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Gesundheitsmanager des Monats März/April 2021

Dr. Irene Fialka
Dr. Irene Fialka
© INiTS

Berufliche und persönliche Eckdaten

Dr. Irene Fialka leitet seit 2012 als Geschäftsführerin die INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH, den High-Tech Inkubator der Stadt Wien, wo sie 2004 begonnen hat als Startup Consultant mit Gründerinnen und Gründern von F&E-basierten innovativen und wachstumsorientierten Startups zu arbeiten. Seit 2018 hat sie als Managing Director mit Uniqa als Partner der ersten Stunde und vielen weiteren Partnern den Health Hub Vienna aufgebaut und damit den Fokus auf Innovation in der Gesundheitsökonomie gelegt. Vor INiTS hat sie 10 Jahre lang in der Biomedizinischen Forschung gearbeitet. 

„Die einzige Konstante ist die Veränderung. Und ich liebe es mit Menschen zu arbeiten, die Veränderung vorantreiben!“



Interview:

Wie wird sich die Gesundheitswirtschaft weltweit in den nächsten Jahren entwickeln – was lernen wir aus COVID-19?

Wir sehen weltweit die gleichen Trends.

  1. Menschen werden immer älter und leben auch immer länger gesund. Die Frage ist, wie können wir gesünder alt werden und wie können wir uns Gesundheit leisten.
  2. Die Gesundheitsökonomie entwickelt sich von einer stark auf Therapie-basierte Wirtschaft mit Fokus auf Krankheiten hin zum Fokus auf Gesund-Bleiben.
  3. Therapien werden zunehmend von einer Lösung für den durchschnittlichen Menschen zu einer personalisierten Medizin, die auf die individuellen Unterschiede eingeht. Die Gendermedizin oder Daten aus der Sequenzierung des eigenen Genoms produzieren riesige Datenmengen, die dafür zu berücksichtigen sind.
  4. Last but not least: Der Trend geht eindeutig in Richtung Value-Based Healthcare, also eine Medizin, die den Wert für die Gesundheit des*r Patient*in noch mehr in den Fokus und damit den/die Patient*in noch mehr ins Zentrum rückt.

Wie in jeder anderen Branche spielt die Digitalisierung eine enorme Rolle und hat das Potential die Gesundheitswirtschaft effizienter und zugänglicher zu machen. Hier ist wichtig, dass wir Digitalisierung nicht als digitales Abbilden der „alten“ Prozesse verstehen. Telemedizin ist NICHT nur der Arztbesuch über das Telefon oder eine Videokonferenz! Es ist viel mehr und es kann viel mehr!

Die COVID-19 Krise hat uns gezeigt, dass viele Dinge, die wir uns vorher nicht vorstellen konnten, eigentlich technisch ganz einfach umsetzbar sind. Sie hat unglaublich zur Akzeptanz digitaler Lösungen in der Gesundheitsökonomie beigetragen. In Österreich ist sogar der Großteil der Bevölkerung, v.a. ältere Personen, bereit die eigenen Gesundheitsdaten für Forschung und Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Die Krise hat uns aber auch mit der Nase auf ungelöste Probleme und strukturelle Unzulänglichkeiten gestoßen. Wir waren nicht gut auf eine Pandemie vorbereitet und gehen auch nach wie vor nicht adäquat damit um - wie man z.B. bei der Anmeldung und Umsetzung der COVID19 Impfungen. Wir müssen schneller werden, wir müssen unsere Regelwerke und Systeme, insbesondere aber auch die Infrastruktur für das Management von Daten besser an die technischen Möglichkeiten anpassen, um deren Nutzen realisieren zu können. 


Was möchten Sie im Bereich Gesundheitswirtschaft Österreich verändern?

Wir wollen die Veränderung im Gesundheitssystem aktiv mitgestalten. Das System ist (immer noch) sehr komplex, daher können wir das nur in Kooperation mit allen relevanten Teilnehmern in dieser Industrie. Wir betreuen als INiTS seit >18 Jahren innovative Startups, auch im Gesundheitsbereich. Da sind einige Startups/Unternehmen dabei, deren Technologien „Developed bzw. Made in Austria“ unterschiedliche Probleme der Krise adressieren (z.B. Apeptico, Contextflow, Lexogen, Marinomed, Medicus.AI, Scarletred oder Symptoma). Wir wollen Österreich zu einem Zentrum der Innovation in der Gesundheit in Europa machen. Das klingt vielleicht blauäugig, aber das Motto ist: „Think big!“. Wir müssen an der „digital literacy“ aller Beteiligten und der „health literacy“ von Patientinnen und Patienten arbeiten. Zu diskutierende Themen sind z.B. der richtige, v.a. sichere Umgang mit Gesundheitsdaten, die längst überfällige Digitalisierung von Prozessen, die man heutzutage recht einfach digital abbilden kann/könnte (man denke hier an das E-Rezept), die Verkürzung der Wege für Patientinnen und Patienten (von Telemedizinischen Anwendungen über verlässliche Symptom-Checker und Apps für das Selbstmanagement), die etwas unter die Räder gekommene Versorgung chronischer oder onkologischer Erkrankungen, und das Thema mentale Gesundheit, das 2020 zu einem riesigen Problem geworden ist.

 

Welche Rolle wird dabei Ihre Geschäftsidee spielen? 

Wir können das Gesundheitssystem besser machen in Kooperation mit innovativen Startups, die bereits einsetzbare Lösungen anbieten. Oben genannte Startups sind Beispiele aus Österreich. Es braucht aber generell die nötige Offenheit gegenüber der Veränderung selbst einerseits und gegenüber Lösungen „von Außen“ andererseits. Wenn wir alles selbst entwickeln wollen, wird das sehr teuer! Und wir sind auch viel zu langsam! Die Krise hat einiges bewegt, aber es braucht eine gemeinsame Kraftanstrengung, um die durch die Pandemie generierte Offenheit und den Fortschritt nicht wieder gleich einzubüßen. Wir haben bereits großartige Partner zusammengebracht: u.a. die akademischen Partner, deren Spin-offs wir seit 2002 in der frühen Phase unterstützen, aber auch Uniqa und Pharmaunternehmen, die sogar in direktem Wettbewerb zueinanderstehen. Wir laden alle Stakeholder ein mit uns gemeinsam die Zukunft des Gesundheitswesens in Österreich mit zu gestalten.