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Wien stellt die Weichen für weiteres Wachstum

Mit dem Stadtentwicklungsplan STEP 2025 macht die Stadt Wien klar, dass das erwartete Bevölkerungswachstum ohne enorme Investitionen in den Wohnbau nicht zu stemmen sein wird. Zusätzlich soll aber auch für Betriebe ausreichend Platz zur Verfügung stehen. Weitere Interessenskonflikte sind vorprogrammiert.

Wien wächst - und steht damit vor enormen Herausforderungen. Neuesten Berechnungen der Statistik Austria zufolge, soll die Bundeshauptstadt in spätestens 15 Jahren zur Zwei-Millionen-Menschen-Metropole aufgestiegen sein. Derzeit leben etwa 1,75 Millionen Menschen in der Stadt.

Der soeben erschienene Stadtentwicklungsplan STEP 2025 der Stadt Wien zeigt deutlich, mit welch großer Ehrfurcht die Stadt dem erwarteten Zustrom gegenübersteht. Denn 250.000 mehr Menschen bedeutet, dass entsprechender Wohnraum geschaffen werden muss, dass die öffentliche Infrastruktur deutlich erweitert werden muss - vom Kanalnetz über öffentliche Verkehrsmittel bis hin zu Schulen - und dass auch für mehr Betriebe Platz sein muss, um ausreichend Arbeitsplätze in der Stadt zu haben.

All das erfordert enorme öffentliche und private Investitionen - und das in einer Zeit, in der der wirtschaftliche Druck groß ist. STEP 2025 kommt daher zu dem Schluss: „Wiens Stadtentwicklung wird in den nächsten zehn bis 15 Jahren in einem Spannungsfeld stattfinden, das von intensiviertem wirtschaftlichen Wettbewerb, dynamischem Bevölkerungswachstum und hohem Investitionsbedarf bei knappen Ressourcen geprägt sein wird.”

Geld wird aber längst nicht die einzige Herausforderung sein: Die Stadt kommt immer mehr in Platznot. „Bis etwa 2025 bieten die innere Stadtentwicklung und vorhandene Stadterweiterungspotenziale ausreichend Flächen, um den Bedarf an neuem Bauland zu decken”, so der STEP 2025. Für die Zeit danach zeichnet sich in der Stadtentwicklungspolitik ein Kurswechsel auf mehreren Ebenen ab.

Einerseits geht es um die Kooperation mit dem Umland. Sie soll deutlich ausgebaut werden, insbesondere mit Niederösterreich und dem Burgenland. Konkret soll es um eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Wohnraum, Betriebsflächen und öffentlicher Infrastruktur gehen - denn in der Stadt ist langfristig zu wenig Platz. Zu dieser Zusammenarbeit müssen die anderen Bundesländer noch zustimmen.

Neue Instrumente zur „Bodenmobilisierung”

Andererseits geht es um neue Instrumente, um innerhalb der Stadtgrenzen potenzielle Entwicklungsflächen für das Stadtwachstum nutzbar zu machen. „Bodenmobilisierung” nennt sich das Programm, für das die Stadt neue rechtliche Befugnisse haben will, „um entwicklungsfähige Flächen- und Eigentumsstrukturen herzustellen”. Auch befristete Baulandwidmungen sollen forciert werden. Denn Grundbesitzer würden Flächen, die für die Stadtentwicklung benötigt werden, „gar nicht oder nur zu überhöhten Preisen verkaufen”, der bestehende Rechtsrahmen gebe der Stadt zu wenig Handlungsmöglichkeiten, sagt der STEP 2025. Wien werde daher „neue Instrumente erproben”. Zudem sollen öffentliche Investitionen auf „mobilisierbare Flächen” konzentriert werden, das sind Liegenschaften der Stadt und ihrer Betriebe sowie „Flächen entwicklungsbereiter Partner”. Investoren und Grundstückseigentümer sollen über städtebauliche Verträge verstärkt zu Maßnahmen verpflichtet werden, die der Allgemeinheit zugute kommen.

Ob durch diese Maßnahmen ausreichend Flächen „mobilisiert” werden können, ist unter Experten umstritten. Es wird befürchtet, dass der Druck auf Betriebsgebiete bestehen bleibt und weitere Umwidmungen drohen. Vor allem bei kleineren Betriebsgebieten könnte es im Zuge des angekündigten Betriebsflächenkonzepts einen Kahlschlag geben, so die Einschätzung. Im STEP 2025 hält die Stadt Wien aber fest: „Um den Wirtschaftsstandort langfristig abzusichern, müssen sowohl bestehende Betriebsgebiete als auch neue Flächen für die industrielle Produktion gesichert werden.” Dem hohen Umwidmungsdruck in Richtung Wohn- und Büronutzung wolle man entgegentreten. Dezidiert ausschließen will die Stadt weitere Umwidmungen nicht.

