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Assistenzhunde: Helden eines barrierefreien Lebens oder die wirklich besten Freunde des Menschen

Nachbericht der Veranstaltung am 25.9.2019

Am 25.9.2019 fand in unserem neuen Haus der Wiener Wirtschaft das zweite Premium-Event der „Charta der Vielfalt“ zum Thema Assistenzhunde statt. Zu Gast war der gemeinnützige, nicht subventionierte Verein „Freunde der Assistenzhunde Europas“, der sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und durch Einnahmen bei Veranstaltungen finanziert. Der Verein besteht seit 20 Jahren als Interessensvertretung. Bei den einleitenden Worten betonten Herr Mag. Say und Obfrau DI Gloria Petrovics den nach wie vor hohen Aufklärungsbedarf in diesem Bereich der Barrierefreiheit.

Wie erkenne ich Assistenzhunde?

Staatlich zertifizierte Assistenzhunde (Blindenführ-, Service- und Signalhunde) sind schnell zu erkennen, da sie ein geschütztes Logo auf ihren Kenndecken, Führgeschirren, Halsbändern bzw. Brustgeschirren tragen und im Behindertenpass der betroffenen Personen eingetragen sind. Nur so kommen die betroffenen Menschen mit Behinderung mit ihren zertifizierten Assistenzhunden in den Genuss der Sonderrechte und Sonderregelungen durch den Gesetzgeber.

Wie steht es um die gesetzliche Lage zu den Assistenzhunden?

Frau DI Petrovics klärte die interessierten ZuhörerInnen über die rechtliche Lage auf und ging dabei auf die Regelungen für HalterInnen und Assistenzhunde ein. Gesetzlich sind alle Assistenzhunde seit dem 01.01.2015 im §39a des Bundesbehindertengesetzes (Abschnitt Va - Assistenzhunde, Therapiebegleithunde) geregelt. Die näheren Bestimmungen zu diesem Gesetz führt eine zusätzliche Richtlinie des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz aus. Assistenzhunde sind Hunde, die Menschen mit Behinderungen im Alltag unterstützen, dazu zählen Blindenführ-, Service- und Signalhunde. Dabei sind sie für die Betroffenen eine sehr große Hilfe, wenn es um die Erweiterung der Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen geht. Dass sie dabei ununterbrochen bei der betroffenen Person leben und sie im Alltag an Orten, an denen Hunde normalerweise verboten sind, uneingeschränkt begleiten dürfen, stellt bei einer Vielzahl von Personen immer noch eine große Wissenslücke dar. So sind sie auch von der Leinen- und Maulkorbpflicht befreit um ihnen eine uneingeschränkte Aufgabenerfüllung zu ermöglichen. Es sind eine Vielzahl an verschiedenen Aufgaben im Alltag zu bewältigen.

Die Aufgaben von Assistenzhunden sind so vielfältig wie sie selbst

Frau Ingrid Ruttnig ist sehr stark gehörbeeinträchtigt und hatte in Ihrer Zeit als Hausbesorgerin eine große Unterstützung mit ihrer Signalhündin „Luna“, die genau wusste in welcher Stiege welcher Aufzug steckengeblieben war. Das läutende Handy für eingegangene SMS-Nachrichten zu bringen, gehörte dann doch zu einer der leichteren Aufgaben. Mittlerweile ist Frau Ruttnig in Pension und sie wird seit einiger Zeit von ihrer Signalhündin „Ulla“ auf wichtige Geräusche (Wecker läuten, Türglocke, herannahende Fahrradfahrer von hinten) aufmerksam gemacht. Frau Klara Zösmayr demonstrierte mit ihrer Signalhündin für PTBS wie sie z.B. in einer Warteschlange professionell von ihrer „Ylvi“ unterstützt wird. Dabei reagieren diese Signalhunde auf die verschiedenen physischen und psychischen Anzeichen ihrer Halter. Sie stellen sich unterstützend vor, neben oder hinter ihre Halterin oder führen die betroffene Person aus der als Bedrohung wahrgenommenen Situation hinaus. Servicehündin „Happy“ rettete ihre Halterin Frau Ing. Monika Gefing sogar einmal vor dem Ertrinken. Frau Nadine Kiesenhofer benötigt einen Elektrorollstuhl und sie wird von ihrem Servicehund „Neo“ professionell unterstützt. Er öffnet und schließt Türen bzw. Laden, hebt hinuntergefallene Gegenstände auf und drückt natürlich auch Lift- und Notfallknöpfe.  

Mit hohen Kosten und hohem Risiko verbunden

Das Ehepaar Kiesenhofer schilderte den langwierigen Prozess bis man zu einem Assistenzhund kommt. Abgesehen davon, dass man einmal einen Welpen finden muss, wo man den Eindruck hat er könnte einmal ein Assistenzhund werden. Frühestens mit 12 bis 15 Monaten können die gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheits-Untersuchungen durchgeführt werden. Erst dann weiß man, ob das Tier überhaupt die strengen, aber unbedingt notwendigen Kriterien erfüllt, um mit 18 Monaten zur Qualitäts- bzw. darauffolgenden Teamprüfung durch die staatliche Prüfstelle für Assistenzhunde im Messerli-Forschungsinstitut angesiedelt an der Vet.-Med.-Uni Wien, zugelassen zu werden. Das alles ist natürlich mit Kosten verbunden die man nicht rückerstattet bekommt, falls der Hund dann doch nicht in Frage kommt. Einige Trainer versuchen Patenfamilien zu finden die diese Hunde aufziehen und sozialisieren bis sie 1 Jahr alt sind. Bei der Fremdausbildung trägt der Trainer das komplette Risiko, falls der Hund nicht geeignet ist, bei der Selbstausbildung immer der Hundehalter. „Prinzipiell sind die hohen Preise aufgrund dieser risikoreichen Etappen gerechtfertigt, außerdem sollen und müssen auch die Trainer von etwas leben.“ so Frau DI Gloria Petrovics. Blindenführhunde können bis zu 38.000 Euro, Service- und Signalhunde bis zu 25.000 Euro kosten. Das hängt auch immer stark davon ab ob man die Möglichkeit hat den Hund selber auszubilden oder auf eine teilweise bzw. vollständige Fremdausbildung angewiesen ist. Teilweise werden die stattlich zertifizierten Assistenzhunde von öffentlichen Stellen finanziert, die offenen Restkosten versucht man natürlich mittels Eigenmittel und Spenden zu finanzieren.

Assistenzhunde Willkommen

In Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien wurden vor einigen Jahren Aufkleber („Assistenzhunde Willkommen“) produziert, die der Verein heute noch an Unternehmen, Institutionen und Organisationen verteilt. Aber auch Unternehmen erkennen die Notwendigkeit und fragen eigenständig bei der Wirtschaftskammer Wien an, neue Aufkleber werden daher nicht allzu lange auf sich warten lassen. Es war uns eine große Freude unsere Premium-Mitglieder und das Profiteam rundum Obfrau DI Gloria Petrovics mit den sympathischen und engagierten Assistenzhundeteams begrüßen zu dürfen. Der Sager, der Hund sei der beste Freund des Menschen, kam bei diesem interessanten Austausch einmal mehr zur Geltung.

Zur Bestellung des Aufklebers „Assistenzhund Willkommen“

Bilder | © Elmas Libohova