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Gesundheitsmanager des Monats November 2015

Priv.-Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner

 

Priv.-Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner

Berufliche und persönliche Eckdaten von Priv.-Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner

Pamela Rendi-Wagner ist Leiterin der Sektion III  für Öffentliche Gesundheit und Medizinische Angelegenheiten des österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit. Ausbildung zum Facharzt für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin in Wien und London sowie Habilitation an der Medizinischen Universität in Wien.
Als Dozentin war Sie Jahre lang wissenschaftlich auf dem Gebiet der Infektionsepidemiologie und Vakzinprävention im In- und Ausland tätig. Sie hält eine Gastprofessur an der Medizin Universität Wien. Rendi-Wagner ist Vorsitzende des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).


Interview:

1. Was bedeutet Ihnen der Beruf?

Seit 2011 bin ich als Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Bundesministerium für Gesundheit tätig. Meine Arbeit bedeutet mir sehr viel: ich bin als Ärztin zu allererst den Patientinnen und Patienten verpflichtet - als Public Health Verantwortliche sehe ich meine Tätigkeit auch als Chance und Gelegenheit die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung nachhaltig zu verbessern, mitzugestalten und zu erhalten. In meinem Arbeitsalltag gibt es zahlreiche und jede Woche neue Herausforderungen, auch das Zusammenspiel und das abgestimmte Handeln mit anderen Akteuren ist eines meiner Hauptaufgaben – umso erfreulicher und motivierender ist es, wenn Erfolge und positive Entwicklungen sichtbar werden. Mit dem Prozess der Rahmen-Gesundheitsziele ist es meinem Team und mir gelungen, die politikfeldübergreifende Zusammenarbeit im Bereich Gesundheit erfolgreich in Österreich zu etabliere. Dadurch hat das Thema Gesundheit die Aufmerksamkeit von zahlreichen Stakeholdern auch außerhalb des Gesundheitssektors geweckt: das Verständnis, dass Gesundheit maßgeblich außerhalb des Gesundheitsbereichs entsteht und beeinflusst wird, hat das intersektorale Commitment für eine gesunde Bevölkerung gestärkt. Die Förderung der Gesundheit kann nämlich nur im Zusammenspiel auf Augenhöhe mit anderen Partnern aus verschiedenen Politikbereichen gelingen. Ein wichtiger Eckpunkt zur Verbesserung der Gesundheit betrifft auch die Stärkung der Gesundheitskompetenz. Zielgruppenspezifische Zugänge, Gesprächsqualität und Kommunikation sind hier ganz besonders wichtige Schlagworte. Auch Impfen im Sinne einer effektiven Präventionsmaßnahme ist mir persönlich ein sehr wichtiges Anliegen. 


2. Was ist Ihnen im Leben besonders wichtig?

Meine Familie steht hier klar im Mittelpunkt. Obwohl meine Arbeit viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt, bin ich immer auch Mutter von zwei aufgeweckten Mädchen. Im Arbeitsalltag ist es mir besonders wichtig, dass am Ende des Tages positive Ergebnisse in der Sache sichtbar sind – daraus schöpft man die Kraft für neue Aufgaben. Auch der Teamgeist aller Mitarbeiter ist für mich ein zentraler Faktor, damit alle motiviert und gut zusammenarbeiten können und positive Ergebnisse am Ende des Tages erzielt werden. 