Weitere interessante Details: Für das Kleingewerbe soll es in „attraktiven Erdgeschoßzonen” direkt in den Grätzln Platz geben, um Wohnen und Arbeiten besser zu vermischen. Der Erhalt von Gewerbeobjekten im dicht verbauten Stadtgebiet sei eine „zentrale Priorität der nächsten Jahre”. Im Neubau sollen gemischte Nutzungen durch höhere Raumhöhen in der Erdgeschoßzone erleichtert werden. 

Zudem will die Stadt kleinere Geschäftslokale von der Stellplatzverpflichtung ausnehmen. Es wird in Aussicht gestellt, dass die Widmungskategorie „Geschäftsstraße” verstärkt eingesetzt wird, damit Einkaufszentren (EKZ) leichter in bestehenden Einkaufsstraßen errichtet werden können. EKZ und Fachmarktzentren am Stadtrand sollen durch Verträglichkeitsschwellen und Sortimentslisten beschränkt werden, so der Plan. Bürogroßprojekte sollen in den dafür festgelegten Zonen realisiert werden - ansonsten werden sie einer „kritischen Prüfung” unterzogen.

WK Wien drängt auf Detailkonzepte

WK Wien-Präsident Walter Ruck begrüßt, dass die Stadt Wien bei der einjährigen Entwicklung des STEP 2025 zahlreiche Vorschläge der Wirtschaftskammer aufgegriffen hat. Vor allem die Analysen und Schlussfolgerungen des „Masterplans Urbanitätsoffensive”, den die WK Wien im vergangenen Jahr vorgestellt hat, sowie die Kammer-Positionen zum Thema Betriebsstandort und Wirtschaftsverkehr haben zumindest teilweise Eingang in den STEP 2025 gefunden. „Jetzt geht es darum, auf Basis dieser strategischen Grundlinien Detailkonzepte zu entwickeln, damit Wien eine prosperierende Stadt der vielen Möglichkeiten bleibt”, so Ruck. In vielen Bereichen brauche es noch eine Reihe an konkreten Maßnahmen, auf die die WK Wien jetzt drängen werde. „Die Wirtschaft ist eine tragende Säule der Stadtentwicklung. Wir werden diese Entwicklung daher unterstützen, begleiten und mit eigenen Ideen mitgestalten”, so Ruck. 

Faktenbox

Betriebsstandort

Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe sollen Platz und passende Rahmenbedingungen vorfinden. Einkaufszentren am Stadtrand sollen beschränkt werden. In den Grätzln sollen Gewerbebetriebe gehalten werden, bei Neubauprojekten soll durch höhere Erdgeschoß-Raumhöhen eine gemischte Nutzung Wohnen/Arbeiten erleichtert werden. Für kleine Geschäfte könnte die Stellplatzverpflichtung fallen. Die WK Wien drängt jetzt auf weitere, konkrete Maßnahmen.

Zentrenqualität

Die Stadt will die Zusammenarbeit mit Niederösterreich, dem Burgenland und direkt an Wien angrenzende Gemeinden ausbauen, um etwa Betriebs- und Einzelhandels-
standorte sowie Mobilitätskonzepte abgestimmt zu planen. In der Stadt soll ein Zentrenkonzept
entwickelt werden, um die Grätzl-entwicklung zu fördern. Multifunktionalität wird hier ein Leitprinzip, also die Durchmischung von Wohnen, Arbeiten und öffentlichen Einrichtungen überall in der Stadt.

Wirtschaftsverkehr

Die WK Wien hat durchgesetzt, dass der Wirtschaftsverkehr als Notwendigkeit akzeptiert wird. Die Stadt will nun „gemeinsam mit Unternehmen und der Logistik-Branche Strategien und Lösungen für einen kostengünstigen, effizienten und ressourcenschonenden Wirtschaftsverkehr entwickeln”. Erste Ideen dazu gehen in die
Richtung, Elektromobilität im Wirtschaftsverkehr stärker zu fördern und Ladezonen durch betriebliche Kooperationen besser zu nutzen.

Weniger Pkw-Verkehr

Der Anteil des motorisierten Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen soll von derzeit 27 auf 20 Prozent zurückgedrängt werden, Fahrradfahren und zu Fuß gehen sollen forciert werden. Die WK Wien begrüßt zwar grundsätzlich eine Entlastung des Straßennetzes und klimafreundliche Mobilität, befürchtet aber, dass auch Unternehmen in ihrer Mobilität weiter beschränkt werden und neue Belastungen und Kosten entstehen.

STEP 2025

Stadtentwicklungsplan

STEP 2025 legt einen strategischen Rahmen für die Wiener Stadtentwicklung in den nächsten zehn Jahren fest. Er wurde am 25. Juni 2014 vom Wiener Gemeinderat beschlossen und ist für die Stadt bindend. Der letzte Stadtentwicklungsplan stammt aus 2005


Download: STEP 2025