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Respekt

Interesse und Begabung sind die wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Berufs- und Ausbildungswahl - in der Theorie. In der Praxis spielen Prestigedenken und Coolnessfaktor dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Raten Sie einmal, welche Berufe in unserer berufskundlichen Mediathek von den Jugendlichen am häufigsten angeklickt werden. In der ersten Jahreshälfte des Jahres 2019 waren das „Youtuber/in“ gefolgt von „Architekt/in“ und „Arzt/Ärztin“. Allesamt Berufe mit einem hohen Prestige- bzw. Coolnessfaktor. Ob diese Berufe auch den Interessen und Talenten der Schüler/innen entsprechen sei dahingestellt, ob es im Einzelfall realistisch ist, diese Berufsziele auch wirklich zu erreichen bzw. davon leben zu können ebenfalls.

Die Berufs- und Ausbildungsentscheidung gehorcht also nicht immer der einfach und einleuchtend scheinenden Formel „Interesse“ + „Begabung“ = „passender Beruf“. Zahlreiche zusätzliche Einflussfaktoren spielen eine wichtige Rolle und dazu gehört auch die Frage nach dem Sozialprestige von Berufen.

Gruppe von Menschen
© Shutterstock

Sozialprestige beeinflusst Berufswahl

Das deutsche Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) hat dazu eine schriftliche Befragung bei Schülerinnen und Schülern in den neunten und zehnten Klassen allgemeinbildender Schulen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass Berufe oft deswegen nicht gewählt werden, weil sie ein geringeres Sozialprestige haben.

Die Nichtwahl von Berufen gehorcht offenbar anderen Logiken als die Wahl eines Berufes. Als besonders relevanter Faktor, der den Ausschluss eines Berufs aus dem Feld möglicher Berufsoptionen bewirkt, erweist sich laut BiBB-Befragung die Erwartung einer mangelnden sozialen Anerkennung. Wenn Jugendliche meinen, in ihrem sozialen Umfeld, insbesondere bei ihren Eltern und im Freundeskreis, mit einem bestimmten Beruf nicht gut anzukommen, beziehen sie diesen Beruf nicht mehr in ihre Berufswahl ein - und zwar auch dann, wenn die Tätigkeiten des Berufes mit ihren eigenen beruflichen Interessen übereinstimmen.

Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in unseren täglichen Erfahrungen im Berufsinformationszentrum wider. Wer Schüler/innen in einer Wiener AHS fragt, ob sie daran denken, eine Lehrausbildung zu beginnen, kann - je nach Schulstandort in unterschiedlichem Ausmaß - durchaus mit Gelächter und abschätzigen Bemerkungen rechnen. Dies mag auch damit zu tun haben, dass in internationalen Studien und Rankings die Qualität eines Bildungssystems in hohem Maße nach der Akademikerquote gemessen wird. Damit wird - durchaus nicht unbedingt beabsichtigt - auch eine Wertung von Ausbildungswegen vorgenommen, die natürlich Auswirkungen auf Bildungsentscheidungen von junge Leuten hat.

Wertschätzung von Berufen im Alltag

Wenn uns daran gelegen ist, ein vernünftiges Wirtschafts- und Gesellschaftsleben aufrecht zu erhalten wird es nötig sein, allen Bildungswegen und Berufen mit gebührendem Respekt zu begegnen. Ein Unternehmen, eine Volkswirtschaft wird nur dann halbwegs zufriedenstellend funktionieren, wenn alle ihren Job machen. Der beste Chirurg wird wenig ausrichten, wenn die professionelle Reinigung der OP-Räume nicht stattfindet, der genialste Architekt wird erfolglos bleiben, wenn es keine gut ausgebildeten Mitarbeiter auf den Baustellen gibt. Kurz gesagt: Wenn möglichst viele Menschen mit ihren Berufen zufrieden sind und möglichst gute Arbeit leisten, profitieren letztlich alle davon.

Und dies wird leichter gelingen, wenn wir die verschiedenen Berufen in gleichem Maße respektieren und nicht in die beliebte „Wertungsfalle“ tappen. Wenn sich einzelne Berufsgruppen nicht wertgeschätzt fühlen ist es nachvollziehbar, dass es immer weniger Menschen gibt, die diese Berufe ergreifen wollen.

Dieser respektvolle Umgang findet im täglichen Leben statt. Telefonierend mit der Supermarkt-Kassiererin den Bezahlvorgang abzuwickeln ist ein gängiges Beispiel von Geringschätzung. Die Mitarbeiter der Müllabfuhr zu beflegeln, weil sie gerade dort ihren Job machen, wo man gerade mit dem Auto fahren will, zeugt von einem hohen Maß an Gedanken- und Respektlosigkeit. Sich darüber zu empören, dass Bauarbeiter gerade dann die Wasserrohre erneuern, wenn man seine Ruhe haben will, zeugt von bemerkenswerter Kurzsichtigkeit. Lehrer/innen für alle Missstände unseres Bildungssystems verantwortlich zu machen, steigert nicht gerade das Verlangen junger Leuten, diesen Beruf zu ergreifen.

BiWi betont Respekt vor allen Berufen

Auch der vielfach beklagte Fachkräftemangel hat letztlich unter anderem damit zu tun, dass wir viel zu lange Lehrberufe mit einer gewissen Geringschätzung bedacht haben. Solange der Lehrberuf häufig als letzte infrage kommende Ausbildung gesehen wird, solange davon gesprochen wird, dass jemand „nur“ eine Lehre gemacht hat und solange es immer noch vorkommt, dass von „Lehrbuam“ und „Lehrmädln“ die Rede ist, brauchen wir uns nicht über das mangelnde Image von Lehrberufen zu wundern.

Ein Umdenken kann nicht von oben verordnet werden, es muss in allen Bereichen der Gesellschaft stattfinden. Bei unserer Arbeit im BiWi versuchen wir dazu beizutragen, den Respekt vor allen Berufen zu betonen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass unser aller (Berufs)Leben einfacher und erfüllender ist, wenn Berufen eine entsprechende Achtung entgegengebracht wird.