3. Was ist das Besondere am Bundesministerium für Gesundheit?

Im Bundesministerium für Gesundheit laufen viele Fäden der Gesundheitspolitik zusammen und bietet daher die Möglichkeit zahlreiche Bereiche aktiv mitzugestalten. Oft ist der bürokratische Aufwand im Arbeitsalltag etwas zeitintensiv – jedoch sind zahlreiche Schritte der Erarbeitung von Empfehlungen, Strategien und Konzepten notwendig um alle Anliegen und Perspektiven zu berücksichtigen und eine gemeinsame Linie am Ende umzusetzen. Das koordinierte und abgestimmte Vorgehen aller Systempartner (Länder, Sozialversicherung und Bund) stellt zweifelsohne eine spannende Herausforderung dar – umso erfreulicher ist es, wenn man gemeinsam wichtige Erfolge erzielt. Das Ministerium versteht sich oft als Brückenbauer, Mediator und Advokat zwischen den unterschiedlichen Partnern, muss wichtige Themen aufzeigen, forcieren und vorantreiben und gleichzeitig immer das höchste Ziel vor Augen haben: die Gesundheit der Bevölkerung schützen, verbessern und erhalten. 


4. Was möchten Sie im Bereich Gesundheitswirtschaft Österreich verändern?

Das Thema Gesundheitswirtschaft ist ein sehr spannender und zentraler Bereich, der uns in Zukunft noch sehr beschäftigen wird. Die Herausforderungen haben sich in den letzten Jahrzehnten wesentlich geändert. Hier muss man v.a. den demographischen Wandel berücksichtigen– einerseits durch eine alternde Gesellschaft: wir werden zwar immer älter, - jedoch nicht gesünder älter; andererseits aufgrund einer erhöhten Zuwanderung von v.a. Schutzsuchenden. Die demographische Entwicklung mit zunehmender Lebenserwartung bringt auch eine rasante Zunahme chronischer und degenerativer Erkrankungen sowie vermehrt psychosoziale Störungen mit sich. Die Relevanz von Gesundheit  für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, vor allem in Zeiten der Krise, ist unumstritten. Je gesünder die Bevölkerung, umso besser geht es der Wirtschaft. Daher ist es notwendig, die Gesundheitsförderung als Thema im Bereich Gesundheitswirtschaft noch mehr zu etablieren. Global, europaweit aber auch national müssen wir uns mit Themen wie gesundheitlicher Chancengerechtigkeit auseinandersetzen. Es ist bekannt, dass der Gesundheitszustand stark mit dem sozioökonomischen Status und mit Bildung verbunden ist. Daher müssen vor allem benachteiligte und vulnerable Bevölkerungsgruppen gezielt Aufmerksamkeit erhalten. Nicht nur reagieren sondern rechtzeitig zu intervenieren ist von hoher Wichtigkeit: gesundheitsfördernde Maßnahmen müssen schon in der frühkindlichen Entwicklung (bereits in der Schwangerschaft) sichergestellt werden. Das Bundesministerium für Gesundheit ist u.a. in die Entwicklung und Verbreitung der „Frühen Hilfen“ führend und betreibt das nationale Zentrum der Frühen Hilfen um eine bundesweite Abstimmung und Vernetzung zu ermöglichen. Gesundheitliche Chancengerechtigkeit ist auch ein zentrales Prinzip der Rahmen-Gesundheitsziele – alle Maßnahmen sollen auch dazu beitragen, die gesunden Lebensjahre um 2 Jahre zu erhöhen.


5.  Wie wird sich die Gesundheitswirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln?  

Ich denke, dass die Gesundheitswirtschaft sich mehr an Bürgern und Patienten orientieren muss um die Bevölkerung aktiver einzubinden und sie als gleichberechtigen Partner wahrzunehmen. Integrieren, Stärken und Empowern von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen ist im Bundesministerium für Gesundheit sowie in allen wesentlichen politischen Gesundheitsstrategien ein zentraler Aspekt (wie z.B. in der Zielsteuerung Gesundheit oder in der Gesundheitsförderungsstrategie). In den Rahmen-Gesundheitszielen (RGZ) wird dies bereits umgesetzt: einerseits durch eine direkte Einbeziehung der Bevölkerung in der anfänglichen Entwicklung (online Befragung); andererseits durch die Vertretung der Zivilgesellschaft und zahlreichen Stakeholder im RGZ-Plenum und den jeweiligen Arbeitsgruppen innerhalb des RGZ-Prozesses.