Michael Dell ist seit mehr als 25 Jahren Innovationsberater und Trendforscher. Er berät Industriebetriebe, öffentliche Organisationen, mittelständische Unternehmen und Start-ups in ganz Europa. Seit Mitte der 1990 Jahre beschäftigt er sich mit digitalen Veränderungen von Produkten, Dienstleistungen, Geschäftsmodellen, Prozessen und in der Gesellschaft.

Er ist Lektor an verschiedenen Universitäten und publiziert zu den Themen Innovation und digitale Transformation. Dell ist u.a. Bundessprecher der Experts-Group Innovation des Fachverbandes UBIT der WKÖ, Fellow der ISPIM (International Society for Professional Innovation Management), sowie Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Usability und User Experience.

WIFI Unternehmerservice

Das WIFI Unternehmerservice der Wirtschaftskammer Österreich hat die Unternehmerin und den Unternehmer im Fokus. Ziel ist es, die Unternehmerkompetenzen zu erweitern. Zum aktuellen Thema „Digitalisierung“ werden Webinare, Veranstaltungen und Publikationen angeboten. Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an unternehmerservice@wko.at.

Im Rahmen des KMU DIGITAL Förderprogramms der Wirtschaftskammer und des BMWFW (www.kmudigital.at), bietet das WIFI Unternehmerservice bis Ende 2018 mehrere jeweils einstündige Webinare an. Unter www.kmudigital.at/diewebinare finden Sie alle Infos dazu, Video-Aufzeichnungen von Webinaren, Services und Ansprechpartner/innen.

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